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Hebding, Marion

[eingestellt am 15. November 2009]

By: Gabi Gründling

beim Nanstein-Berglauf im März 2009

Marion Hebding kommt von der Bahn. Und das im doppelten Sinne. Denn die 68erin kam von der Stadionleichtathletik zum Straßenlauf und verdient ihren Lebensunterhalt bei der Deutschen Bahn. 

Nach ihrem Abi, das sie in Geschichte und Latein bastelte, hätte sie ursprünglich gerne Geschichte, Archäologie oder ähnliches studiert. Das Interesse an Kunst und Kultur vor allem aus dem Mittelalter ist bis heute geblieben. Letzten Endes studierte sie aber auf der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung im Rahmen ihrer Ausbildung bei der Bahn und so gehört sie noch zu der Generation, die “von der Wiege bis zur Bahre” demselben Arbeitgeber treu bleiben. Nach einigen Stationen ist ihre vorläufige Endstation die Aus- und Fortbildung der Lokführer. Aber wer weiß, sie ist noch jung genug für einen Streckenwechsel. Allerdings betont sie, daß ihr der Einbruch in die Männerdomäne richtig Spaß macht. Unter ihren 80 Mitarbeitern ist nur eine Frau.

Ihren Mann Klaus hat sie, wen wundert es, vor 15 Jahren bei der Bahn kennengelernt, ruckzuck fuhren sie auf einem gemeinsamen Gleis durchs Leben. Momentan führen sie eine Wochenendbeziehung, Marion arbeitet in Frankfurt mit bundesweiten Dienstreisezielen Klaus leitet den Hamburger Hauptbahnhof. In Mannheim, wo sie sich sauwohl fühlen, sind die beiden seinerzeit angekommen, weil ihre Schreibtische in Mainz bzw. Stuttgart standen.  

Zum TV Rheinau kam Marion, die in ihrer Jugend unter ihrem Mädchennamen Schmied in Nordrhein-Westfalen erfolgreich war, über Julia Alter. Die beiden lernten sich 2005 im Anschluß an den Marathon im heimischen Mannheim kennen, als sie, Zweite (Marion) und Dritte (Julia) geworden, zur Dopingkontrolle gebeten wurden. Seitdem fühlen sich “die Hebdinger”, wie Julia sie nennt, in Rheinau heimisch. Auch wenn Marion es im Jahr vielleicht 10x zum gemeinsamen Training schafft, so genießen sie doch ansonsten das Vereinsleben.  

Marion ist, nicht nur im Sport, sehr ehrgeizig. Ganz oder gar nicht. Der olympische Gedanke kommt ihr nicht in den Sinn. Das war auch der Grund für sie, nach dem Studium den Stadion-Wettkampfsport aufzugeben und fortan nur so zu laufen. Das macht sie 6-7x pro Woche, in der Regel morgens vor der Abfahrt nach Frankfurt. Normalerweise ersetzt sie die frühmorgendliche Laufeinheit 2x pro Woche durch eine Schwimmstunde. Dazu kommen noch Gymnastik, Yoga, Fitnessstudio. Für ihre guten Ergebnisse trainiert sie recht unkonventionell: ohne Pulsmesser, ohne genaue Kenntnis der zurückgelegten Strecken, ohne zu wissen, wie viel sie eigentlich so läuft, ohne Trainingsplan. Sie läuft einfach in einem vorgegebenen Zeitkorridor, am Wochenende gemeinsam mit ihrem Mann und/oder Freunden gerne auch mal länger. Ab und zu versucht sie sich an kleineren Triathlons, wobei ihre Schwäche dabei das Schwimmen ist, obwohl sie das Radfahren im Gegensatz zum Schwimmen fast gar nicht trainiert, dazu fehlt ihr einfach die Zeit. Für ihren heimlichen Traum, ein Ironman-Finish, müsste sie das ändern. Beim Laufen reichen ihr die Strecken bis Marathon. Über Ultra mag sie nicht mal nachdenken. Dabei setzt sie auf eine Mischung aus Landschafts- und Stadtläufen. Mannheim, Hamburg, Frankfurt – diese Marathonbahnhöfe ergeben sich schon aus ihrem Lebenslauf. Den C42 in Davos hat sie schon zwei Mal gewonnen, dort wurde sich auch von Julia Alter hingeschleppt und leckte anfangs auf der 28 km-Strecke Blut. Der Frankfurt-Marathon 2009 war ihr 16. Start über 42,195 km und bisher ihr schnellster Durchlauf. Nach 2:59:06 h kam das erlösende Zielpiepsen der Chipmatten. Auf die sub3 hatte sie jahrelang warten müssen, mit 3:00:37 h war sie bei ihrem zweiten Marathon im Oktober 2004 denkbar knapp an der magischen Schranke gescheitert. Ihr Debut hatte sie im selben Jahr in Mainz gegeben. 

Marion führt das Erreichen ihres Zeitziels darauf zurück, daß sie sich 2009 durch so viele Volksläufe wie noch nie zuvor die nötige Tempohärte geholt hat. In den vergangenen 12 Monaten findet sich ihr Name nicht weniger als 20x alleine in den Ergebnislisten, die auf laufinfo.de veröffentlicht sind. 

Wenn Hebdings Urlaub machen, dann am liebsten in den Bergen und gerne mit Rucksack bewaffnet, um der Zivilisation so weit wie möglich zu entfliehen. So haben sie schon den berühmten GR20 auf Korsika geschafft und in den vergangenen zwei Sommern den Fernwanderweg von München nach Venedig. Die Grundlage für ihre Touren, die auch gerne über Klettersteige führen dürfen, holen sie sich auch schon mal auf Praktikerseminaren des Deutschen Alpenvereins. Marion geht schon berufsbedingt immer gerne auf Nummer Sicher. 

Sport treibt sie übrigens schon alleine deshalb, um sich beim Essen nicht zurückhalten zu müssen. Da ist sie nämlich gerne mal undiszipliniert. Wenn ihr Laufzug aus irgendeinem Grund mal abfahren sollte, würde sie sich auf jeden Fall eine Alternative suchen, um ihrem Bewegungsdrang nachzugeben. Ihrem Appetit gibt sie am liebsten bei allem möglichen mit viel Gemüse nach, besonders hat es ihr die Kürbissuppe mit viel Ingwer angetan, für die ihr Mann zuständig zeichnet.  

Ihre Bestzeiten im Überblick: 

(Update Juni 2014)

Jugend-Zeiten:
800 m             2:15 min
1.000 m          2:54 min
1.500 m          4:40 min
3.000 m         10:36 min
10 km            38:23 min
15 km            58:55 min

Alters-Zeiten:
10 km             38:30 min (Frühlingslauf Rot 2009)
21,1 km          1:25:24 h (Mannheim 2014)
42,2 km          2:59:06 h (Frankfurt 2009)

Ironman Bestzeit Frankfurt 2013 mit 10:06 h sowie Hawaii mit 10:08:32 h


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