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Interview Paul Schmidt

[eingestellt am 06. März 2016]

By: Volker Goineau

Fotos: privat

Interview mit Paul Schmidt, dem neuen Deutschen Meister und Rekordhalter im 50km-Lauf

Am Samstag, den 5. März lief der 30jährige Berliner Paul Schmidt bei seinem ersten Ultra-Rennen auf Anhieb zum Deutschen Meistertitel über 50 km im Berliner Plänterwald. Dabei stellte er mit 2:49:06 Std. einen neuen Deutschen Rekord auf, wobei er den alten Rekord, der genau fünf Jahre gehalten hat, um über drei Minuten unterbot. Trotz eines kleinen „Einbruchs“ auf den letzten 5 Kilometern legte Paul die zweite Hälfte dabei mit genau 1:24 Std. rund eine Minute schneller als die erste Hälfte zurück. Wie es zu seinem Ultra-Debüt kam, wie Paul den Wettkampf erlebt hat und ob er weitere Rennen jenseits der Marathondistanz plant, lesen Sie im Interview.

Laufticker: Paul, Glückwunsch zu deiner Leistung vom gestrigen Samstag! Wie kam es zu diesem 50km-Start, war er geplant?

Paul Schmidt: Danke! Nein, der Start war ziemlich spontan, ich habe mich erst am Mittwoch, also drei Tage vor dem Rennen, zu einem Start entschieden. Die Meisterschaft wurde ja hier in Berlin im Plänterwald ausgetragen, wo ich schon zuletzt beim Plänterwaldlauf mitgelaufen bin, da hat das gut gepasst, ich wollte es einfach mal probieren.

Warst du sicher, dass du durchkommen würdest?

Nein.

Wie hast du das Rennen erlebt?

Ich bin relativ verhalten angegangen (17:20 min für die erste 5km-Runde), habe das Tempo dann kontinuierlich gesteigert. Die ersten 14 km war Niels Bubel an mir dran, doch dannn konnte auch er nicht mehr mithalten und ich war alleine vorne. Ich habe das Tempo weiter gesteigert, ohne bewusst sehr stark Druck zu machen. Die siebte Runde war mit 16:24 min die Schnellste, danach habe ich wieder etwas an Fahrt verloren. Richtig schwer wurde es auf der letzten Runde, für die 17:32 min gestoppt wurde. Glücklicher Weise hatte ich sowohl auf den Zweitplatzierten als auch auf den Deutschen Rekord einen gewissen Vorsprung, sodass ich mir diesen kleinen Einbruch auf den letzten Kilometern leisten konnte. Ich war aber am Ende richtig fertig, das Rennen hätte auf keinen Fall NOCH länger sein dürfen!!

Hast du im Vorfeld an den Deutschen Rekord gedacht?

Ja, ein bisschen schon. Ich wusste jedenfalls, dass er bei 2:52:xx h steht und dass das vom Tempo her eigentlich für mich machbar sein müsste. Mir war klar, dass ich vor allem möglichst effektiv und auf jeden Fall im aeroben Bereich laufen muss und dass es vor allem auf die richtige Ernährungsstrategie ankommt, um das Rennen durchzustehen. Ich habe mich von Beginn an auch nicht so sehr an der Konkurrenz orientiert, sondern wollte einfach meinen Stiefel durchziehen.

Stichwort Ernährung: wie hast du dich während des Wettkampfes verpflegt?

Ich habe ab Km 10 versucht, alle 5 km mein Kohlenhydrat-BCAA-Getränk zu mir zu nehmen und davon jeweils 200 ml zu trinken. Dazu auch mal ein Gel. Zweimal habe ich die Verpflegung jedoch verpasst.

Danke für diese genauen Erläuterungen, Paul! Wie soll es denn in den nächsten Wochen und Monaten sportlich bei dir weiter gehen? Sind in Zukunft weitere Ultra-Wettkämpfe geplant oder bleibst du doch eher ein „normaler Läufer“?

Ich bleibe doch eher ein „normaler Läufer“! Über 50 km würde, wenn überhaupt, die WM im November anstehen, das ist jedoch noch weit weg und spielt für mich derzeit keine Rolle. Nach ein bisschen Erholung möchte ich in den nächsten Wochen den einen oder anderen 10er als Trainingswettkampf/Tempodauerlauf absolvieren. Am 26. März starte ich dann beim Paderborner Osterlauf, wo ich gerne versuchen möchte, auch auf der Straße einmal unter 30 Minuten zu rennen, was ein großes Ziel für mich ist. Acht Tage später folgt der Berliner Halbmarathon, wo mein Traumziel das Erreichen der Team-EM-Norm von 64:45 min ist (Anm.: Pauls Bestzeit aus dem letzten Jahr steht bei 64:58 min). Je nachdem, wie dieses Rennen laufen wird, werde ich im Frühjahr wohl noch einen Marathon laufen, entweder als guten Trainingslauf oder auch ernsthafter. Meine richtige Planung läuft erstmal aber nur bis zum Berliner Halbmarathon am 3. April.

Der 50km-Wettkampf hat dich also nicht so geschlaucht, dass du jetzt eine längere Pause brauchst?

Ich denke nicht. Ich bin ihn recht kontrolliert und ohne großes Tapering vorher gelaufen. Nach dem Rostock-Marathon im vergangenen Sommer habe ich schließlich auch keine längere Pause benötigt.

Dann danke ich dir für das Gespräch, Paul, und wünsche dir viel Erfolg für die weitere Saison!

 

 


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