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42. Schönbuchlauf

[eingestellt am 06. Oktober 2015]

By: Jochen Höschele

Fotos: Nicole Benning und Jochen Höschele

Philip Rutto gewinnt den 42. Schönbuchlauf in 1:19:31 h mit über zehn Minuten Vorsprung

Die Verfolgergruppe mit dem Dritten, Daniel Lenz (links), dem Vierten, Jochen Tomaschko (Mitte), und dem Zweiten, Brhane Efrem (rechts)

Zwei schnelle Altersklassenläufer ganz weit vorne: Luigi de Franceschi (417) gewinnt die M50 in 1:34:19 h und wird Fünfter, Wolfgang Gauss (6) ist eine Sekunde langsamer und entscheidet die M45 für sich

M35-Sieger Oliver Kunz (474) und M40-Zweiter Viktor Luft (406) laufen knapp unter 1:35 h

Herrliche Herbstfarben im Schönbuch

Der M40-Dritte Thomas Wörner (LT VfL Herrenberg) bleibt noch unter 100 Minuten und kommt auf Platz neun

Der Zehnte, Markus Fritzsche, kann Thomas Wörner ganz weit vorne gerade noch erahnen

Michael Wieland ist der zweitschnellste M50er in 1:43:17 h; dahinter der M35-Zweite Jan Geiger (1:43:45 h)

Edgar Hammel von der LG Neckar-Enz erreicht mit 1:44:23 h einen Podestplatz in der M50 und ist Gesamt-16.

Die Siegerin des 42. Schönbuchlaufes heißt Katarina Lovrantova und sie ist nach 1:46:41 h als Gesamt-25. im Ziel

Wie der Vater, so die Tochter: Luisa Moroff (GSV Maichingen Triathlon) wird Zweite in 1:48:05 h. Papa Martin folgt eine Sekunde später als Neunter der M45

Der M55-Zweite Peter Schäfer von der SG Stern Sindelfingen (245) führt eine größere Läufergruppe an und beendet die Schleife durch den Schönbuch in 1:50:29 h. Konrad Ulmer (dahinter) ist nur 21 Sekunden langsamer als Schäfer, wird aber in der M55 „nur“ Fünfter!

Je oller…..Edmund „Eddy“ Schlenker wird nicht älter, nur besser. Sieg in der Altersklasse M70 in 1:52:11 h und Gesamtplatz 50 sprechen eine deutliche Sprache. Alter schützt vor Leistung nicht!

Barbara Ferstl ist nicht nur die Freundin des 2:12 h-Marathonläufers Philipp Pflieger, sie erreicht auch Platz drei des Schönbuchlaufes in 1:55:11 h

Mit Schwung in die Kurve, nur noch ein knapper Kilometer liegt vor den Läufern

Thomas Brecht (473) und M65-Dritter Wilhelm Löhner (167) gemeinsam im Goldersbachtal nach etwa sechs Kilometern

Das Goldersbachtal ist an diesem Sonntag fest in Läuferhand

Am Golfplatz kurz nach Kilometer 17 – es ist Laufwetter, kein Golfwetter

Wenige Meter vor dem Ziel überwiegt die gute Laune. Oder ist es Erleichterung, es gleich geschafft zu haben?

Reiner „Chip“ Müller und Silke Brenner von der LG Neckar-Enz laufen gemeinsam 2:15 h

Regine Cunz vom TF Feuerbach wird Dritte in der W55 in 2:21:54 h

Die erfolgreiche Ostelsheimer Truppe: Frank Sommer, Ludger Becker, Ali Siner, W50-Dritte Annette Becker und M70-Sieger Edmund Schlenker

Zweimal Philip(p), zwei Siegertypen

Hildrizhausen, den 4. Oktober 2015 – Der eine gab erstmals den Startschuss ab, der andere gab daraufhin Gas, und zwar so richtig. Die Rede ist von Philipp (Pflieger), dem vor einer Woche in Berlin mit 2:12:50 h ein hervorragendes Marathondebüt gelang und der gewissermaßen als „familiärer Stargast“ seinem Vater, Orga-Chef Roland Pflieger, zur Hand ging und bei der Siegerehrung sowie eben beim Start tatkräftig mithalf. Der andere, das ist der in Hildrizhausen nur allzu gut bekannte Philip Kiptoo Rutto, der vor vier Jahren dafür sorgte, dass der Uralt-Streckenrekord von Meinrad Beha aus dem Jahre 1984 aus den Annalen getilgt wurde. Rutto lief damals sensationelle 1:19:05 h. Das sollte ihm dieses Jahr zwar nicht ganz gelingen, dennoch blieb der schnelle Mann aus Kenia, der bis Dezember bei einem Freund und Laufkollegen untergekommen ist und währenddessen einige Rennen in Deutschland bestreiten will, wiederum unter 80 Minuten. Damit ist er der Einzige, dem dieses Kunststück in Hildrizhausen gelungen ist, und das gleich zweifach. Nur 26 Sekunden fehlten zur Einstellung seines eigenen Streckenrekords und wer weiß, ob er ihn nicht geknackt hätte, wäre da nicht das frisch geschotterte und entsprechend wenig „Grip“ aufweisende Stück zwischen Kilometer 19 und 20 gewesen, das zeitraubend und kräftezehrend war. Zumal es sich dabei um den letzten ernstzunehmenden Anstieg der 25km-Runde zum „Eselstritt“ gehandelt hat. Bedauerlich, aber kein Grund, sich darüber zu grämen, befand der Sieger.

Auch das Wetter, nach seinem Geschmack etwas zu kalt, entsprach nicht ganz seinen Wünschen. Doch was Philip Rutto aus diesen Widrigkeiten dann gemacht hat, völlig alleine laufend, war schon sehenswert. Geschlagene zehn Minuten dauerte es, ehe ein weiterer dunkelhäutiger Läufer das Ziel an der Schönbuchhalle in Hildrizhausen erreichte. Ein im Gäu völlig Unbekannter eroberte Platz zwei, denn im Gegensatz zum nunmehr dreifachen Sieger Rutto (2011, 2012 und 2015) war Efrem Brhane vom SV Ohmenhausen ein völlig unbeschriebenes Blatt. Später brachte Luigi de Franceschi, seines Zeichens der fünftplatzierte und M50-Sieger, Licht ins Dunkel. Er erläuterte, dass Efrem seit zehn Monaten in Deutschland sei und früher beim eritreeischen Militär gedient habe. Erst seit Juli trainiere er mit der Laufgruppe des SV Ohmenhausen und er, de Franceschi, habe sich seiner angenommen. Der junge Eritreer, der eigentlich, wie zuvor auch schon des öfteren praktiziert, den „Coach“ de Franceschi nur begleiten wollte, wurde von diesem energisch aufgefordert, jetzt einmal auf eigene Faust zu laufen. Gesagt, getan – und Efrem Brhane war dieser Herausforderung durchaus gewachsen, denn in 1:29:39 h ließ er in M40-Sieger Daniel Lenz (LG Weinstadt; 1:29:44 h) sogar einen früheren Schönbuchlaufsieger hinter sich.

Das kann sich durchaus sehen lassen, erst recht, wenn man bedenkt, dass Luigi de Franceschi Brhane folgendermaßen charakterisierte: „Der ist eigentlich gar kein Läufer.“ In der lange Zeit dreiköpfigen Verfolgergruppe war neben Brhane und Lenz auch noch Jochen Tomaschko (TSV Öschelbronn LT) vertreten, der Vorjahresdritte verfehlte die 90-Minuten-Barriere denkbar knapp und lief nach 1:30:05 h ein. Damit war er zwar 35 Sekunden flotter als vor Jahresfrist, doch für einen Podestplatz reichte es dieses Mal nur in der Altersklasse M30, wo er hinter Gesamtsieger Rutto Zweiter wurde.

Die Lücke hinter Tomaschko war beträchtlich, ehe die Sieger der M50 (Luigi de Franceschi vom SV Ohmenhausen in 1:34:19 h) und M45 (Wolfgang Gauss vom Stahl Sport Shop Team in 1:34:20 h) praktisch gemeinsam über die Ziellinie liefen. Knapp dahinter dann der M40-Zweite Viktor Luft (SV Rotfelden; 1:34:48 h) und der M35-Sieger Oliver Kunz (LT Altburg; 1:34:55 h). 17 Männer blieben unter 1:45 h, darunter die drei schnellsten M50er, was nur ein Beleg für die Stärke der Altersklassenläufer ist, die sich in Hildrizhausen wie ein roter Faden durch die Ergebnisliste zieht.

In besonderem Maße gilt dies für den anscheinend unverwüstlichen Edmund „Eddy“ Schlenker vom VfL Ostelsheim. Der mittlerweile 71jährige war im Schönbuch eine Klasse für sich und gewann die M70 in 1:52:11 h. Dass er damit Gesamt-50. von 439 gewerteten Teilnehmern wurde, illustriert seine Ausnahmestellung noch zusätzlich. Drei Deutsche Meistertitel holte Eddy im laufenden Jahr, den letzten erst vor vier Wochen im nahen Bad Liebenzell im 10km-Straßenlauf, wo er die 40-Minuten-Schallmauer denkbar knapp verpasste. Für den in drei Wochen bevorstehenden Marathon in Frankfurt, die letzte „Deutsche“ in diesem Jahr für den rasenden Eddy, hat er Titel Nummer vier im Visier. Dass es zudem eine Zeit möglichst in der Nähe des bestehenden Deutschen Altersklassenrekordes von 3:03 h anpeilt wird diejenigen, die den ehrgeizigen Heimsheimer kennen, kaum wundern.

Weit weniger überlegen als Männersieger Rutto war die schnellste Frau, Katarina Lovrantova (Salomon Slovakia). Die Slowakin ist in der Region keine Unbekannte, war sie doch in der Vergangenheit mehrfach durch Siege und Podestplätze bei Volksläufen positiv in Erscheinung getreten. Auch beim Schönbuchlauf war sie schon einmal auf das Treppchen gerannt, 2013 als Zweite. Dieses Jahr reichte es sogar zum Gesamtsieg in 1:46:41 h, auch wenn die 30jährige hinterher ziemlich kaputt war. Seit einem Jahr ist sie nicht mehr in der Gegend beheimatet, sondern arbeitet in Salzburg für einen bekannten, Flügel verleihenden Brausehersteller. Doch ihr Freund lebt nach wie vor im Raum Böblingen, weshalb es sie immer wieder in die alte Heimat zieht und diese Aufenthalte werden dann auch ganz gerne zu einem Formtest auf unterschiedlichsten Laufstrecken genutzt – mit Erfolg.

Als Zweite lief Luisa Moroff über die Ziellinie, die, von Vater Martin begleitet, 1:48:05 h benötigte. Immer wieder habe sie Lovrantova auf den langen Geraden vor sich sehen können, sei ihr aber einfach nicht näher gekommen und, das musste Luisa zugeben „zum Schluss war ich dann doch ziemlich fertig.“ Triathlon und Bahn-Leichtathletik sind ihre eigentlichen sportlichen Standbeine, doch dieses Jahr ist sie auch auf den Geschmack gekommen, was die Straßen- und Volksläufe angeht. Eine 39 auf 10km steht bereits in ihrer Vita und nachdem der Schönbuchlauf jetzt durchaus als sehr erfolgreiche Premiere gelten darf, geht auch Luisas Blick zuversichtlich gen Frankfurt. Dort gibt sie ihr Marathondebüt im zarten Alter von 19 Jahren.

Das Stichwort Debüt passt auch auf die Drittplatzierte, Barbara Ferstl von der SG Painten. Die Freundin des Marathon-Spitzenläufers Philipp Pflieger eroberte gleich bei ihrem ersten Auftritt am Rande des Schönbuch den dritten Rang und kletterte somit auf die unterste Stufe des „Stockerl“. Begeistert war sie von der Strecke und der Natur, die man laufend erkundete. Fast möchte man mutmaßen, dass dies nicht ihr letzter Auftritt in Hildrizhausen gewesen sein dürfte.

Vielleicht bringen sie und Philipp ja noch einige Laufenthusiasten aus Bayern mit, denn im Vergleich mit den Boomjahren ist auf der Strecke mittlerweile wesentlich weniger los. Das ist bedauerlich und nicht so recht erklärbar – der Schönbuchlauf ist eine Traditionsveranstaltung, ohne verstaubt oder altbacken daherzukommen. Hier stimmt alles, von der Parkplatzeinweisung über die Ausschilderung, die Versorgung an der Strecke und im Ziel – ja, selbst die in Jahren größeren Zuspruchs stets kalten und übervollen Duschen sind heutzutage wohltemperiert und es herrscht keine drangvolle Enge mehr. Für Speis und Trank ist bestens gesorgt, die Sieger werden in einem würdigen Rahmen auf der großen Bühne geehrt und die Schönbuchhalle bietet Platz für Teilnehmer und Verkaufsstände. Arg viel mehr kann nicht unternommen werden als das, was der emsige Roland Pflieger und seine Mannschaft da alljährlich auf die Beine stellen. Wenn es dann noch genügend Teilnehmer gibt, die Werbung für einen „Lauf im bunten Herbstkleid“ machen, der sich auf einer großen, mittlerweile nur noch selten zu findenden 25km-Distanz von seiner besten Seite präsentiert, muss man um die Zukunft des Schönbuchlaufes nicht bangen. Er ist ein echtes Laufkleinod, das scheinen viele nicht zu wissen oder haben es vergessen.

Im nächsten Jahr bietet sich wieder die Gelegenheit, dem Naturpark Schönbuch und dem gleichnamigen Lauf einen Besuch abzustatten. Es empfiehlt sich, den 2. Oktober 2016 schon einmal dick im Kalender anzustreichen.

 

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.schoenbuchlauf.de

 

 


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