Kanzlei.org - laufend gut beraten

Galuschka, Julia

[eingestellt am 05. August 2016]

By: Jörn Harland

Foto privat

Marathonass

Ihren ersten Marathon lief Julia Galuschka im Oktober 2011 beim Frankfurt-Marathon: 2:56:07 h standen für die im mittelhessischen Solms wohnhafte Athletin zu Buche. Bereits im darauffolgenden Jahr verbesserte sie sich in München auf 2:49:13 h und wurde damit Vierte der deutschen Meisterschaften. Es war der Zeitpunkt, als sie sich dem bayrischen Vorzeigeverein LG Telis Finanz Regensburg anschloss. Mit Kurt Ring hat die Lehrerin an einer Wetzlarer Gesamtschule dort einen fordernden, aber guten Trainer gefunden, der sie bereits zu so mancher Bestzeit gebracht hat. Marathon war aber nicht immer ihr Ding....

laufticker.de traf Julia Galuschka, um zu erfahren, warum diese 42,195 km besonders sind und wie sie ihren bisherigen Saisonverlauf bewertet. Ferner berichtet Julia über ihren sportlichen Werdegang und gibt dem Leser Einblick in ihre läuferischen Vorlieben und Abneigungen.

 

1.     Du bezeichnest dich als bayrische Hessin oder als hessische Bayerin. Was hat es damit auf sich?

Ich wohne im mittelhessischen Solms und starte für den bayrischen Verein LG Telis Finanz Regensburg. Die Regensburger haben mich nach dem Marathon 2012 in München, wo ich Vierte wurde, angesprochen, dann bin ich zu ihnen gewechselt, davor hatte ich keinen Trainer. Auch wenn ich in Hessen wohne, freue ich mich eine Blauweiße zu sein. Ich hatte schon immer eine besondere Liebe zu Bayern und den Bergen. Schon im Grundschulalter habe ich bayrische Vokabeln gelernt, weil mir die Sprache so gut gefallen hat (lacht). Ich besitze außerdem ein Dirndl und auch eine Lederhose. Mein Herz schlägt also schon immer etwas bayrisch. In Regensburg habe ich einen ganz tollen Verein gefunden, ich bin stolz mit so super Sportlern in einem Team zu sein. Und ich freue mich, so einen tollen Trainer wie Kurt Ring zu haben, auch wenn wir quasi „nur“ eine Fernbeziehung führen. Wir mailen oft und telefonieren einmal in der Woche.

 

2.     Wie bist du zum Laufen gekommen? Welche anderen Distanzen oder anderen Sportarten zeichnen deinen sportlichen Werdegang?

Ich habe früher nicht im Traum daran gedacht, längere Strecken zu laufen. Bis zur Saison 2009 war ich Leichtathletin bei der TSG Gießen-Wieseck, da lief ich 800 und 3000m, aber mit eher wenig Training. Selbst als ich meinen Freund 2007 bei seiner Marathon-Vorbereitung unterstützte, meinte ich noch, dass langes Laufen Quatsch sei. Ich hätte mir nie vorstellen können, mehr als zehn Kilometer zurückzulegen.

Zum Laufen kam ich erst mit 12 Jahren, als meine Mutter - selbst einmal 800-m-Läuferin und mit Staffel-Silber bei "Deutschen" dekoriert – und meine damals aktive Schwester (Sprint) mich überredeten, bei einem Wettkampf anzutreten. Ich lief mit meinen damals schon sehr langen Beinen 800m und gewann und der Ehrgeiz war geweckt. Aber nur für kürzere Distanzen. Davor bin ich nur geritten. Noch heute habe ich ein Pferd – meine Haflingerstute Manja. Im Winter fahre ich schon immer sehr gerne Ski oder Snowboard.

Das einschneidende Erlebnis war dann der Start bei der Winterlaufserie in Alten-Buseck bei Gießen 2009. Ich entschied mich spontan, da zu starten, kaufte mir auf dem Weg dorthin noch ein paar Laufhandschuhe, weil es so kalt war, das weiß ich heute noch. Nach den Rennen über 10 und 15 km lag ich in der Serien-Wertung der Frauen klar in Führung. Daher lief ich damals im hohen Schnee auf dem hügeligen Kurs auch noch den abschließenden Halbmarathon mit. So weit war ich vorher noch nie gelaufen. Und mir ging nach nur drei Kilometern auch noch der Schuh auf (lacht). Trotz allem machte mir dieser lange Lauf total Spaß. Die Lust nach mehr war geweckt. Der Wechsel auf die Straße kam dann im Jahr danach.

Dann wusste ich auch, irgendwann will ich mal einen Marathon laufen- einfach nur, dass ich das mal gemacht habe. Dass der dann 2011 gleich so gut werden würde, damit hätte ich nie gerechnet. Ich weiß noch heute, wie ich jubelnd in die Frankfurter Festhalle einlief- und mein erster Satz im Ziel war: Das war ja gar nicht schlimm. Das mache ich wieder!

 

3.     Betrachtet man deine Bestzeiten, so lässt sich erkennen, dass diese fast alle aus dem Jahr 2015 stammen. Was war in 2015 besonders? Was waren die Gründe für diese Leistungsentwicklung im letzten Jahr?

Hm ,da muss ich erstmal kurz überlegen. Eigentlich denke ich nicht so gerne an 2015 zurück, denn der Frankfurt Marathon 2015 war sicherlich das schlimmste Erlebnis in meiner Laufkarriere.

Doch davor lief das Jahr perfekt, das stimmt.

Ich habe seit 2013 unter meinem Trainer Kurt Ring mein Training komplett umgestellt, das zahlte sich 2013 gleich aus- da wurde ich deutsche Marathon-Vizemeisterin. 2014 war es etwas schwieriger. Und 2015 hatten Kurt und ich uns vielleicht so richtig gefunden. Schon im Trainingslager über Ostern im italienischen Cervia konnte ich super trainieren. Es folgte eine Bestzeit im Halbmarathon, dann in Hamburg im Marathon. Als Sahnehäubchen qualifizierte ich mich in meinem „hohen Alter“ auch noch für die DM auf der Bahn in Nürnberg über 5000m – das war ein Mega Erlebnis. Die Marathonvorbereitung lief perfekt- ich konnte meine Sommerferien super fürs Training nutzen. Aus der Vorbereitung lief ich Bestzeit über 10km und im Halbmarathon. Ich war in der Form meines Lebens und dann kam ich beim eigentlichen Saison-Highlight in Frankfurt nur bis km30… dann blockierte der Rücken mein Bein und es ging gar nichts mehr, ich musste mit dem Bus weiterfahren, da liefen viele Tränen, das war sehr bitter und es dauerte eine Zeit bis ich überhaupt wieder laufen konnte – vom Rücken – und wollte – vom Kopf.

 

4.     Wie blickst du auf die bisherige Saison 2016 zurück?

Die Saison 2016 ist auf jeden Fall meine schwierigste. Es hat wirklich lange gedauert, bis ich nach Frankfurt wieder laufen konnte. Da steckte viel Arbeit dahinter, Physio, Aquajoggen, Krafttraining….dann lief es im Februar wieder ganz gut. Doch dann erwischte mich die Grippewelle – aber so richtig. Ich lag komplett flach, sechs Wochen Pause. Ich musste mit ganz langsamem Spazierengehen wieder anfangen, am Anfang war ich nach zehn Minuten schon total fertig. Da war ich mit meiner Geduld echt am Ende. Das war eine sehr schwierige Zeit für mich – aber auch für mein Umfeld. Wenn ich nicht laufen kann, kann ich ungenießbar werden (lacht).

Dann ging das Zurückkämpfen von vorne los.

Ein absolutes Highlight war 2016 der Sieg beim JP Morgan Lauf. Im vergangenen Jahr war ich dort zum ersten Mal gestartet und war Dritte geworden. Schon damals war es ein tolles Erlebnis. Aber dieses Jahr – das war der absolute Hammer. Eigentlich wollte ich gar nicht starten, meine Kollegen haben mich mehr oder weniger überredet. Ich lief einfach mutig vorne mit und am Ende reichte es mit einer Sekunde Vorsprung zum Sieg – das war ein richtig geiles Rennen!

Mit einem guten Halbmarathon in Stuttgart habe ich mir selbst gezeigt, dass es wieder geht, der Rücken hält.

Jetzt freue ich mich auf den Herbst!

 

5.     Welche Ziele hast du für den Herbst 2016? Wieder ein Heimspiel beim Frankfurt Marathon?

Genau! Ich freue mich auf Frankfurt – da habe ich nach der Enttäuschung vom letzten Jahr noch eine Rechnung offen. Den Einlauf in die Festhalle habe ich bei meinem allerersten Marathon so sehr genossen, das möchte ich noch einmal erleben und bei Kilometer 30 einfach weiterfliegen, über die Mainzer Landstraße zurück in die City – durch die Zuschauermengen durch und dann auf den roten Teppich in die Festhalle rein.

 

6.     In der Zwischenzeit bist du ja schon einige Marathons gelaufen. Der Marathon scheint dabei deine Lieblingsstrecke zu sein. Was macht für dich die Faszination der 42,195km aus?

Ein Marathon ist etwas ganz Besonderes und ja meine absolute Lieblingsstrecke. Ich habe schon bei meinem Debut gemerkt, dass ich das gut kann, einfach lange laufen. Die Stimmung bei einem Marathon ist einmalig. Schon die Vorbereitung ist was Besonderes – das lange Arbeiten für den einen Tag. Ich freue mich jetzt schon, wenn ich in Frankfurt an der Startlinie stehen werde, bestimmt mit einer Gänsehaut.

 

7.     Welches Rennen war dein größter sportlicher Erfolg?

Ich glaube das war 2013 in München - deutsche Vizemeisterin im Marathon. Das war unglaublich. Damals habe ich meine Bestzeit um fast 5 Minuten verbessert. Schon auf den letzten Metern der Runde durch das Münchener Olympiastadion liefen mir die Tränchen über die Wangen und ich musste immer wieder die Hände vors Gesicht schlagen, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Das war ein tolles Rennen und natürlich ein super Erfolg. Es lief „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen – da kann ich mich noch ganz genau dran erinnern und immer, wenn ich das Lied höre, denke ich wieder an diesen Einlauf. München ist außerdem meine absolute Lieblingsstadt. Es war einfach perfekt.

Aber ich denke an viele Rennen gerne zurück. Das motiviert mich oft auch im Training.

 

8.     Du wohnst und trainierst im mittelhessischen Solms. Welches ist deine liebste Trainingsstrecke und deine liebste Trainingszeit in deiner Heimat?

Ich laufe am liebsten direkt aus der Haustür los. Nach einem Kilometer bin ich schon auf dem Lahntal-Radweg, da laufe ich direkt an der Lahn entlang. Ich habe da eine Lieblingsrunde. Meine Schule liegt ein paar Kilometer weiter in Wetzlar auch direkt an der Lahn. Das ist perfekt, so kann ich da auch super laufen – in der Mittagspause, zwischen Schule und Konferenz oder in Freistunden. Da ich voll berufstätig bin, passe ich meine Trainingszeit immer meinem restlichen Tagesablauf an, ich laufe aber eigentlich gerne morgens. So kann es passieren, dass ich meinen Schülern morgens die Klassentür aufschließe und sie mich fragen, ob ich schon laufen war. Für die Schüler ist es schon was Besonderes eine Marathonläuferin als Lehrerin zu haben, sie fiebern immer mit mir mit, schütteln aber auch häufig den Kopf, wenn ich ihnen erzähle, was ich am Wochenende gemacht habe. Meine erste Abschlussklasse, die gerade abgegangen ist, hat als Abschluss-Klassenpulli einen Pullover bedrucken lassen mit dem Spruch „Sie läuft für uns!“ .

 

9.     Hörst du gerne Musik beim Laufen oder verlässt du dich eher auf Trainingspartner?

Weder noch. Ich höre nie Musik beim Laufen. In meinem Job geht es mit den vielen Kindern eigentlich immer laut zu. Beim Laufen genieße ich die Stille und die Ruhe mit mir selbst. Trainingspartner habe ich keine, ich laufe eigentlich immer allein. Das macht aber nichts, ich kann beim Laufen so auf der einen Seite total gut abschalten und entspannen als perfektem Ausgleich zu meiner Arbeit. Auf der anderen Seite kann ich auch sehr gut nachdenken beim Laufen, das kommt ganz auf die Einheit und die Tagesform an. Manchmal plane ich meine Unterrichtsstunden beim Laufen. Nicht selten komme ich heim und brauche erstmal einen Zettel und einen Stift um schnell alles aufzuschreiben, was ich mir unterwegs überlegt habe.

 

10.  Nicht jede Trainingseinheit bereitet einem Läufer gleich viel Freude. Sicher hast du eine Lieblingstrainingseinheit? Welche Einheit macht dir weniger Spass?

Eigentlich mag ich die langen Läufe wirklich gerne. Ich gehe aber auch gerne mal auf die Bahn und laufe 1000er. Weniger Spaß – hm Krafttraining vielleicht, aber es ist ganz wichtig.

 

11.  Viele Läufer haben feste Rituale vor einem Wettkampf. Welche Gewohnheiten oder Ticks hast du?

Das Essen vor einem Wettkampf ist mir ganz wichtig, da esse ich möglichst immer dasselbe. Und als Tick kann man mein ständiges Schuhe binden vorm Start bezeichnen, noch im engsten Gedrängel an der Startlinie muss ich sie noch mal binden.

 

12.  Momentan erleben der Triathlon, aber auch der Berglauf und das Trailrunning einen grandiosen Boom. Hast du dir einmal überlegt, von der Straße in ein anderes Metier zu wechseln?

Ich schwimme total ungerne, manchmal sage ich zum Glück, denn sonst würde mich ein Triathlon bestimmt mal reizen.

Trotz meiner großen Liebe zu den Bergen bin ich eher ein Bergelefant, ich kann wirklich nicht gut bergauf laufen. Bergläufe faszinieren mich aber total. Ich denke, wenn ich meine aktive Karriere beendet habe und nur noch just for fun laufe, werde ich auf jeden Fall mal einen Berglauf machen, dann aber nicht ambitioniert, sondern zum Genießen.

Ergänze bitte folgende Sätze:

1.     Wenn ich meine Marathonbestzeit das nächste Mal verbessere, dann….werde ich strahlend über die Ziellinie laufen.

2.     Die LG TELIS Finanz Regensburg ist für mich ein Verein, der…einen tollen Zusammenhalt und Teamgeist hat und in dem ich mich sehr wohl fühle.

3.     Wenn ich das nächste Mal in Urlaub fahre, dann….werde ich einen Kaiserschmarrn essen, ich liebe die Berge und fahre am liebsten in die Berge in Urlaub.

4.     Sage immer die Wahrheit, doch….habe auch ein paar kleine Geheimnisse, zum Beispiel deinen Trainingsplan.

5.     Ich genieße….meistens den Zieleinlauf.

6.     Freiheit ist für mich….laufen können natürlich. Und oben auf einem Berg zu sitzen, die Luft und Aussicht zu genießen, am liebsten im Schnee.

7.     Ich laufe so gerne, weil….ich mich dabei so wohl fühle, es ist der perfekte Ausgleich zu meinem Job als Lehrerin, ich kann dabei unglaublich gut abschalten, aber auch nachdenkdenken, je nach Trainingseinheit.

8.     Von meinem Trainer Kurt Ring habe ich gelernt….richtig hart zu trainieren und meinen Körper zu lieben und ihm zu vertrauen.

 

Bestzeiten:

3.000m

10:00

5.000m

17:08

10km

35:01

Halbmarathon

1:16:08

Marathon

2:44:36


Kossmann Laufdesign