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Leben an der Seite eines Leistungssportlers - Anne Schroth

[eingestellt am 17. August 2015]

By: Gabi Gründling

Foto: privat

Es ist sicher nicht immer einfach – das Leben an der Seite eines Leistungssportlers. Wir wollen mit dieser kleinen Reihe versuchen, Euch einen Einblick zu geben. Wir haben dazu je einen Läufer und eine Läuferin aus dem Amateurbereich und dem Profibereich ausgesucht, deren PartnerInnen sich zu einem Gespräch bereit erklärt haben. 

Mit meinem dritten Interview stoße ich in den Bereich des Profisports vor. Anne Schroth (31), die Lebensgefährtin des derzeit mit Abstand besten deutschen Langstreckenläufers Arne Gabius, hat mir bereitwillig meine Fragen beantwortet.

Die beiden, die nur ein Buchstabe trennt, sind seit 9 Jahren ein Paar. Kennengelernt haben sie sich im gemeinsamen Studienort Tübingen. Medizinstudent Arne hielt im „Kenia-Haus“ einen Vortrag, Jurastudentin Anne hörte zu, man kam ins Gespräch und „die Sache“ nahm ihren Lauf. Arne gehörte damals schon zur erweiterten deutschen Spitze. Daß sie sich einen Leistungssportler „geangelt“ hatte, war Anne also von Anfang an klar. Das erste Jahr ihrer Beziehung war geprägt von Telefonaten aus der Telefonzelle, denn Anne hielt sich in Aix-en-Provence und Berlin auf, nicht in Tübingen.

Gemeinsam war den beiden von Anfang an das Laufen, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau – Anne ist Hobbyläuferin im Breitensportbereich. Gemeinsame Läufe gibt’s daher nur, wenn Arne sich nach einer schnellen Einheit noch ein bißchen ausläuft. Und beide waren schon als sie sich kennenlernten Vegetarier. So ist es für Anne selbstverständlich, sich Arnes Essverhalten anzupassen. „Man rutscht da ganz selbstverständlich mit rein“ meint sie und erzählt, daß die beiden inzwischen sogar ihre Gels selbst herstellen. Gekocht wird im Hause Schroth/Gabius frisch aus nach Möglichkeit regionalen Lebensmitteln. Nur beim Thema Alkohol gehen die Gewohnheiten etwas auseinander. Während Arne wegen der Regeneration komplett auf Alkohol verzichtet, trinkt Anne in Gesellschaft ab und an auch mal ein Glas Wein.

Seit Februar ist sie als Rechtsanwältin in einer international tätigen Großkanzlei angestellt, nebenbei beendet sie gerade noch ihre Doktorarbeit. Mit dem Promotionsstudium hat sie seinerzeit aber nicht nur aus Karrieregründen begonnen, sondern auch um in ihrer Zeiteinteilung flexibler zu sein und Arne öfter mal auch ins Ausland begleiten zu können. Seit er sein eigener Trainer ist, ist sie sogar beim DLV offiziell als seine Trainerin akkreditiert. Außerdem ist sie seine Hausjuristin und seine Beraterin in Sachen Presse und übrige Medien. Nur das Management haben die beiden abgegeben. „Outgesourced“ wie es auf Neudeutsch so schön heißt.

In Arnes Trainingslager fährt sie von jeher eigentlich nur mit, wenn sie selbst auch etwas davon hat. „Man darf sich so ein Trainingslager nicht als Aktivurlaub vorstellen. Arnes Tag ist strukturiert und besteht aus Training, essen und schlafen“. Also macht sie sich ihr eigenes Programm, wenn sie mit in Kenia, St. Moritz oder auch schon mal in den USA ist. Am meisten bewundert sie Arne für seine ungeheure Disziplin. Er ist einer der diszipliniertesten Menschen, die sie je kennengelernt hat (was Christian Poppitz ja auch über Heike Bergmann sagt).

Seit Arne von der Bahn auf die Straße gewechselt ist, hat sie auch die Gelegenheit, ihn im Wettkampf zu betreuen. Bei seinem ersten Marathon in Frankfurt war sie auf einem von Nachbarin Siggi geliehenen Rennrad unterwegs – für seinen zweiten Marathon im Oktober hat sie sich jetzt einen eigenen zweirädrigen Flitzer zugelegt. Theoretisch muß sie 20 km/h radeln, praktisch aber zwischendurch deutlich schneller, denn sie muß immer schon in den Verpflegungszonen stehen, wenn Arne angerannt kommt und springt natürlich erst wieder aufs Rad, wenn er schon von dannen gezogen ist.

Ob sie etwas gegenüber einem „normalen“ Zusammenleben eines Arztes mit einer Rechtsanwältin vermisst? Die Antwort kommt schnell, klar und deutlich: nein! „Ok, wir können nicht einfach mal spontan übers Wochenende weg – aber wir führen ein sehr abwechslungsreiches und tolles Leben, bereisen die Welt, haben einen internationalen Freundeskreis.“  Ihr gefällt es jedenfalls extrem gut so, wie es ist.


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