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12. Bottwartal-Marathon

[eingestellt am 19. Oktober 2015]

By: Jochen Höschele

Vor dem Start des „Urmensch-Ultra“ posiert Sprecher Achim Seiter mit den späteren Siegern, Beate Bauer und Ralf Himmelsbach

Orga-Chef Gerhard Petermann gibt letzte Anweisungen für die gut 120 Teilnehmer des „Urmensch-Ultra“, die um 8:30 Uhr auf die 50km lange Strecke geschickt werden

Die Favoriten düsen vorneweg: 19. Stephan Irrgang (in orange), 23. Karl Westphal (dahinter in schwarz), Siegerin Beate Bauer, 4. Hans Kroner (dahinter in rot), Sieger Ralf Himmelsbach (902), 2. Sebastian Apfelbacher (913)

Beinahe 120 Starter zählte das Feld der „Urmenschen“

Geschönte Temperaturen – in Wahrheit lag die Lufttemperatur am Start abseits der geschützten Wand des Freibads bei sechs Grad (aber immerhin plus!)

Der „Steppi“, Steinheims Wahrzeichen in der Ortsmitte, war dieses Jahr Start- und Zielpunkt aller Läufe des Sonntags

Gerhard Petermann, der Organisator des Bottwartal-Marathons, lässt es sich nicht nehmen, alle Teilnehmer persönlich im Ziel zu begrüßen. Tatkräftige verbale Unterstützung erhält er dabei von Moderator Achim Seiter (dieses Jahr im trendigen grünen Jäckchen)

Jan Schwarz (ptjan.de) freut sich über seine 4:26 h

Erna Heubach, mit über 70 Jahren noch äußerst aktiv und über die Halbmarathonstrecke mit 2:25 h Siegerin der W75, ausnahmsweise mit einem sehr knappen Vorsprung von nur neun Sekunden!

Marathoni Georg Hilden freut sich, denn er hat’s in unter 4:30 Stunden wieder zurück nach Steinheim zum „Steppi“ geschafft

Begrüßung à la Achim Seiter

Der „Chef“ Gerhard Petermann erklärt seiner „Streckenstimme“ Achim Seiter gerade die abendliche Taktik des VfB, die zum 1:0-Heimsieg gegen Ingolstadt führen sollte.

Marco Grün aus Westheim hat die zu seinem Nachnamen passende Bekleidung und den Marathon nach 4:28 h geschafft

Manuela Jäger aus Freising ist mit wehendem Zopf nach 4:28 h im Ziel

Werner Ohrberger vom SV Roiggheim ist mit 4:29:09 h noch einen Tick schneller als das Team GP-911 (Franco Profeta, Dani Grunert und Peter Grunert) hinter ihm

Bernhard Hertinger, Zugläufer für 4:30 h, hat in Ermangelung von Marathonisten einfach den Ultraläufer Robert Pöttger in Schlepptau genommen und läuft mit ihm nach 4:29 h (bzw. 5:29 h für Robert) im Ziel ein

Urte Dahm aus Reutlingen wird kurz vor dem Ziel von ihrer Freundin Stefanie Löwl (2290) abgeholt und begleitet

Uwe Schulz aus Heubach läuft den Halbmarathon noch unter 2:30 h

Nicht in der Ergebnisliste zu finden, gute Laune hatte er aber dennoch beim Zieleinlauf – der unbekannte Urmenschläufer

Christian Rochlitz von den „Laufjunkies“ freut sich und ist offensichtlich nicht kälteempfindlich

Die Gattin des Rennsteiglauf-Präsidenten, Sabine Lange, läuft erstmals im Bottwartal und beendet den Marathon nach 4:33 h auf Platz 5 der W50

Durmus Rüstem (191) und Tesmin Besiri vom Laufteam der Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL) sind gemeinsam nach 4:34 h wieder in Steinheim

Mehmet Dilek (188) und Carlos Martins laufen ebenfalls für die LVL – ob sie im Berufsleben Busse fahren, ist nicht bekannt

Marcos Sievers kommt aus Steinheim und läuft die große Runde um seine Heimatstadt, den Urmensch-Lauf, in 5:39 h

Iris Streng kuckt gar nicht streng, sondern äußerst fröhlich und entspannt nach beinahe 21,1km, die sie in 2:41 h zurücklegt

Kai Schäfer von den „Schäfer Brothers“ ist ein Dreiviertel-Marathonläufer und bewältigt diesen in knapp unter vier Stunden

Nicht eingeschlafen, sondern angekommen ist Rolf Reiniger aus Waiblingen in 4:43 h und damit als Dritter in seiner Altersklasse M65

Klaus Falkenburger noch sehr dynamisch auf dem letzten Kilometer

Harald Braun (842) und der als „Urmensch“ gewandete Martin Prossel haben nur noch 500 Meter bis ins Ziel

Die Finnin Hanna Sairanen läuft mit 4:45 h-Zugläufer Ralph Emig und Jürgen Springer die letzten Meter durch Steinheim in Richtung Ziel

Eine kunstvoll dekorierte Garage dient der Anfeuerung

Gabi Pszolla aus Konstanz, eine weitere Urmenschläuferin, auf dem Weg zum „Steppi“

Antje Nohe und Uwe Stirmann machen gemeinsame Sache

Der Steinheimer Horst Thöner, früher selbst aktiv, feuert die Läufer optisch und akustisch an. Distanz von seiner geschmückten Garage zum Ziel am „Steppi“: Geschätzte 500m

Gerhard Eisner (links, in roter Jacke) und Klaus Neumann (rechts, in gelber Jacke), bewältigen das Schlussstück des „Urmensch-Ultra“ gemeinsam und überholen dabei noch die zwei hinter ihnen laufenden Rückwärtsläufer….

….namens Mathias Liebhardt (155; links) und seinen Kumpel vom Bosch CI-Team (510, rechts)

Auch auf dem letzten Kilometer noch bester Dinge

Leicht bekleidet und ohne Helm…..

Drei (Marathon)Engel für Billy (Uzelac)

Henning Frank kommt zwar nach den Zugläufern, aber immer noch unter fünf Stunden ins Ziel

Claudia Neuweiler vom „Chicken Express“ schafft die Halbdistanz unter drei Stunden

Joachim Bandl ist der letzte der „Urmenschen“, der die Strecke unter sechs Stunden packt

Die Zielverpflegung im Zelt, nach sechs Stunden ist hier nicht mehr viel Gedränge

Auch am Stand des Biersponsors geht es vergleichsweise ruhig zu

Marco Lack, der Sieger des 12. Bottwartal-Marathons in 2:32 h

Startaufstellung zum Marathon; ganz rechts die Vorjahressiegerin und diesjährige Zweite, Bettina Englisch, die 3:02 h läuft. Hinter ihr in blau prüft Marco Lack gerade die Funktionstüchtigkeit seiner Uhr bei sechs Grad plus

Sabrina Mockenhaupt kommt als Letzte zum Start, gibt Achim Seiter noch ein kurzes Interview und ist dann nach 2:43 h schon wieder als Erste da. Spitzenleistung!

Sie lächelt trotz Kälte und wirkt völlig entspannt, Michael Sommer (in orange) blickt eher skeptisch drein, muss sich aber angesichts seiner 2:43 h und dem siebten Platz bei den Männern auch nicht verstecken

Impression in Bottwartalgrün

Am Sportplatz in Murr, noch wabert der Nebel durch das Bottwartal

Die Gruppe um 3:30 h-Zugläufer Sven Manske (mit Ballon) am Begegnungsstück hinter Gronau (Kilometer 23)

Thomas Neumann aus Ludwigsburg legt eine Punktlandung hin: 1:59:56 h beim Halbmarathon

Apfelernte (rechts auf dem Hänger zu erahnen) versus Ernte der Früchte mehr oder minder erfolgreichen Trainings (links, mit oder ohne Durchhänger, zu sehen und zu erahnen)

Die Kleiderbeutel- und Gepäckaufbewahrung befand sich in diesem Jahr im Freibad „Wellarium“ bei der Riedhalle in Steinheim

Warm wurde es hinterher nur, wenn man einen der begehrten Plätze unterm Föhn ergattern konnte

Urmenschen, Siegertypen und Strahlefrauen

Steinheim, den 18. Oktober 2015 – Es mag wie eine gewagte Mixtur erscheinen, was sich da schon in der Überschrift dieser Reportage an Charakteren versammelt hat. Dass sich diese nicht nur virtuell, sondern ganz real ein Stelldichein gaben, hat folgenden Grund: Sie alle werden durch die Passion des Laufens geeint, die sich am Sonntag in Steinheim an der Murr Ausdruck verlieh. Das alles geschah nicht einfach spontan in Form eines „flash mob“, sondern in den geordneten Bahnen eines Wettbewerbs, den es seit nunmehr elf Jahren gibt und der somit ein Dutzend Mal durchgeführt wurde. Die Rede ist vom Bottwartal-Marathon, der seit dem Umzug von Großbottwar nach Steinheim sogar mit Fug und Recht behaupten könne, er sei jetzt zum Murr-Bottwartal-Marathon geworden.

Doch des Schwaben Zier ist seine Bescheidenheit, und Gerhard Petermann, der Organisationschef dieses Ereignisses, ist Schwabe durch und durch. Also wird nicht auf den Klotz gehauen, lieber „schafft“ man im Bottwartal, um den Läuferinnen und Läufern ordentlich etwas bieten zu können. Eines vorweg – das ist auch im 12. Jahr wieder hervorragend gelungen. Doch der Reihe nach.

Morgens um kurz nach sieben ist die Welt noch in Ordnung und der Trubel auf den Parkplätzen rund um das Wettkampfzentrum, die Riedhalle in Steinheim, noch äußerst überschaubar. Innen nehmen manche noch in aller Seelenruhe ihr Frühstück ein, andere plaudern ein wenig, die Stände der Marathonmesse sind, wie auch die Startnummernausgabe, noch verhältnismäßig gering bevölkert. Grund dafür ist, dass der erste Start, der des „Urmensch-Ultra“ über 50km, um 8:30 Uhr erfolgt und erst eine Stunde danach dann die Marathonis an der Reihe sind. Bei den „Urmenschen“ handelt es sich um eine eher seltene Gattung, soll heißen: Die Teilnehmerzahl ist zum einen auf 150 beschränkt, zum anderen finden sich tatsächlich nur etwa 120 mehr oder weniger wilde (Ur)Menschen ein, als um Punkt halb neun der Startschuss ertönt. Im Gegensatz zu den anderen Läufen, deren Startort seit diesem Jahr in Steinheims Ortsmitte verlegt wurde, biegen die „Urmenschläufer“ jedoch gleich Richtung Kleinbottwar ab, um nach knapp zwei Kilometern Asphalt im Gelände, bergauf Richtung Forsthof. Höhenmeterlastig ist die Strecke, denn es geht über den Feuersee zum höchsten Punkt der Strecke, dem Harzberg und von dort zur Sinzenburg und zum „Wendepunkt“ an der Burg Lichtenberg. Wäre die Sicht besser gewesen, die „Urmenschen“ hätten die Läuferschlange im Tal unterhalb der Burg gut beobachten können. So aber machten sie sich im Dunst auf, um über Gronau Oberstenfeld zu erreichen. Auf diesem Teilstück liefen die Ultraläufer den Marathonis entgegen, was für zusätzliche Stimmung auf beiden Seiten sorgte. Die 50km-Läufer mussten dann, nachdem sie Hof und Lembach passiert hatten, zum Harzberg hinauf und gelangten dann etwa bei Kilometer 44 auf die Marathonstrecke, wo sie sich auf den letzten sechs flachen Kilometern gewissermaßen „erholen“ konnten, ehe das Ziel am „Steppi“ erreicht war.

Gut 800 Höhenmeter auf 50km sind ein Wort, doch der Premierensieger dieses Laufes, Ralf Himmelsbach (Kieferorthopädie Dr. Fuchs), zeigte sich in ausgezeichneter Verfassung. Der Sieger der Premiere des „Urmensch-Ultralaufes“ war auch in diesem Jahr schnellster Athlet und siegte mit 3:30:01 h unangefochten vor dem Vorjahresbesten, Sebastian Apfelbacher (Mizuno Runbird; 3:48:24 h) und Karlheinz Dravec (TSV Lichtenwald; 3:56:13 h).

„Das neue Konzept hat mir sogar noch besser gefallen als das alte, wo man die letzten 21km der Halbmarathonstrecke gefolgt ist. Es waren zwar einige Gemeinheiten drin, aber das gehört bei so einem Lauf einfach dazu. Bei der Rinne nach 39 Kilometern wollte ich fast schon ins Gehen verfallen, hab' mich dann aber zusammengerissen“, konstatierte der überlegene Sieger Himmelsbach. „Meine Motivation ist nicht mehr so hoch wie früher. Ich lasse auch mal fünfe gerade sein und trinke mal ein, zwei Bier, anstatt 25 Stunden in der Woche zu trainieren. Ich freu' mich, dass ich gewonnen habe und vor allen Dingen, dass ich sogar noch vor dem Marathonsieger ins Ziel gelaufen bin, das hab' ich mir insgeheim gewünscht.“ Bei den Frauen war wieder einmal Beate „Bea“ Bauer (JOLsport Ba-Wü / Silla Hopp) das Maß aller Dinge auf der ganz langen Strecke. Sie, die auch die ersten beiden Auflagen gewonnen hatte, schaffte das „Triple“ und beendete den Lauf nach 4:17:35 h mit großem Vorsprung auf Melanie Altenbeck (Therapie Reha Bottwartal; 4:31:02 h) und Miriam Nürnberger (SV Holzkirchen; 4:31:35 h). Bea war „angenehm überrascht, wie locker meine Beine waren. Schließlich ist die „Tour de Tirol erst eine Woche her, und dort starte ich ja traditionell auch. Heute lief es echt gut, und so konnte ich mein Vorhaben, hier zum dritten Mal in Folge zu gewinnen, in die Tat umsetzen. Einfach klasse!“

Außer in der Stunde, die zwischen den Starts der Ultra- und der Marathonläufer liegt, geht es ansonsten in Steinheim praktisch die ganze Zeit sprichwörtlich "rund". Dieses Jahr sogar im Wortsinne, denn die Marathonis umrunden das Steinheimer Wahrzeichen "Steppi" nach ihrer kurzen Einführungsrunde nach einem Kilometer und nach 10,5 Kilometern, im Anschluss an die Südschleife durch Murr, sind sie auch schon wieder hier. Ein idealer Punkt also auch für Zuschauer, Fans und Betreuer, um das Geschehen hautnah zu verfolgen und die Athleten vier Mal zu sehen, ohne dass man die Füsse bewegen müsste - die Hände werden zum Klatschen dagegen sehr wohl benötigt.

Womit auch schon angerissen wäre, dass das Publikum den kalten Temperaturen (von sechs Grad am Start der Ultraläufer kletterte das Thermometer am Nachmittags, beim Einlauf der letzten Sportler, nie in den zweistelligen Bereich) ebenso zu trotzen wusste wie die Läuferinnen und Läufer selbst.

Eine, der das kalte Wetter überhaupt nichts auszumachen schien, war Sabrina Mockenhaupt. Die Spitzenläuferin aus dem Siegerland (hier scheint der Name bereits Programm zu sein), die von allen "Mocki" genannt wird und die im Bottwartal für TherapieReha Siegele startete, ist mitten in der Vorbereitung auf den am 15. November stattfindenden Marathon von Valencia (Spanien). Sie lief im kurzen Höschen und T-Shirt, allerdings mit Handschuhen, "einen Trainingslauf". Was das in Sabrinas Preisklasse bedeutet, verdeutlichte sie noch kurz bevor es losging: "In 1:25 h die erste Hälfte laufen und dann etwas schneller werden." Für die meisten ist schon die erste Hälfte im Viererschnitt beinahe unerreichbar, geschweige denn anschließend noch eine Beschleunigung durchzuführen. Aber Mocki setzte die Vorgaben ihres Trainers in die Tat um und lief nach einer 1:22:49 h Durchgangszeit in 2:43:27 h als überlegene Siegerin wieder am Steinheimer Kreisel ein. Eines allerdings verpasste die Strahlefrau aus dem Siegerland - den Streckenrekord, den Pamela Jemeli Kipchoge seit 2009 mit 2:42:18 h hält. Um den zu brechen, hätte Mocki eine gute Minute schneller rennen müssen. Ganzen fünf Männern musste die 46 Kilogramm leichte "Mocki" den Vortritt lassen und freute sich angesichts ihres gelungenen Vorbereitungslaufes ungemein. Trotz des verpassten Streckenrekords wurde sie bei der Siegerehrung dann in Wein aufgewogen und war angesichts des dabei festgestellten Wettkampfgewichtes wiederum vollauf zufrieden. "Das ist schon ziemlich nahe am Idealgewicht. Mein Trainer meint zwar, man müsse die Rippen noch mehr sehen können, aber im Grunde ist es okay. Wenn dann nach Karriereende auch oberhalb der Rippen noch was an Oberweite dazukommt, wär's auch nicht schlecht." Auf den Einwand des Moderators Roy Fischer, dass das ja beim Laufen störe, sagte Mocki nur: "Ja, das soll ja auch erst nach der Karriere der Fall sein!" Die Frau ist nicht nur ein echter Siegertyp, sondern auch eine humorvolle Strahlefrau.

Auf Platz zwei der Frauen kam mit Bettina Englisch (Team G.Weber Bau) eine, auf die die Bezeichnung Strahlefrau ebenso zutrifft. Mit ihrer 3:02:38 h lag sie zwar über ihrer erhofften Traumzeit von 2:59 h, doch angesichts der Fußprobleme, über die sie noch unmittelbar vor dem Lauf berichtete und die ihr doch einige Sorgen bereiteten, dürfte das Energiebündel aus dem nahen Stockheim überwog auch bei ihr sicherlich die Freude über Platz zwei und eine sehr beachtliche Zeit. Dritte wurde mit Alin Kollmann (LG Obersulm) eine "alte Bekannte" im Bottwartal, die nach 3:07:42 h die Messmatten am Steinheimer Kreisel überlief.

Bei den Männern triumphierte ein Marathon-Novize: Marco Lack (TherapieReha Siegele), der zwar schon mehrfach im Bottwartal angetreten war, dabei aber stets die Halbmarathondistanz bevorzugt hatte (2010 in 1:09 h siegreich), ging dieses Jahr "in die Vollen". Der 29jährige aus Meimsheim im Kreis Heilbronn ist häufiger Gast bei Volksläufen in der Region und schon alleine deshalb kein unbeschriebenes Blatt. Seit vergangenem Sonntag hat er nun auch eine Marathon-Visitenkarte, auf der eine 2:32:23 h verzeichnet ist. "Ich wollte eigentlich in 3:40 Minuten den Kilometer angehen, bin aber dann 3:30 gelaufen. Das hat sich dann hintenraus etwas gerächt." Nach einer ersten Hälfte in 1:14 h folgte ein kleinerer Einbruch auf der zweiten, obwohl ihm der "Altmeister" und zweimalige Bottwartal-Marathonsieger Michael Sommer bescheinigte, er habe auf der Begegnungsstrecke zwischen Kilometer 21 und 24 noch "total locker ausgesehen, und der Vorsprung war da ja schon ziemlich groß". Weder der zweitplatzierte Fabian Rahn (Alphawoolf), der in 2:40:35 h einlief noch der Dritte, Kay-Uwe Müller (Intersport Schöll Crailsheim, 2:42:29 h), kamen Lack noch näher. Ungefährdet und mit über acht Minuten Vorsprung gewann also der Debütant Lack vor Rahn und Müller, der seinerseits nur noch 26 Sekunden "Polster" auf Jonathan Löw aus Abstatt hatte, der Vierter wurde. Dicht gedrängt folgten dann Timo Striegel (TheraVent aktiv; 2:43:23 h), Sabrina Mockenhaupt (2:43:27 h), Johannes Großkopf (der mit einer 1:17 h die schnellste zweite Hälfte aller Teilnehmer lief, Gesamtzeit 2:43:41 h) und der Oberstenfelder Lokalmatador Michael Sommer (EK Schwaikheim). Sommer, Deutscher Vizemeister über 100km 2015, hatte erst vor fünf Wochen zuvor an den Welt- und Europameisterschaften im niederländischen Winschoten teilgenommen und war dort eine 7:16:49 h gelaufen. Zwei Wochen vor dem Bottwartal-Marathon gelang dem unermüdlichen 51jährigen zudem der Gesamtsieg beim 100km-Lauf im Taubertal von Rothenburg o.d.T. nach Wertheim in 7:40 h.  Angesichts dessen zeigte er sich einerseits relativ gut erholt und auch zufrieden. "Mehr war nicht drin heute. Aber das ist auch völlig okay so."

Beim 3/4-Marathon (31,65km), den 97 Sportler erfolgreich beendeten, setzte sich Andreas Brenner von den DZ Bank Runners in 2:16:19 h vor Uwe Neubauer aus Eglofs (2:17:51 h) und Jochen Keppler (Team AR Sport; 2:18:13 h) durch. Schnellste Frau war auf dem vierten Gesamtplatz Christine Sigg-Sohn (Süwag) in 2:20:17 h vor Sylvia Ellwanger (VfL Winterbach; 2:32:24 h) und Dagmar Arnold vom SV Ohmenhausen (2:40:06 h).

Mehr als 1200 Zieleinläufe gab es beim teilnehmerstärksten Wettbewerb, dem JOLsport-Halbmarathon.

Carmen Scharpfenecker lief nach 1:25:50 als Siegerin beim "Steppi" ein und wurde von Achim Seiter und Gerhard Petermann freudig begrüßt und vom Publikum umjubelt. Branka Hajek (Team AR Sport), die den Halbmarathon im Bottwartal auch schon gewinnen konnte, sicherte sich in 1:26:45 h Platz zwei vor Andrea Hölzle (TherapieReha Siegele) in 1:30:57 h.

Zwei TherapieReha-Siegele-Athleten auf den beiden obersten Treppchen beim Halbmarathon bei den Männern: Holger Freudenberger siegte mit exakt zwei Minuten Vorsprung auf Uli Königs. 1:09:26 h betrug die Zeit des Gymnasiallehrers aus Eppingen. Königs hingegen hatte nicht ganz so viel Vorsprung auf den Drittplatzierten, Joachim Krauth aus Aalen, der in 1:11:54 h einlief. Der Halbmarathon, der im alljährlich zur Stimmungshochburg gekürten Oberstenfelder Ortsteil Gronau in mehreren Startwellen auf die Reise nach Steinheim geschickt wird, ist das Zugpferd in Sachen Teilnehmer und die Atmosphäre in Gronau sucht wirklich ihresgleichen. Da bis auf die 10km-Läufer alle Teilnehmer hier durchlaufen, kommt praktisch jeder in den Genuss dieser tollen Stimmung. Rätschen, Rasseln, Trommeln und lautstarke Moderation verleiten gerne zu einem etwas erhöhten Tempo. Ein Novum in diesem Jahr war, dass (bis auf die Ultraläufer) die Sportler den Teilort doppelt durchliefen: Zunächst ging es in Richtung Prevorst auf der Landstraße aus dem Ort hinaus bergauf, über einen Feldweg wurde eine Schleife gedreht und dann durfte man bergab rollen und Gronau ein zweites Mal durchqueren.

Der einzige der zahlreichen Läufe des Sonntags, der 10km-Lauf (zu dem sich auch noch ein 10km-Walking und Nordic Walking Wettbewerb gesellten), der nicht durch das nördliche Bottwartal führte, war fest in der Hand eines weiteren Laufneulings: Efrem Brhane, ein 21jähriger Eritreer im Trikot des SV Ohmenhausen, ist relativ neu in der Volkslaufszene im Mittleren Neckarraum. Erst vor zwei Wochen war er durch einen starken zweiten Rang beim Schönbuchlauf in Hildrizhausen über 25km positiv in Erscheinung getreten, jetzt sicherte er sich erstmals einen Gesamtsieg. In 33:40 min ließ er auf dem nicht einfachen Kurs von Steinheim nach Murr und zurück die Konkurrenz hinter sich und gewann ungefährdet vor Christoph Hillebrand (TF Feuerbach; 34:11 min) und Philipp Nothof (Amirs Racing Team; 34:29 min). Bei den Damen blieben die ersten Drei unter 40 Minuten: Ricarda Lisk (VfL Waiblingen Triathlon) war mit 37:20 min eine halbe Minute schneller als Veronica Clio Hähnle-Pohl (TSG 1845 Heilbronn; 37:50 min) und Meike Lemke (TSV Leutenbach; 39:55 min). Unter 674 Teilnehmern im Ziel waren die drei schnellen Frauen unter den Top 50 im Gesamteinlauf, eine tolle Leistung!

Neben der bereits oben erwähnten "Gronau-Variante" waren zahlreiche weitere Streckenänderungen notwendig geworden durch die Verlegung des Start-Ziel-Bereichs von der Riedhalle "nach unten" in die Ortsmitte Steinheims am "Steppikreisel". Insgesamt dürfte der Bottwartal-Marathon mit nunmenr 180 Höhenmetern etwas weniger aufweisen, als in den Jahren zuvor. Wirklich flach und wirklich leicht ist er dennoch nicht, dafür aber wirklich stimmungsvoll. Das liegt zum einen am bereits erwähnten und begeisterungsfähigen Publikum, zum anderen an den ebenso engagierten Helfern und der eingespielten Organisation.

Von der Kleiderbeutelabgabe und -aufbewahrung (im Freibad neben der Riedhalle) über die Pendelbusse, die die Halbmarathonis nach Gronau kutschieren, ist alles durchdacht und funktioniert nahezu reibungslos. Selbst an eventuell völlig erschöpfte und ausgekühlte (in diesem Jahr gab's von dieser Sorte garantiert einige!) Sportler wurde gedacht und man richtete einen für Athleten wie Zuschauer gedachten Pendelbusdienst von Start und Ziel zur Riedhalle ein, damit man auch diese 800 Meter unbeschadet überstand.

Ob die Verlegung von Start und Ziel von der überwiegenden Mehrheit der Sportler positiv bewertet wird, bleibt abzuwarten. 

Absolut positiv hingegen die Resonanz - 4200 Teilnehmer über alle Wettbewerbe, vom 10km-Lauf bis hin zum Staffel- und Ultramarathon zählte man alleine am Sonntag im Bottwartal.

Nicht zu vergessen den sogenannten "Run & Fun Day", der am Samstag bereits die Kinder und Jugendlichen mobilisiert und erneut mit einem Teilnehmerrekord aufwarten konnte. Rund um das Riedstadion ging es da auf den unterschiedlichsten, dem Alter der begeisterten jungen Sportler angemessenen Distanzen. Dass es im Bottwartal mit dem "Theo-Lorch-Lauf" sogar einen Wettbewerb für Menschen mit Behinderungen gibt, ist ein überzeugendes Beispiel dafür, dass sich Integration und Inklusion über die Schiene des Sports sehr gut leisten lässt. Und behinderte wie auch nichtbehinderte Teilnehmer, Eltern und Angehörige waren voll es Lobes und beinahe genauso begeistert wie die jungen Athleten.

Wer sich von der Euphorie, die alljährlich im Bottwartal herrscht, einmal selbst überzeugen möchte, dem sei bereits jetzt der 15. und 16. Oktober nächsten Jahres ans Herz gelegt. Dann findet der 13. Bottwartal-Marathon statt.

 

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.bottwartal-marathon.de

 

 


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