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Teegen, Isabell

[eingestellt am 30. Juli 2016]

By: Volker Goineau

Fotos: privat

Von der Mittelstrecke zum EM-Halbmarathon

Die 22jährige Isabell Teegen stand am 10. Juli 2016 erstmals im Leichtathletik-Nationalteam der Erwachsenen, und das beim erstmals ausgetragenen Halbmarathonwettbewerb bei der Europameisterschaft in Amsterdam. Bemerkenswert ist, dass Isabell sich mit ihrem ersten Halbmarathon überhaupt für dieses Großereignis qualifiziert hatte. Ihr bisheriger sportlicher Weg wird im Folgenden näher durchleuchtet.

Am 16. September 1993 kam Isabell im Schleswig-Holsteinischen Bad Segeberg zur Welt. In ihrer Kindheit und Jugend spielte sie zunächst Handball. Sie mochte das Laufen aber schon immer sehr und brachte im Rahmen von Schul-Wettkämpfen auch gute Leistungen. Um in einen Leichtathletikverein zu gehen, musste sie ihre Eltern jedoch erst überzeugen; diese waren zunächst eher dafür, dass Isabell eine Mannschaftssportart ausübt. 2008 schloss sie sich jedoch dem SC Rönnau 74 an, wo sie bei Trainer Sören Kuhn landete, der sie auch heute noch betreut. Zunächst lief sie die Mittelstrecken, wo sie in den Folgejahren sehr erfolgreich war. In ihrer ersten Saison 2009 belegte sie den 3. Rang bei den Deutschen B-Jugendmeisterschaften (U18) über 800m. Über die selbe Distanz erreichte sie in dem Jahr den 7. Platz bei den Europäischen Olympischen Jugendspielen. Auch in der U20 bestritt Isabell erfolgreich die Mittelstrecken. Erst 2014 versuchte sie sich auch über die zwölfeinhalb Stadionrunden und wurde hier auf Anhieb Deutsche Meisterin in der U23 sowie Deutsche Vize-Meisterin in der Frauenklasse. Auch im 10km-Straßenlauf war sie in dem Jahr erfolgreich: bei der Deutschen Meisterschaft Anfang September in Düsseldorf holte sie die Titel in der U23-Konkurrenz sowohl im Einzel als auch in mit der Mannschaft, zudem errang sie die Bronzemedaille in der Frauenklasse, wobei sie sich mit einer Zeit von 34:43 min. den dritten Rang mit Jana Sussmann teilte.

Weitere Erfolge und erste Rückschläge

Vor der Saison 2014 hatte Isabell einen wechselhaften Winter hinter sich. Nach dem Abitur (2013) war Isabell zunächst infolge eines Fahrradunfalls für drei Monate außer Gefecht gesetzt. Im folgenden Winter verbrachte sie vier Monate in Australien und erweiterte somit ihren kulturellen Horizont. Außerdem konnte sie hier wieder ordentliches Lauftraining absolvieren, was sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat wie bereits geschildert auszahlte; die Freiluftsaison verlief äußerst erfolgreich. Im Herbst 2014 zog Isabell nach Hamburg und nahm ein Studium der Wirtschaftswissenschaften auf.

Studium und Leistungssport mit internationalen Ansprüchen unter einen Hut zu bringen, ist bekanntlich nicht immer einfach; viele Athleten können ein Lied davon singen. Nach zwei Jahren hat Isabell allerdings gemerkt, dass Wirtschaftswissenschaften doch nicht ganz ihr Fach sind und wird nun zur Zahnmedizin wechseln, was natürlich auch ein anspruchsvolles Fach ist. Mit der ihr eigenen Disziplin dürfte Isabell das allerdings ebenfalls gut meistern.

Ihre sportliche Entwicklung der letzten zwei Jahre kann sich sehen lassen. In ihrem letzten U23-Jahr 2015 fand sie immer mehr Gefallen an der Langstrecke und stellte hier starke Bestzeiten auf. So lief sie Anfang März beim Straßenlauf „Rund ums Bayerkreuz“ in Leverkusen die 10km in 33:43 min, also genau eine Minute schneller als sechs Monate zuvor in Düsseldorf, und belegte damit den 9. Rang in der DLV-Jahresbestenliste. Sogar den 4. Rang der DLV-Bestenliste erlief sie sich über die 10.000m auf der Bahn, als sie Anfang Mai im thüringischen Ohrdruf in 34:22,73 min den Deutschen Meistertitel in der U23 sowie den Silberrang in der Frauenwertung errang.

Ein paar Wochen später erlebte Isabell beim Meeting in Koblenz Freud und Leid in einem Rennen: sie verbesserte ihre 5000m-Bestzeit auf 16:04,45 min, erlitt jedoch noch während desd Rennens einen Anriss der Achillessehne, der sie erst einmal zu einer Pause zwang. Dennoch konnte sie im Juli an der U23-EM in Tallinn teilnehmen, wo sie über die 10.000m immerhin den zehnten Rang erreichte.

Erfolgreiches Halbmarathondebüt

Im Frühjahr 2016 stand eine neue Herausforderung an: das Debüt über die 21,1km-Distanz. Nachdem sie in den vergangenen Jahren bei 10km-Läufen bereits Gefallen an Straßenläufen gefunden hatte, sollte die Strecke nun deutlich länger werden. Schließlich stand bei der diesjährigen Leichtathletik-Europameisterschaft erstmals ein Halbmarathon-Rennen auf dem Programm, bei welchem es auch eine Teamwertung gab, sodass sich bis zu sechs Läuferinnen pro Nation qualifizieren konnten. Und die Team-Norm des DLV war mit 1:14:00 h bei ihrer 10km-Bestzeit im Bereich des Machbaren, sodass Isabell hoch motiviert das Rennen in Berlin am 3. April in Angriff nahm. Zwei Wochen zuvor hatte sie beim Dresdner Citylauf in 34:11 min einen ordentlichen Test über die 10km absolviert und konnte nun gespannt sein, wie es ihr über die längere Strecke ergehen würde. Und es lief erfolgreich: mit einer Zeit von 1:13:52 h erreichte Isabell tatsächlich die Team-Norm für die EM. Allerdings war sie nach der Ende April stattfindenden DM nicht mehr in den Top 6 in Deutschland, sodass sie zunächst nicht nominiert wurde. So plante sie mit ihrem Trainer Sören Kuhn, eine Bahnsaison in Angriff zu nehmen und damit wieder mehr an der Grundgeschwindigkeit zu arbeiten.

Überraschende EM-Nominierung

Doch dann kam es anders: die für den EM-Halbmarathon nominierte Sabrina Mockenhaupt erklärte ihren Verzicht, um auf die 10.000m zu setzen, wo sie noch auf die Olympianorm hoffte. So disponierten Isabell und Sören um und nahmen erneut das Halbmarathon-Training auf. Viele längere Dauerläufe und Tempoläufe, auf Asphalt und im Park, jedoch keine Bahneinheiten, standen nun an.  Ihr Training absolviert Isabell in Hamburg. Bei den wichtigen Einheiten ist ihr Trainer jedoch stets dabei, und begleitet sie auf dem Rad. Außerdem unterstützen sie „ihre Jungs“ bei vielen Einheiten.

Nach einem Trainingslauf im Rahmen des hella Halbmarathon in Hamburg, den sie nach 1:19:48 h immerhin auf Gesamtrang sechs und als schnellste Deutsche absolvierte, wähnte sich Isabell fit für den zwei Wochen später anstehenden Saisonhöhepunkt in Amsterdam. Auf der ziemlich welligen Strecke in der niederländischen Hauptstadt fand sie sich letztendlich im Mittelfeld auf Rang 51 wieder, wobei sie mit 1:16:32 h ihre Berliner Zeit zwar recht deutlich verpasste, sich angesichts der Strecke und der relativ kurzen Vorbereitung jedoch zufrieden zeigte. Somit legte Isabell ein ordentliches Debüt bei einer internationalen Meisterschaft der Erwachsenen hin, auf dem sie in Zukunft wird aufbauen können.

Spätestens im Jahr 2016 hat Isabell großen Spaß an Straßenrennen gefunden. Die spezielle Atmosphäre bei den großen Cityläufen hat es ihr einfach angetan und so stehen in diesem Jahr auch noch drei große 10er an: die Berliner Citynacht Ende Juli, die DM im September in Hamburg sowie zum Saisonabschluss am 9. Oktober erneut in der Hauptstadt die „Great 10k“, bei welchem sie gerne ihre Bestzeit angreifen möchte.

Erstmal wieder kürzere Strecken

Cross-Rennen liegen Isabell weniger, dafür fühlt sie sich nach wie vor auf der Bahn sehr wohl. So plant sie, im Jahr 2017 endlich wieder einmal eine Hallensaison zu bestreiten, in der sie die 1500 und 3000m laufen wird. Und in der darauffolgenden Sommersaison möchte sie ihre Bestzeiten über 5000 und 10.000m weiter verbessern. Es ist ihr wichtig, auch im Hinblick auf die langen Straßen-Wettkämpfe die Grundgeschwindigkeit nicht zu vernachlässigen; außerdem liebt sie die Abwechslung zwischen den kürzeren „laktaziden“ Wettkampfstrecken und den längeren Distanzen, bei welchen die Steher-Qualitäten gefragt sind. Wir können gespannt sein, wohin ihr Weg sie in den nächsten Jahren führen wird und auf welchen Distanzen sie die größten Akzente setzen wird.

 

Isabell-Sophie Teegen

geb. am 16.9.1993 in Bad Segeberg/Schleswig-Holstein

Größe/Gewicht: 1,67 m/50 kg

Verein: SC Rönnau 74

Trainer: Sören Kuhn

Lieblings-Trainingseinheit: 1000er Intervalle

Homepage: www.isabell-teegen.de

 

Bestzeiten

1500m 4:17,17 min (2014)

3000m 9:12,80 min (2014)

5000m 16:04,45 min (2015)

10.000m 34:22,73 min (2015)

10km Straße 33:43 min (2015)

Halbmarathon 1:13:52 h (2016)


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