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28. ARQUE-Lauf run & bike

[eingestellt am 08. November 2015]

By: Gabi Gründling

Fotos: Gabi Gründling und Natalie Hahner

Morgenstimmung zur Busshuttlezeit. Mainz 7.15 h

Frühstück im Stehen – so kann man die Wartezeit auch überbrücken

Der frühe ARQUE-Läufer genießt die Morgenstimmung am Rhein

Noch eine Art, die Fahrtzeit zu überbrücken

Mainhattan

24 h- Weltmeister Florian Reus nutzt den Heimvorteil zu einem mittellangen Lauf in Gesellschaft

Dein Freund und Helfer wie jedes Jahr als Begleitung für die Gruppen

Orgachef Michael Lederer

Die 5 min-Gruppe vorm Start

… und los geht’s…

Die 5:30er Gruppe ist startbereit – Pacemaker Jens Hilpert (rechts) kam auf den letzten Drücker mit dem Rad angehetzt

Bernd Zürn führt mit dem Rad die 6 min-Gruppe an

Die 6 min-Gruppe on the road

Hassan Kurt lief die 34 km rückwärts

Überschaubar: die 7 min-Gruppe am Start

Hubert Leitermann (in grün) auch mit 81 Jahren noch ARQUE-Läufer

Wie immer Party bei km 4 (in Michael Lederers Vorgarten)

Der höchste Punkt hinter der Gundelhardt

Jagertee mundet offenbar auch bei 20 Grad Außentemperatur

Die Eisenbahnbrücke in Hofheim

Nach VP1 war die 7 min-Gruppe mehr als doppelt so groß

Autobahnbrücke nach Bad Weilbach

Gruppe F in Bad Weilbach

Richtung Flörsheimer Warte auf dem Wickerer Weinwanderweg

VP2 an der St. Anna Kapelle

Marathonsammler und Pacemaker Ulrich Tomaschewski

Weiter geht’s

VP3 bei der DLRG

Rückfahrgelegenheiten ab Mainz

Zielverpflegung

Der warme Tee war nicht so wirklich ein Renner

Hansmartin Schweitzer trotzte dem Wetter und führte seine neue warme Kossmann-Mütze aus

Gruppe E im Anmarsch

Birgit Blim schmeckt’s

Gruppe F hat’s auch geschafft

Auch Hassan Kurt hat’s geschafft

die 6 min-Gruppe in action (Foto Natalie Hahner)

die 6 min-Gruppe in action (Foto Natalie Hahner)

die 6 min-Gruppe in action (Foto Natalie Hahner)

die 6 min-Gruppe in action (Foto Natalie Hahner)

die 6 min-Gruppe in action (Foto Natalie Hahner)

Gemeinsam laufen für die, die es nicht können

 

Kelkheim & Mainz, 8. November 2015 - 28 Jahre ist er nun alt, der ARQUE-Lauf von Kelkheim nach Mainz. Manches hat sich geändert in dieser Zeit, manches ist schöne alte Gewohnheit und ändert sich nicht.

Geändert hat sich im Laufe der Jahre ein bißchen was an der Strecke. Die Länge wuchs in den letzten Jahren auf über 34 km an, wo anfangs mal 30 km zu Buche standen. Zuerst war der Regionalpark Rhein-Main mit der schönen Streckenführung über den Wickerer Weinwanderweg fertig. Und dann zwang eine Großbaustelle in Mainz-Kostheim den Tross auf eine Schleife über die Maaraue. Das ist die Halbinsel an der Stelle, an der der Main in den Rhein mündet. Die Streckenänderung kam so gut an, daß sie fortan beibehalten wurde.

Gleich geblieben sind der Start in Kelkheim und das Ziel in Mainz. Michael Lederer, Ende der 1970er Jahre einer der besten Mittelstreckler in Deutschland, wohnt in Kelkheim. Sein Sohn Matthias, der den ARQUE-Lauf auch in diesem Jahr wieder mit dem Handbike absolvierte, kam mit Spina bifida, einer angeborenen Querschnittslähmung, zur Welt. Michael lief regelmäßig von Kelkheim nach Mainz, um seinen Sohn in der Uniklinik zu besuchen. Die Idee des ARQUE-Laufs folgt also Michaels eigenen Laufspuren. Zusammen mit anderen betroffenen Eltern gründete er die ARQUE, noch heute ist er deren zweiter Vorsitzender. Der heute 60jährige ist ein Meister im Spendeneintreiben. Zugunsten der ARQUE veranstaltet er nicht nur den ARQUE-Lauf im November sondern auch noch den skyRun messeTurm Frankfurt im Sommer, einen Grand Prix mit Kinderläufen, organisiert kulturelle Genüsse der besonderen Art und scheint ständig neue Ideen auszubrüten.

Unverändert ist der ARQUE-Lauf ein Gruppenlauf und kein Wettkampf. Fünf Gruppen sind das Maß der Dinge. Früher lief die schnellste Gruppe 4:30 min/km, die langsamste 6:30 min. Heute beginnt die Geschwindigkeitsskala bei 5 min und endet bei 7 min. Zu jeder Gruppe gibt es meist erfahrene Pacemaker, die aufpassen sollen, daß das angekündigte Tempo auch eingehalten wird. Nicht neu ist, daß die Läufer, die sich in die falsche Gruppe einsortiert haben, nicht willens sind, auf die nächstlangsamere Gruppe zu warten oder einfach mal ein Stück im Auto mitzufahren, das jede Gruppe begleitet. So ziehen sich die Gruppen in den letzten Jahren zunehmend auseinander und immer mehr „Einzelläufer“ erreichen das Ziel auf dem Mainzer Domplatz. Sie führen den Sinn des Gruppenlaufens ad absurdum und gefährden nicht nur ihren Versicherungsschutz sondern auch noch die Genehmigungen durch die zuständigen Behörden. Immerhin fährt mit jeder Gruppe auch noch ein Motorradpolizist mit, der an den neuralgischen Punkten den Verkehr für die Gruppe regelt.

Geändert hat sich im Laufe der Zeit auch die Zahl der Versorgungsstellen, an denen die Gruppen jeweils ca. 5 min Pause machen. Unverändert ist die Shell-Tankstelle im Hofheimer Stadtteil Marxheim bei km 13 die erste Anlaufstelle, an der Tee, Wasser, Apfelschorle und Bananen im Angebot sind  und man so seine Speicher auftanken kann. VP3 ist die DLRG in Hochheim, inzwischen bei km 26. Dazwischen hat sich noch die St. Anna-Kapelle im Regionalpark geschoben, die bei km 20 erreicht wird.

Der Gipfel der Teilnehmerzahlen war 2001 erreicht. 959 Läufer machten sich damals auf den Weg von Kelkheim nach Mainz. Denn seinerzeit gab es nur eine einzige Streckenlänge zu Fuß und keine auf dem Radl. Seinerzeit gab es auch nur einen Start oberhalb Kelkheims, am Sportplatz „Am Reis“. Polizei und Feuerwehr war das zu heikel, denn die Fluchtwege waren zu eng, ein zweiter Startort mußte her. Seither wird auch noch unten im Ort „Am Stückes“ gestartet. Bei nur nicht mal mehr der Hälfte der Teilnehmer, von denen auch noch ein guter Teil erst unterwegs einsteigt, weil beim ARQUE-Lauf inzwischen vier Streckenlängen plus mehrere Bike-Gruppen angeboten werden, wäre es eigentlich sinnvoll, den Startort am Stückes wieder zu schließen. Die Zahl der Läufer kann auch gut an einem Startort verwaltet werden.

Nachdem im Jahr 2014 mit 366 Läufern und 112 Radfahrern das Teilnehmertief erreicht war, kamen in diesem Jahr 421 Läufer, 1 Handbiker und 116 Biker in Mainz an. Gestartet war nur ein Teil in Kelkheim, denn für Zwischeneinsteiger gibt’s die Möglichkeit, den Lauf an den Versorgungsstellen zu beginnen. Steigt man an der Tankstelle ein, hat man bis Mainz einen Halbmarathon in den Beinen. Dieses Angebot lockt jährlich mehr Läufer auf die Strecke. In der langsamsten Gruppe F starteten 10 Läufer am Reis, zwei Pacemaker ohne Läufer am Stückes – und die Gruppe verdreifachte sich dann in Marxheim.

Nicht ganz neu aber sehr ungewöhnlich waren die Temperaturen 2015. Seit Tagen schon war in Deutschland der Frühling ausgebrochen – und das im November. Kurz-kurz war eigentlich die Kleiderwahl der Stunde, denn mittags in Mainz zeigte das Thermometer 19 Grad. Plus. Unterwegs wurden in den Gruppen Geschichten aus vergangenen Jahren erzählt, als der Boden in Kelkheim reifüberzogen war und man schlotternd und auf der Stelle hüpfend darauf wartete, daß Michael Lederer endlich den Startschuß gab.

Das gute Wetter war auch für die Begleitmotorradpolizisten angenehmer als die Kälte. Zwar sind die Herren gut eingepackt, aber bei Sonne macht die Vorhut doch gleich noch mehr Spaß. Der Freund und Helfer, der Gruppe F begleitete, konnte sich gar nicht erinnern, wie oft er diesen Dienst schon verrichtet hat. „Ich müsste mal zuhause meine Shirts zählen“ lachte er.

Wiederholungstäter sind auch die Busfahrer, die sich in den Dienst der guten Sache stellen. Ihr Arbeitgeber stellt die Busse zur Verfügung, die die Läufer morgens in Mainz abholen und nach Kelkheim bringen bzw. nach dem Zieleinlauf auf derselben Strecke zurück zum Start bringen. Die Fahrer opfern ihren freien Sonntag für die Läufer und die ARQUE.

Auch unter den Läufern gibt es jede Menge, die immer und immer wieder kommen, um von Hessen nach Rheinland-Pfalz zu laufen. Manche kommen jedes Jahr, andere lassen einige Jahre ins Land ziehen, bis sie sich wieder auf den Weg machen. Hans-Uwe Zietlow aus Dietzenbach war vor fast 20 Jahren das letzte Mal beim ARQUE-Lauf. Er kannte die neuen Streckenteile noch nicht und hat unterwegs so einiges fotografiert.

Hansmartin und Klausdieter Schweitzer sind 57jährige Zwillinge, einer wohnt „zuhause“ im Saarland, der andere in Boppard im Mittelrheintal. 2005 sind sie das letzte Mal gemeinsam bei einem Lauf angetreten. Und zwar auf der Strecke von Kelkheim nach Mainz. Dieses Jahr waren sie wieder gemeinsam unterwegs. Wobei Klausdieter, der vier Minuten jüngere Twin, keine 10 Jahre ARQUE-Pause machte. Hansmartin will nun auch nicht wieder so lange warten, bis er wieder die Ziel-Fünf-Minuten-Terrine genießt, die beim ARQUE-Lauf für Viele ein absolutes „must have“ ist.

24 Stunden-Weltmeister und Spartathlon-Gewinner Florian Reus wohnt seit einigen Jahren in Sulzbach. Er nutzte auch in diesem Jahr die Gelegenheit des Heimvorteils, einen etwas längeren Trainingslauf in Gesellschaft zu absolvieren. In der 5 min-Gruppe lief er nach Mainz. Dort hielt er sich aber trotz des guten Wetters nicht noch ewig auf, denn in zwei Wochen startet er beim 24 h-Lauf in Taiwan, zu dem er, wie schon im letzten Jahr, eingeladen ist. Eine Erkältung wollte er sich jetzt nicht noch einfangen.

Einen Laufkollegen aus alten Leistungssportzeiten konnte Michael Lederer auch aktivieren. Michael Spöttel, 1978 Sieger des Berlin-Marathons und 1979 Deutscher Marathonmeister mit einer Bestzeit von 2:12:53 h aus 1984, machte sich an diesem sonnigen Sonntag ebenfalls zu Fuß auf den Weg von Kelkheim nach Mainz.

So gibt es zu jedem Läufer und jeder Läuferin Geschichten zu erzählen. Da man sich eigentlich in eine Gruppe einsortieren sollte, in der man lockeres Trainingstempo laufen kann, hat man unterwegs die Möglichkeit, sich viele davon erzählen zu lassen. Wer Interesse daran hat, andere Läufer kennenzulernen, hat dazu beim ARQUE-Lauf jede Menge Gelegenheiten.

www.arquelauf.de


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