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Pacing - Kevin G. Thompson

[eingestellt am 05. August 2016]

 

Das neue Buch „Pacing“ vom Trainingswissenschaftler der Universität von Canberra Kevin G. Thompson trägt den Untertitel „Mit der richtigen Strategie optimale Leistungen erbringen“. Hier wird vorgestellt, welche Rolle das Pacing in vielen verschiedenen Sportarten spielt.

Zunächst wird der Begriff erklärt. „Pacing“ bedeutet das Einteilen seiner Kräfte und damit der Energie über die Dauer einer körperlichen Belastung. Vor allem natürlich beim Sport. Doch wird auch darauf hingewiesen, dass bereits zu Urzeiten die Menschen sich ihre Energiereserven möglichst effizient einteilen mussten, um auf der Nahrungsjagd erfolgreich zu sein.

Die Rolle und Wichtigkeit des Pacings ist natürlich in den verschiedenen Sportarten sehr unterschiedlich. Im ersten Teil des Buchs werden unterschiedliche Pacing-Strategien vorgestellt und die Physiologie sowie die Psychologie erklärt, wobei insbesondere auf die Energiebereitstellung während der Belastung eingegangen wird. Hierbei wird darauf hingewiesen, dass in manchen Sportarten das Pacing noch nicht so tiefgreifend untersucht wurde und hier noch jede Menge Forschungsbedarf besteht. Bis die Wissenschaft dieses Thema en détail durchleuchtet haben wird, sollen Trainer und Athleten Vieles ausprobieren und selbst herausfinden, was für sie gut ist, vor allem im psychologischen Bereich. Außerdem kann die Lektüre dieses Buchs die Sportler in ihrem Selbstbewusstsein stärken; es wird geraten, bei der persönlichen Zielsetzung eine ausgewogene Mischung aus Ergebnis-, Leistungs- und Zwischenzielen zu formulieren. In diesem ersten Teil des Buches werden bereits Pacing-Beispiele aus vielen verschiedenen Sportarten angeführt, die im zweiten Teil genauer erläutert werden.

In besagtem zweiten Teil des Buches wird in neun Kapitel das Thema Pacing in den unterschiedlichen Sportarten dargestellt. Zunächst werden die Ausdauersportarten besprochen: Schwimmen, Radsport, Eisschnelllauf, Laufen, Triathlon sowie Rudern. Nur der Skilanglauf fehlt leider; hier wären sicherlich auch einige Besonderheiten zu nennen, gerade, weil es sowohl Massenstarts als auch viele Rennen mit Einzelstarts gibt und auch die Schneebeschaffenheit eine wichtige Rolle spielt. Bei den besprochenen Ausdauersportarten wird deutlich, dass es große Unterschiede gibt. So macht beim Rudern ein „positives Pacing“ am meisten Sinn, da das Boot erst einmal beschleunigt werden muss, wohingegen es beim Schwimmen je nach Stilart variiert und beim 10.000m-Lauf der Leichtathleten eher ein gleichmäßiges Pacing zu den schnellsten Zeiten führt. Allerdings gibt es Wettbewerbe, bei welchen die Platzierung deutlich wichtiger ist als die die reine Leistung (Zeit); hier wird häufig eine andere Pacing-Strategie gewählt, beispielsweise ein variables Pacing.

Nach dem Ausdauer-Bereich werden die Mannschafts- und Spielsportarten besprochen: ein Kapitel über Fußball, Australian Football und Rugby; danach Squash und Tennis und zu guter Letzt ein Kapitel über den Basketballsport. Positiv hervorzuheben ist, dass der Autor die einzelnen Sportarten mit ihren Spielregeln zunächst erklärt; schließlich ist nicht jeder Leser in allen Sportarten so gut bewandert. Neben den Spielregeln und dem Spielziel wird auf die physiologischen Anforderungen der jeweiligen Sportart eingegangen, um schließlich zu untersuchen, ob ein richtiges „Pacing“ überhaupt sinnvoll und verbreitet ist. So werden beispielsweise die durchschnittlichen VO2max-Werte der Topathleten in den verschiedenen Sportarten miteinander verglichen und somit unter die Lupe genommen, wie ausdauertrainiert die Sportler sind (sein müssen). Zu fast jeder Sportart wird ein erfolgreicher Sportler und/oder Trainer zu seiner Sicht zum Thema Pacing befragt, sodass der Leser einen guten Einblick in die Materie von einem ausgewiesenen Fachmann bekommt.

Insgesamt ist der aktuelle Forschungsstand zum Pacing in den verschiedenen Sportarten gut herausgearbeitet, mit interessanten Studien aus unterschiedlichen Ländern. In einigen Sportarten, vor allem den Spielsportarten, wurde dieses Gebiet noch nicht eingehend untersucht; zudem stellt der Autor manchmal die Frage, ob Pacing überhaupt relevant ist; beim Rugby vielleicht eher nicht; auch beim Australian Football, wo die genaue Spieldauer zumeist nicht abzusehen ist, scheint ein richtiges Pacing kaum möglich und damit auch keine große Rolle zu spielen. Im Tennis hingegen scheint das Pacing vor allem aus dem vollen Ausschöpfen oder Nicht-Ausschöpfen der erlaubten Pausenzeiten zu bestehen.

Negativ fällt in dem Buch auf, dass dem Autor ein paar kleine Fehler, unter anderem bei der Beschreibung der Sportarten, unterlaufen. Außerdem sind manche Abbildungen etwas irreführend, so werden bei einem Diagramm zum 1.500m-Lauf in der Leichtathletik die ersten drei Rundenzeiten mit der Zeit für die letzten 300m verglichen; dass Letztere deutlich geringer ist, liegt auf der Hand. Insgesamt bietet das Buch „Pacing“ allerdings sehr viele interessante Einblicke in die richtige Strategie, um in den unterschiedlichen Sportarten, vor allem im Ausdauerbereich, seine optimale Leistung abzurufen. Die physiologischen und psychologischen Aspekte werden ziemlich gut erläutert, sodass dieses Werk sowohl für Athleten als auch für Trainer sehr lesenswert ist.

Kevin G. Thompson
Pacing
Mit der richtigen Strategie optimale Leistungen bringen
256 Seiten
ISBN: 978-3-95590-098-4
€ 29,95
spomedis Verlag

 

 


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