Kanzlei.org - laufend gut beraten

10. Marathon Deutsche Weinstraße

[eingestellt am 09. April 2016]

By: Jochen Höschele

Fotos: Peter Gründling

Laufgenuß bei Riesling und Lewwerworscht

Bockenheim, den 10. April 2016 – Auch wenn es sich nach einer ungewöhnlichen, wenn nicht gar untauglichen Laufverpflegung anhört, so findet sich an den Verpflegungsstellen des „Marathon Deutsche Weinstraße“ dennoch sowohl der Rebensaft aus der Rieslingtraube als auch das für die Pfälzer Küche exemplarisch deftige Leberwurstbrot (oder auf pfälzisch „Lewwerworschtbrot“).

Es darf bezweifelt werden, dass diejenigen, die in der Gesamtwertung der drei Sonntagswettbewerbe (Marathon, Halbmarathon und Duo-Marathon) vorne mitliefen, davon einen Schluck oder einen Bissen versucht haben. Im weitaus größeren Teil des Feldes, bei dem sowieso der Genuss und weniger der leistungssportliche Aspekt im Vordergrund steht, dürfte das anders ausgesehen haben.

Das Laufereignis beginnt bereits am Samstag mit den Kinder- und Jugendläufen. Die jüngeren Altersklassen U8 bis U12 laufen eine 1000m lange Strecke, bei den Schülern und Jugendlichen der Jahrgänge 2001 bis 2004 beträgt die Distanz 1,6 Kilometer.

Am Sonntag geht es dann zum zehnten Mal über die Marathondistanz, für die sich mehr als 1200 Läuferinnen und Läufer angemeldet haben. Zahlenmäßig noch stärker ist der Halbmarathon (seit 2002 im Programm), bei dem das ursprüngliche Teilnehmerlimit von 1500 sogar noch etwas angehoben wurde, so dass letztlich mehr als 1800 Sportler in der Liste standen. Als Novum gab es in diesem Jahr zusätzlich die Möglichkeit, sich die Marathonstrecke zu teilen. Der sogenannte „Duo-Marathon“ fand gleich so großen Zuspruch, dass auch für diesen Wettbewerb von den 250 vorhandenen Team-Startplätzen alle restlos vergeben waren. Das allein sagt schon einiges aus über die Beliebtheit des „Marathon Deutsche Weinstraße“, der gerade auch durch seinen Zwei-Jahres-Rhythmus etwas Besonderes darstellt. Nur in den geraden Jahren wird nämlich vom Start in Bockenheim am Tor der Deutschen Weinstraße über Grünstadt, Kleinkarlbach, Bobenheim am Berg und Weisenheim am Berg sowie Leistadt hinunter nach Bad Dürkheim gelaufen (hier ist, nach 20km auf dem Stadtplatz, auch der Wechsel des Duo-Marathons) und dann über Ungstein, Kallstadt, Herxheim am Berg, Dackenheim und Kirchheim wieder zurück nach Grünstadt und ins Ziel nach Bockenheim.

Die ersten sieben Kilometer sind mit den letzten sieben identisch, der Anstrengungsgrad allerdings eher nicht. Rollt es zu Beginn bei den meisten noch wie von selbst, so ist vor allem „Die Wand von Asselheim“ bei Kilometer 39 bei denen, die mit der Strecke vertraut sind, gefürchtet. Dieser letzte, lange und steile Anstieg hat es in sich, erst recht dann, wenn die Sonne am wolkenlosen Himmel so strahlt wie bei der Jubiläumsauflage. Glücklicherweise blieben die Teilnehmer in diesem Jahr von Temperaturen weit über 20 Grad „verschont“, die in der Vergangenheit schon so manchen vom Läufer zum Wanderer hatten werden lassen. Dennoch war es warm genug – an die 20 Grad in Tateinheit mit satten gut 450 positiven Höhenmetern genügen, um vom Lauf- in den Gehschritt zu wechseln. Erst recht dann, wenn am Streckenrand so ungewöhnliches wie verlockendes wie Saumagen (in Kallstadt), Rieslingschwämme (in Kleinkarlbach und Dackenheim) oder gar eine Rieslingdusche, bestehend aus 1/3 Wein und 2/3 Wasser (in Herxheim am Berg) auf die ermüdeten Läufer warten. Neben den üblichen „Verpflegungsklassikern“ wie Apfel- und Bananenstücken, Cola- und Isogetränken werden an der Deutschen Weinstraße aber auch Leberwurstbrote gereicht.

Diejenigen, die um Zeiten und Platzierungen kämpften, nahmen sicher eher einen anderen Service des Veranstalters in Anspruch, nämlich den, an allen zehn Versorgungsstellen Eigenverpflegung deponieren zu können. Ob Jonas Lehmann, der Sieger des Halbmarathons in 1:09:50 h, von diesem Angebot Gebrauch gemacht hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Fest steht aber, dass der im Trikot der TuS 06 Heltersberg laufende 27jährige einen komfortablen Vorsprung auf den Zweitplatzierten, Janek Taplan (LC Bingen) hatte. Der war sogar so groß, dass sich Jonas im Ziel glatt einen Schoppen hätte bestellen können, denn mit 1:16:53 h war Janek etwa zwei Kilometer vom Ziel entfernt, als Sprecher Jochen Heringhaus Jonas als ersten Tagessieger ankündigen durfte. Martin Rütze von der TSG 78 Heidelberg konnte sich im Duell um Platz drei knapp mit 1:19:24 h gegen Sascha Trunk (1:19:36 h) durchsetzen und den dritten Rang erobern.

Genauso unangefochten wie Jonas bei den Männern siegte Josefa Matheis bei den Frauen. Als 16. gesamt lief sie nach 1:26:35 h ein und gewann überlegen. Mehrfach war sie schon in Bockenheim sowohl auf der Voll- als auch der Halbdistanz auf dem Treppchen  zu finden, heuer reichte es zum Sieg für die flinke Fünfzigerin. Da sie für die TSG Eisenberg läuft, war auch der Preis für die schnellste Pfälzer Läuferin somit vergeben.

Auf dem zweiten Platz kam mit Sabine Rankel eine weitere Dauerteilnehmerin ins Ziel. Die im Trikot des LC Bad Dürkheim laufende W45erin sicherte sich zudem den Sieg in der Wertung der schnellsten Läuferin aus dem Landkreis Bad Dürkheim und benötigte für die 21,1km und 240 Höhenmeter genau 1:32:57 h. Die US-Amerikanerin Dreama Walton belegte in 1:37:05 h den dritten Platz und wurde gleichzeitig auch Erste in der W35.

Josefa Matheis durfte zudem noch den Erfolg in der Mannschaftswertung feiern, denn auch hier siegten die Eisenbergerinnen vor den Läuferinnen des LC Bad Dürkheim und denen der LLG Wonnegau.

Bei den Männern lagen hingegen die Wonnegauer ihrerseits vor den Eisenbergern und den drittplatzierten Herren der LG MuLi.

Knapper als beim Halbmarathon fielen die Entscheidungen über die volle Distanz aus, zumindest beim Duo-Marathon und in der Frauenwertung. Bei den Damen siegte mit Emily Jemutai Cheruiyot (Manager Running International) wie schon des öfteren an der Deutschen Weinstraße eine kenianische Athletin. Die W35erin hatte am Ende in 2:55:48 h die Nase vorn vor Heike Kohler (GROJOS LTF Elversberg), die nach 2:59:11 h ins Ziel kam. Dritte wurde mit Eva Katz von RC Vorwärts Speyer die schnellste Pfälzer Läuferin in 3:17:32 h.

Die zweitplatzierte Heike Kohler zeigte sich im Anschluss an das Rennen sehr zufrieden. „Ich war das erste Mal hier und mir hat es richtig gut gefallen. Die Strecke und die Landschaft sind sehr schön, allerdings auch nicht ganz einfach zu laufen. Zuhause trainiere ich überwiegend flach, und die zweite Hälfte war dann doch etwas anstrengend. Der Sichtkontakt zur Führenden ist dann auch abgerissen, aber ich wusste eigentlich von vornherein, dass maximal Platz zwei möglich ist. Da ich in zwei Wochen in St. Wendel beim Marathon noch einmal antreten und um den Titel der Saarländischen Meisterin mitlaufen möchte, habe ich heute nicht alles rausgehauen. Mal sehen, was dann in zwei Wochen auf der fast vollständig flachen Strecke von St. Wendel möglich ist.“ Heikes Bestzeit von 2:53 h datiert aus dem Vorjahr, wo sie im Oktober beim Frankfurt-Marathon eine neue „Duftmarke“ gesetzt hatte. Und das, obwohl sie fand, dass es in der Mainmetropole speziell auf den ersten zehn Kilometern „sehr eng zugeht. Da war das heute richtig angenehm, man hatte vom Start weg Platz zum Laufen.“

Bei den Männern war es ebenfalls keineswegs eng, zumindest, was den Sieg anbetraf. Den holte sich nämlich mit Evans Taiget (Manager Running International) ebenfalls ein kenianischer Athlet, und das gleich mit neuem Streckenrekord von 2:20:46 h. Damit war er nicht nur über drei Minuten unter der bisherigen Bestmarke geblieben, er lief auch mit riesigem Vorsprung in Bockenheim ein. Ihm hat es gut gefallen an der Weinstraße, er lobte den hügeligen Kurs sowie die Atmosphäre, fand die Strecke aber „nicht gerade einfach, weil es auch viele Ecken und Kurven gab.“ Einige Rennen werden er und Emily noch in Deutschland und im Ausland bestreiten, ehe es dann zurück nach Kenia geht.

Sogar die Duo-Marathonis hatte Evans Taiget deutlich abgehängt und ebenso den Zweitplatzierten und besten Pfälzer Läufer, Oliver Trauth (TV Herxheim). Dieser lief in 2:43:13 h genau sieben Sekunden (!) vor dem Dritten, dem Niederländer Geordie Klein (Loopgroep Aart Stigter) ein.

Oliver war natürlich hocherfreut über sein Ergebnis und sprach davon dass er „genau das umsetzen konnte, was ich mir vorgenommen habe. Bis zur Hälfte bin ich noch mit Marcus Imbsweiler (Duo-Marathon-Zweiter) gelaufen, aber danach war ich dann alleine. Mit der Zeit bin ich auch sehr zufrieden, glücklicherweise wurde es nicht noch wärmer, denn das mag ich nämlich gar nicht.“

Ob er, wie vergangenes Jahr, als seiner Marathonpremiere (mit Gesamtsieg) in Kandel dann noch eine 2:37 h in Frankfurt folgte, auch wieder einen Herbstmarathon läuft, weiß er noch nicht. Der Hausbau nimmt ihn zeitlich so sehr in Anspruch, dass es sich momentan eher nur kürzere Rennen auf der Bahn und der Straße vorstellen kann und das zeitintensive Marathontraining findet eher keinen Raum im Tagesablauf. Doch das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen, wie er augenzwinkernd anmerkte.

Bei den Duo-Marathonis setzten sich die als „Palatina Bierkutscher“ angetretene Formation aus Matthias Burkhart und Thomas Wittwer in 2:35:18 h die Krone auf, gefolgt von „Runners Point Heidelberg“ (Marcus Imbsweiler und Tobias Balthesen) in 2:36:06 h. Dritter wurde der TuS Heltersberg I mit Marko Becker und Benjamin Pukalla in 2:48:31 h.

Bei den gemischten Duo-Marathon-Teams setzte sich die LLG Landstuhl mit Ribana Bauser und Alexander Barnsteiner in 2:58:32 h vor den Heidelberger Weinbergschnecken (Tanja Stooß und Wojtek Starzetz; 3:06:00 h) und der TSG 78 Heidelberg mit Laura Geiger und Jens Müller (3:07:00 h) durch.

Nur durch die bessere Nettozeit kamen Kathrin Koczessa und Pia Winkelblech von Kossmann Laufdesign 3 in 3:14:07 h zu 3:14:21 h vor Silvia Nierula und Michaela Röder (Team Michaela & Silvia) auf das oberste Treppchen. Platz drei ging dann weniger umkämpft an die LG MuLi in Person von Nathalie und Christine Sauerland, die nach 3:37:09 h im Ziel einliefen.

Dort wartete dann wahlweise die Verpflegung mit diversen Getränken bis hin zum alkoholfreien Bier oder eine Massage für die müden Muskeln. Wer sich dann, frisch geduscht, noch stärken wollte, konnte dies im Festzelt ebenso tun wie draußen im Freien. Das Angebot war breitgefächert und auch hier gab es selbstverständlich Pfälzer Spezialitäten wie Saumagen und Leberwurst.

Wem das während des Laufes etwas zu riskant war, der konnte es sich danach schmecken lassen, vielleicht sogar in Verbindung mit einem Pfälzer Wein.

Die schmackhafte Verbindung von Gastfreundschaft, Genuss und Sport findet – zum Bedauern vieler Teilnehmer – erst in mehr als zwei Jahren ihre Fortsetzung, wenn zum elften Mal der „Marathon Deutsche Weinstraße“ lockt. Auch wenn es noch 732 Tage und einige Stunden sind bis zum 15. April 2018, so sollte man sich dieses Datum unbedingt merken. Denn nicht nur aufgrund von Riesling und Saumagen ist die Pfalz unbedingt eine (Lauf)Reise wert.

Ergebnisse: www.br-timing.de


Kossmann Laufdesign