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Trainingspraxis Laufen Beiträge zum Leistungstraining - L. Pöhlitz/J. Valentin

[eingestellt am 04. September 2015]

By: Volker Goineau

Mit dem neuen Buch von Lothar Pöhlitz und Jörg Valentin hält man einen richtigen „Wälzer“ in den Händen. Auf 510 Seiten, bestückt mit vielen, teilweise hochaktuellen Bildern, wird dem Leser ein umfangreiches Werk zum Thema Lauftraining präsentiert.

Lothar Pöhlitz ist mittlerweile 80 Jahre alt und bringt die Erfahrung aus 41 Jahren hauptberuflicher Tätigkeit im Hochleistungssport mit. Er war unter anderem 18 Jahre lang als DLV-Bundestrainer Lauf beschäftigt und hat mehrere Olympia-Vorbereitungen der Athleten geleitet.

Der 53jährige Jörg Valentin war früher ein erfolgreicher Langstreckenläufer mit einer 10.000m-Bestzeit von 29:46,1 min und hat selbst unter Lothar Pöhlitz trainiert. Er ist ein erfahrener Journalist, so schreibt er regelmäßig für die Laufzeitschrift „Condition“.

Das Buch wendet sich in erster Linie an ambitionierte bis hochambitionierte Mittel- und Langstreckler und deren Trainer. So, wie es der Name beschreibt, handelt es sich um das Leistungstraining. Der gemeine Hobbyläufer wird eher weniger angesprochen; schließlich geht es in den verschiedenen Kapiteln immer wieder darum, wie man das letzte Quäntchen aus sich herausholt, um seine Leistungsfähigkeit zu optimieren und vorne, also in der nationalen oder gar internationalen Spitze, mithalten zu können. So sollen die Mittel- und Langstreckler in Deutschland dazu animiert werden, ihr Training zu überdenken, auch mithilfe des „Blickes über den Tellerrand“ in andere Länder, in denen viele erfolgreiche Top-Läufer leben und trainieren, jedoch auch zu anderen Sportarten wie beispielsweise dem Skilanglauf. Zum Verständnis des Buches sollte man gewisse Vorkenntnisse im Bereich Trainingslehre und Physiologie haben.

Das Buch ist sehr umfangreich und behandelt praktisch alle wichtigen Themen rund um das Lauftraining. Es ist in 19 Kapitel gegliedert. Allerdings wiederholt sich auch einiges mehrfach in den unterschiedlichen Kapiteln. Es wird auf die physiologischen Leistungsvoraussetzungen der Läufer eingegangen, ebenso wie auf die unterschiedlichen Trainingsinhalte zur Optimierung der spezifischen Fähigkeiten und auch die nötigen Rahmenbedingungen sowie Regenerations-Maßnahmen, die für ein Leistungstraining wichtig sind. Das zweite Kapitel trägt den Namen „Drei große Energiesysteme arbeiten für mehr „Race-Pace“. Hier wird auf die aerobe und anaerobe Energie-Bereitstellung eingegangen, was jedoch auch in den weiteren Kapiteln immer wieder vorkommt. Hierbei wird das unter anaeroben Bedingungen anfallende Laktat hervorgehoben und verdeutlicht, wie die Laktat-Toleranz mit den entsprechenden Trainingsinhalten verbessert werden kann, was in erster Linie für Mittelstreckler von Bedeutung ist.

Wichtig und interessant ist auch, wie die Autoren die Vorbereitung für das Erzielen von Höchst-Leistungen beschreiben. Pöhlitz betont mehrfach, dass viele Athleten hierzulande noch Reserven in der Planung und Durchführung der Vorbereitungsperioden haben. So sollten sich Mittelstreckler etwa keine zu langen Zeiträume erlauben, in denen sie im Training nie ihr Renntempo „ansprechen“.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass in einer Vorbereitungsperiode nicht zu viele Wettkämpfe bestritten werden sollten und einige Wettkämpfe reine „Aufbau-Wettkämpfe“ sind, in denen zumeist gezielte Aufgaben-Stellungen zur Überprüfung des „Ausbildungsstandes“ des Athleten verfolgt werden sollten (z. B. Renneinteilung, taktisches Geschick etc.) Pöhlitz fordert dazu auf, sich an den leistungsstarken Athleten zu orientieren; und nicht etwa an „langsamen Läufern“, welche bei Mittelstreckenrennen das Tempo drosseln und somit den „Lauf kaputt machen“. Ein weiteres interessantes Zitat: „Weniger Wettbewerb führt zu leichteren Siegen oder guten Platzierungen auf einem niedrigeren Niveau. Leichtere Siege führen zu abnehmenden Anstrengungen im Training.“ Hiermit soll dazu animiert werden, starke Konkurrenz im Wettkampf zu suchen, wenn man sich sportlich entwickeln möchte.

Des Weiteren weisen die Autoren regelmäßig auf die Wichtigkeit eines (Ganzkörper-) Krafttrainings hin, damit Vortrieb und Körperhaltung beim Laufen verbessert werden. Auch hierzu werden konkrete Trainingsprogramme vorgestellt, die mit Bildern illustriert sind. Außerdem gehen die Autoren auf Training im Jugend- sowie im Seniorenalter ein.

Man merkt beim Lesen eindeutig, dass Pöhlitz ein klassischer „Bahntrainer“ war.So schreibt er immer wieder von den „schnellen Laufdisziplinen“ (800-5000m) und den wichtigen Trainingsinhalten. Zu den Disziplinen 10.000m und Marathon werden jedoch auch viele konkrete Trainingstipps gegeben. So behandelt das letzte Kapitel das Thema Marathon („Vier Strecken führen auf das Marathonpodium“). Hier wird beschrieben, dass man die Strecken 10km, 20km, 30km und 40km im Training in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und im Verlaufe der Vorbereitung („Marathon-UWV“) die langen Läufe immer zügiger, d. h. Marathon-spezifischer, absolvieren sollte.

Pöhlitz zitiert gerne andere erfahrene Trainer, die mit erfolgreichen Weltklasse-Athleten zusammen arbeiten, so z. B. Die Italiener Renato Canova und Claudio Beraldelli, die vorwiegend in Kenia Läufer betreuen. Auch zu anderen Themenbereichen, unter anderem der Ernährung oder Physiologie, werden regelmäßig bekannte Autoren zitiert.

Wie bereits erwähnt wird das Buch durch viele Bilder illustriert. In erster Linie sind hier gute Mittel- und Langstreckler aus Deutschland abgebildet, jedoch auch manche Szene von deutlich langsameren Hobbyläufern bei Volks- und Straßenläufen. Bei diesen Bildern kann sich der Leser durchaus fragen, ob sie überhaupt angebracht sind; schließlich ist der gesamte Inhalt sehr leistungsorientiert und hat wenig mit dem „Training“ eines 4h-Marathonläufers zu tun (andererseits machen gerade diese Fotos das Buch vielleicht auch sympathisch; das muss der Leser selbst für sich entscheiden). Außerdem ist das Buch sprachlich nicht auf hohem Niveau, also nicht wirklich etwas für Literatur-Fans. Als Fachbuch im Bereich Lauftraining ist es jedoch sehr lesenswert und eine Bereicherung für jeden ambitionierten Athleten und Trainer.

Das Buch ist seinen Preis von 34,95 Euro sicherlich wert, wobei auch das natürlich jeder selbst für sich entscheiden muss.

 

  • Broschiert: 500 Seiten
  • Verlag: Meyer & Meyer Verlag; Auflage: 1 (29. Juni 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3898999815
  • ISBN-13: 978-3898999816

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