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Interview Kurt König

[eingestellt am 20. Juli 2016]

By: Jörn Harland

Fotos: Max Zeus

Interview mit dem "Teammanger Berglauf" Kurt König

Im Jahr 2014 folgte der DLV einer Empfehlung des Bundesausschuss Laufen und schuf zur Unterstützung und Entlastung des DLV-Berglauf-Beraters die neue Position eines Berglauf-Teammanagers. Diese wurde mit Kurt König, einstigem Top-Bergläufer und Veranstalter des Karwendel-Berglaufs, besetzt. Zuletzt haben die Bergläufer richtig abgeräumt und konnten sich bei internationalen Ereignissen gut in Szene setzen. Laufticker.de wollte wissen, was für Kurt König der Grund dieses Erfolges ist, aber auch was für ihn die Faszination Berglauf ausmacht und was einen guten Bergläufer auszeichnet.

 

1.     Kurt, du bist vor 2 Wochen aus Arco/Italien von der Europameisterschaft im Berglauf zurückgekommen. Wie bewertest du das Abschneiden der deutschen Athleten dort?

Grundsätzlich bin ich mit dem Abschneiden meines Teams zufrieden. Allen voran sind die beiden Junioren Nada Balcarczyk und Luca Hilbert mit ihren Plätzen 6 und 11 zu nennen. Beide konnten die im Vorfeld in sie gesetzten Erwartungen bestätigen. Ebenso konnte Domenica Meyer mit ihrem 10. Platz in der Frauenkonkurrenz überzeugen.

In der Männermannschaft hatten wir mit Konstantin Wedel und Felix Thum zwei Berglauf-Neulinge dabei. Von Hause aus sind beide Hindernisläufer, allerdings mit einer gewissen Affinität zum Berglauf. Dritter im Bunde war der noch junge Maximilian Zeus. Für alle Athleten galt es vornehmlich darum, sich in einem Weltklassefeld zu behaupten. Im Vergleich zu den letzten Jahren bildet die Leistung des Männerteams eine solide Grundlage für künftige Erfolge. Insgesamt ziehe ich daher ein positives Fazit.

 

2.     Am vergangenen Wochenende fand der 15. Karwendel-Berglauf statt. Auf deinen Schultern lastet als Organisator dieses Spektakels die Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf. Wie angespannt warst du im Vorfeld oder bist du mittlerweile völlig routiniert in der Organisation?

In der Tat hatte ich im Vorfeld einige schlaflose Nächte. Aufgrund der schlechten Wettervorhersage war ich nervlich schon sehr angespannt. Man weiß schließlich nie, wie schlimm das Wetter tatsächlich wird und wie sehr es am Renntag die Läufer beeinträchtigt. Allerdings habe ich den Eindruck, dass nach der Katastrophe beim Zugspitz-Extremberglauf im Jahr 2008 (Anm. d. Red: Damals kamen zwei Bergläufer aufgrund eines Wetterumschwungs ums Leben) die Athleten, aber auch die Veranstalter sensibilisiert worden sind.

Die Wetterlage war dann für die Athleten tatsächlich nicht einfach. Wir hatten auf den letzten 300 Höhenmetern eine geschlossene Schneedecke. Für die meisten Läufer wurde diese Passage zur besonderen Herausforderung.

Insgesamt kamen 344 Athleten ins Ziel. Meines Erachtens nach war die 15. Ausgabe der beste Karwendel-Berglauf.

 

3.     Sind die deutschen Bergläufer international konkurrenzfähig? Was muss in den nächsten Jahren geschehen, um den aktuellen Leistungsstand zu optimieren?

In der Vergangenheit hat man zu sehr auf einzelne Athleten gesetzt. Es wird künftig wichtig sein, mehr und mehr den Teamgedanken in den Mittelpunkt zu rücken.

Im Vergleich zum Biathlonsport fehlt allerdings die Verbandsstruktur für den Berglauf. Deshalb heißt es, eine gezielte Nachwuchsförderung auf die Beine zu stellen. Heuer haben wir beispielsweise mit 6 Athleten beim Youth Cup, einem internationalen Berglauf für Nachwuchsläufer, teilgenommen. Zudem sind zuletzt vermehrt Athleten aus der Leichtathletikszene an mich herangetreten, die sich der Herausforderung Berglauf stellen möchten. Diese Entwicklung ist sicherlich auch unser breiten Öffentlichkeitsarbeit geschuldet.

Ein weiterer Punkt, der erkannt werden muss, ist, dass der Athlet selbst für seine Form und Weiterentwicklung verantwortlich ist. Ein Bundestrainer kann nur unterstützend tätig sein, dem jeweiligen Heimtrainer obliegt die konkrete Vorbereitung des Athleten. An dieser Stelle wird eine bessere Absprache, eine strukturiertere Planung notwendig sein.

Insgesamt bin ich aber optimistisch, dass wir mit unserer bereits vollzogenen Entwicklung in den nächsten Jahren durchaus weitere vordere Platzierungen bei internationalen Rennen erringen werden.

 

4.     Welchen Stellenwert hat für dich der Berglauf im DLV?

Grundsätzlich ist der Berglauf keine olympische Disziplin. Von daher kann ich verstehen, wenn primär die olympischen Disziplinen wie Mittel- oder Langstrecke auf der Bahn gefördert werden. Nichts desto trotz hat der DLV heuer das Budget für den Berglauf aufgestockt. Dies zeigt, dass dem Berglauf durchaus Beachtung geschenkt wird.

 

5.     In den letzten Jahren geht der Trend mehr und mehr vom Stadtmarathon hin zur Natur. Die Läufer entdecken Landschafts- und Trailläufe als neue Herausforderungen. Wie bewertetest du diese Entwicklung?

Für mich besteht kein Unterschied zwischen Trail- und Berglauf. Bereits vor 30 Jahren liefen Bergläufer hoch und runter; dies auf festen, aber auch schmalen Wegen. Im Endeffekt ist dies nichts Neues. Lediglich die Anzahl der Veranstaltungen hat sich erhöht, die Streckenlänge (u.a. Richtung Ultralauf) verändert. Der Bezug zur Natur ist aber in jedem Fall positiv zu bewerten.

 

6.     Du warst früher selbst ein Top-Bergläufer. Was war dein größter sportlicher Erfolg?

Als ich aktiv war, steckte der Berglauf noch in den Kinderschuhen. Mein erfolgreichstes Jahr war sicherlich 1983. Damals konnte ich viele Siege bei Bergläufen in Deutschland erringen, eine deutsche Meisterschaft im Berglauf gab es seinerzeit noch nicht.

Einer meiner größten Erfolge war sicherlich die Bronzemedaille mit der Mannschaft bei der WM in Lenzerheide im Jahr 1987. Stolz bin ich zudem auf die zweifache Teilnahme bei Militärweltmeisterschaften im Crosslauf. Meine drei Siege beim „Empire State Buildung Run“ habe ich ebenso in guter Erinnerung.

 

7.     Bist du als ehemaliger Bergläufer eigentlich selbst noch aktiv?

Aktiv bin ich immer noch, nur flach laufen ist nicht mehr möglich, bergauf gelegentlich. Viel lieber bin ich im Sommer auf dem Mountainbike und im Winter mit meinen Langlaufskiern unterwegs. So kommen pro Jahr immer noch einige tausend Kilometer und einige hundert Höhenmeter zusammen.

 

8.     Wodurch zeichnet sich heutzutage ein erfolgreicher Bergläufer aus?

Ich denke, dass ein eiserner Willen, gute Kraftausdauerwerte sowie eine gewisse Schnelligkeit einen Athleten zu einem guten Bergläufer befähigen. Wichtig ist weiterhin, dass ein Athlet lernen muss, in sich hineinzuhören und dementsprechend sein Training anzupassen. Am Wettkampftrag regeneriert, „mit leichten Beinen“, an der Startlinie zu stehen, ist kein Geheimnis.

Im Optimalfall ist ein Bergläufer eine Mischform aus einem Leichtathleten und einem Skilangläufer. Nichts desto trotz gibt es nicht die klassische Definition eines Bergläufers, vielmehr ist so etwas immer sehr typabhängig.

9.     Welche weiteren Höhepunkte stehen in diesem Jahr noch auf dem Berglauf-Kalender?

In diesem Jahr steht zunächst noch die Berglauf-DM in Schwangau am 07.08. auf dem Plan. Dort erwarten wir zahlreiche Langstreckenläufer. Gleichzeitig fungiert diese Meisterschaft als Qualifikationsrennen für die im September stattfindende Berglauf-WM. Es wird also interessant. Wir sehen einem harten Schlagabtausch entgegen.

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