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10. skyRun Messeturm Frankfurt

[eingestellt am 12. Juni 2016]

By: Saskia Helfenfinger-Jeck

Fotos: Dominique Helfenfinger

Hier geht`s hinauf: Auf den Messeturm in Frankfurt am Main

Die Trophäen für die Sieger des SkyRuns Messeturm

Die Finishermedaille

Motivation für die Läufer gibt es gleich zu Beginn

Der Moderator vom hessischen Radiosende FFH

Piotr Lobodzinski macht sich auf den Weg

Hier geht es ins Ziel im 61. Stockwerk

Christian Riedl, der Sieger, auf den letzten Metern

Dynamik pur

Piotr Lobodzinski, die Nummer eins, wird Zweiter

Völlig geschafft: Christian Riedl, der promovierte Physiker

Gezeichnet nach 1202 Stufen und 61 Stockwerken

Fertig: Siegerin Suzy Walsham aus Australien

Lenka Svabikova wird Zweite

Scheckübergabe für die Schnellsten

Sylvia Jacobs wird Gesamt-Dritte und Deutsche Towerrunning-Meisterin

Towerrunner-Elite unter sich

Die Towerrunners

Die Beine werden arg strapaziert

Sie haben wieder gut lachen. Die Elite ist bereits fertig als die Freizeit-Treppenläufer auf die Strecke gehen

Mist, die Stöpsel sind rausgefallen

Mit Löwenmut nach oben. Ob er weiß, wie warm es im Treppenhaus ist?

Warten auf den Einsatz

Dem Regen so nah

Frankfurt, 12. Juni 2016 - Altbekannte Namen standen am Sonntag in der Siegerliste ganz oben bei der zehnten Auflage des SkyRun Messeturm in Frankfurt am Main. Europameister Christian Riedl aus Erlangen entschied die Jubiläumsausgabe für sich, spurtete in neuer Rekordzeit von 6:25,5 Minuten als schnellster Treppenläufer die 222 Höhenmeter hinauf und unterbot damit den bisherigen Streckenrekord von Piotr Lobodzinki um 2,5 Sekunden.

Der Pole musste sich heuer mit Platz zwei begnügen. Auf Rang drei landete der Slowake Thomas Celko.

Streckenrekordhalterin Suzy Walsham aus Australien war das Maß aller Dinge. Sie verwies die Weltcup-Führende Lenka Svabikova aus Tschechien und die Berlinerin Sylvia Jacobs, die zugleich Deutsche Meisterin im Towerrunning wurde, auf die Plätze zwei und drei.

61 Stockwerke, 1202 Stufen, 202 Höhenmeter – es ist eine Herausforderung und mutet schon etwas verrückt an, den Messeturm, der bei seiner Fertigstellung 1991 mal das höchste Gebäude Europas war, per Pedes erklimmen zu wollen. Unter der Woche tummeln sich hier die Anzugsträger und fahren bequem mit dem Fahrstuhl zwischen den Stockwerken hin und her. An den Wochenenden allerdings ist es im Messeturm normalerweise ruhig. Nur einmal im Jahr, da bebt der Messeturm, das Wahrzeichen Frankfurts, wenn die ARQUE (ARbeitsgemeinschaft für QUErschnittgelähmte mit Spina bifida Rhein-Main-Nahe e.V.) zum SkyRun MesseTurm lädt.

1119 Starter – 234 mehr als im vergangenen Jahr - wollten sich die Teilnahme an der zehnten Auflage nicht entgehen lassen. Der SkyRun Messeturm ist der höchste Treppenhauslauf in Europa und zählt neben den berühmten Wettkämpfen „Taipeh 101 Run Up“ in Taiwan (2.046 Stufen) und dem Empire State Building Run Up in New York (1.567 Stufen) zu den imposantesten Treppenläufen weltweit.

Ganz ehrlich, man muss schon ein Stück weit masochistisch veranlagt sein, um den SkyRun Messeturm zu bewältigen. Das Laktat schießt blitzartig schon nach den ersten Stufen in die Beine, kriecht durch den ganzen Körper, Stockwerk für Stockwerk wird es immer schwieriger. Der Geist ist willig, doch die Beine brennen so unglaublich und wehren sich vehement, weiterzuarbeiten. Der Hals fühlt sich so unglaublich trocken an - trotz der empfohlenen Salbeibonbons. Die Luft ist zum Schneiden in den engen Gängen des Hochhauses. Die Atmung wird lauter und lauter, geht phasenweise in ein Stöhnen über. Sauerstoff, Sauerstoff! Die Stufen scheinen nicht enden zu wollen. Der Schweiß rinnt von der Stirn, die Hände werden feucht und halten nicht mehr am Treppengeländer, rutschen einfach weg. Nur die Profis haben vorgesorgt. Sie halten sich mit Radhandschuhen am Geländer fest. Und dann kommt sie, die langersehnte Linkskurve ins Ziel. Die letzten Kräfte werden mobilisiert. Die Vorfreude auf die fantastische Aussicht über Frankfurt und die Umgebung steigt.

Doch 2016 spielte der Wettergott nicht mit. Anstatt einer wunderschönen Skyline gab es nur einen wolkenverhangenen Himmel und Regen, Regen, Regen. Und der wurde dem Sieger Christian Riedl fast zum Verhängnis, denn kurz nach dem Start, der außerhalb des Messeturms stattfand, rutschte er mit seinen nassen Schuhen aus und landete unsanft auf dem glatten Boden. Umso beeindruckender war die Leistung nach seinem Sturz, der ihm nach eigener Aussage nochmals zusätzliche Motivation auf seinem Weg hinauf auf den Messeturm gab. Zwei Sekunden, vielleicht ein bisschen mehr, habe ihn das gekostet, spekulierte er. Anfang der Woche lag der Diplom-Physiker, der schon so ziemlich alle Treppenläufe (u.a. den Treppenlauf im Empire State Building) gewann und auch ein famoser Triathlet ist, noch krankheitsbedingt flach. Doch der Erlanger erholte sich rechtzeitig und wurde für Frankfurt quasi auf den letzten Drücker fit. „Ich war immer knapp dran hier in Frankfurt in den letzten Jahren, jetzt habe ich gewonnen. Und das mit Streckenrekord, das macht mich sehr glücklich“, freute sich Riedl über seinen Coup, der ihm auch den Titel des Deutschen Meisters im Towerrunning einbrachte.

Einen ganz besonderen Weltrekord stellte Haki Doku aus Italien auf. Mit seinem Rollstuhl steuerte er das Treppenhaus vom 61. Stockwerk bis ins Erdgeschoß in rund einer halben Stunde hinunter.

Neben den 450 Einzelläufern aus aller Welt gingen 107 Sportler in Unternehmensteams an den Start. Die Mannschaft RiskRunners-Commerzbank siegten hauchdünn mit einer addierten Gesamtzeit von 43:06,1 Minuten.

Beeindruckend auch die Leistungen der 412 Feuerwehrleute, die sich teilweise mit und ohne Atemschutzmaske nach oben vorarbeiteten. Ohne Maske stürmten die SkyRockets Lank in 37:29,0 Minuten am schnellsten den MesseTurm hinauf. Die Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main II brachte die vertikale Herausforderung mit Atemschutzmaske in der Gewinnerzeit von 36:44,0 Minuten hinter sich.

Zudem machten 150 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren, die in Teams die Höhe von 31 Stockwerken und 620 Stufen meisterten, den KidsCup unter sich aus.

Viel Aufmerksamkeit erhaschen alljährlich die Multi-Climber, die nicht nur einmal, sondern zwei-, drei- oder sogar zehn Mal den Messeturm hinaufstürmen. Mit 78 und 79 Jahren waren Bernd Zürn aus Flörsheim und der Frankfurter Manfred Klittich die ältesten Teilnehmer im Starterfeld. Zürn schaffte gleich fünf Aufstiege, Klittich drei.

Der SkyRun Messeturm ist beileibe nicht nur etwas für Freaks. Ganz im Gegenteil. Immer mehr Volksläufer trauen sich an die Herausforderung Treppenlauf heran. Race-Director Michael Lederer, zugleich Zweiter Vorsitzender der ARQUE, freute die erneute Steigerung der Teilnehmerzahlen, denn mehr Sportler bedeuten gleichzeitig mehr Euros in die Spendenkasse der ARQUE. Die Mischung aus Charity-Event und Spitzensport ist in dieser Form in Deutschland einmalig. Die Anmeldegebühren der Unternehmensteams und der Feuerwehren kommen der gemeinnützigen Arbeit von ARQUE zugute. Lederer organisierte am Sonntag als Renndirektor zum zehnten Mal den Frankfurter Treppenlauf und konnte sich in diesem Jahr über mehr als 20.000 Euro freuen. „Die Resonanz zum Lauf im MesseTurm nimmt Jahr für Jahr zu. Der Teilnehmerrekord wurde wieder gebrochen. Jeder Läufer trägt dazu bei, diese Veranstaltung noch attraktiver zu machen“, betonte er. Lederer und sein Team hatten auch die diesjährige Ausgabe des SkyRuns Messeturm im Griff – vom ersten Aufruf im Callroom bzw. Zelt bis hin zur Siegerehrung. Trotz des Trubels, der sich aufgrund des Wetters nahezu komplett im Messeturm abspielte, blieben die Verantwortlichen ruhig und waren der ruhende Pol im pulsierenden Messeturm.

www.arquelauf.de


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