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5. RAG Hartfüsslertrail

[eingestellt am 28. August 2016]

By: Gabi Gründling

Fotos: Peter und Gabi Gründling

Konzentration oder Depression?

Geschäftiges Gewusel

Sieger 58 km Vlad Ixel

Markus Krempchen schafft wegen zwickender Wade statt 58 nur 30 km

Siegerin Pamela Veith

Christian Kulbartsch

Silke Bender

Sabrina Glöckner

VP2 Scheune Neuhaus

Scheune Neuhaus

Zweiter 58 km Dieter Ulbricht

Stefan Müller

Zweite 58 km Tatiana Quesada

Dariusz Porebski

Julian Konrad

Stefan Dörrenbächer, 2. Masters men 58 km

Dritte 58 km Birthe Hilmes

Pokemons jagen

Erfrischung tut not

Thomas Fischer

Nachschub

Silke Wegst

Sieger 30 km Timo Schmidt

Marina Iwansky

Dritter 30 km Steven Gaborieau

Holger Haitz

Sascha Scherer

Siegerin 30 km Monika Wozna

Zweite 30 km Josefine Lißner

Benjamin Betrand und seine Hündin

Julian Dickebohm

Roman Schwarz

Su Sundmaker

Claudi Konowskis Timecheck

Dritte 30 km Yasmine Jacoby

Theresia Herrlein und Imke Holm

Wolfgang Neurath

Sieger 58 km Vlad Ixel

.. und schon wieder auf dem Rückweg

Kaputt scheint er nicht zu sein

Hans Pertsch

Zweiter 58 km Dieter Ulbricht an der letzten Halde

Siegerin 58 km Pamela Veith

Dritter 58 km Peter Magyar

Marc Eisermann

Julian Konrad

Zweite Tatiana Quesada

Dritte Birthe Hilmes

Posing ist alles

Erika Chaari, Siegerin masters women 58 km

Idylle am Streckenrand

Medaillen für alle

Auf der Strecke geht’s gleich bergauf

Weiche 7,5 und 14 km

Ein bißchen Zivilisation muß sein

Kathrin Neumann

Anstieg zur Berghalde Victoria

Gegenverkehr

-

Birgit Schmidt

Auf der Halde gab’s Blasmusik

Fotoshooting

14 km-Schlußläufer Bernd Hellbrück

Flammkuchen satt

Jede Menge Transponder

Sven und Svenja

Siegerin Pamela Veith und ihr „neuer Mann“ aus Bronzeguß

Für den dritten Platz gab’s ne Lohre

Sabrina Glöckner war nur kurz nach ihrem Freund Michael Reis im Ziel

Hart – härter – Hartfüßler?

 

Saarbrücken, 28. August 2016 – der Hartfüßlertrail mit Start und Ziel für alle Strecken in der Saarbrücker Bergarbeitersiedlung von der Heydt hat es zwar in sich, ist aber üblicherweise nicht wirklich „sauhart“. Hart und noch härter wurde er in diesem Jahr – wie andere Läufe an diesem Wochenende auch – durch die hohen Temperaturen am Wettkampftag. Die ersten vier Veranstaltungen waren immer im Mai gelegen, da ist das Risiko extremer Temperaturen nicht so hoch und selbst an warmen Wettkampftagen kühlt der Wald im Frühjahr viel besser als im Hochsommer, denn auch Matsch gehörte bisher zum Hartfüßlertrail einfach dazu. Der gegen Ende der Ultrastrecke zu durchquerende Bach führt im Frühjahr Wasser bis auf Hüfthöhe, Ende August ist er gerade mal noch knöcheltief.

Angeboten werden insgesamt vier Strecken: 7,5 km mit 194 Höhenmeter, 14 km mit 296 Höhenmetern, 30 km mit 924 Höhenmetern und 58 km mit 1.654 Höhenmetern. Die Kurzstrecke führt ausschließlich durch den Wald, ab der 14 km-Strecke müssen auch Halden erklommen werden. Eine über 14 km, drei über 30 km und vier über die Langstrecke. Diejenigen, die bei mindestens einer der ersten vier Ausführungen über 58 km am Start waren, wissen: von der Halde Göttelborn mußte man sich quasi in die Tiefe stürzen. Es gab keinen Weg hinunter und so mancher Teilnehmer stand oben an der Kante und wollte es nicht glauben, suchte vergeblich nach einem Pfad. Dieses Abenteuer ist nun Geschichte. Die Halde gehört nicht mehr der RAG, die als Hauptsponsor auftritt sondern ist in öffentlichem Eigentum und irgendein deutsches Gesetz möchte nicht, daß gut 100 Läufer irgendwo laufen, wo es keinen offiziellen Weg gibt. Also muß man, wie an den anderen drei Halden auch, denselben Weg zurück wie man hoch gekommen ist.

„Der Läufer als natürlicher Feind der Natur“ ist auch der Grund für die Terminverschiebung vom Frühjahr in den Hochsommer. Die Naturschutzbehörde hatte im belaufenen Gebiet Bodenbrüter ausgemacht und die Veranstaltung zum früheren Termin nicht mehr genehmigt. Daß die vier Strecken komplett über ausgeschilderte Wanderwege verlaufen und sich dort zu jeder Jahreszeit Touristen tummeln, ist für diejenigen, die das Sagen haben, auch im Saarland unerheblich.

Gerade die Halde Göttelborn hatte es aber durchaus trotzdem in sich. Denn sie wurde frisch saniert, weil sie aufgrund ihrer Steilheit nicht standfest genug war. Nun ist sie „frisch geschwärzt“ und zieht die Sonne dadurch natürlich doppelt an – und strahlt sie auch wieder ab.

So mahnte Orgachef Hendrik Dörr beim morgendlichen Briefing alle Läufer zur Besonnenheit und zum ausreichenden Trinken. Völlig unverständlich war vor allem auch aufgrund der hohen Temperaturen, daß ein guter Teil der Läufer auf den langen Strecken die Pflichtausrüstung von 1,5 l Flüssigkeit ignorierte und maximal mit einer 500 ml-Flasche unterwegs war.

Von Läuferseite gibt es immer wieder mal Anregungen, die 58 km-Strecke „aufzubohren“ und zu verlängern. Aber Hendrik Dörr sieht dazu keine Veranlassung. Es ist kein Freund der Maxime „Kilometer um jeden Preis“. „Unser Gebiet gibt eine schöne 58 km-Strecke her, für mehr müssten wir auf Teufel komm raus noch Kreise ziehen, die außerdem viel weniger attraktiv wären“ vertritt er seinen Standpunkt. Außerdem sind 58 km eine schöne Einsteigerdistanz für Ultratrailneulinge. Und last but not least kann und will er seinen Helfern keinen noch längeren Tag zumuten. Diese sind zum Teil so schon von morgens um 6 bis abends um 8 auf den Füssen, dieses Jahr eher länger denn aufgrund der Hitze nahm man es mit dem neunstündigen Zielschluß nicht so genau, der letzte Läufer erreichte das Ziel nach 10:26 Stunden, also gegen 19.30 Uhr.

Achthundert Startplätze werden in Summe zur Verfügung gestellt. Traditionell melden sich die meisten Läufer auf der 30 km-Strecke an. In diesem Jahr meldeten auch noch einige, die eigentlich für 58 km angemeldet waren, runter auf 30. „Im Gegenzug“ holten auch viele wohl aufgrund des hochsommerlichen Wetters ihre Startnummern erst gar nicht ab. Letztendlich wurden 636 SportlerInnen im Ziel erfasst. 80 über 7,5 km, 191 über 14 km, 246 über 30 km und 119 über 58 km.

Auf der 7,5 km-Strecke, die gemeinsam mit dem 14 km-Lauf um 11 Uhr gestartet wurde, war diesmal auch Hendrik Dörr selbst unterwegs. In der Vergangenheit hatte er sich auch schon am 58 km-Rennen beteiligt, aber in diesem Jahr fehlte so manche helfende Hand. Ganz ohne mitzulaufen wollte er den Tag aber auch nicht erleben und so entschied er sich für die Kurzstrecke. Die beiden schnellsten Kurzstreckler waren noch sehr jung, beide erst 14 Jahre alt. Michael Kitzhöfer brauchte 34:58 min und schon auf Platz 2 folgte ihm die erste Frau. Hannah Seel startet für den LC Rehlingen und war 25 Sekunden nach Kitzhöfer im Ziel. Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Florian wurde mit einer Laufzeit von 40:03 min Vierter gesamt und Dritter bei den Männern. In die Phalanx der Jugend brach Fridjof Gebhardt ein. Der 48jährige sicherte sich nach 38:24 min Platz 2. Kira Martin (43:01 min) und Anna Große (46:02 min) füllten das Treppchen bei den Frauen auf.

Der schnellste 14 km-Läufer gehörte schon der Kategorie „Masters men“ an. Mensur Suetan (LAG Saarbrücken) ist Jahrgang 1954 und zeigte der Jugend die Hacken. Nach 1:00:02 h wurde er im Ziel erfaßt. Hinter ihm waren zwei Jonase dem Bauch des Wals entfleucht. Jonas Held brauchte 1:00:55 h, Jonas Klasen (LT SV Sitterswald) 1:01:32 h, um sich eins der begehrten kalten alkoholfreien Biere, das dieses Jahr hellblaue Hartfüsslertrail-Buff und seine Medaille zu sichern. Claudia Seel machte es ihrer Tochter nach, die 44jährige gewann die Frauenwertung mit 1:09:26 h. Angela Schmitz (1:12:49 h) und Martina Honecker (LAG Saarbrücken, 1:13:36 h) folgten ihr in die Preisränge.

(Anmerkung zwei Tage später: es hat sich heraus gestellt, daß Mensur Suetan die Startnummer eines Vereinskollegen übernomment hat und beim Ummelden der Jahrgang nicht geändert wurde. Tatsächlich ist er erst 36. Die Einspruchsfrist ist aber natürlich längst abgelaufen, die Ergebnisse bleiben daher so stehen, alles andere wäre zu aufwendig)

Um 9 Uhr waren die 30 km-Läufer gestartet. Bereits in den letzten zwei Jahren war Timo Schmidt aus Saarbrücken der Schnellste auf dieser Strecke. Laufen bei Hitze unter Wettkampfbedingungen hatte er auch drei Wochen zuvor beim 25 km-Lauf im südpfälzischen Bellheim erfolgreich erprobt, wo er Dritter wurde. In diesem Jahr hatte ihm Benjamin Bertrand, der direkt um die Ecke wohnt und außer für den LTF Köllertal auch noch für die „coole Truppe“ von der Haardtseemafia startet, hatte ihm den Kampf angesagt und sogar seine Hündin zur Unterstützung mitgenommen. „Ich bin der Verlierer des Tages“ meinte er nach dem Wettkampf. Mit einer gebrochenen Rippe läuft es sich eben nicht so gut, die „Luftzufuhr“ ist erheblich erschwert. So kam er am Ende als 14ter ins Ziel, mußte seine Hündin über die Ziellinie tragen – und Timo Schmidt eroberte mit 2:34:17 h wiederum das oberste Treppchen. Dabei hatte er gegenüber dem Vorjahr fünf Minuten auf der Strecke gelassen.

Fabian Grill (LTF Theeltal, 2:37:38 h) und Steven Gaborieau (Running Team Grafenberg, 2:40:44 h) wurden Zweiter und Dritter.

Gaborieaus Teamkollegin Monika Wozna kam schon als Gesamt-Vierte ins Ziel. Mit 2:50:11 h gewann sie die Frauenwertung. Josefine Lißner (Uni Stuttgart, 2:52:33 h) war als Zweite Gesamt-Sechste. Etwas länger mußten die Zuschauer auf Yasemine Jacoby warten. Die Läuferin der Rcup Runners brauchte mit 3:16:38 h aber auch nicht wirklich lang, wurde als 24te im Ziel erfaßt.

Daß dieser Tag einer der starken Frauen war, daran ließen auch Pamela Veith,  Tatiana Quesada und Birthe Hilmes auf der Langstrecke keinen Zweifel. In Abwesenheit der in der Vergangenheit schnellsten Saarländer beim Hartfüßlertrail waren vorm Start keine Favoriten auszumachen. Den Läufer, der letztendlich die Nase vorn hatte, kannte auch niemand. Vlad Ixel ist Australier, lebt in Hongkong und hat eine deutsche Freundin. Sein Vorsprung war so groß, daß er im zu durchquerenden Bach sogar ein Bad nehmen konnte. Der Hartfüsslertrail war sein fünfter Ultra im laufenden Jahr – und sein vierter Sieg. Zuvor hatte er schon drei 50 km-Trails in Asien gewonnen und war 12ter beim Transvulcania. Nach 5:16:08 h konnte Hendrik Dörr ihn im Ziel begrüßen.

Die Überraschung war groß, als Vorjahressiegerin Pamela Veith gemeinsam mit dem zweiten Mann, Dieter Ulbricht, nach 5:58 h die Ziellinie überquerte. Sie hatte ihn kurz vorm Ziel noch eingeholt, war zuvor alleine unterwegs. Nach anfänglicher Führung war sie der Luxemburgerin Tatiana Quesada gefolgt, erst mit Abstand, dann immer näher kommend und bei km 45 an ihr vorbei ziehend. Die Kusterdingerin trainiert gerade für die Trail-WM Ende Oktober in Portugal. Gerne würde sie auch noch Anfang Dezember an der 100 km-WM in Spanien teilnehmen, weiß aber noch nicht, ob sie innerhalb von nur fünf Wochen zu zwei Weltmeisterschaften mitgenommen wird. Zum zweiten Mal in Folge gewann sie beim Hartfüßlertrail eine Baumpatenschaft. „Ich habe meinen ersten Baum noch gar nicht gesehen, jetzt habe ich schon zwei. Wenn ich mal nicht mehr weiß, wohin, kann ich ja in meinen Wald gehen“ flachste sie nach der Siegerehrung, mit ihrem „Pokal“ in den Händen – einem Bergmann aus Bronzeguß.

Dieter Ulbricht, im Netz auch als Ultrahabicht bekannt, war selbst erstaunt über seinen Erfolg. Seine Tochter lebt seit einem Jahr in Saarbrücken und er verband einen Besuch bei ihr mit einem Start beim Trail. Daß dieser Familienbesuch zum zweiten Platz führte, gefiel ihm natürlich.

Peter Magyar wurde mit 6:25:21 h Dritter.

Tatiana Quesada lief nach Pamelas „Überholvorgang“ gemeinsam mit Julian Konrad. Für die 41jährige war es der bisher längste Lauf, vergangenen November war sie beim 50 km langen Trail Uewersauer das erste Mal auf der Ultrastrecke unterwegs. Sie hatte sich die Strecke vorher gut angeguckt und merkte so, daß sie und ihr 11 Jahre jüngerer Begleiter den Einstieg in die vierte und letzte Halde verpaßt hatten. Natürlich drehten die beiden um und erklommen die Halde dann doch noch. So waren sie am Ende zwei Kilometer länger unterwegs und Julian verpaßte wohl bei seinem ersten Ultramarathon einen Treppchenplatz. Mit 6:29:32 h war er nur vier Minuten hinter Peter Magyar zurück in von der Heydt.

Birthe Hilmes, die Siegerin des diesjährigen Bärenfels-Ultratrail, folgte ihr ohne männlichen „Zwischenläufer“ nach 6:32:35 h aufs Treppchen.

Und dann waren da noch:

-        Sabrina Glöckner und Michael Reis von Fit in Lautern. Normalerweise ist Michael recht deutlich vor seiner Freundin im Ziel. Beim HFT brach er ein und bei Sabrina lief es einfach. Beide staunten Bauklötze, daß Sabrinas Rückstand auf Michael nur 1:27 min betrug. „Zum ersten Mal war ich über kalte Duschen begeistert, endlich mal eine saubere Abkühlung“ beschrieb sie auf Facebook die Duschsituation vor Ort.

-        Wolfgang Neurath. Der 73jährige war der zweitälteste Teilnehmer. Älter war nur Bernd Tesche. Der 75jährige ist der „Finanzchef“ des Orgateams und lief 7,5 km mit. Wolfgang Neurath hatte sich für die 30 km-Strecke entschieden. Einige Mitläufer klärten seine auf ihn wartende Frau auf „bei Wolfgang dauert’s noch, er hat seine Schuhsohle verloren“. Tatsächlich kam der LTF Köllertaler mit einem getapten Laufschuh ins Ziel, weil sich an seinen ältesten Schuhe die Sohle verabschiedet hatte. Das Gelächter hatte er jedenfalls auf seiner Seite.

Wie jede Veranstaltung hat auch der Hartfüßlertrail seine Geschichten und Geschichtchen. Erleben und selbst mitgestalten kann man sie dann im nächsten Jahr beim 6. Hartfüßlertrail in Saarbrücken.

 

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