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116. Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften Kassel

[eingestellt am 20. Juni 2016]

By: Jön Harland

Die 5000m Läufer machen sich bereit

An beiden Tage war das Auestadion gut gefüllt

Bereits nach wenigen Metern stürmt Gesa Krause vorne weg

Start der 100m-Läufer

Die Hindernisse werden bereitgestellt

Das Speerwerfen der Frauen konnte man am besten von ganz oben verfolgen

Das Verfolgerfeld führt Sarah Kistner an, die einen U20-Hessenrekord rennt

Nach 100m ist das Feld über 800m noch dicht beisammen

Das 5000-Feld angeführt von Simon Stützel (rot)

Das Wetter war nicht immer beständig an den zwei Tagen

Tobias Riker über 5000m vorneweg

Eingangs der Zielkurve wird mit harten Bandagen gekämpft

Der Kasseler Jens Nerkamp opfert sich für die Führungsarbeit (grünes Trikot) und wird später Siebter

1. Vorlauf über 800m

Das Maskottchen für die EM in Berlin 2018 war auch dabei

800m der Frauen: die ersten 100m in Bahnen, dann geht’s nach innen

Am Wassergraben geht ess selten ohne Spritzer

Ehrenrunde von Speerwurfsieger: Thomas Röhler (TC Jena

Fate Tola zieht ihre Runden und lässt überrundete Läuferinnen hinter sich

Die ersten 100m der 800-Mittelstrecke werden noch in Bahnen gelaufen

Robert Harting auf der Ehrenrunde

Die spätere Dritte Gering führt das 5000m-Feld an

Fate Tola macht bald ernst und sprengt das Feld über 5000m

Der Wassergraben zieht das Feld in die Länge über 3000m Hindernis

Mit Vollgas um die Kurve, in der Mitte Christina Hering (die Gewinnerin über 800m)

Der Kasseler und Lokalmatador Jens Nerkamp

Jetzt geht’s nach innen für die 800er

Start über 5000m der Damen

Keine leichte Aufgabe für die Verfolgerinnen über 3000m-Hindernis

Große Ereignisse werfen große Schatten voraus

Kassel, 18./19. Juni 2016 - Die Stadt Kassel war wochenlang im Leichtathletikfieber. Auf den Straßenbahnen, Plakatwänden und vielen anderen Werbeflächen in der Stadt wurden die Titelkämpfe in großem Format angepriesen. Bereits zum zweiten Mal nach 2011 fanden innerhalb der letzten 5 Jahre die „Deutschen“ in der Herkulesstadt ihren Austragungsort.

Das Auestadion im Norden von Hessen war bereits früher eine Wettkampfstätte für Sportfeste, Titelkämpfe und Meisterschaften. So wurde beispielsweise am 19. September 1965 Geschichte geschrieben im Auestadion, als zwei Weltrekorde in zehn Minuten aufgestellt wurden. Seinerzeit sahen 20.000 Zuschauer erst Irina Press aus der damaligen Sowjetunion in 10,4 Sekunden über die 80 Meter Hürden fegen, ehe ihre Schwester Tamara ihre eigene Höchstleistung im Kugelstoßen auf 18,59 Meter verbesserte. Beide legten damit den Grundstein für den Gesamtsieg der Sowjetunion im Länderkampf.

Weiterhin ist die Historie des Auestadions im jahrelang ausgetragenen Askina-Meeting begründet. Hier war Merlene Ottey der unumstrittene Star des ersten Askina-Sportfestes im Jahre 1998. Sie siegte damals im stolzen Alter von 38 Jahren über 100 Meter in 11,19 Sekunden. Weitere Weltklasse-Leistungen boten Diskuswerfer Lars Riedel oder Speerwerfer Boris Henry. Bis einschließlich 2011 war das Askina-Meeting sodann eine feste Größe im Wettkampfkalender.

Die Planungen für die diesjährigen „Deutschen“ liefen bereits seit dem Spätherbst 2015. Den Verantwortlichen war der Stellenwert der Titelkämpfe bewusst: Die DM war:

·         für national ambitionierte Leichtathleten der Saisonhöhepunkt;

·         für andere Qualifikationsort und/oder Zwischenstopp auf dem Weg zur EM nach Amsterdam und/oder zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro

So waren also knapp 200 Kampfrichter und 80 bis 90 Helfer im Einsatz. Für diese Ehrenamtlichen ging es Schlag auf Schlag mit Team-Meetings, technischen Besprechungen, der Platzabnahme für das TV, einer Einweisung in die Besonderheiten der Wettkampfstätten und natürlich dem eigentlichen Wettkampfgeschehen.

Als Laufsportmagazin beschränken wir uns in der Berichterstattung auf die Laufwettbewerbe ab Mittelstrecke.

Männer

800m:

Die kürzeste der Mittelstrecken versprach einiges an Spannung. Mit 29 gemeldeten Läufern war das Feld laut Meldeliste dicht beisammen. Lediglich der deutsche Meister des Vorjahres und Olympia-Teilnehmer von 2012 Sören Ludolph (LG Braunschweig) konnte sich bisher für die EM qualifizieren. Titelverteidiger Dennis Krüger (1. VfL Fortuna Marzahn) bestritt nach einer Oberschenkel-Verletzung in Kassel gar sein erstes Saisonrennen.

Dem Rennen drückte von Beginn an Benedikt Huber (LG Teliz Finanz Regensburg) seinen Stempel auf. Seine Zwischenzeiten deuteten auf eine 1:47er Zeit hin. So sollte es letztlich auch kommen. Er distanzierte in 1:47,17 min. den Zweitplatzierten Sören Ludolph um ein halbe Sekunde. Der Braunschweiger rettete in 1:47,80 min. Silber knapp vor Marc Reuther (Wiesbadener LV), der 1:47,82 min. für die beiden Stadionrunden benötigte.

1500m:

Im Vorfeld wurde Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt) als Favorit gehandelt. Der WM-Fünfte des Jahres 2013 musste im letzten Sommer aufgrund einer Knieverletzung lange pausieren. Heuer lief Tesfaye aber als einziger Deutscher bisher die Olympia-Norm. Ansonsten waren dem Titelverteidiger Florian Orth (LG Telis Finanz Regensburg) sowie dem für seinen starken Endspurt bekannten Timo Benitz (LG farbtex Nordschwarzwald) Beachtung zu schenken.

Spannender kann ein 1500m-Rennen wohl kaum sein: Homiyu Tesfaye führte das Feld zur 400m- und 800m-Marke. Danach nahm Florian Orth das Heft in die Hand und passierte die 1200-Marke als Erster. Auf der Zielgeraden brachte sich sodann Timo Benitz ins Spiel und überspurtete das gesamte Feld, um in 3:40,28 min. zu gewinnen. Dahinter liefen Tesfaye und Orth zeitgleich über die Ziellinie (3:40,67 min.), wobei der Frankfurter das bessere Ende für sich hatte und die Silbermedaille errang.

5000m:

Die Zuschauer wussten, dass der Titel wohl oder übel nur über einen Läufer gehen würde: Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen). Titelverteidiger Ringer bestritt zwar vor den Deutschen noch keinen 5000-Meter-Lauf, zeigte aber bei einem Leistungsnachweis über 3000m in 7:46,59 min., wozu er im Stande ist.

Lange Zeit war das Tempo eher "Jogging" für einen 5000-Endlauf der deutschen Meisterschaften. Doch bei km 4 machten die beiden Friedrichshafener Ringer und Sperlich Ernst und zogen das Feld auseinander. Am Ende siegte Ringer in unwiderstehlicher Manier (13:51,88 min.) vor seinem Vereinskollegen Martin Sperlich (13:56,27 min.). Dieser konnte den Brackweder Amanal Petros (13:58,10 min.) knapp hinter sich lassen.

3000m Hindernis

Für die 3000m Hindernis gab es im Vorfeld keinen klaren Favoriten, nicht zuletzt war kein deutscher Läufer bislang in die Nähe der geforderten Norm von 8:30 min. gelaufen. Das Meisterschaftsrennen schien also völlig offen. Titelverteidiger Martin Grau (LSC Höchstadt/Aisch) reiste nur als 5. der Meldeliste an. Der mit 20 Jahren jüngste Teilnehmer im Feld, Patrick Karl (TV Ochsenfurt), schielte nach U20-EM-Silber im Vorjahr durchaus auf die Goldmedaille, lief er doch in 2016 in 8:35,93 Minuten die schnellste Zeit eines Deutschen.

Eher weniger Leute hatten wohl Hannes Liebach auf der Rechnung. Der Berliner Liebach siegte im Spurt nach dem letzten Hindernis in 8:45,50 min. zu 8:45,98 min. vor Patrick Karl. Titelverteidiger Grau musste in 8:48,97 min. mit Bronze vorlieb nehmen.

Frauen

800m:

Im Vorjahr lautete die Reihenfolge: Fabienne Kohlmann (LG Karlstadt/Gambach/Lohr) vor Christina Hering (LG Stadtwerke München). Diesmal war allerdings Christina Hering die Schnellere der beiden Trainingskolleginnen. Fabienne Kohlmann kam bis zur DM nur in die Nähe der Qualifikationszeit für Rio.

Im Vorlauf brannte Fabienne Kohlmann ihr Feuerwerk ab. In 2:00,49 min. stellte sie sich alleine der Herausforderung gegen die Uhr und krönte ihren Parforceritt mit der Olympiaqualifikation. Dies kostete sie vermutlich am Ende die nötigen Körner für den Endlauf. Hier veranstaltete Hering einen Sololauf. Die 400m in 59,63s passierend setzte sich die Münchnerin letztlich in 2:02,19 min. durch. Dahinter sicherte sich Kohlmann Silber in 2:03,15 min. vor Tanja Spill (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen), die in 2:03,71 min. finishte.

1500m:

Das Augenmerk war auf den Shooting-Star der vergangenen Monate, Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer Leverkusen), gelegt. Über zahlreiche Strecken katapultierte sich der Lauffloh nicht nur in die deutsche, sondern gleich in die europäische Spitze. Die Olympia-Norm war ebenfalls abgehakt. Dahinter hatten im bisherigen Saisonverlauf Titelverteidigerin Maren Kock (LG Telis Finanz Regensburg) und Denise Krebs (TV Wattenscheid) mit 4:09er Zeiten zu überzeugen gewusst.

Wie zu erwarten: Klosterhalfen kam, sah und siegte. In 4:07,92 min. hatte Leverkusenerin vier Sekunden Vorsprung auf die Zweite, im Mittelstreckenlauf eine "kleine Ewigkeit". Kock als Zweite lief 4:11,89 min. Diana Sujew (LG Eintracht Frankfurt) lief eine Saisonbestzeit in 4:12,27 min., die für Platz drei reichte.

5000m:

Die Frage für die längste Laufstrecke der Titelkämpfe, die 5000m, lautete: Wer kann sich durchsetzen? Eine klare Favoritin gab es nicht. Titelverteidigerin Alina Reh (SSV Ulm 1846), hatte kurzfristig abgesagt, die Jahresschnellste Maren Kock (LG Telis Finanz Regensburg) lief die 1500m und DM-Titelsammlerin Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) war ebenfalls nicht am Start.

Den ersten km schaute sich Fate Tola (LG Braunschweig) die "Bummelei" an, 3:12 min. zeigten da die Uhren an. Dann startete sie ihren Siegeslauf und wurde im weiteren Rennverlauf deutlich schneller. In 15:30,35 lief sie am Ende über eine halbe Minute Vorsprung heraus. Zudem blieb sie als einzige Frau an diesem Nachmittag unter 16 min. und erzielte eine neue persönliche Bestzeit. Agata Strausa (LT Haspa Marathon Hamburg) erwehrte sich der immer stärker werdenden Anna Gehring (Sport-Club Itzehoe) in 16:07,39 min. zu 16:09,95 min. im Kampf um die Plätze zwei und drei.

3000m Hindernis

Die Favoritenrolle hatte von Beginn an Gesa Krause (LG Eintracht Frankfurt) nach ihrem fulminanten Saisoneinstieg in 9:22,33 min. Dahinter war ein Duell um Silber und Bronze zwischen Maya Rehberg (SG TSV Kronshagen/Kieler TB) und Jana Sussmann (LT Haspa Marathon Hamburg) zu vermuten. Alle Läuferinnen hatten im Vorfeld der DM in Kassel die Olympia-Norm bereits unterboten.

Es kam wie man es ahnte. Gesa-Felicitas Krause stürmte einsam vorneweg mit neuem Meisterschafts-Rekord. Die gebürtige Dillenburgerin siegte in 9:31,00 min. Dahinter war es lange spannend um die Medaillenränge. Erst auf der Zielgeraden konnte sich Maya Rehberg Silber in 9:46,58 min. sichern. Bronze ging an die Leverkusenerin Sanaa Koubaa (TSV Bayer Leverkusen) in 9:48,07min. Jana Sussmann wurde Vierte in 9:48,28 min.

Im Vorprogramm der Meisterschaften wurde am Samstag das Finale der erstmals durchgeführten Grundschulstaffeln ausgetragen. Im Rahmen zweier „Jugend trainiert für Olympia“-Leichtathletikfeste ermittelte man zunächst die schnellsten Schulstaffeln der Region Kassel. Die schnellsten acht „10 x 40m-Staffeln“ qualifizierten sich für den „Endlauf“ im Auestadion. Insgesamt nahmen 22 Grundschulen mit 245 Mädchen und Jungen an den Ausscheidungen teil.

Die Verantwortliche beim örtlichen Staatlichen Schulamt Stephanie Holzhauer, mitverantwortlich für die Geschicke im Kasseler Schulsport, zeigte sich begeistert über das Staffel-Finale: „Dieses Staffel-Finale, aber auch die beiden zurückliegenden Vorentscheide waren für alle Grundschüler und deren Lehrkräfte eine tolle Bereicherung.“ Die Staffelqualifikation war das Gemeinschaftsergebnis von zahlreichen Mitwirkenden, u.a. der Kasseler Sparkasse, der Gustav-Heinemann-Schule Hofgeismar, den Dozenten und Studierenden der Universität Kassel, dem Kreisverband Kassel und dem HLV - unter gemeinsamer Regie von Staatlichem Schulamt und DLV.

Insgesamt erlebte Kassel an beiden Wettkampftagen erstklassige Deutsche Meisterschaften. Mit 28.700 Zuschauer genossen die Athleten lautstarke Unterstützung im Auestadion trotz einiger Wettereinflüsse. Dementsprechend fiel auch die Bilanz von DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska aus: „Wir sind zufrieden. Zwei Wettkampftage mit viel Unterhaltung und Spannung liegen hinter uns.“

Nachdem am Samstag mit 800-Meter-Läuferin Fabienne Kohlmann (LG Karlstadt-Gambach-Lohr), Hürdensprinter Matthias Bühler (TSG 1862 Weinheim) sowie Speerwerfer Julian Weber (USC Mainz) bereits drei neue Kandidaten das Ticket für Rio lösen konnten, sorgten am zweiten Tag der Titelkämpfe Lena Urbaniak (LG Filstal) im Kugelstoßen und Nadine Gonska (MTG Mannheim) über 200 Meter für weitere neue Olympia-Normerfüllungen.

In den nächsten Tagen werden nun die Teilnehmer für die Europameisterschaften in Amsterdam (6. bis 10. Juli) nominiert. Es werden etwa 100 Athletinnen und Athleten die Fahrt in die benachbarten Niederlande auf sich nehmen. Bis zum 11. Juli haben die Athleten zudem Zeit sich für Olympischen Spiele zu qualifizieren.

 

 


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