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Scherl, Anja

[eingestellt am 15. Juni 2016]

By: Volker Goineau

Fotos: privat

Anja Scherl von der LG Telis Finanz Regensburg verbesserte sich in diesem Frühjahr auf Zeiten von 1:11:17 h im Halbmarathon sowie 2:27:50 h über die Marathon-Distanz, womit sie sich nicht nur in der deutschen Langstreckenspitze festsetzte, sondern ebenso die Qualifikation für die Europameisterschaft in Amsterdam und die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro schaffte. Im Interview erzählt die 30jährige Bayreutherin, die in Vollzeit bei einem Software-Unternehmen arbeitet, wie sie den Hamburg-Marathon erlebte und die Doppelbelastung von Beruf und Marathon-Training meistert. 

Laufticker: Anja, herzlichen Glückwunsch zur Nominierung für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im Marathon! Hast du schon immer von Olympia geträumt, auch schon als Kind?

Anja Scherl: Natürlich habe ich auch schon als Kind die Olympischen Spiele verfolgt, die Athleten für ihre Leistungen bewundert und bei den verschiedenen Wettkämpfen mitgefiebert. Die Vorstellung, dass ich einmal selbst an den Spielen teilnehmen könnte, war für mich, ehrlich gesagt, weit weg. Selbst vor dem Hamburg-Marathon habe ich mir das Wort „Olympiateilnahme“ noch gar nicht so wirklich getraut, in den Mund zu nehmen. Und jetzt bin ich tatsächlich dabei. Ich freue mich riesig!

Wann genau wurde das Ziel „Rio 2016“ konkret? Welche Rolle hat der Barcelona-Halbmarathon gespielt?

Ursprünglich hatte ich keinen Frühjahrsmarathon geplant, sondern wollte mich total auf die EM in Amsterdam fokussieren. Nach meinem Halbmarathon in Barcelona wussten mein Mann und Trainer Marco und ich, dass die Olympianorm im Marathon theoretisch und rechnerisch machbar ist. Ab da haben wir uns mit dem Thema befasst. Als Kurt Ring (Team-Chef der LG Telis Finanz Regensburg) zu uns sagte: „Probiert es doch einfach, ihr habt doch nichts zu verlieren!“ fiel die Entscheidung recht schnell.

Wie hast du den Hamburg-Marathon erlebt? Warst du dir bewusst, dass das Anfangstempo riskant hoch war?

Am Anfang habe ich etwas gebraucht, um mich zu orientieren und mein Tempo zu finden. Dann haben sich langsam die Gruppen gebildet. Irgendwann habe ich mich nicht mehr so viel mit der Uhr befasst und bin einfach gelaufen. Bei der Halbmarathon-Marke habe ich mich dann etwas erschrocken, als wir knapp unter 1:14h durchgelaufen sind. Ich hatte befürchtet, dass die zweite Hälfte sehr schwer werden würde, aber ich habe mich super gefühlt. Bis Km 32 hatte ich keine Probleme, danach wurde es langsam hart.

Die tolle Begleitung eines Portugiesen hat mir aber geholfen, die Zeit ins Ziel zu bringen. Er hat mich angetrieben und motiviert. Ich konnte es gar nicht glauben, als ich die Zeit auf der Zielgeraden gesehen habe. Ich hatte Gänsehaut, als ich über die Ziellinie gelaufen bin…

Wurde dir denn für August Urlaub genehmigt? Und erzähle doch mal kurz aus deinem Alltag, wie bringst du Vollzeitjob und Marathontraining unter einen Hut?

Ja, mein Antrag wurde natürlich genehmigt. Meine Tage bestehen natürlich häufig aus Arbeit, Essen, Training und Schlafen. Marco gestaltet die Trainingspläne so, dass ich Arbeit und Training gut unter einen Hut bekomme. Er nimmt mir sehr viel ab. Ohne ihn wäre es nicht möglich.

Hat sich in deinem Alltag seit der Olympia-Qualifikation denn viel verändert?

Es gab mehr Medienanfragen, aber grundsätzlich hat sich nichts verändert und das ist auch gut so. Das Einzige was neu ist, ist die Vorfreude auf Olympia

Und wie sieht nun dein weiterer Fahrplan bis Rio aus?

Vor dem Marathon in Rio steht für mich der Halbmarathon bei den Europameisterschaften in Amsterdam an.

Dann wünsche ich dir ganz viel Erfolg bei den beiden Höhepunkten im Sommer und danke dir für das Gespräch, Anja!


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