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Hoffmann, Benedikt

[eingestellt am 27. Juli 2016]

By: Jörn Harland

Fotos: Peter Gründling

Benedikt bei seinem Sieg beim 50 km-Lauf in Rodgau 2016

Benedikt Hoffmann (TSG Heilbronn): ein Name, den man sich in jedem Fall merken sollte, sowohl für die Straße als auch für den Berg. Der am 09.03.1985 in Recklinghausen geborene Athlet ist mit einer Marathonzeit von 2:20h, aber auch zahlreichen Erfolgen bei Bergläufen ein sehr vielfältiger Athlet. Benedikt wohnt in Freiburg und arbeitet als Lehrer am Beruflichen Gymnasium in Titisee-Neustadt. Trainiert wird er von Manfred Steffny.

Der 175cm große und 66kg leichte Athlet hat sich heuer bereits sensationell in Szene gesetzt: er erlief bei der Berglauf-Weltmeisterschaft über die Marathondistanz Mitte Juni eine Top-Ten-Platzierung. Laufticker.de hat Benedikt getroffen, um ihn zu seinem jüngsten Erfolg zu befragen. Ferner wollten wir wissen, wie er trainiert und was er für Ziele für die Zukunft hat.

 

1.     Du hast dich vor etwa einem Monat sensationell bei der Berglauf-Weltmeisterschaft über die Marathondistanz in Szene gesetzt: ein fünfter Rang im Einzel und eine Bronzemedaille mit der Mannschaft. Wie hast du dieses Rennen erlebt?

Tempovorgaben bringen nichts bei so wechselndem Gelände. Also hörte ich auf mein Körpergefühl. Ich nahm mir vor entspannt den ersten Berg (1.200HM) zu laufen. Nach 3km setzte sich eine Gruppe mit dem 6-fachen Weltmeister De Gaspari und dem Weltmeister von 2011 – dem Slowenen Kosovelj - sich ab. Im guten Rhythmus ging es bergauf. Auf einer 1km langen Bergabpassage innerhalb des ersten Anstiegs gaben mir die beiden aber direkt 30 Sekunden. Der Abstand blieb bis zum ersten Gipfel auf 1.700m konstant. Jetzt war klar – an diesen Downhill-Spezialisten kann ich auf den 1.300HM bergab nicht dranbleiben. Extrem blockiges Felsgelände und ausgewaschene Wege erforderten höchste Konzentration. 2:30 Minuten verlor ich im ersten Downhill, zudem zog der Vizeweltmeister von 2011 – der Brite Owens – an mir vorbei, dem ich bergauf 2 Minuten gegeben hatte. Ich hatte keine Chance dran zu bleiben. Mit blutigem Ellbogen von einem Sturz zog er unerschrocken an mir vorbei. Im welligen Gelände zwischen km 21 und 28 machte ich wieder Zeit gut. Am Beginn des zweiten Berges hatte ich Owens wieder. Da der Amerikaner Andy Wacker ausgestiegen war, war ich nun auf Platz drei! Eine Einzelmedaille bei einer WM? Das wäre ein Traum! Ich duellierte mich mit Owens im Anstieg. Nach ca. 200HM hatte ich ihn mürbe gelaufen und hatte 1:35 Minuten Vorsprung nach dem zweiten Anstieg. Aber der Italiener Rambaldini flog von hinten heran. Er hatte sich die Strecke perfekt eingeteilt und machte 3 Minuten auf mich gut. Er krönte sich später zum Weltmeister! Nach 33km und 2.800HM lief ich als 4. über den zweiten Berg. Jetzt noch mal alles riskieren? Ich versuchte es… donnerte die Trails hinab, stolperte, rannte weiter…. aber alles half nichts. Owens hatte mich 4km vor dem Ziel wieder im Sack. Keine Chance hatte ich gegen diesen Downhill-Spezialisten. Mit 1 Minute Rückstand auf ihn lief ich jubelnd als bester deutscher Läufer ins Ziel ein!

 

2.     Würdest du dieses Rennen als deinen größten sportlichen Erfolg bezeichnen? Oder welche anderen errungenen Erfolge sind dir besonders wichtig?

Schwierige Frage: Man wächst sicherlich mehr an den kleinen hart erkämpften Erfolgen, wo man seine Schwächen überwinden muss. Ich sehe eine sportliche Karriere als kontinuierlichen Prozess. Es ist wichtig seine Fähigkeiten mannigfaltig auszubauchen. So habe ich in den vergangenen Jahren meine Qualitäten im steilen Gelände durch gezieltes Training gut verbessert und war bereits zweimal der beste deutsche Athlet bei einer internationalen Meisterschaft. Parallel dazu konnte ich mich im Marathon und über 50km in den letzten Jahren weiterentwickeln. Bei der Langdistanz-Berglauf-WM konnte ich beide Fähigkeiten zusammenbringen und „die Früchte der letzten Jahre ernten“. Nur die „Downhill-Qualitäten“ waren nicht ideal – diese langfristige Vorbereitung hat mir gefehlt.

 

3.     Nachdem das Jahr 2016 bisher so erfolgreich verlaufen ist, was planst du noch für die zweite Jahreshälfte?

Am 7. August werde ich zunächst bei Berglauf-DM auf der Kurzdistanz starten. Für mich steht es noch offen, ob ich im Falle einer erfolgreichen Qualifikation, bei der Berglauf-WM (Kurzdistanz) in Bulgarien Anfang September starte. Die Hauptziele im Herbst 2016 sind der Frankfurt-Marathon und 3 Wochen später die 50km-WM in Dubai. Wenn die Hitze dort nicht zu krass ist, traue ich mir dort eine Verbesserung meiner Bestzeit (2:57:36h) zu!

 

4.     Lange und bergig bist du ja nicht immer gelaufen. So hast du beispielsweise in 2015 die Schallmauer von 2:20h beim Frankfurt-Marathon nur knapp verpasst. Wie bist du aber zum Berglauf gekommen? Welche anderen Distanzen oder anderen Sportarten zeichnen deinen sportlichen Werdegang?

Mein sportlicher Werdegang war lange unklar. Angefangen hat alles mit Fußball kicken, wo ich Ausdauer, Schnelligkeit und Biss entwickelt habe. Mit 17 Jahren verschlug es mich dann zum Ausdauersport. Triathlon hat mich damals fasziniert. Aber meine Schwimmfähigkeiten waren mager. Erfolge auf nationaler Ebene hatte ich zunächst nur im Duathlon. Durch intensives Schwimmtraining während der Studienzeit konnte ich mich später auch im Triathlon behaupten. 2012 erzielte ich den 3. Platz in der AK bei der Halbdistanz-EM in Wiesbaden. Die Langdistanz hätte mir sicher gelegen. Doch dazu kam es nie. Zum Ende des Studiums musste ich mich entscheiden: Entweder ich betreibe weiter Triathlon mit reduziertem Trainingsaufwand oder ich konzentriere mich auf das weniger zeitintensive Laufen. Da ich weiterhin Leistungssport verfolgen wollte, entschied ich mich für das Laufen.

Der Berglauf war zunächst eine Trainingsmaßnahme, um orthopädisch schonend zu trainieren. Beim ersten Berglauf wurde ich prompt Baden-Württembergischer Meister. Beim zweiten Berglauf trat ich bei den deutschen Berglaufmeisterschaften an (2012) und wurde Zweiter. Damit war die Tür zum Berglauf-Nationalkader geöffnet.

 

5.     Wer auf der Langdistanz zu Hause ist, muss auch im Training viele Kilometer abspulen. Läufst du deine km alleine oder hast Du Trainingspartner? Bist du jemand, der mit Musik im Ohr läuft?

Mit Musik laufe ich nicht. Das Laufen hilft mir viele Dinge des stressigen beruflichen Alltags zu verarbeiten. Musik stört mich dabei.

Ich laufe am liebsten in Begleitung von guten Kumpels. Dann hat die Lauferei auch noch eine herrliche soziale Komponente. Doch meine engen Zeitfenster während des Alltages erlauben es mir nur selten mich zu verabreden. Zudem ist die Anzahl an adäquaten Laufpartnern aufgrund meines hohen Niveaus doch sehr eingeschränkt.

 

6.     Welche Trainingsphilosophie verfolgst du hierbei? Gibt es eine Trainingseinheit, die dich nervt und/oder eine Einheit, die du besonders magst?

Geheimisse gibt es sicher nicht beim Lauftraining. Im Vergleich zu anderen Läufern würde ich mich als idealer „Kilometerfresser“ bezeichnen. Das Trainingstempo wähle ich nur selten zu schnell, entsprechend kommen ausgiebig Kilometer zusammen ohne am Ende zu sein.  Mein Training zeichnet aber auch eine hohe Abwechslung aus. Die Dauerläufe laufe ich sowohl flach als auch hügelig. Lange Dauerläufe von 30KM und mehr kosten schon mal etwas Überwindung. Aber gut: Für einen Langstreckler ist es wie die Luft zum Atmen. Tempoläufe und Fahrtspiele mache ich sehr gerne. Es sei denn, dass das Tempo knochenhart ist - dann bedarf es einiger Motivationstricks. Eine spezielle Einheit sind meine reinen Bergaufläufe zu meinem Hausberg Schauinsland – 800HM auf 8km. Hinunter komme ich dann meist per Anhalter.

 

7.     Was sind deine liebsten Laufgewohnheiten: Hast du eine Lieblingsstrecke? Eine Lieblingstageszeit?

Am liebsten laufe ich natürlich mit erholten Beinen los – was nur selten der Fall ist. Morgens um 11 Uhr, im vollen Besitz meiner Kräfte, spielerisch ins flotte Tempo hinein gleiten und leichtfüßig einen hügeligen Trail im Schwarzwald laufen. Das sind die Trainingseinheiten, die das Laufen für mich zum Genuss machen.

 

8.     Verrate uns doch einen Psychotrick, der dir über den toten Punkt im Training und/oder Wettkampf hilft.

Vor einem wichtigen Wettkampf frage ich mich: „Warum mache ich diesen Quatsch eigentlich?“ Wenn ich gute Argumente dafür habe, hilft es mir so manchen Tiefpunkt zu überwinden.

 

9.     Viele Athleten achten besonders auf ihre Ernährung. Verfolgst du eine besondere Philosophie hinsichtlich dessen, was du isst oder trinkst?

Gute Ernährung ist sicher eine wichtige Basis. Viel Obst und Gemüse stehen auf meiner Speisekarte. Wenn es hin und wieder ein paar Kekse weniger wären, wäre es sicher noch vorbildlicher. Gute Erfahrung habe ich mit kohlenhydratreduzierter Ernährung in der Vorbereitung auf einen Marathon oder einer sonstigen Langdistanz gemacht. Aber das ist nur mit genügend Erfahrung zu empfehlen.

 

10.  Bleibt eigentlich neben deinem Job als Lehrer und dem Laufen noch Zeit für andere Dinge?

Die Frage ist sehr berechtigt. Die gemeinsame Zeit mit meiner Freundin, Familie und Freunden ist mir das Wichtigste. Bergsteigen und Ski fahren mache ich gerne, muss ich gegenwärtig aufgrund des intensiven Lauftrainings aber leider etwas reduzieren. Mit dem Klavier spielen würde ich in Zukunft auch gerne wieder beginnen….

 

 

Allgemeines

1.     Berge oder Meer? Berge

2.     Bier oder Wein? Wein

3.     Schokolade oder Kuchen? Kuchen

4.     Bayern München oder Borussia Dortmund? Dortmund

5.     SPD oder CDU? CDU

6.     Volksmusik oder Metal? Volksmusik

 

Bestzeiten:

5.000m

14:47‘

10km

31:01‘

Halbmarathon

1:07:31h

Marathon

2:20:00h

50km

2:57:36h

 

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