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Deutsche Halbmarathon-Meisterschaft 2016

[eingestellt am 24. April 2016]

By: Heike Klein

Deutscher Halbmarathon Meister 2016: Mitku Seboka in 1:05:05 Stunden

Vizemeister: Eyob Solomun in 1:05:17 Stunden

Dritter: Jonas Koller in 1:05:25 Stunden

Sabrina Mockenhaupt mit ihrem 41. Meistertitel und der Fahrkarte zu Europameisterschaft 2016 nach Amsterdam

jetzt erstmal was Warmes anziehen

Ein echter Oberpfälzer mit seinem Adoptiv-Papa: der Drittplatzierte bei den Männern, der 23-jährige Jonas Koller in seinem ersten Jahr in der Männerklasse

Aqua-Jogging in Bad Liebenzell

Bad Liebenzell, 23. April 2016 - Viel Nass von oben sorgte bei den 40. Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon für ungemütliche Bedingungen. Auch wenn Läufer nicht aus Zuckerwatte sind und in der Regel bei wirklich jedem Wetter nach draußen gehen, um ihre Einheiten zu absolvieren, waren die Verhältnisse dieses Mal in dem lieblichen Kurort im Schwarzwald nicht nur für die Läufer, sondern auch für die zahlreichen Zuschauer und die vielen Streckenposten ziemlich gruselig. Bad Liebenzell bei Sonnenschein ist ein Juwel, das zeigten im Vorjahr die Deutschen Meisterschaften über zehn Kilometer Straßenlauf.

Etliche Leerstände im Ort künden zwar davon, dass mondäne Kurfreuden längst in anderen, angesagteren Orten gesucht werden. Doch für Menschen, die eher Ruhe und Gemütlichkeit suchen statt Prunk und Lifestyle, ist Bad Liebenzell einen Besuch wert. Zumal sich dort Verantwortliche tummeln, die wissen, wie man eine solche Laufveranstaltung perfekt über die Bühne bringt. Schon eine Stunde zuvor war die Strecke gesperrt, die Teilnehmer konnten sich in Ruhe einlaufen. Überall, wo Autos kreuzen könnten, sorgten die Absperrgitter für klare Verhältnisse. Entzerrt wurde das Ganze auch dadurch, dass Start und Ziel rund 500 Meter auseinander waren. So parkten die einen eher am Ziel beim Kurhaus, die anderen lieber im Startbereich an der Turnhalle. Und nach dem Lauf ging es relativ flott zur Siegerehrung. War es doch auch unangenehm nass, die Bänke blieben deswegen unbesetzt und der leckere Kuchen blieb deshalb leider auch ungegessen. 

Dass es auf der regennassen und damit teilweise auch glitschigen Strecke nicht zu schlimmen Stürzen kam, ist der Umsicht der Läufer zu verdanken. Gerade beim Einbiegen in den Zielkorridor mussten die Läufer das Tempo ein bisschen drosseln, um nicht noch auf den letzten Metern um die Früchte ihrer Arbeit gebracht zu werden. Im Ziel wurden schließlich 282 Läufer registriert, ein Drittel davon waren Frauen.

Den Takt bei den Teilnehmerinnen gab Sabrina Mockenhaupt vor. Sie lieferte ein astreines Rennen ab und wollte nach ihrer Verletzungspause und Aufbauphase endlich wieder einmal an ihre Grenzen gehen. Während des Rennens scharten sich wie so oft eine knappes Dutzend Männer um sie, darum wissend, dass Mocki sie sicher zu einer guten Zeit ins Ziel führen wird. Sie selbst aber wusste nach dem Trainingslager in Flagstaff (USA) noch nicht genau, wo sie auf einer längeren Strecke steht. Dort hatte sie als längste Distanz 14 Kilometer trainiert, nachdem sie Ende 2015 eine einmonatige Laufpause einlegen musste. Die erfolgreiche und disziplinierte Reha lässt sie jetzt motiviert nach vorne blicken.

Die 35-Jährige nahm von Anfang an das Heft in die Hand und ließ die nationale Konkurrenz deutlich hinter sich. Ihren insgesamt 41. deutschen Meistertitel lief sie in 1:12:41 Stunden ins Ziel und blieb unter der EM-Norm von 1:13:00 Stunden. Dahinter folgten die Hamburgerin Agata Strausa (1:13:13 h) und die Karlsruherin Melina Tränkle (1:14:09 h). Mocki meinte danach: "Hinten heraus wurde es schwer. Bei Kilometer 16 habe ich zu einem Kerl gesagt, er solle mir jetzt mal helfen." Das hat funktioniert. "Der Kerl", von dem Mocki nicht mal den Namen wusste, blieb bis zum Ziel bei ihr und dürfte damit Thomas Seibert vom SSC Hanau-Rodenbach gewesen sein, der in 1:12:45 Stunden ins Ziel kam. Er holte mit seinen Teamkollegen Jörn Harland und Ingbert Reinke den Mannschaftstitel der M35. Mockenhaupt nimmt nun Rio ins Visier. Sie möchte die Norm für die Bahn von 32:15 Minuten knacken. Das wird sie in Großbritannien bei den dortigen Meisterschaften in einem Monat probieren, die Deutsche Meisterschaft in Celle in zwei Wochen kommt dagegen noch etwas zu früh. Melina Tränkle hat mit ihrer Zeit ebenfalls die Norm bestätigt, nachdem sie bereits im Herbst in Karlsruhe unter 1:14 Stunden gelaufen war.

Fünfte wurde die Pfälzerin Tanja Grießbaum in 1:15:36 Stunden. Grießbaum hat noch zwei weitere DM-Starts im Visier: zunächst die Bahnlaufmeisterschaft in Celle und im September die zehn Kilometer auf der Straße in Hamburg.  Noch startet sie für die LG Rülzheim, überraschte aber mit der Mitteilung, dass sie ab jetzt bei der LG Region Karlsruhe, also Tränkles Laufgruppe, mittrainieren werde. Sie sei in ihrem Verein Einzelkämpferin, habe nie die Möglichkeit in einem Team zu starten, erklärte Grießbaum. Sie arbeitet ab Mai bei "Reline Europe" in Rohrbach und hofft, dass sie Sport und Beruf gut kombinieren kann. "Ich bin da sehr diszipliniert", sagt sie. Vielleicht bildet sie dann mit dem 18-jährigen Neustadter Joshua Klein eine Fahrgemeinschaft.

Er trainiert schon seit einem Jahr in Karlsruhe und wurde jetzt in 1:12:56 Stunden Siebter der U23. Damit war er der schnellste jüngste Läufer, denn in der U20 wird die Halbmarathon Distanz noch nicht angeboten. LG Region Trainer Günther Scheefer sah auch einen gut aufgelegten Frederik Unewisse, der trotz reduziertem Training wegen einer Verletzung den Lauf durchstand und mit Lukas Bittinghofer und Joshua Sickinger für Bronze im Teamwettbewerb sorgte. 

Am meisten fielen die blauen Trikots der LG Telis Finanz Regensburg bei der Siegerehrung auf. Sie dominierten die Entscheidung im Team mit Jonas Koller, Tobias Blum und Tim Ramdame vor der LG Dorsten mit Torben Dietz, Yannick Dubbich und Andreas Keil-Fornick. Außerdem holten sie den Titel bei den Damen mit Luisa Boschan, Anna-Katharina Plinke und Carolin Ehling. Das zweite Team holte zudem Bronze sowie die Wertung der U23 bei Männern.


Bei den Männern setzte sich bei den widrigen Witterungsverhältnissen mit Regen und Temperaturen von unter zehn Grad Celsius  in der Einzelwertung Mitku Seboka (LAC Quelle Fürth; 1:05:05 h) vor Eyob Solomun (SG Wenden; 1:05:17 h) und dem Regensburger Jonas Koller (1:05:25 h) durch. Erst auf den Schlusskilometern spaltete sich die zunächst mehr als dutzend Läufer umfassende Führungsriege auf. Zwei Kilometer vor dem Ziel setzte sich dann Mitku Seboka (aus Athiopien stammend) ab. Mit seiner Zeit sei er nicht so zufrieden gewesen, die Kälte habe ihm zugesetzt, aber das Ziel sei der Titel gewesen, so Seboka.

Nicht am Start, obwohl gemeldet, waren die deutschen Spitzenläufer Philipp Pflieger und Simon Stützel. So war es rein optisch ein "afrikanischer" Zieleinlauf. Wenn auch Jonas Koller (LG Telis Finanz Regensburg) Anlass zur Nachfrage wegen seines Namens gibt. Der 23-Jährige freute sich über seine erste Medaille bei den Männern. Seine Wurzeln liegen ebenfalls in Äthiopien, allerdings spricht er mit oberpfälzischem Zungenschlag. Er wurde mit sechs Monaten adoptiert und begann zunächst seine sportliche Karriere als Fußballer. Jetzt scheinen seine Läufer-Gene durchzukommen, sagt er mit einem fröhlichen Lachen. In der U23 hatte er bereits einige Erfolge eingefahren und holte schon den Titel als U20 Läufer bei der U23 im Halbmarathon, zählte zwei Vizetitel im Cross und eine Teilnahme an der Jugend WM 2012 zu seinen großen Erfolgen. "Meine Strecken werden immer länger und länger. Vielleicht gibt es mein Marathon Debüt im Herbst", überlegt er. Aber er folgt der Devise seines Trainers Kurt Ring "Zeit nehmen". Das gilt auch für die Vereinbarkeit von Sport und Beruf. Als Einzelhandelskaufmann bei "Lauf- und Berg König" in Regensburg hat er  einen verständnisvollen Arbeitgeber und Sponsor, so dass er zwanzig Wochenstunden im Geschäft steht und entsprechend viel Zeit für das Training aufwenden kann.

Auch der Sieger der U23, Tobias Blum, kam aus Regensburg. Er bewältigte die Strecke in hervorragenden 1:05:25 Stunden. Für den 21-Jährigen, der in Saarbrücken Wirtschaftsingenieurwesen studiert, war es der erste Start in einem Halbmarathon. "Die längeren Distanzen liegen mir, ich hatte gehofft, dass es gut läuft, aber nicht erwartet, dass es so gut wird", freute er sich. Er schob auch gleich einen Dank an seine Teamkameraden und Trainer Franz Josef Reinhard nach. Dabei hatte Blum vor zwei Jahren nach einem Bänderabriss am linken Fuß nicht nur Probleme, wieder ins Laufen zu kommen, sondern auch jetzt noch Schwierigkeiten mit seinem Becken, das sich bei bestimmten Belastungen zu Wort meldet.  Daher liegt seine ursprüngliche Spezialdisziplin, die Langstrecke über die 3000 Meter Hindernis momentan brach. 

Für die Pfalz holte Josefa Matheis einen Titel nach Eisenberg. Sie siegte bei den W50 mit zwei Minuten Vorsprung in 1:23:29 Stunden. Bronze gab es für das Eisenberger Team der W45 in der Besetzung Maria Mickert-Bogert, Astrid Eisenbarth und Beatrix Rösel in der Seniorenwertung. Stefan Hinze, der im Trikot des SSC Hanau-Rodenbach antritt, belegte in der AK M50 in 1:15:26 Stunden Rang drei und gewann mit seinem Team den Altersklassentitel. 

Besonders erwähnenswert waren überhaupt auch die Senioren, die mit beachtlich schnellen Zeiten die drei Sechs-Kilometer Runden plus der Einführungsrunde bewältigten. Der Senior der Veranstaltung, der 82jährige Horst Liebing (Lauftreff Altburg) gewann die AK 80 in 1:55 Stunden. In der W75 siegte Helga Walker (TV Rheinau) in 2:07 Stunden.

Unterm Strich gab es bei den Meisterschaften trotz Kälte, Nässe und Rutschgefahr viele Bestzeiten, was für den schnellen Kurs in Bad Liebenzell spricht. Bemerkenswert auch die schnelle Durchführung der Siegerehrungen und die hervorragende Streckenführung und Organisation. Gerade nach dem durchaus nasskalten Lauf waren die Sportler froh, dass sie nicht lange auf ihre Urkunden warten mussten. An diesen gelungenen Bemühungen, die Sportler schnell nach Hause zu entlassen, dürfen sich Organisatoren von Volksläufen und anderen Meisterschaften gerne messen lassen.

Ergebnisse www.leichtathletik.de


Kossmann Laufdesign