Kanzlei.org - laufend gut beraten

Faszien. In Sport und Alltag – Schleip, Robert mit Baker, Amanda

[eingestellt am 28. Dezember 2015]

By: hahnertwins

Als ich das Buch zum ersten Mal sehe, bin ich positiv überrascht. Halte ich hier wirklich ein wissenschaftliches Buch zur Faszienforschung in meinen Händen? Das Cover ist sehr ansprechend in schwarz und magenta gehalten mit einem Foto einer tanzenden Frau in einem extrem lässigen Look. Das Cover macht auf jeden Fall Lust auf mehr, ich bin gespannt auf die Beiträge von 27 führenden Faszienforschern über neueste Untersuchungs- und Studienergebnisse.

Das Inhaltsverzeichnis verspricht bunt gemischte Themengebiete von der Theorie der Faszienforschung bis zur praktischen Anwendung in der Körperarbeit, der Physiotherapie und im Tanz- und Sporttraining. Die Adressaten des Buches sind vor allem Therapeuten sowie die Menschen, die ihren Körper bzw. das Fasziensystem besser kennenlernen wollen. Nützt das Buch auch einem Läufer? Ich bin gespannt und lese mich ein.

Faszien werden als kollagenes, faseriges Bindegewebe definiert, das als „Element eines körperweiten Spannungsnetzwerks zur Kraftübertragung betrachtet werden kann“. Sie setzen sich aus Zellen und einer Extrazellulärmatrix aus Fasern und wässriger Grundsubstanz zusammen. Soviel hier zu Theorie. Die Texte sind auch für mich als Laien verständlich und ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch beim Physiotherapeuten, wo ich mit meinem Hintergrundwissen glänzen kann.

In Kapitel 9 wird das Thema Dehnen näher beleuchtet. Ist regelmäßiges Dehnen notwendig? Der Autor dieses Kapitels vertritt eine sehr radikale Meinung, die durchaus sehr interessante Gedankengänge zeigt. Wissenschaftlich lasse sich nicht belegen, dass Dehnen die Leistung fördere, es könne sogar kontraproduktiv wirken. Was Dehnen mit unserem Körper macht, versteht man nach Lesen des Kapitels besser. Statt Dehnen würden sich Übungen zur Faszienfitness zum Aufwärmen vor einem Training deutlich besser anbieten. Diese werden in Kapitel 11 beschrieben.

Am meisten freue ich mich auf das Kapitel 18, „Funktionelle Trainingsmethoden für die Faszien des Läufers“. Durch funktionelles Faszientraining können laut Autor sowohl Verletzungen verhindert, als auch die Laufeffizienz verbessert werden. Im Kapitel wird zunächst auf die Ursache von Laufverletzungen eingegangen. Anschließend werden Trainingsmethoden erklärt. Hierbei wird auf Fragen wie: Was bedeutet funktionelles Training? Welchen Zweck hat Krafttraining für Läufer? Und was bedeutet Faszientraining? eingegangen. „Ein Lauftraining muss elastisch funktionell und vom Ansatz her global ausgerichtet sein. Es muss den gesamten Körper mit einbeziehen, nicht nur die unteren Extremitäten.“ Daher erläutert der Autor auch acht praktische Übungen für den Läufer: federnde und plyometrische Bewegungen, vorbereitende Gegenbewegungen, unilaterale Bewegungsmuster sowie Übungen, die den Laufmechanismus nachahmen. Die Übungen seien vor allem für Mittelstrecken- und Amateurläufer gedacht. Doch auch für mich als Leistungssportlerin und Langstreckenläuferin sind die Übungen sehr interessant. Sie sind in Worten und mit Bildern beschrieben, erläutern den Zweck und die Ausführung.

Für ein wissenschaftliches Buch bekomme ich sehr viele Praxistipps und für mich als Laien, der sich schon relativ gut mit dem menschlichen Körper und der Trainingslehre auskennt, ist es auch verständlich geschrieben. Wer als Läufer mehr über den menschlichen Körper wissen möchte und sich auch für Unterschiede in der Beanspruchung des Körpers bei verschiedenen Sportarten interessiert, für den ist das Buch zu empfehlen.

 

ISBN 978-3-86883-705-6

München (2016): riva Verlag.

286 Seiten.

49,99 €

 

 


Kossmann Laufdesign