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7. Sportscheck Stadtlauf Berlin

[eingestellt am 24. August 2015]

By: Volker Goineau

Sieger Julian Flügel mit seinem Freund und Fahrradbegleiter Matthias Jahn

Das Maskottchen

Siegerehrung 10,4 km Männer

Siegerehrung 10,4 km Frauen

Siegerehrung Halbmarathon Frauen

Siegerehrung Halbmarathon Männer

Nasser Asphalt erwartete die Läufer

Dicht gedrängtes Starterfeld

Die Läufer machen sich bereit

Auch das Führungsauto ist „ready“

Das Maskottchen und Ingalena Heuck

Zieleinlauf

Und weiter geht’s!

Buntes Treiben im Zielbereich

Der Startschuss ist gefallen

Die letzten Meter

Topzeit von Julian Flügel im „Hobbyläufer-Dschungel“

Berlin-Steglitz, 23.8.2015 - Auch in diesem Jahr fand im August, fünf Wochen vor dem Berlin-Marathon, der Sportscheck Stadtlauf statt. Früher war dieser Lauf als „Generalprobe“ (für den Marathon) bekannt und wurde vom Mommsenstadion aus durch den Grunewald ausgetragen. Seit 2009 findet die Veranstaltung in den Süd-Berliner Bezirken Steglitz und Wilmersdorf statt und die Strecke führt ausschließlich durch breite asphaltierte Straßen. Das Unternehmen Sportscheck hat die Federführung übernommen und so ist dieses Rennen Teil der Sportscheck-Stadtlauf-Serie in Deutschland. SCC Running ist jedoch nach wie vor an der Organisation beteiligt.

Die Bedingungen waren an diesem Sonntag durchaus läuferfreundlich. Vor dem Start regnete es, sodass der Asphalt etwas nass war, doch zum Rennen, das um 9 Uhr gestartet wurde, hatte der Regen aufgehört und die Temperaturen lagen etwas unter 20°C. Nur die früher gestarteten Bambini mussten dem Regen während ihres Laufs trotzen. Gelaufen wird auf einer etwas mehr als 10 km langen Runde, die von den Halbmarathonis zweimal zu bewältigen war, während der „Viertelmarathon“ über eine Runde führte. Genau genommen sind es etwas weniger als zwei bzw. etwas weniger als eine Runde, sodass die kürzere Strecke auch nicht ganz einem Viertelmarathon entspricht, sondern ca. 10,4 km lang ist. Der Halbmarathon ist offiziell vermessen und somit bestenlistenfähig. Insgesamt hatten 6732 Teilnehmer für die Veranstaltung gemeldet.

Nach dem Startschuss setzte sich Julian Flügel von der TSG Roth sofort an die Spitze und schlug ein Tempo von ca. 3:03 min/km an. Der Top-Marathonläufer möchte Ende September beim Berlin-Marathon die Olympianorm attackieren und wollte sich einem Test über die halb so lange Distanz unterziehen. Während an diesem Wochenende einige deutsche Top-Langstreckler beim Halbmarathon im österreichischen Klagenfurt in einem sehr gut besetzten Feld an den Start gingen, wollte es Julian im Alleingang wissen und seine Bestzeit aus dem Frühjahr vom Berliner Halbmarathon (64:57 min) nach Möglichkeit unterbieten. Die Strecke ist nicht wirklich als flach zu bezeichnen; so geht es kurz nach dem Start bereits auf der Grunewaldstraße eine ganze Weile bergan und auch in der Folge sind die Straßen etwas wellig. Somit ist das Tempo, das Julian vorlegte noch beeindruckender. Nach einer 10km-Durchgangszeit von 30:26 min ging es für ihn kurz danach auf die zweite Runde, in welcher er sein Tempo sehr gut halten konnte. Im Zielbereich in der Schloßstraße waren die Zuschauer informiert worden, dass Julian auf Kurs unter 65 min liegt und somit den Veranstaltungsrekord von 65:30 min, den Steffen Dittmann im dem Jahr 1996 erzielt hatte, deutlich unterbieten müsste.

Das Problem war jedoch, dass die langsameren Hobbyläufer, die erst jetzt in ihre zweite Runde gingen oder ins 10,4km-Ziel liefen, die Straße bevölkerten und man konnte sich fragen, wo genau Julian denn einlaufen würde. Und so kam der schnelle Mann, der in Wiesbaden zu Hause ist, inmitten der Hobbyläufer, ohne dass ihm Platz gemacht wurde, auf die letzten Meter. Auch das Zur-Seite-Winken des engagierten Mark Milde konnte da nicht mehr helfen. Mehr oder weniger „slalomlaufend“ erreichte Julian das Ziel nach nur 64:30 min (Nettozeit 64:28 min) und stellte somit eine neue persönliche Bestzeit auf. Der glückliche Sieger sagte später selbst, dass er wahrscheinlich 5 Sekunden auf den letzten 500m verloren hat, was ihm übrigens einen Platz in der deutschen Jahresbestenliste gekostet hat. Der sympathische Läufer ließ sich dadurch jedoch nicht aus der Fassung bringen, freute sich viel mehr über seine Bestzeit und blickt nun optimistisch in Richtung Berlin-Marathon, wo er die nächste Top-Zeit in der deutschen Hauptstadt anpeilt. Wenn die Organisatoren in den nächsten Jahren weiterhin den einen oder anderen Topläufer begrüßen wollen, sollten sie sich jedoch etwas einfallen lassen; zumindest eine vernünftige Zielgasse für die schnellsten Halbmarathonis einrichten.

Der zweitplatzierte Läufer über die Halbmarathondistanz (Reinardus van Wel) hatte einen Rückstand von rund elfeinhalb Minuten auf Julian. Spannender ging es bei den Damen zu: hier siegte die Lokalmatadorin Karsta Parsiegla vom SCC, die bereits der W50 angehört, in 1:24:29 h vor Maria Winkler (1:25:30 h) und ihrer Vereinskollegin Laura Opt-Eynde (1:25:35 h). Laura hatte übrigens die schnellere Nettozeit als Maria, doch für die Siegerehrung zählen natürlich die Bruttozeiten, also der Zieleinlauf.

Auf der kürzeren Distanz hießen die Sieger Victoria Brandt vom SCC (39:55 min) und Franz Löschke (33:26 min). Der 26 Jahre alte Franz ist ein Top-Triathlet, der die meiste Zeit des Jahres über in Saarbrücken lebt und trainiert. Nachdem er in den vergangenen Jahren bereits mit sehr starken Laufzeiten innerhalb seiner Triathlon-Wettkämpfe überzeugen konnte, war er in der letzten Zeit verletzt und befindet sich nun auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Sein Wunschziel ist es, sich für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zu qualifizieren.

Der Berliner Stadtlauf von Sportscheck war wieder einmal eine Veranstaltung, die von den Breitensportlern sehr gut angenommen wurde, was wohl auch in den nächsten Jahren der Fall sein wird. Spitzenläufer sollten sich hingegen lieber andere Veranstaltungen aussuchen.


Kossmann Laufdesign