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38. Course de l'escalade Genf

[eingestellt am 07. Dezember 2015]

By: Volker Goineau

Buntes Feld in der Abenddämmerung

Siegerehrung M40

Siegerehrung M50

Großes Lauf-fest im „Parc des Bastions“

Gespannte Zuschauer

Und ab in die nächste Runde

Gleich geht’s wieder aus dem Park raus

Buntes Treiben bei der Startnummernausgabe

Tadesse Abraham sorgt für einen Schweizer Sieg

Genf, 5.12.2015 - Wie in jedem Jahr fand auch anno 2015 am ersten Dezember-Samstag die „Course de l'escalade“ in Genf statt. Dies ist der größte Schweizer Straßenlauf, der in diesem Jahr mit einem Rekord von 42.456 gemeldeten Teilnehmern aufwarten konnte.

Die „escalade“ ist ein Fest, das alljährlich im Dezember in Genf stattfindet und an die erfolgreiche Verteidigung der Stadt gegen Karl Emanuel von Savoyen im Jahr 1602 erinnert. Außerdem bedeutet das Wort „escalader“ so etwas wie „klettern“; eine „escalade“ also einen Aufstieg. Und so ist der Kurs dieses Rennens auch ziemlich profiliert. Kurz nach dem Start auf der Straße neben dem „parc des Bastions“ führt es bergauf, bis man auf einer höheren Ebene eine längere flache Passage hat, bevor es in der Genfer Altstadt hoch und runter geht. Der Kurs weist viele Kurven auf und Asphalt und Kopfsteinpflaster wechseln sich ab. Die Stimmung hier ist großartig, die Teilnehmer werden lautstark von vielen Tausend Zuschauern angefeuert, ein Highlight der Strecke ist der Platz „bourg de four“. Gegen Ende der Runde geht es ziemlich steil bergab, bevor man in den Park läuft und entweder die nächste Runde in Angriff nimmt oder ins Ziel läuft. Die Runde misst etwas mehr als 2,4 km. Die Männer laufen drei Runden, während die Frauen in den meisten Altersklassen nur zwei Runden absolvieren, bis auf die Elite, die in diesem Jahr erstmals genau wie die Männer drei Runden und somit laut Ausschreibung 7,323 km zurückzulegen hatten. In den Kinder- und Jugendklassen waren die Strecken zum Teil natürlich kürzer.

Nachdem am Freitagabend bereits die Walker etwas mehr als 8 km absolviert hatten, ging es am Sonnabend um 9:30 Uhr mit den sechsjährigen Mädels los, die auf eine 1,736 km lange Strecke geschickt wurden. Alleine dieser Wettbewerb hatte 399 Finisher zu verzeichnen! Im folgenden Rennen der gleichaltrigen Jungen waren es sogar 514.

Den Tag über zogen sich die Wettbewerbe für sämtliche Altersklassen und Leistungsniveaus hin, wobei die meisten Rennen live im Genfer Fernsehen übertragen wurden. Die Witterungsbedingungen waren mit 8 bis 9°C und kaum Wind quasi optimal. Bevor um 18:30 Uhr mit einem Spaß-Lauf für verkleidete Teilnehmer über 3,6 km die Läufe beschlossen wurden, standen die sportlichen Highlights der Veranstaltung um 15:55 und 16:30 Uhr an: die Eliterennen der Frauen und Männer. Zunächst wurden die Frauen auf die Strecke geschickt, die wie bereits erwähnt erstmals genau wie die Männer die Drei-Runden-Distanz zu absolvieren hatten. Es wurden hier 167 Läuferinnen im Ziel registriert. Es handelt sich in Genf nicht um reine Elite-Rennen, sondern auch die guten Hobbyläufer, welche ein gewisses Leistungsniveau vorweisen, vorzugsweise an bisher bei diesem Rennen erzielten Zeiten gemessen, können bzw. sollen sich für das Eliterennen anmelden und nicht im Jedermannlauf starten.

Als schnellste legte die Äthiopierin Helen Bekele die gut 7,3 km zurück. Sie gewann das Rennen in 24:27,2 min, was einem Kilometerschnitt von 3:20 min. entspricht. Die erst 21jährige, die in Genf lebt, gewann in den vergangenen Wochen bereits die Straßenläufe in Bulle und in Basel. In der Schweiz finden alljährlich im Spätherbst mehrere topbesetzte Straßenrennen über relativ kurze Distanzen statt, die zumeist bei toller Atmosphäre durch die Innenstädte führen. Für die Masse an Hobbyläufern also sehr attraktiv und ebenso für die Profis, die mit Antritts- und/oder Siegprämien gutes Geld verdienen können. Da die Rennen zum Teil deutlich unter 10 km lang sind, braucht man keine all zu langen Erholungsphasen und kann durchaus drei bis vier Wochenenden hintereinander auf einem ordentlichen Niveau rennen, wenn man denn vorher die Form aufgebaut hat.

Mit etwas mehr als 13 Sekunden Rückstand auf die Siegerin erreichte die Kenianerin Susan Kipsang in 24:40,9 min den zweiten Platz. Das Podium komplettiert wurde von der Schweizerin Martina Strähl, die 24:51,2 min benötigte und für die erste Podestplatzierung einer Schweizerin bei der „escalade“ seit dem Jahr 2006 sorgte. Die neue Schweizer Rekordhalterin im Marathon Maja Neuenschwander, die Ende September in Berlin mit einer Zeit von 2:26:46 h beeindruckte, lief als zweite Schweizerin in 25:17,6 min auf den siebenten Rang. Damit war sie nicht so viel schneller unterwegs als bei ihrem Rennen über die 42,195 km vor etwas mehr als zwei Monaten, jedoch hat sie nach ihrer Saisonpause noch lange nicht wieder ihre Bestform erreicht und nimmt die kurzen Straßenrennen als willkommene „Tempospritzen“ im Aufbautraining für die kommende Saison mit.

Im Männerrennen stand die Frage im Raum, ob der seit rund anderthalb Jahren die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzende Tadesse Abraham nach seinem zweiten Platz im Vorjahr nun endlich einmal wieder für einen Schweizer Sieg in Genf sorgen würde. Der 33jährige Athlet vom LC Uster, der seine Wurzeln in Eritrea hat, stellte in diesem Jahr im Februar mit 60:42 min einen hochklassigen Schweizer Rekord über die Halbmarathondistanz auf und nahm am WM-Marathon in Peking teil.

Das Rennen begann wie erwartet sehr schnell. Am Start waren in diesem Jahr sehr viele starke Läufer aus Ostafrika und aus vielen europäischen Ländern. Aus Deutschland waren unter anderem Simon Stützel vom Team Memmert und Jannik Arbogast von der LG Region Karlsruhe die Reise nach Genf angetreten. Nachdem längere Zeit eine mehrköpfige Spitzengruppe das Rennen bestimmte, machte Tadesse Abraham derart Druck, dass nur noch der Äthiopier Belete Adere mithalten konnte. Die Führung wechselte mehrmals und es zeichnete sich ein spannender Zweikampf ab. Im Endspurt im Parc des Bastions konnte Abraham an seinem Kontrahenten vorbeiziehen und erstmals dieses Rennen für sich entscheiden. Dementsprechend glücklich und emotional zeigte er sich im anschließenden Interview. Tadesse sorgte für den ersten Schweizer Sieg seit 25 Jahren und somit für einen historischen Moment bei der Course de l'escalade. Seine Siegerzeit betrug 21:00,9 min, was einem Schnitt von ca. 2:52 min/km entspricht, und das bei der hügeligen Strecke! Außerdem hat auch er wie die Siegerin Helen Bekele bereits die Stadtläufe in Bulle und Basel gewonnen und kann nun eine beeindruckende Siegesserie vorweisen. Knapp hinter Abraham belegte Adere den zweiten Rang in 21:02,3 min, gefolgt vom Kenianer Bernard Matheka (21:17 min). Einen ausgezeichneten 9. Platz erlief sich Jannik Arbogast in 21:27,7 min. Der deutsche Vize-Meister über 10.000 m rannte die profilierten 7,3 km damit in einem Schnitt von knapp unter 2:56 min/km. Simon Stützel, der ebenfalls in Karlsruhe wohnt und Anfang November mit 65:12 min eine neue persönliche Bestzeit im Halbmarathon erzielt hatte, landete mit einer Zeit von 22:07,5 min auf dem 27. Rang. Die ersten 23 Läufer liefen ein Tempo von unter 3 Minuten pro Kilometer, was das sehr starke Niveau dieses Rennens verdeutlicht.

Übrigens wurden in diesem Jahr bei den Jedermann-Rennen erstmals auch gemischte Läufe für Männer und Frauen ausgetragen, was bei den Teilnehmern gut ankam. So war in diesem Jahr bei der Course de l'escalade mal wieder für jeden etwas dabei. Auch in den nächsten Jahren wird diese Veranstaltung sicherlich als großes Volksfest das Genfer Stadtbild am ersten Dezember- Wochenende prägen. 

http://live.escalade.ch/


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