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36. Berliner Halbmarathon

[eingestellt am 04. April 2016]

By: Volker Goineau und Veranstalter

Einlaufen vor dem Rennen

Für Coline Ricard und Geronimo von Wartburg lief es diesmal nicht so gut

Gespannte Zuschauer

Gruppe mit Stützel, Flügel und Meier nach knapp 10 km

Gruppe um Pascal Dethlefs (2. v. li.), der in 66:52 min PB lief

Gruppe im 69-70min-Bereich

Die Führende Susan Jeptoo (am Ende auf Rang 2)

Letzte Kurve – gleich kommt das Ziel!

Erschöpft und glücklich: Karsten Meier nach dem Rennen

Ferahiwat Tulu und Roger Königs strahlen mit er Sonne um die Wette

Pascal Dethlefs lief ebenfalls persönliche Bestzeit

Manuel Stöckert (li.) und Hendrik Pfeiffer dürften in Amsterdam dabei sein

Kenianischer Doppelsieg bei der „inoffiziellen Deutschen Meisterschaft“ auf den Straßen der Hauptstadt

Berlin, 3.4.2016 - Der größte und hochkarätigste Halbmarathon in Deutschland fand erneut in Berlin statt. Für die 36. Auflage des Frühjahrs-Klassikers hatten über 32.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeldet. Darunter in diesem Jahr besonders viele deutsche Spitzenläufer. Schließlich wollten sich einige unter ihnen für das DLV-Halbmarathon-Team bei der Europameisterschaft im Juli in Amsterdam empfehlen oder den vom Verband geforderten Leistungsnachweis über die halbe Distanz für die Olympia-Teilnahme im Marathon in Rio abliefern. Aber auch viele weitere Athleten aus Berlin sowie der gesamten Republik und anderen Ländern wollten die bekannt schnelle Strecke für eine schnelle Zeit nutzen.

Nachdem bereits das Inliner- sowie das Handbiker-Rennen gestartet worden waren, ging es um 10:05 Uhr in der Karl-Marx-Allee nahe Alexanderplatz für die Läufer los. Die äußeren Bedingungen waren mit ca. 10°C und Sonnenschein angenehm läuferfreundlich. Jedoch sollten die Temperaturen im Laufe des Vormittags bis auf 20°C ansteigen, was so manchem Läufer zu warm gewesen sein dürfte. Außerdem herrschte ein nicht zu vernachlässigender Ost-Wind, der die Läufer auf der ersten Rennhälfte von hinten antrieb, um dann auf der zweiten Hälfte, wenn die Gruppen häufig nicht mehr so kompakt sind und die Erschöpfung schon deutlich größer ist, als Gegenwind den Teilnehmern das Leben schwer zu machen. Nicht verwunderlich ist, dass viele schnelle Zeiten bei diesem Rennen vor allem in jenen Jahren erzielt wurden, als der Wind aus der entgegengesetzten Richtung, also aus Westen, blies. So geschehen beispielsweise in den Jahren 2012 und 2015.

Nach dem Startschuss formierte sich die Spitzengruppe mit mehreren Afrikanern, darunter der Halbmarathon-Weltmeister von 2010 Wilson Kiprop, und Arne Gabius. Der deutsche Rekordhalter im Marathon ging das Rennen offensiv an und wollte seine Bestzeit von 62:08 min, die er vor zwei Jahren in New York erzielt hatte, verbessern. Auch der Eritreer Eyob Solomun von der SG Wenden lief anfangs ganz vorne mit, musste jedoch später stark Federn lassen und erreichte nach 64:58 min das Ziel. Noch vor der 10km-Marke konnte auch Arne das horrende Tempo der Ostafrikaner nicht mehr halten und so lief er fortan sein eigenes Rennen, wobei er die 10km nach 28:56 min mit 19 Sekunden Rückstand auf die Spitze passierte. Ganz vorne konnte sich der Kenianer Richard Mengich, der seit mehreren Jahren regelmäßig bei deutschen Straßenläufen erfolgreich ist, absetzen und einem sicheren Sieg in 59:58 min entgegenlaufen. Damit war er an seinem 27. Geburtstag eine Sekunde schneller als im Vorjahr, als er den vierten Platz belegt hatte.

Den zweiten Rang erlief sich der Eritreer Simon Tesfay in 61:00, gefolgt vom Kenianer Emmanuel Ngatuny (62:07). Arne folgte auf Rang vier in 62:45 min, wobei er nach eigener Aussage die  2. Rennhälfte nur noch „im Marathon-Renntempo“ von ca. 3:03 min/km zurücklegte. Man sollte wie erwähnt den Wind berücksichtigen, der den Läufern auf der zweiten Hälfte ins Gesicht blies. Arne war mit seiner Zeit zwei Sekunden schneller als André Pollmächer an gleicher Stelle vor zwei Jahren, der damit damals jedoch nur den 13. Rang belegt hatte, was zeigt, dass in diesem Jahr das afrikanische Feld weniger dicht war. Der Favorit Wilson Kiprop gab das Rennen übrigens auf.

Hinter Arne war aus nationaler Sicht vor allem interessant, wie die weiteren deutschen Topläufer sich schlagen würden. Ein ganz starkes Rennen lief Jens Nerkamp vom PSV Grün-Weiß Kassel, der acht Tage vor dem Berliner Rennen beim Paderborner Osterlauf die 10km unter 30 Minuten lief (29:57 min). Er ging sehr flotte 30:11 min für die ersten 10km an und verlor danach nur etwas an Fahrt. So kam er nach 64:06 min ins Ziel in der Karl-Marx-Allee, womit er seine vorherige Bestzeit aus dem Jahr 2014 (65:53 min in Freiburg) um deutlich mehr als eineinhalb Minuten steigerte. Jens, der die 10.000m auf der Bahn bereits in 29:16,77 min gerannt ist, war nach dem Rennen dementsprechen hochzufrieden und hat nun gute Chancen, bei der EM in Amsterdam  das Nationaltrikot zu tragen.

Er wurde allerdings während des Rennens von Manuel Stöckert (SC Ostheim/Rhön) passiert, der sich mit 63:57 min ebenfalls über eine neue Bestzeit freuen konnte, und im Schlussspurt auch noch von Hendrik Pfeiffer vom TV Wattenscheid abgefangen, der ebenfalls in 64:06 min gezeitet wurde und nach seiner Zeit von 63:42 min aus dem vergangenen Herbst nun ziemlich sicher bei der EM dabei sein dürfte. Neben den vier ersten Deutschen aus Berlin dürfte nach jetzigem Stand Julian Flügel, der Mitte Februar in Barcelona 64:17 min gelaufen war und nun nach einer Verletzung mit 65:29 min den geforderten Leistungsnachweis für eine Olympiateilnahme im Marathon ablieferte, im fünfköpfigen Halbmarathon-Team des DLV für Amsterdam sein. Hier findet nämlich ein Europacup, also eine Team-Wertung statt, weshalb pro Nation sogar bis zu sechs Athleten starten dürfen. Philipp Pflieger von der LG Telis Finanz Regensburg hat zwar eine Halbmarathon-Bestzeit von 63:50 min, lief diese jedoch vor einem Jahr, also vor dem geforderten Zeitraum und nun in Berlin „nur“ mit 64:58 min den Leistungsnachweis für den Olympia-Marathon. Nachdem er im Winter lange Zeit kein richtiges Lauftraining absolvieren konnte, konnte er mit dieser Leistung jedoch sehr zufrieden sein.

Der 23jährige Hendrik Pfeiffer, der zuletzt ein Trainingslager in Kenia absolviert hat, möchte nach der gesenkten Olympianorm von 2:14:00 h am 24. April sein Marathon-Debüt in Düsseldorf geben, um eventuell doch schon in diesem Jahr bei Olympia dabei zu sein. Neben den Halbmarathon-Startplätzen für Amsterdam sind also auch die Marathon-Startplätze für Rio de Janeiro umkämpft.

Es wurden im vorderen Feld viele weitere  starke Leistungen und persönliche Bestzeiten erzielt. So zeigte Nico Sonnenberg aus Frankfurt am Main in 64:46 min ein sehr beachtliches Debüt, der Rostocker Tom Gröschel lief 65:22 min und nur eine Sekunde dahinter kam Karsten Meier von der LG Braunschweig ins Ziel, der Anfang März mit der Bronze-Medaille im Cross seine erste DM-Einzelmedaille bei den Erwachsenen feiern konnte.

Die Damenkonkurrenz wurde von zwei gebürtigen Kenianerinnen dominiert. So siegte die Vorjahres-Zweite Elizeba Cherono, die mittlerweile für die Niederlande startet, in 1:10:43 h mit sechs Sekunden Vorsprung vor Susan Jeptoo, die mittlerweile für Frankreich läuft. Den dritten Rang erlief sich die Polin Agnieszka Mierzejewska in 1:11:41 h. Als Siebente im Ziel war Isabell Teegen vom SC Rönnau 74 in Schleswig-Holstein in 1:13:52 h. Damit erreichte sie bei ihrem Halbmarathon-Debüt auf Anhieb die Team-EM-Norm für Amsterdam und war nach dem Rennen auch sehr glücklich. Es sei ihr bislang härtestes Rennen gewesen, schließlich müsse sie sich an die langen Wettkampfstrecken erst gewöhnen. Ob sie für die Europameisterschaft nominiert wird, hängt davon ab, welche Leistungen von den anderen deutschen Läuferinnen in den nächsten Wochen noch gezeigt werden.

Den 9. Rang belegte Mona Stockhecke vom LT Haspa Marathon hamburg mit persönlicher Bestzeit von 1:14:20 h, was sie optimistisch Richtung Hamburg-Marathon am 17. April blicken lässt. Den 12. Platz belegte Annett Horna in 1:15:16 h, womit sich die frühere Mittelstrecklerin weiter in der Langstreckenszene etabliert. Auf Rang 18 in 1:17:37 h lief die aus Äthiopien stammende Belgierin Ferahiwat Tulu, die im Herbst in Frankfurt mit 2:40:40 h die Olympianorm erzielt hatte und diese Zeit Ende April in Düsseldorf gerne weiter verbessern möchte. Dann wird ihr Ehemann Roger Königs für sie Tempo machen, der sich beim Sevilla-Marathon im Februar auf 2:21:13 h verbessert hat und in Berlin nach 68:38 min im Ziel war.

Die ersten 49 Läufer blieben beim diesjährigen Berliner Halbmarathon unter der 1:10h-Marke und die ersten 25 Frauen liefen unter 1:20 h. Dies verdeutlicht das starke Niveau des Rennens, das in in puncto Klasse und Masse mal wieder Maßstäbe gesetzt hat. Auch in den nächsten Jahren werden mit Sicherheit wieder viele Läuferinnen und Läufer jedes Niveaus und aus aller Herren Länder an die Spree kommen, um die 21,1 km unter die Füße zu nehmen.


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