Kanzlei.org - laufend gut beraten

36. BIG25 Berlin

[eingestellt am 16. Mai 2016]

By: Volker Goineau

Führungsradfahrer und -auto machen sich bereit

Die Spitze des Feldes kurz nach dem Start

Dennis mehlfeld und Yoann LeNoac'H

Das große Feld ist unterwegs

Das Berliner Olympiastadion

Knapper Zieleinlauf über 10km

10km-Siegerin Debbie Schöneborn

Der 12jährige Stelios Kiniklis

Siegerehrung 10km

10km-Sieger Yoann LeNoac'H

Sieger Bernard Bett auf den letzten Metern

Die Siegerin Viola Jelagat

Die Chearleaders sorgen für Stimmung

Schnellste Halbmarathoni Lilly Lißner

Schnellster Deutscher Dennis Mehlfeld

Erneut ein kenianischer Doppelsieg bei sehr windigen Bedingungen

Berlin, 15.5.2016 - Seit dem Jahr 1981 werden die 25km von Berlin ausgetragen. Damals von den französischen Alliierten ins Leben gerufen, war dieser Lauf der erste richtige Citylauf durch eine deutsche Großstadt. Seit 1987 ist die Strecke amtlich vermessen und nachdem die Veranstaltung zunächst den Namen „25 km de Berlin“ trug, heißt sie mittlerweile „BIG 25“ und wird von „Berlin läuft“ organisiert. Einmalig in der internationlaen Straßenlaufszene war der doppelte Weltrekord im Jahr 2010, als Mary Keitany 1:19:53 h lief und Sammy Kosgei 1:11:50 h. Während Keitanys Marke nach wie als Weltrekord Bestand hat, wurde die Männer-Zeit im Jahr 2012, ebenfalls beim Berliner Rennen, vom aktuellen Marathon-Weltrekordler Dennis Kimetto auf 1:11:18 h herunter geschraubt.

In diesem Jahr fiel der Termin auf den Pfingstsonntag. Nachdem unter der Woche warme Temperaturen herrschten, war es an diesem Tag kühl und vor allem sehr windig. Der Westwind sorgte dafür, dass die Läufer auf den ersten 10 km von einem Rückenwind getrieben wurden, bevor ihnen auf der zweiten Streckenhälfte ein ordentlicher Gegenwind ins Gesicht blies. Keine wirklich guten Bedingungen für schnelle Zeiten also. Der Startschuss fiel um 10 Uhr auf dem Olympischen Platz vor dem Olympiastadion. Neben den 25 km wurde auch ein Halbmarathon, ein 10km-Lauf (wohl etwas länger als 10 km) sowie eine 5*5km-Staffel ausgetragen, die alle gemeinsam gestartet wurden. Kurze Zeit später fand noch ein Kinderlauf über 2,5 km statt. Alle Wettbewerbe endeten auf der blauen Bahn im Olympiastadion. Der Halbmarathon wird erst seit wenigen Jahren veranstaltet, und auch wenn die Startnummern farblich unterschiedlich gekennzeichnet sind, ist es doch unübersichtlich, wenn die Halbmarathon- und 25km-Läufer mehr oder weniger gemeinsam ins Ziel laufen. Außerdem werden schnellere 25km-Läufer mitunter auf der Strecke von langsameren Halbmarathonis etwas ausgebremst, da diese nach rund 9 km wieder auf die 25km-Strecke einbiegen (dort, wo die 25km-Läufer rund 13 km absolviert haben). Es stellt sich also die Frage, ob der Halbmarathon nicht lieber wieder herausgenommen werden sollte; übrigens passieren die Halbmarathonis nicht das Brandenburger Tor und verpassen damit ein „Highlight“ der Strecke.

Den 10km-Lauf, der 2756 Finisher zählte, gewann der Franzose Yoann LeNoac'H vom SCC Berlin Triathlon in einer knappen Entscheidung mit 34:48 min und nur einer Sekunde Vorsprung vor Tim-Phillip Koch von „Run2gether“. Dieser Verein, der aus Österreich stammt, jedoch auch in Deutschland sowie einigen weiteren Nachbarländern seine Standpunkte hat, fördert den Laufsport in ärmeren Ländern, vor allem in Kenia. So waren auch im 25km-Lauf ein paar sehr starke Kenianer von Run2gether mit dabei. Tim Koch ist zuständig für die Betreuung der Kenianer und die Organisation der Reisen etc. in Deutschland. Nebenbei zeigte er, dass er auch selbst recht ordentlich laufen kann. Den dritten Rang erlief sich Laidi Rafik in 35:13 min. Beachtlich war die Leistung des erst 12jährigen Stelios Kiniklis von der LG Nord Berlin, der als Gesamt-35. Das Ziel nach 40:42 min erreichte. Schnellste Frau war Debbie Schöneborn in 37:47 min vor ihrer Schwester Rabea (38:34 min; beide MfK Spandau 04).

Über 25 km preschte wie so oft die ostafrikanische Phalanx vorneweg. Letztendlich setzte sich der Kenianer Bernard Bett von Run2gether in 1:15:51 h durch. Bett war Anfang April den Prag-Halbmarathon in 60:36 min gelaufen und musste nun dem Gegenwind auf der zweiten Streckenhälfte trotzen. Außerdem weist der Berliner Kurs von Kilometer 19 bis 21 eine lang gezogene Steigung auf, die nicht unterschätzt werden sollte. Den zweiten Platz belegte Betts Landsmann Patrick Ereng in 1:16:18 h, gefolgt vom Äthiopier Gudeta Biratu 1:18:10 h. Dahinter folgten drei weitere Kenianer, darunter auf Rang fünf Dickson Kirui in 1:19:07 h. Dickson war auch schon für Falk Cierpinski und zuletzt Anna Hahner bei Marathonläufen als Tempomacher im Einsatz. Hinter dem Niederländer Reinardus van Wel vom SCC Berlin war Dennis Mehlfeld vom Lübecker SC in 1:28:29 h als schnellster Deutscher im Ziel. Knapp hinter Dennis auf Rang 9 landete der Schweizer Julien Lyon von Stade Genf in 1:28:32 h. Julien hat eine Halbmarathon-Bestzeit von 65:34 min und lief erst vor drei Wochen sein Marathon-Debüt bei sehr schwierigen Witterungsbedingungen in Zürich, wobei er in 2:16:17 h den dritten Platz belegte. Beim 25er in Berlin nahm er sich wohl etwas viel vor, lief nur unweit hinter der Spitze und ging die ersten 10 km mit Rückenwind und einer längeren Bergab-Passage in ca. 29:45 min (!) an. Dafür musste er allerdings in der Folge büßen und konnte sich nur mehr oder weniger ins Ziel „schleppen“.

Die weibliche Konkurrenz wurde ebenfalls von einer Kenianerin vom Run2gether-Team dominiert: Viola Jelagat legte bei den Bedingungen starke 1:26:00 h auf den Berliner Asphalt. Den zweiten Rang belegte die in der Schweiz lebende Äthiopierin Helen Bekele Tola in 1:28:32 h vor ihrer Landsfrau Diro Soboka (1:30:53 h). Vierte wurde die Berlinerin Mayada Al-Sayad (1:31:33 h), die für Palästina bei Olympia im Marathon starten wird. Mayada wäre gern 1:30 h gelaufen, doch bei dem starken Wind ist ihre Leistung sicherlich ziemlich stark einzuschätzen. Die Halbmarathon-Marke passierte sie übrigens nach 1:17:06 h. Hinter drei weiteren Ostafrikanerinnen kam Janina Beck vom SV Werder Bremen nach 1:38:26 h auf Rang acht ins Ziel. Janina gehört immerhin bereits der Altersklaase W40 an. Auch erwähnenswert ist die Leitung der nimmermüden Karsta Parsiegla vom SCC Berlin, die als Gesamt-Zehnte und klare W50-Siegerin beachtliche 1:42:08 h lief. Insgesamt 4028 Läuferinnen und Läufer wurden im Ziel des 25km-Laufs registriert. Diese Distanz war damit natürlich sowohl von der Masse als auch von der Klasse her der Hauptwettbewerb der Veranstaltung. Am Rande erwähnt seien die Sieger über die 21,1km-Distanz, welche 1447 Finisher zählte: Knut Hjertvik (1:17:37 h) und Lilly Lißner (1.26:58 h).

Der 25km-Lauf von Berlin ist einer der wenigen Läufe über diese traditionsreiche Distanz, auf welcher früher auch Deutsche Meisterschaften ausgetragen wurden, die nach wie vor bestehen, und lockt Jahr für Jahr viele Läufer jeder Leistungsklasse an. Das wird sicherlich auch in den nächsten Jahren so bleiben; vielleicht dann ja auch mal wieder bei etwas freundlicheren Witterungsbedingungen für Läufer und Zuschauer.


Kossmann Laufdesign