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40. Nikolauslauf Tübingen

[eingestellt am 06. Dezember 2015]

By: Jochen Höschele

Fotos: Nicole Benning und Jochen Höschele

Die Radlerequipe bereitet sich auf den Start vor

Gerold Knisel, Gesamtleiter des Tübinger Nikolauslaufes

Matthias Koch ist vor dem Lauf bester Dinge und liefert wieder eine tolle Leistung ab

Anaïs Sabrié, Siegerin 2014 und auch in diesem Jahr hoch gehandelt, ist auch wieder mit von der Partie

Das Führungstrio nach knapp neun Kilometern: Links der Zweite Peter Obenauer, rechts der Dritte, Lorenz Baum. Dahinter verdeckt läuft der Sieger Jens Ziganke. Wer genau hinsieht, kann seine Beine und einen Schuh entdecken

Gert Hänsel (rechts, mit roter Jacke), seines Zeichens Streckensprecher und Moderator der Siegerehrung, schaut prüfend auf die Uhr

Mit Schwung und musikalischer Unterstützung geht es an dieser Ecke in Runde zwei

Timo Zeiler folgt dem Führungstrio mit gebührendem Abstand und belegt am Ende Rang vier

Der schnelle Nikolaus alias Gunnar Erz führt eine weitere Verfolgergruppe heran

Daniel Noll schaut kritisch, wird im Ziel aber als sehr guter Sieber in 1:15:08 h registriert

13. und Dritter der M30 wird Michael Braun vom SV Ohmenhausen in 1:17:26 h

Beim Nikolauslauf hat selbst die Verfolgergruppe noch eigene Führungsradfahrer, die in Runde zwei den Weg freimachen

10. Tim Patrick Ellerhoff (16), 9. Tim Lange (in orange) und 19. Alessandro Collerone (27) laufen bis zur Zehnkilometermarke gemeinsam, dann trennen sich ihre Wege

Matthias Baur (10) und M45-Sieger Wolfgang Gauß (34) laufen als 23. und 24. in knapp über 1:19 h ein

Marcus Baur (20), Florian Gall (11) und Markus Mößler (15) sind nach 1:20 h, 1:21 h bzw. 1:22 h im Ziel

Freie Bahn für die Vorjahressiegerin Anaïs Sabrié

Daniel Zuger (75) und Tim-Phillip Koch (52)

Raphael Eith (39) liegt knapp vor der Dritten, Hannah Arndt (LV Pliezhausen; 165), die in 1:23:29 h zwei Sekunden nach ihm einläuft

Pascal Huber vom Post-SV Tübingen läuft 1:25:34 h und „zieht“ eine große Verfolgergruppe hinter sich her

Patrick Kissling (76) und die 6. Frau, Isabelle Grosskopff

Stefanie Kuhnert vom VfL Pfullingen wird Vierte in 1:24:47 h

Die Siebte und WJU-Siegerin Hannah Gröber von der LAV Stadtwerke Tübingen läuft 1:26:30 h

Ein flottes Quartett aus LAV-Läufern nimmt Kurs auf die zweite Runde

Kaiserwetter und Fernsicht über den Schönbuch hinweg waren die „Sahnehäubchen“ auf der Jubiläumslauftorte

„NikoKlaus“ Diesch flankiert von Marcus Mieck (357) und Till Bruckdorfer (234)

W55-Siegerin Brigitte Hoffmann, hier gemeinsam mit dem M55-Sechsten, Klaus Stöhr (413)

M70-Sieger Eddy Schlenker gewinnt seine Altersklasse souverän in 1:36:42 h

Marc Hehner (257) und Miriam Köhler (205)

W55-Zweite Jutta Bidermann hat’s nach 1:41:24 h geschafft

Karim Mohamed (307) und Roland Hardenberg (771)

Philipp Noack (758) schafft’s auch noch unter 100 Minuten ins Ziel

Steffen Klukas (754) ist einer von vielen Läufern, die das neue Teilnehmershirt gleich einweihen

Charly Purucker (731) dagegen nimmt lieber jenes vom letzten Jahr, das ist bereits „eingelaufen“

Anna-Maria Langer ist in dieser Gruppe von Männern umschwärmt

W30-Fünfte Claudia Müller (2456) hat als einzige dieser Gruppe die gelbe Startnummer des zweiten Startblocks und hat nach acht Kilometern zu den Läufern des „weißen Blocks“ aufgeschlossen

W30-Sechste Tanja Massauer setzte angesichts der läuferfreundlichen Temperaturen auf wenig winterliche Bekleidung

Cornelia Traub von Tria Echterdingen (833) wird Achte in der W50 in 1:51:33 h

Falls die Rentiere ausfallen, stünde auch ein Pferd parat

Jens Ziganke (SV Reichenau), der Sieger des 40. Tübinger Nikolauslaufes in 1:10:57 h, auf der Zielgeraden herausgefordert vom Nikolaus Gunnar Erz

Peter Obenauer von Intersport Räpple wird Zweiter in 1:11:16 h

Lorenz Baum ist schnellster LAV-Läufer und Dritter in 1:12:28 h

Mit zwei Sekunden Vorsprung erobert Timo Zeiler (vorne) den vierten Platz in 1:14:29 h vor dem zweitbesten LAVler, Simon Friedrich

Spannender Schlussspurt um die Krone in der M50: Matthias Koch (vorne) liegt in 1:17:45 h eine Sekunde vor Luigi de Franceschi

Auch die Siegerin wird vom Nikolaus ins Ziel geleitet: Die Französin im LAV-Trikot, Anaïs Sabrié, gewinnt den 40. Tübinger Nikolauslauf in 1:21:29 h und verfehlt den Streckenrekord nur knapp

Zweite wird die Oberkollbacherin Nora Kusterer in 1:23:07 h

Philipp Petzold (180) kann sich noch vor der Tübinger Übermacht um Yannick Markhof und Christoph Dreser in 1:23:54 h ins Ziel retten

Startaufstellung mit dem späteren Sieger, Jens Ziganke (2) und dem Vierten, Timo Zeiler (rechts daneben in schwarz)

Zwischen Kilometer fünf und sechs wellt sich die Strecke ein zweites Mal in Richtung Heuberger Tor

Auf der ersten Runde ist das Teilnehmerfeld noch ziemlich dicht beisammen

Von oben kommend geht es Richtung Heuberger Tor, das bei Kilometer drei, sechs, 15 und 18 passiert wird. Ein idealer Standort, um das Rennen zu verfolgen, ohne sich dabei selbst großartig bewegen zu müssen. Und Glühwein gibt es hier auch (für die Zuschauer)!

Am höchsten Punkt der Strecke nach etwa 4,8 beziehungsweise 16,8 Kilometern

Nach knapp drei Kilometern geht es den Bettelweg steil hinauf zum Heuberger Tor. Noch anstrengender ist dieselbe Steigung dann in der zweiten Runde, zwölf Kilometer später

Vom Nachwuchs auf der Zielgeraden begleitet

Etliche Zuschauer und noch mehr Teilnehmer auf der langen Zielgeraden

Steffen Brugger vom TV Zell (2796) nimmt die letzte Kurve etwa 500 Meter vor dem Ziel mit Schwung

Leon Jäger (1047) und Gabi Janetzko biegen auf die Zielgerade ein

Ben Kröner (3072) und Luu Minh-Vinh Ngo von der „Laufgruppe Atemnot“ können nach 1:52:30 h durchschnaufen

Nikolaus im Doppelpack

Eine bis zum Horizont reichende Läuferschlange war im Tübinger Norden zu bestaunen

Vom LBS-Zielbogen sind es immer noch 250 Meter….aber die schafft ihr auch noch!

Pressekonferenz mit Sieger Jens Ziganke, Siegerin Anaïs Sabrié, 2. Nora Kusterer, 3. Hannah Arndt und dem 3. Lorenz Baum (von links)

Ein gscheiter Lauf!

Tübingen, den 6. Dezember 2015 – Wenn im Schwäbischen von etwas „Gscheitem“ die Rede ist, so kann dies mindestens zweierlei Bedeutung haben. Eine brauchbare, nützliche, sinnvolle oder gar hochwertige Sache („a gscheits Auto“) oder Einrichtung kann ebenso gemeint sein, wie eine kluge, weise, intelligente Person („Des isch a gscheits Mädle.“) Auf weitere sprachliche Feinheiten und Nuancen sei an dieser Stelle verzichtet; diese können aber gerne mit dem Autor persönlich erörtert werden.

Weit verbreitet ist auch die fast schon sprichwörtliche Redensart, dass „der Schwabe erst mit vierzig gscheit“ werde. Gemeinhin spricht man deshalb auch vom „Schwabenalter“, in das man mit dem 40. Geburtstag eintritt.

So gesehen, und hier schließt sich der Kreis zum Nikolauslauf, feierte diese Tübinger „Institution“ nicht nur ihre 40. Auflage (sprich: Geburtstag), nein, sie wurde demzufolge auch, im obigen Sinne „gscheit“.

Doch was, mag sich der Leser fragen, was macht einen „gscheiten Lauf“ denn eigentlich aus?

Im Grunde würde eine Teilnahme an diesem Fixstern am Tübinger Läuferhimmel genügen, und die Antwort auf diese Frage würde sich von selbst ergeben. Denn vieles, wenn nicht sogar alles, ist beim Nikolauslauf „gscheit“, also durchdacht, sinnvoll und hochwertig. Bevor es zu praxisfern wird, widmen wir uns aber doch zunächst dem aktuellen Jubiläumslaufgeschehen:

Besser hätte es nicht sein können. Zumindest, was das Wetter betraf, schienen die Tübinger um den Gesamtleiter Gerold Knisel einen Bund mit Petrus geschlossen zu haben. War es etwa eine Stunde vor dem Start mit knapp fünf Grad über Null noch recht kühl, so zeigte sich mit dem Ertönen des Startschusses um zehn Uhr die Sonne und schien kräftig auf das große Teilnehmerfeld herab. Ausverkauft waren die Startnummern auch in diesem Jahr wieder ziemlich schnell, dabei standen gar 3400 Plätze zur Verfügung. Dass man sich bereits Ende September oder Anfang Oktober um eine der begehrten Startnummern bewerben muss, hat zur Folge, dass mancher, von Verletzung, Erkältung oder Trainingsrückstand zurückgeworfen, letztlich im Dezember nicht teilnehmen kann oder will.

Wo andernorts selbiges schulterzuckend zur Kenntnis genommen und die Startgebühr einkassiert wird, haben die Tübinger die „Tauschbörse“ ersonnen, bei der unbürokratisch und von Läufer zu Läufer gegen Kostenersatz Nummern weitergegeben werden können. Vor allem auch deswegen bleibt der „Schwund“ zwischen den Voranmelde- und den Finisherzahlen im Rahmen.

Ein solch großer Lauf mit mehreren tausend Teilnehmer erfordert natürlich auch andere, angepasste Logistik im Vergleich zu den 90er Jahren des vorigen Jahrtausends, als es noch zwischen 500 und 700 Läufer waren, die am Nikolauslauf die Schuhe schnürten. Beim Start bemerkt man dies an der Aufteilung des Läuferfeldes in unterschiedliche Leistungsgruppen. Diejenigen mit den „weißen“ Nummern dürfen zuerst losrennen, sie haben die schnellsten Meldezeiten angegeben und tragen die Nummern 1 bis 1000. Dahinter folgen zwei weitere Blöcke („blau“ und „gelb“) im Abstand von wenigen Minuten. Das bedeutet eine sinnvolle und unumgängliche Entzerrung des Feldes der ungefähr 3000 Teilnehmer.

Die „Schnellen“, das sind oft genug nicht nur Läufer aus der unmittelbaren Umgebung, oft kommen die Sieger und Platzierten in Tübingen auch von weiter her angereist. Das war heuer ausnahmsweise nicht der Fall.

Den fachkundigen Zuschauern, von denen es vor allen Dingen bei Start und Ziel und in am Heuberger Tor eine stattliche Zahl gibt, war das Führungstrio bei den Männern sehr wohl vertraut. Lorenz Baum, der Lokalmatador von der LAV Stadtwerke Tübingen, zählte ebenso dazu wie Jens Ziganke (SV Reichenau), der in Tübingen beheimatet ist. Und mit Peter Obenauer war der Dritte im Bunde ebenfalls ein regionaler Athlet, der normalerweise für den LV Pliezhausen antritt, in Tübingen aber für „Intersport Räpple“ startete.

Diese drei hatten sich auf der ersten Runde, an deren Ende man nach etwa 8,5 Kilometern wieder auf die Waldhäuser Straße einbiegt, bereits einen beträchtlichen Vorsprung herausgearbeitet. Mit einer Minute Abstand folgten der mehrfache Deutsche Berglaufmeister, Timo Zeiler (LG Brandenkopf) und mit Simon Friedrich ein weiterer Sportler der LAV Stadtwerke Tübingen. Es schien fast ausgeschlossen, dass sich noch ein anderer würde in die Nähe der Podestränge nach vorne schieben können, zu groß war bereits der Rückstand auf das Führungstrio. Allerdings birgt die Tübinger Nikolauslaufstrecke natürlich auch ihre Tücken, denn die (längere) zweite Runde hat auch mehr Höhenmeter aufzuweisen und ließ schon so manche Hoffnung auf einen Podestplatz oder eine gute Zeit sich in Luft auflösen.

Bei den Frauen war die Konstellation an derselben Stelle und dem Beginn der zweiten Runde beinahe ebenso klar: Die Vorjahressiegerin Anaïs Sabrié in den Farben der LAV führte bereits recht deutlich vor Nora Kusterer (SV Oberkollbach) und der Pliezhäuserin Hannah Arndt.

Sabriés Durchgangszeit deutete sogar darauf hin, dass der Streckenrekord von Stephanie Beckmann, der seit dem Jahr 2002 bei 1:21:21 h steht, ernsthaft in Gefahr war. 37:09 min wurde für die zierliche 21jährige aus Nyons gestoppt, also ein Kilometerschnitt von 3:43 Minuten. Die deutlich schwierigere zweite Hälfte (der tiefste Punkt der Strecke ist erst nach etwa elf Kilometern erreicht) forderte dann aber doch ihren Tribut, und die Medizinstudentin Anaïs Sabrié verfehlte letztlich die Streckenbestzeit um die Winzigkeit von acht Sekunden. 1:21:29 h lautete ihre Marke, mit der sie aber nicht nur die Jubiläumsausgabe des Nikolauslaufes souverän gewinnen konnte, sondern auch die zweitbeste jemals von einer Frau hier gelaufene Zeit erzielte. In der anschließenden Pressekonferenz verriet sie auch, dass sie „schon etwas Respekt“ gehabt hatte angesichts der starken Konkurrenz in Person von Nora Kusterer. „Aber eigentlich ist das ja auch gut, denn dann sind wir zu zweit vorne, das spornt noch zusätzlich an“, hatte sie sich nicht bange machen lassen.

Dass es dann ganz anders kam und sie vom Start weg allen übrigen Frauen davon gelaufen war, hat sie zwar etwas überrascht, doch nicht aus dem Konzept gebracht. Das geschah erst, als sie den ersten aufblasbaren Zielbogen sah und dieses „Werbemittel“ des Hauptsponsors mit dem tatsächlichen Zielbogen verwechselte. „Ich dachte echt, ich laufe Streckenrekord. Als ich den Bogen sah, dachte ich, „Du hast noch so viel Zeit“, und dann habe ich erst gemerkt, dass das Ziel noch ein Stück weit weg ist. Und da hat es nicht mehr gelangt.“ Eine wirkliche Enttäuschung konnte man aber bei der Französin nicht ausmachen, denn zu eindeutig fiel der Triumph aus und der verpasste Rekord war eine bloße Randnotiz. „Außerdem habe ich dann schon ein Ziel für nächstes Jahr.“

Auch Nora Kusterer war angesichts ihres zweiten Platzes alles andere als frustriert. „Bei Kilometer sechs bin ich schon am Streckenrand gestanden, dann haben mich die Jungs motiviert, doch weiterzulaufen. Und ich muss sagen – es hat sich wieder gelohnt, sich durchzubeißen. Es war unheimlich hart heute, aber Tübingen ist einfach etwas Besonderes. Ich bin heute das achte Mal hintereinander hier gelaufen. Ich kenne keinen schöneren Lauf als den Nikolauslauf. Umso mehr freut es mich, dass ich Zweite geworden bin.“ In 1:23:07 h war die 26jährige Kusterer gut eineinhalb Minuten langsamer als Sabrié, doch trotz ihrer kurzen Standpause verwies sie die gleichaltrige Hannah Arndt vom LV Pliezhausen mit 22 Sekunden Rückstand auf Rang drei. Arndt konstatierte, dass „das heute eine richtige Quälerei“ war. Allerdings war ihr zweiter Halbmarathon (die Premiere feierte sie im letzten Jahr an selber Stelle) auch flotter als das Debüt.

Falls es noch eines Beweises für die Leistungsfähigkeit des Jahrgangs 1989 bedurfte, lieferte ihn außer Nora Kusterer und Hannah Arndt die dritte im Bunde, die im Jahr des Mauerfalls geboren wurde: Stefanie Kuhnert (VfL Pfullingen) wurde mit 1:24:47 h ausgezeichnete Vierte und lag eine knappe Minute vor Katrin Köngeter (FC Alemannia Unterkirnach; 1:25:40 h), die Isabelle Grosskopff (ESV Münster; 1:26:06 h) auf den sechsten Platz verwies. Hannah Gröber (Siegerin WJ von der LAV Stadtwerke Tübingen in 1:26:30 h), Katrin Vogler (Team Brunnen-Apotheke; 1:29:03 h) und die Deutsche Meisterin über 100km, Pamela Veith (TSV Kusterdingen; 1:29:13 h) waren die weiteren Läuferinnen, die unter 90 Minuten ins Ziel kamen. Insgesamt wurden 688 Teilnehmerinnen registriert, ehe die Zeitmessung nach gut 2:40 Stunden abgeschaltet wurde.

Der Ausgang des Rennens bei den Männern war, wie beim Durchlauf nach 8,5km bereits zu erwarten, knapper als bei den Frauen. Jens Ziganke konnte sich aufgrund seiner Stärke am Berg von seinen Mitläufern absetzen und sicherte sich den Sieg in 1:10:57 h vor Peter Obenauer, der nach 1:11:16 h nur wenig nach ihm einlief. Etwas größer war dann schon der Rückstand des Tübingers Lorenz Baum, der nach 1:12:28 h aber unangefochtener Dritter wurde. Timo Zeiler musste sich schon noch etwas lang machen, um in 1:14:29 h zu 1:14:31 h gegenüber Simon Friedrich, dem LAV Stadtwerke-Athleten, die Oberhand zu behalten und auf Platz vier einzulaufen. Pascal Brobeil vom Team injoy Balingen war blieb in 1:14:52 h ebenfalls noch unter 75 Minuten, ehe auf Platz sieben Daniel Noll (TSV Glems 1896) mit 1:15:08 h diese Marke knapp verfehlte. Boris Rein (1:15:32 h) und Tim Lange (1:16:11 h), beide von Intersport Räpple, folgten auf den Plätzen acht und neun, ehe Tim Patrick Ellerhoff vom Post-SV Tübingen in 1:17:10 h die Top Ten komplettierte.

Kurz darauf gab es noch einen sehenswerten Endspurt um den Titel in der M50 zwischen dem LAVler Matthias Koch und dem Ohmenhäuser Luigi de Franceschi, den der Tübinger Koch mit einer Sekunde Vorsprung in 1:17:45 h für sich entschied. Allerdings war der Sieg teuer erkauft, denn „so bei Kilometer 17, 18 hat meine Wade plötzlich zugemacht und ich musste das Tempo herausnehmen. Als dann Luigi auf der Zielgeraden neben mir war, habe ich dann halt noch einmal alles versucht. Jetzt hoffe ich nur, dass ich dieses muskuläre Problem schnell wieder in den Griff bekomme und mich davon erhole“, so der schnelle Senior und mehrfache Deutsche Meister im Anschluss.

Sehr aufgeräumt zeigte sich der Sieger Jens Ziganke im Interview. „Ich freue mich riesig, dass ich diesen prestigeträchtigen Lauf gewonnen habe. Seit zwei Jahren wohne ich hier in Tübingen, bin als Lehrer am Bildungszentrum West tätig und kann daher gut ermessen, welchen Stellenwert der Nikolauslauf in der Stadt, aber auch in der Region, besitzt. Dass ich gleich bei meinem ersten Start hier gewinne, ist natürlich schon etwas Besonderes. Allerdings hätte jeder von uns drei gewinnen können, das war ein richtig enges Rennen.“ Die Bergaufqualitäten waren es, die der eher leichtgewichtige und kleine Ziganke zu seinem Vorteil nutzen konnte. Peter Obenauer, der Zweitplatzierte, offenbarte anschließend, bereits beim ersten Anstieg am Bettelweg nach drei Kilometern Probleme gehabt zu haben, Ziganke und Baum zu folgen. „Immer wieder musste ich das Loch zulaufen, was mir dann bergab auch gelungen ist.“ Endgültig zu groß war die Lücke dann, als es das zweite Mal den Bettelweg hinauf Richtung Heuberger Tor ging. Nach 15 Kilometern war also eine Vorentscheidung gefallen, Lorenz Baum hier bereits abgeschlagen Dritter und Peter Obenauer musste erkennen, dass er Jens Ziganke nicht mehr einholen würde. „Da habe ich mich dann darauf konzentriert, den zweiten Platz abzusichern, denn das ist schließlich auch was wert, hier in Tübingen Zweiter zu werden.“

Lorenz Baum, schnellster LAV-Athlet, erkannte Zigankes Stärke am Berg ebenfalls neidlos an. „Jens hat am Berg immer gedrückt und nicht nachgelassen, da konnte ich dann irgendwann Mitte der zweiten Runde nicht mehr mithalten. Aber ich bin mit dem dritten Platz vollauf zufrieden, habe den Nikolauslauf voll aus dem Training heraus bestritten und mich nicht speziell darauf vorbereitet.“

Wie auch immer man es angeht – Jens Ziganke und Nora Kusterer hatten nach einem mehr oder weniger gelungenen Herbstmarathon in Frankfurt (Ziganke erreichte das Ziel nicht, Kusterer lief mit 2:42 h eine neue persönliche Bestzeit) zunächst regeneriert und dann einige Tempoläufe (Ziganke) absolviert oder einfach locker trainiert (Kusterer), letztlich führten beide Wege zu einem beachtlichen Ergebnis. Auch wenn im Falle Kusterer Gesamtleiter Gerold Knisel der Meinung war, dass „Nora mal drangewesen wäre, auch von ihren Vorleistungen her“, so steckte der Oberkollbacherin wohl einfach noch der Marathon in den Knochen. Und Anaïs Sabrié fühlt sich nach eigener Aussage „auf den längeren Strecken“ einfach am wohlsten. Einen Ausflug auf die Cross-Strecken wird sie im Winter dennoch wieder wagen, auch wenn ihr Unterfangen, sich für die Cross-EM zu qualifizieren, im Frühjahr nicht erfolgreich war. „Das ging mir alles viel zu schnell dort, da habe ich gemerkt, dass mir eben längere Sachen mehr liegen.“

Eine längere Sache, wenn man seine Historie betrachtet, ist der Tübinger Nikolauslauf, mittlerweile auch. Eine „gscheite“ Sache, im besten (schwäbischen) Sinne, ist er sowieso. Mit dem Erreichen der „Gscheitheits-Altersgrenze“ tritt er nun in eine neue Ära ein. Doch, ganz ehrlich, was können wir dem Tübinger Nikolauslauf denn noch wünschen? Verbesserungsmöglichkeiten gäbe es allenfalls noch im Detail, und manche Dinge, die vielleicht dem einen oder anderen missfallen, sind einfach der schieren Größe des Laufes geschuldet. Die Tatsache, dass er immer so schnell ausgebucht ist, kommt nicht von ungefähr. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, die Organisation ist top, 200 Helfer bringt der gerade einmal 450 Personen starke Post-SV Tübingen auf die Beine, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

Als Beispiel für die vielen treuen Fans und Teilnehmer sei nur erwähnt, dass sowohl das jährlich neu gestaltete Shirt von vielen sofort getragen wird als auch die „Vorjahreshemden“, die aufgrund der unterschiedlichen Farben leicht zuzuordnen sind, häufig ausgemacht werden konnten. Und die Sportler, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht teilnehmen konnten, stehen nicht gerade selten an der Strecke und feuern die Teilnehmer an – so geschehen auch in diesem Jahr, als (unter anderem) Werner Bauknecht und Richard Rein den Läufern Applaus spendeten.

Im Grunde war es nicht mehr als recht und billig und wohlverdient, dass das Nikolauslaufjubiläum von Kaiserwetter mit Temperaturen bis zu 12 Grad gekrönt wurde. Davon hatten dann nicht nur die 2773 Finisher etwas, auch die freiwilligen Helfer und die Zuschauer erfreuten sich daran. Und sogar dem Hefezopf wurde derart eifrig zugesprochen, dass für einige Teilnehmer nicht mal mehr ein Krümel übrig war. Glücklicherweise gab es ja noch das Kuchenbuffet in der Geschwister-Scholl-Schule, wo an Kuchenhydraten kein Mangel herrschte.

Für alle Nikolauslauf-Freunde und solche, die es werden wollen, hier noch ein Tipp: Der 41. Tübinger Nikolauslauf findet am 4. Dezember 2016 statt. Rechtzeitiges Anmelden wird dringend empfohlen.

 

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.nikolauslauf-tuebingen.de

 

 

 


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