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42. Berlin-Marathon

[eingestellt am 28. September 2015]

By: Volker Goineau

Fotos: Jacqueline Goineau und Andreas Kuhlen

Handbiker bei der Erwärmung

Die Rollis sind gestartet

Das Läuferfeld ist gestartet

Die Läufer auf den ersten Metern...

...und gleich geht’s um die Goldelse

„Verfolgergruppe“

Die Spitze erreicht Kilometer 30

Der Führungsradfahrer muss sich anstrengen

Ein Rolli auf dem Hohenzollerndamm

Der Schluck aus der Flasche – wichtig beim Marathon

Noch 12,195 km

Dritte Frau Meseret Hailu

Gruppe um die schnellsten Deutschen auf halber Strecke

Gruppe um Anna Hahner

Erneut ein kenianischer Doppelsieg auf den Straßen der Hauptstadt

Berlin, 27.9.2015 - Auch in diesem Jahr fand am letzten September-Sonntag DAS läuferische Highlight der Stadt Berlin, vielleicht sogar der gesamten deutschen Straßenlaufszene statt: der Berlin-Marathon. Und erneut sollte das Wetter so gut mitspielen, dass die Top-Athleten und die vielen Tausend Hobbyläufer sehr gute Bedingungen für das Erzielen einer persönlichen Bestzeit vorfanden.

Nachdem in den vergangenen beiden Jahren der Startschuss bereits um 8:45 Uhr gefallen war, wurde in diesem Jahr mit 9 Uhr wieder die traditionelle Startzeit gewählt. Vorher waren bereits die Rollis und Handbiker auf die Strecke geschickt worden. Über 40.000 Teilnehmer waren bei den Läufern gemeldet. Darunter Weltklasse-Athleten aus Ostafrika und viele starke europäische Läufer, die die Olympia-Norm für Rio de Janeiro in Angriff nehmen wollten. Auch die drei deutschen Top-Athleten Julian Flügel, Philipp Pflieger und Falk Cierpinski hatten ein Auge auf die vom DLV festgelegte, doch sehr anspruchsvolle Qualifikationszeit von 2:12:15 h geworfen. Bei den Frauen wollte Anna Hahner die geforderte Zeit von 2:28:30 h unterbieten und möglichst auch ihre Bestzeit von 2:26:44 h verbessern. Außerdem hatte sich die Schweizerin Maja Neuenschwander zum Ziel gesetzt, den nationalen Rekord von 2:27:44 h anzugreifen. In der Spitze lief bei den Damen alles auf ein Duell zwischen der zweimaligen Berlin-Marathon-Siegerin Aberu Kebede aus Äthiopien, die eine Bestzeit von 2:20:30 h vorzuweisen hat, und der kenianischen Halbmarathon-Weltmeisterin Gladys Cherono, die bei ihrem Debüt auf der klassischen Distanz im Januar in Dubai als knapp geschlagene Zweite hervorragende 2:20:03 h gelaufen war, hinaus. Auf Männer-Seite hatte Eliud Kipchoge angekündigt, den Weltrekord angreifen zu wollen. Außerdem unter anderem die beiden Mutais, Geoffrey und Emmanuel, als Mitfavoriten auf den Sieg am Start, sowie der Äthiopier Feyisa Lilesa.

Auf den ersten Kilometern bildete sich an der Spitze wie gewohnt der „Afrika-Express“. Kurios war, dass beim Top-Favoriten Eliud Kipchoge sich die Innensohlen seiner Wettkampfschuhe nach weniger als einem Kilometer  lösten und bis zum Schluss des Rennens deutlich sichtbar aus den Schuhen hinausragten. Kipchoge ließ sich dadurch jedoch nicht beeindrucken und zog sein Rennen durch. In der Endphase konnte er sich von seinem letzten verbliebenen Kontrahenten Eliud Kiptanui lösen und gewann in 2:04:00 h, womit er seine persönliche Bestzeit um fünf Sekunden verbesserte. Diese Zeit ist eine neue Weltjahresbestzeit, wenn auch 63 Sekunden vom Strecken- und damit Weltrekord entfernt. Kiptanui erreichte als Zweiter nach 2:05:21 h das Ziel, gefolgt von Feyisa Lilesa (2:06:57 h). Emmanuel Mutai und Geoffrey Mutai folgten auf den Rängen vier und fünf, blieben mit Zeiten von 2:07:46 h sowie 2:09:29 h jedoch deutlich von ihren persönlichen Bestzeiten entfernt. Der Kanadier Reid Coolseat erreichte als Sechster und schnellster Nicht-Afrikaner in 2:10:28 h das Ziel, gefolgt vom schnellsten Europäer, dem Belgier Koen Naert (2:10:31 h).

Julian Flügel und Philipp Pflieger liefen in einer Gruppe, unter anderem geführt von Tempomacher Simon Stützel, die erste Hälfte in 66:02 min. Philipp, der bei seinem ersten Marathon-Versuch vor einem Jahr in Frankfurt nicht ins Ziel gekommen war, konnte das Rennen sehr gut zu Ende bringen und erreichte das Ziel auf Rang 16 nach 2:12:50 h. Diese Zeit ist die drittschnellste Zeit eines deutschen Läufers seit der Jahrtausendwende. Julian hatte etwas mehr Mühe, kämpfte sich jedoch auch sehr tapfer durch und lief nach 2:13:57 h ins Ziel, was Platz 19 bedeutete. Damit konnte er seine Bestzeit um 23 Sekunden verbessern. Falk Cierpinski wurde erneut durch muskuläre Probleme gestoppt, sodass er nach rund der Hälfte der Distanz das Rennen beenden musste. Drittbester Deutscher war somit der in Berlin lebende und für den TSV Dresden startende Paul Schmidt in 2:23:55 h. Anfang August war er bereits aus dem vollen Training heraus den Rostock-Marathon in 2:19:35 h gelaufen und hatte ursprünglich große Ambitionen für den Berlin-Marathon. Da er in den vergangenen Wochen durch Verletzungen ausgebremst wurde, wollte er letztendlich doch nur „ordentlich durchlaufen“, was ihm auch gut gelungen ist. Nur eine Sekunde hinter Paul kam der Top-Bergläufer Stefan Hubert vom SV Sommerda in Thüringen ins Ziel. Der 29jährige, der mittlerweile in der Schweiz lebt, verbesserte seine Bestzeit damit um 13 Sekunden. Die ersten 100 Läufer liefen allesamt unter 2:27 Stunden, was die enorme Leistungsdichte in der Spitze bei diesem Rennen zeigt.

In der Damenkonkurrenz kam es zum erwarteten Duell zwischen den beiden Top-Favoritinnen. Bei der Halbmarathondistanz lagen Gladys Cherono und Aberu Kebede zusammen an der Spitze und passierten diese Marke nach 1:10:15 h. Nach rund 35 km konnte sich Cherono von ihrer Konkurrentin lösen und lief mit einer schnelleren zweiten Hälfte ebenfalls zu einer Weltjahresbestzeit von 2:19:25 h. Damit hat sie sich mit ihrem zweiten Marathon endgültig in der Weltspitze etabliert. Kebede lief als Zweite 2:20:48 h. Auf Rang drei folgte die Hamburg-Marathon-Siegerin aus diesem Frühjahr Meseret Hailu mit einer Zeit von 2:24:33 h. Den fünften Rang belegte mit Andrea Deelstra in 2:26:46 h die schnellste Europäerin, dicht gefolgt von Maja Neuenschwander, die mit einer Zeit von 2:26:49 h ihr Ziel deutlich erreichte. Maja hatte sich das Rennen sehr gut eingeteilt. Nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:13:34 h lief sie die zweite Hälfte in 1:13:15 h und verbesserte den Schweizer Rekord von der im Jahr 2002 im Alter von nur 35 Jahren bei einem Lawinenunglück verstorbenen Franziska Rochat-Moser um 55 Sekunden.

Auf Rang 10 erreichte die aktuelle Deutsche Meisterin über 10.000 m und im 10km-Straßenlauf, Fate Tola von der LG Braunschweig, das Ziel. Die Äthiopierin, die vor drei Jahren an selber Stelle mit 2:25:14 h ihre Bestzeit aufgestellt hatte, befindet sich nach einer Babypause auf dem Weg zurück zu alter Leistungsstärke. Nach einem etwas mutigen Beginn (Halbmarathon in 1:12:56 h) musste sie auf dem letzten Streckendrittel etwas Federn lassen, erreichte jedoch nach immer noch sehr ordentlichen 2:28:24 h das Ziel. Keinen guten Tag erlebte hingegen die deutsche Hoffnung Anna Hahner. Nachdem sie im vergangenen Jahr hier ihre Bestzeit von 2:26:44 h gelaufen war, ging diesmal auf der zweiten Streckenhälfte nicht viel. Nach einer ziemlich flotten ersten Hälfe in 1:13:12 h erreichte sie nach 2:30:19 h auf Rang 13 das Ziel. Damit verfehlte sie leider die angestrebte Qualifikation für Rio und wird wohl im Frühjahr einen weiteren Versuch unternehmen. 45 Läuferinnen blieben unter 2:50 Stunden. Viele Spitzen- und Hobbyläufer werden den Berlin-Marathon 2015 mit Sicherheit als tolles Erlebnis in Erinnerung behalten und gerne wieder kommen, wenn es in den nächsten Jahren Ende September heißt: 42,195 km per pedes durch die deutsche Hauptstadt.


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