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43. Berlin-Marathon

[eingestellt am 27. September 2016]

By: Volker Goineau

Die Spitze kurz nach dem Start

Das Feld ist unterwegs

Dänische Fans am Streckenrand

Vorbei an der Siegessäule

Kilometer 35

Noch gut 7km...

...jetzt wird es hart!

Marcel Bräutigam mit einem Afrikaner

Achte Frau: Cassie Fien (AUS)

Die blaue Linie bestimmte die Straßen Berlins

Die Handbiker auf der Strecken

Die Ruhe vor dem Sturm

Ein Duell auf Weltrekordniveau und ein super Auftritt von Katharina Heinig

Berlin, 25.9.2016 - Am letzten September-Wochenende war es in Berlin wieder soweit: Marathon-Zeit! Der größte deutsche Lauf über die 42,195km-Distanz und einer der hochkarätigsten der Welt wurde nun bereits zum 43. Mal ausgetragen. Nachdem am Samstag Nachmittag die Inlineskater sowie die Schüler beim Mini-Marathon an den Start gegangen waren, wurde es am Sonntagmorgen für die Rollis, Handbiker und schließlich die über 40.000 gemeldeten Läuferinnen und Läufer ernst, die in diesem Jahr erst um 9:15 Uhr (statt wie üblich um 9 Uhr) auf die Strecke geschickt wurden. Die Witterungsbedingungen waren wieder einmal läuferfreundlich (zumindest für die meisten) mit Temperaturen von 12-18°C im Verlaufe des Vormittags und nur leichtem Wind, dazu Sonnenschein. In der Mittagszeit wurde es dann etwas wärmer, was vor allem die langsameren Läufer zu spüren bekamen.

An der Spitze wurde ein hochklassiges Duell zwischen Wilson Kipsang, der 2013 in Berlin mit 2:03:23 h einen Weltrekord aufgestellt hatte, und dem 5000m- und 10.000m-Weltrekordler Kenenisa Bekele, der eine Bestzeit von 2:05:04 h vorzuweisen hat, erwartet. Außerdem waren weitere sehr starke Ostafrikaner sowie der japanische Vielstarter Yuki Kawauchi mit von der Partie. Bei den Frauen war unter anderem die Äthiopierin Aberu Kebede am Start, die bereits zwei Mal in Berlin triumphieren konnte und dabei 2012 mit 2:20:30 h ihre Bestzeit lief. Aus deutscher Sicht lag der Fokus auf Steffen Uliczka und Katharina Heinig.

Es entwickelte sich das erwartet schnelle Rennen. Der „Afrika-Express“ passierte die 10km-Marke in super schnellen 29:00 Minuten und behielt dieses horrende Tempo bei. Nach unglaublich schnellen 61:11 min für die erste Streckenhälfte wurde das Tempo kaum langsamer, bis es letztendlich zum großen Showdown zwischen den beiden großen Protagonisten kam. Wilson Kipsang attackierte mehrfach, doch Bekele bewies großen Kampfgeist und konnte sich in der Endphase seinerseits etwas absetzen und erreichte nach 2:03:03 h das Ziel. Den Weltrekord verfehlte er damit nur um sechs Sekunden. Zunächst sah es so aus, als wäre es noch knapper und Bekele wäre 2:02:59 h oder 2:03:00 h gelaufen. Jedoch gab es ein Problem mit der Zieluhr, die anscheinend etwas zu spät gestartet worden war. So ärgerten sich im Nachhinein viele Läufer, als sie ihre offizielle Zeit erfuhren, die in vielen Fällen dann knapp über und nicht knapp unter einer bestimmten Marke lag. Wilson Kipsang erreichte das Ziel nach 2:03:13 h mit 10 Sekunden Rückstand auf den Sieger und verbesserte zugleich seine eigene Bestzeit um zehn Sekunden. Dementsprechend zufrieden und nicht enttäuscht zeigte er sich nach dem Rennen. Den dritten Rang erlief sich der Kenianer Evans Chebet in 2:05:31 h vor vielen weiteren Ostafrikanern. Bester Nichtafrikaner war auf Platz 13 der unverwüstliche Japaner Yuki Kawauchi in 2:11:02 h. Der 29jährige, der als „schnellster Amateur der Welt“ gilt, läuft gerne 10 Marathons und mehr im Jahr und hat eine beeindruckende Bestzeit von 2:08:14 h. Eigentlich hatte er sich bei seinem ersten Berlin-Start eine neue Bestzeit vorgenommen, doch auch so war es natürlich wieder eine klasse Leistung.

Als schnellster deutscher Läufer erreichte Steffen Uliczka auf Rang 16 in 2:15:02 h das Ziel. Auch er dachte zunächst, er hätte die 2:15 h unterboten, und war etwas enttäuscht, als er von der offiziellen Zeit erfuhr. Allerdings lieferte der frühere EM-Sechste über 3000m Hindernis nun einen richtig ordentlichen Marathon ab, nachdem er bei seinem Debüt in Hamburg 2015 mit 2:20:19 h deutlich hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben war. Zweitschnellster Deutscher wurde als Gesamt-30. Geronimo von Wartburg in sehr starken 2:19:25 h. Nachdem er bei seinen ersten drei Marathons jeweils 2:21er Zeiten abgeliefert hatte, konnte der Deutsch-Schweizer aus Göttingen, der mittlerweile im schweizerischen Winterthur lebt, nun die 2:20h-Marke knacken. Beim Erfurter Marcel Bräutigam, der als dritter Deutscher das Ziel erreichte, lief es hingegen nicht so gut. Er hatte sich vorgenommen, seine Bestzeit von 2:17:05 h deutlich zu unterbieten und lag bei der Halbmarathonmarke mit 67:38 min auch gut auf Kurs. Auf den letzten 12 km musste er jedoch deutlich Federn lassen und erreichte das Ziel nach 2:21:49 h. Insgesamt blieben 88 Männer unter 2:30 h, was einmal mehr die Breite in der Spitze beim Berlin-Marathon verdeutlicht.

Zu besagten 88 Männern gesellten sich immerhin sechs Frauen, die ebenfalls weniger als 150 Minuten für die 42,195 km benötigten. An der Spitze setzte sich die Top-Favoritin Aberu Kebede durch und konnte in 2:20:45 h ihren dritten Berlin-Sieg feiern. Ihre Landsfrauen Birhane Dibaba und Rita Aga komplettierten in 2:23:58 h bzw. 2:24:41 h das Podest. Auf Rang vier lief die Japanerin Reia Iwade nach 2:28:16 h ins Ziel. Und nur 18 Sekunden später kam auch schon Katharina Heinig überglücklich als fünfte Frau ins Ziel. Nach mehreren Rückschlägen in der jüngeren Vergangenheit erwischte Katharina nun einen Tag, an dem es einfach lief, und pulverisierte ihre Bestzeit um mehr als fünf Minuten. Nach einer Halbmarathon-Zwischenzeit von 1:14:36 h lief sie die zweite Streckenhäfte in 1:13:58 h und ist nun endgültig in der deutschen Marathonspitze angekommen.

Zweitschnellste Deutsche war Nadine Gill in 2:49:02 h auf Rang 18. Nicht unerwähnt bleiben sollte Karsta Parsiegla vom SCC Berlin, die mit 2:55:10 h (netto) als Gesamt-42. die Altersklasse W50 gewann. Die ersten 79 Frauen liefen Nettozeiten von unter 3 Stunden.

Der Berlin-Marathon wurde auch 2016 seinem Ruf als einer der schnellsten Kurse und bedeutendsten Straßenläufe der Welt gerecht, der erneut viele Tausend Zuschauer an die Strecke lockte, die gemeinsam mit den Läufern ein großes Spektakel mitten in der City feiern konnten.


Kossmann Laufdesign