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Interview Bernd Juckel

[eingestellt am 10. März 2016]

By: Gabi Gründling

Fotos: privat

Bernd beim Zieleinlauf im Plänterwald

Der 65jährige Bernd Juckel lief nach fast vier Jahren Abstinenz auf der Ultrastrecke bei der Deutschen Meisterschaft über 50 km mit 3:43:31 h Deutschen Rekord in der M65. 2012 lief er Deutschen M60-Rekord über 100 km (7:53:41 h), was auch gleichzeitig der Weltrekord in dieser Altersklasse ist.

Er hat uns freundlicherweise ein paar Fragen beantwortet:

 

Herzlichen Glückwunsch zu Deinem zweiten Dt. Rekord! Hast Du's drauf
angelegt oder war das mehr ein Zufallsprodukt?

Nein, das war - im Gegensatz zu den 100 km - weder geplant noch im entferntesten erwartet. Ich war selbst wohl am meisten überrascht, obwohl ich natürlich wusste, wo der alte Rekord stand.

Seit Deinem Deutschen M60-Rekord über 100 km am 6.10.2012 in Rodenbach bist Du keinen Ultra mehr gelaufen. Jetzt meldest Du Dich fulminant auf den längeren Strecken zurück – was hast Du in der Zwischenzeit läuferisch gemacht?

Ich laufe gerne Wettkämpfe und komme eigentlich eher von den kürzeren Strecken her. Der Trainingsaufwand für schnelle Ultras ist ja schon höher. Daher habe ich mich in den letzten Jahren wieder auf die kürzeren Strecken begeben: 10 km, Halbmarathon und den ein oder anderen Marathon. Auch einige kürzere Bahnläufe waren dabei. Das hat sicher geholfen, die Grundschnelligkeit einigermaßen zu erhalten.

Wie lange hast Du Dich auf die 50 km-DM vorbereitet? Wie viele Wochenkilometer kamen so im Schnitt zusammen?

Es war ein Spontanentschluss, diese 50 km zu laufen. Im Gegensatz zu meiner üblichen 12-Wochen-Vorbereitung habe ich diesmal nur 9 Wochen das Training hochgeschraubt. Im Vergleich zum Berlinmarathon im letzten Jahr mit 1.212 km im 12-Wochen-Fenster waren es daher diesmal nur 977 km. Die Wochenkilometer in den 9 "richtigen" Trainingswochen begannen bei 80 km bis hin zu 2 x 100, 1 x 110, 2 x 120 km pro Woche. Der Schwerpunkt lag auf Umfang und langen Läufen (7 x über 30, davon 5 x über 35 km). Tempotraining habe ich im Gegensatz zu sonst bis auf 2 Cross-Wettkämpfe und einen 10 km-Lauf gar nicht gemacht.

Hast Du vor, jetzt wieder öfter längere Strecken zu laufen?

Ich bin in der Vergangenheit sparsam die ganz langen Strecken gelaufen, weil ich der Typ Läufer bin, der, wenn er läuft, sich auch richtig und intensiv vorbereitet. (Die 50 km von Berlin waren eher die Ausnahme.) Das werde ich auch weiterhin so machen und nur von Zeit zu Zeit an interessanten Läufen teilnehmen. Um ehrlich zu sein: Ich hatte vor, aus dem Schwung des 50 km-Laufes an der 6 h-Meisterschaft in Nürnberg teilzunehmen. Das wird aber nichts, da die begrenzte Anzahl an Plätzen vergeben ist. Das finde ich etwas merkwürdig, denn es ist die einzige Meisterschaft, die ich kenne, bei der nicht die Leistung im Wettkampf über den Ausgang entscheidet, sondern die Fähigkeit, schnell die PC-Tastatur zu bedienen.

Du bist in Berlin sehr gleichmäßige Rundenzeiten gelaufen – wann war Dir klar, daß Du den Rekord schaffen kannst?

Vor dem Lauf habe ich das für ausgeschlossen gehalten. Nach 20 km schlich sich erstmalig der Gedanke ein, dass eine minimale Chance existieren könnte. Nach 30 km war meine Einschätzung bei 50:50, und wirklich sicher war ich erst im Ziel. Ich habe genügend Wettkämpfe hinter mir, um zu wissen, dass selbst 1 km vor dem Ziel noch was dazwischen kommen kann.

Hattest Du einen persönlichen Betreuer an Bord?

Nein. Meine Frau und meine Tochter kamen etwas später, aber nur zum Zuschauen. Das war aber kein Problem.

Wie hast Du den Rekord gefeiert?

Wir haben einen vergnüglichen Abend mit Freunden im Restaurant verbracht.

Vielen Dank, Bernd - das Team von Laufticker.de wünscht Dir noch viele erfolgreiche Laufjahre!

 

 


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