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1. Ludwigshafener Frauenlauf

[eingestellt am 05. September 2015]

By: Saskia Helfenfinger-Jeck

Fotos: Dominique Helfenfinger

Nette Helferinnen

Die Spitze der Läuferinnen mit dem schier übermächtigen Engelhorn Sports Team.

Laura Hochdörfer (TSG Maxdorf) läuft unter die Top-Ten.

Susanne Broich von der Sparkasse Vorderpfalz freut sich.

Konzentriert: Sonja Herb (ESV Ludwigshafen)

Kurz nach dem Start ging es am Rheinufer bergauf.

Rosemarie Beck-Papadopoulos strahlt.

Der türkisfarbene Läuferlindwurm

Siegerin Fabienne Amrhein

Julia Bongiovanni läuft auf Rang zwei.

Kampf um die vorderen Plätze

Jessica Kammerer wird Gesamt-Fünfte.

Josefa Matheis – wie immer lächelnd

Laura Mees läuft auf Gesamtrang sieben.

Laura Hochdörfer (9.)

Lisa Lind (12. W20)

Shopping-Marathon für Fabienne Amrhein

Ludwigshafen, 04. September 2015 - Mit viel „Lust am Laufen“, so das Motto des 1. Ludwigshafener Frauenlaufes powered by Rhein-Galerie, nahmen am Freitagabend rund 800 Läuferinnen und Walkerinnen das Rheinufer in Beschlag. OB Eva Lohse und Verena Sailer, Europameisterin über 100 Meter im Jahr 2010 von der MTG Mannheim, schickten gemeinsam den türkisfarbenen Läuferlindwurm um kurz nach 19 Uhr auf die 6,5 Kilometer lange Strecke, die von der Rhein-Galerie aus über die Schneckennudelbrücke in den Stadtpark auf der Parkinsel und zurück führte. Die Walkerinnen absolvierten eine verkürzte Strecke, nämlich 3,6 Kilometer. Die deutsche Spitzenläuferin Fabienne Amrhein vom Engelhorn Sports Team, die Siegerin der ersten Auflage, durfte sich über einen 1000-Euro-Einkaufsgutschein der Rhein-Galerie freuen. „Ich bin total zufrieden. Das war eine gelungene Premiere“, bilanzierte Christian Herbert, Geschäftsführer der veranstaltenden m3 GmbH.

Kurze Geschichte des Frauenlaufs

Women`s Run, Deutsche Post Ladies Run, Frauenläufe in Wien, Bern, Berlin, Leipzig, am Bodensee, in Stockholm, Paris, Mannheim – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Seit Freitagabend hat auch Ludwigshafen, die Stadt am Rhein, ihren eigenen Frauenlauf. Veranstaltungen für das weibliche Geschlecht sprießen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden.

Das Phänomen Frauenlauf ist noch nicht wirklich erforscht. Warum gibt es überhaupt spezielle Läufe für Frauen? Worin liegt die Faszination von Frauenläufen? Gibt es auch Frauen, die sich ganz bewusst gegen einen Start bei einer auf ein Geschlecht reduzierten Veranstaltung entscheiden?
Zunächst ein Blick zurück in die Geschichte. Frauen war es bis in die 1970er Jahre untersagt, an Langstreckenrennen teilzunehmen. Frauen wären nicht fähig, solche immensen Belastungen auszuhalten, wurde seinerzeit argumentiert. Eine Vorreiterin in Sachen Frauen-Langstreckenlauf war Kathrine Switzer. Gemeinsam mit ihrem Freund, dem Hammerwerfer Tom Miller, stand sie 1967 als K.V. Switzer gemeldet beim Boston-Marathon an der Startlinie. Natürlich konnten die Organisatoren nicht ahnen, dass sich hinter der Abkürzung eine Frau verbarg. Bereits nach wenigen Meilen flog Switzer allerdings auf, wurde als Frau entlarvt. Der damalige Renndirektor versuchte der US-Amerikanerin die Nummer zu entreißen, was ihm aber – dank des Eingreifens von Miller – nicht gelang. Switzer beendete das Rennen in 4:20 Stunden und wurde fortan als Pionierin des Frauenlaufsports gefeiert. Der Marathon ist übrigens erst seit 1984 für Frauen eine olympische Disziplin. Weltweit werden immer mehr Frauenläufe initiiert. Mehrere tausend Teilnehmerinnen sind keine Seltenheit mehr. Inzwischen sind auch zahlreiche professionelle Agenturen auf den Boom aufmerksam geworden und auf den Zug aufgesprungen. Auch der Ludwigshafener Frauenlauf wird von einer Agentur veranstaltet. Hinter dem Event steht die m3, in der Metropolregion Rhein-Neckar vor allem durch den Marathon Mannheim Rhein-Neckar und den Gelita Trail Marathon Heidelberg bekannt.

Pro & Contra Frauenlauf

Die gebürtige Ludwigshafenerin Laura Mees, die es inzwischen nach Freiburg verschlagen hat, findet es gut, dass die Frauen bei so einer Veranstaltung die volle Aufmerksamkeit bekommen. „Diese kommt bei einem Volkslauf oft zu kurz, da hier meistens die Männer das Feld anführen. Ich denke, dass auch viele Frauen motivierter sind, sich zusammen mit Freundinnen anzumelden und mitzumachen“, nannte die erfolgreiche Bahn- und Straßenläuferin vom Engelhorn Sports Team gleich mehrere Gründe für ihre Entscheidung, bei einem Frauenlauf an den Start zu gehen. Am Freitag übrigens wurde sie Gesamtsiebte. Auch Charlotte Lambrecht aus Ludwigshafen fand schlagkräftige Argumente für einen Start bei einem Frauenlauf. „Ich laufe mit, weil es Spaß macht mit Freundinnen zu laufen, die sich nie bei einem anderen Lauf anmelden würden, weil sie nicht ganz so schnell laufen können.“ Susanne Broich, Läuferin und Fußballerin – ebenfalls aus Ludwigshafen – nimmt regelmäßig an Volks-, bevorzugt auch an Frauenläufen teil. „Ich laufe bei Frauenläufen mit, weil das Flair ganz anders als bei anderen Läufen ist. Die Stimmung ist viel lockerer, da bei diesen Läufen mehr der Spaß im Vordergrund steht und weniger die Leistung.“

Die Speyererin Kathy Ermert, die am Freitag verletzungsbedingt nur zuschauen konnte, äußerte sich auch zu Frauenläufen: „Positiv finde ich den „Eventcharakter“. Es hat eine andere Dimension als ein Volkslauf in einem Dorf auf dem Land. Ab und an brauche ich persönlich sowas. Anzumerken ist auch noch, dass es eher ein Spaßlauf ist und man sich nicht unbedingt Bestzeiten erhoffen kann, da man von denjenigen ausgebremst wird, die sonst nie oder selten laufen und keine Wettkampferfahrung haben.“ Beim Frauenlauf stehe das gemeinsame Erlebnis, das entspannte Laufen ohne jeglichen Leistungsdruck im Vordergrund, machte m3-Geschäftsführer Herbert deutlich.

Doch beim Thema Frauenlauf scheiden sich die Geister. Es gibt beileibe nicht nur Freundinnen von Frauenläufen. Die beiden Ultraläuferinnen Steffi Krieg und Nicole Benning halten wenig von diesem Veranstaltungsformat. „Ich laufe nicht mit, weil ich einerseits diese kurzen Strecken eh nicht schnell kann und ich es aber vor allem mehr als unverschämt finde, was dort an Startgeldern verlangt wird. Das steht in keinem Verhältnis.“ Ähnlich sieht dies auch Nicole Benning. „Ich bin noch nie bei einem Frauenlauf gestartet, weil ich den Sinn eines solchen „geschlechterspezifischen“ Laufs für mich nicht verstehe. Ich bin froh und glücklich darüber, dass Männer und Frauen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt sind, dass (fast) alles für jeden offen ist. Warum dann beim Laufen ausgrenzen oder trennen? Ausgerechnet dort, wo so viel verbindende Elemente anzutreffen sind: alt-jung, schnell-langsam, Leistung-Hobby... Und eben Männer und Frauen. Mal abgesehen davon, dass ich gerne mit Männern laufe und dass mir das Startgeld dieser Events verglichen mit einem Volkslauf zu hoch ist.“

Rauf auf die Insel beim Ludwigshafener Frauenlauf

Zurück zum 1. Ludwigshafener Frauenlauf. Mit der Streckenführung bewiesen die Organisatoren ein goldenes Händchen. Zuschauermassen auf dem Platz der Deutschen Einheit vor der Rhein-Galerie und ruhige, fast schon meditative Momente im Schatten der alten Bäume auf der Parkinsel – all das konnten die Läuferinnen und Walkerinnen auf 6,5 Kilometern respektive 3,6 Kilometern erleben. Dass die Organisatoren eine der schönsten Laufstrecken Ludwigshafens wählten, war natürlich selbstverständlich, denn der Start- und Zielbereich musste in der Nähe des Einkaufscenters liegen, das als Hauptsponsor fungierte: die Rhein-Galerie. „Das ist das Sahnestück von Ludwigshafen“, betonte Herbert. Es gibt wohl keine Ludwigshafenerin und auch keinen Ludwigshafener, der die Strecke entlang des Rheins und auf der Parkinsel nicht kennt. Hier tummeln sich Tag für Tag die Läuferscharen, Walker, Spaziergänger und Radfahrer. Der Vorteil: die Strecke auf der Hannelore-Kohl-Promenade und entlang des Rheinufers ist ganzjährig beleuchtet, so dass frau bzw. man auch im tiefsten Winter problemlos bei Dunkelheit dort laufen kann.

Für die rund 800 Starterinnen wurde es allerdings auf der Schneckennudelbrücke, die das „Festland“ mit der „Insel“ verbindet, doch recht eng. Dies betraf vor allem den Rückweg, als Läuferinnen und Walkerinnen aufeinandertrafen. Hier versprach Herbert für die zweite Auflage im kommenden Jahr Besserung. Auch der Startbereich unterhalb des Platzes der Deutschen Einheit war für die 800 Teilnehmerinnen doch recht eng. „Das lässt sich leicht ändern, wenn wir beispielsweise die Liegestühle entfernen“, erklärte Herbert. Beim Abholen der Startnummern wurde die Warteschlange schon eineinhalb Stunden vor Veranstaltungsbeginn länger und länger. Bis zu 45 Minuten standen die Sportlerinnen in der Rhein-Galerie, um ihre Startnummer, das türkisfarbene Laufshirt und die Tasche mit der einen oder anderen Überraschung abzuholen. Die netten Helferinnen aber machten den kurzzeitigen Ärger über die Wartezeit schnell wett. Überhaupt waren die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sehr zuvorkommend, unterstützten, wo sie nur konnten. Eine von ihnen: Marion Rita Dang, selbst Läuferin und Triathletin, die allerdings derzeit verletzungsbedingt nach einem Radunfall nicht trainieren kann. „Aber ich komme wieder“, kündigte die Ludwigshafenerin an. Wenn sie schon nicht laufen könne, wolle sie wenigstens bei einer Laufveranstaltung als Helferin dabei sein, sagte sie.

Shopping-Marathon für Fabienne Amrhein

Ansonsten konnte sich die Premiere des Frauenlaufes durchaus sehen lassen. Die m3 ist in Sachen Organisation von Großveranstaltungen auch kein Greenhorn. Wer sich im Vorfeld Gedanken gemacht hatte, wo man denn in der Rhein-Galerie duschen könne, fand vor dem Einkaufscenter einen Duschtruck, in dem sich die Teilnehmerinnen für den anschließenden Shopping-Marathon, die Siegerehrung oder die After-Run-Party frisch machen konnten.

Dem Anreiz, einen 1000-Euro-Gutschein für die Rhein-Galerie zu gewinnen, konnten sich die Spitzenläuferinnen der Region nicht entziehen. Das Engelhorn Sports Team kam geballt nach Ludwigshafen und räumte auch kräftig ab. Fabienne Amrhein, die bereits zwei Mal bei Cross-Europameisterschaften (U23) das Trikot der deutschen Nationalmannschaft trug, wollte an sich gar nicht so schnell laufen, denn die Deutschen Straßenlaufmeisterschaften in Bad Liebenzell stehen bereits an diesem Wochenende auf dem Programm. Sie wurde dann aber doch mächtig gefordert und zwar von ihrer Mannschaftskollegin Julia Bongiovanni, die in der vergangenen Woche beim Rheinauer Straßenlauf noch ganz oben auf dem Treppchen stand. Am Ende aber hatte die 23-Jährige Studentin der Biochemie in 23:29 Minuten 18 Sekunden Vorsprung auf die Ärztin aus Schriesheim. In die Phalanx des Engelhorn Sports Teams konnte die talentierte Nachwuchstriathletin Luisa Moroff (GSV Maichingen Triathlon) als Drittplatzierte in 23:58 Minuten eindringen. Alle drei Läuferinnen gewannen auch die Altersklasse W20.

Altmeisterin Josefa Matheis von der TSG Eisenberg lief in 24:54 Minuten auf Gesamtrang sechs ein und wird ebenfalls bei den nationalen Titelkämpfen in Bad Liebenzell am Start sein. Saskia Helfenfinger-Jeck (ESV Ludwigshafen) und die Heidelbergerin Betty Heiss, beide zarte 39 Jahre jung und erst im kommenden Jahr 40, wurden allerdings schon in der W40 gewertet und landeten hinter Josefa Matheis auf den Plätzen zwei und drei. In der U20 siegte Saskia Bausch (MTG Mannheim) vor Katharina Seel und Ina Steinmüller. In der W60 setzte sich Jutta Marer (BPW Mannheim-Ludwigshafen) vor ihrer Teamkollegin Roswitha Enders und Silvia Schornick durch.
Im kommenden Jahr soll es nach Aussage von m3-Geschäftsführer Herbert eine Neuauflage des Ludwigshafener Frauenlaufes geben.
Informationen und Ergebnisse unter www.frauenlauf-lu.de


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