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Diettrich, Georg

[eingestellt am 10. November 2016]

By: Volker Goineau

Oldenburger Stadtlauf 2016

Der 46jährige Oldenburger Georg Diettrich holte im September den Deutschen Meistertitel in der M45 im 10km-Straßenlauf, bevor er im Oktober gleich zwei Marathons lief (Bremen und Oldenburg). In den 1990er Jahren erzielte Georg Zeiten von 14:06,90 min über 5000m und 29:22 min über 10.000m sowie 29:52 min auf der Straße beim Oldenburger Citylauf. Auch eine Marathonzeit von 2:22:26 h aus dem Jahr 2002 in Berlin kann er vorweisen. Wie er die Saison 2016 erlebt hat, was die Unterschiede zu früher sind und wie er das Training neben Beruf und Familie meistert, verrät Georg im Interview.

Laufticker: Hallo Georg, herzlichen Glückwunsch erst einmal zu deinem Deutschen Meistertitel im September in Hamburg! Nach deinen zwei Marathons machst du ja jetzt Saisonpause, oder? Wie fällt dein Fazit für die Saison 2016?

Georg Diettrich: Danke! Ja, ich mache jetzt Pause. Also bis auf den Marathon, wo ich mir deutlich mehr als 2:36/2:37h erhofft hatte, lief die Saison sehr gut für mich. Obwohl ich vor allem für Marathon trainiert habe, liefen die kürzeren Wettkämpfe auf den Strecken von 10km bis zum Halbmarathon deutlich besser. Auch der Deutsche Meistertitel über 10km (in 31:42 min, Anm. d. Red.) kam eher überraschend, da ich keine 10km-spezifischen Tempoläufe wie 1000er oder 2000er absolviert hatte, sondern das aus dem Marathon-Training heraus gelaufen bin. Das zeigt einfach, dass ich nach wie vor eher ein 10.000m- als ein Marathonläufer bin.

Und wie sehen deine Ziele für nächstes Jahr aus?

Ich möchte es vor allem weiter im Marathon probieren. Hier muss ich einfach noch mehr und besser trainieren, damit ich die Zeiten, die ich auf den kürzeren Strecken laufe, auch gut umsetzen kann. Außerdem steht Anfang März die Deutsche Cross-Meisterschaft im niedersächsischen Löningen an.

Wie bist du überhaupt zum Laufen gekommen?

Das war 1988 bei einem Schüler-Austauschjahr in den USA. Neben dem Fußball und anderen Ballsportarten, die ich bis dahin betrieben hatte, bin ich dort erstmals zur Leichtathletik gekommen und dann beim Laufen hängen geblieben. 1993/1994 war ich dann erneut in den USA, im College.

Was waren die Highlights während deiner Lauf-Karriere?

Das war eindeutig die Zeit am College in den USA. Dort sind Studium und Sport einfach super aufeinander abgestimmt, das hat man in Deutschland nicht, was ich in Oldenburg, wo ich mein Lehramtsstudium weitergeführt habe, erfahren musste. In den USA hat man solch starke Trainingsgruppen und Wettkämpfe, dort bin ich auch meine 10.000m-Bestzeit von 29:22 min gelaufen.

Du hast auf Lehramt studiert, arbeitest jetzt also als Lehrer? Wie vereinbarst du Beruf, Familie und Sport?

Ich bin als Gymnasiallehrer für Sport und Biologie in Oldenburg tätig. Um Beruf, Familie und Sport zu vereinbaren, muss ich einfach flexibel bei den Trainingszeiten sein. In Freistunden mal eine Trainingseinheit unterbringen oder früh morgens und/oder spät abends laufen, wenn die Kinder schon im Bett sind. Meine Familie kennt mich nicht anders.

Wieviele Einheiten absolvierst du in der Woche und was sind die Haupt-Unterschiede zu früher?

Meistens absolviere ich 6 bis 7 Trainingseinheiten in der Woche, in der Marathon-vorbereitung auch mal 9 bis 10. Dabei trainiere ich zumeist zweimal wöchentlich gemeinsam mit Andreas Kuhlen. Außerdem wohne ich direkt neben der Sportanlage der Uni, sodass ich die Tartanbahn praktisch immer nutzen kann. Im Unterschied zu früher habe ich jetzt einfach mehr Verpflichtungen. Neben meinem Beruf als Lehrer betreue ich auch ein paar Hobbyläufer und bin zudem als Maskottchen für das Basketball-Bundesliga-Team der EWE Baskets Oldenburg tätig. So gesehen führe ich kein optimales Langstreckler-Leben nach dem Motto „train eat sleep repeat“.

Du startest mittlerweile für den wenig bekannten Verein LC Wechloy Oldenburg. Wie kam es dazu?

Nachdem ich in meiner Heimatstadt Wilhelmshaven meinen ersten Verein hatte und dann lange Zeit für die LG Braunschweig gestartet bin, habe ich mit ein paar anderen Leuten den Club LC Wechloy gegründet. Wechloy ist der Stadtteil in Oldenburg, in dem ich zu Hause bin. Ich wollte einfach für einen lokalen Verein laufen; schließlich bin ich viel hier in der Oldenburger Laufszene unterwegs und aktiv. Beim LC Wechloy sind wir nur zehn Senioren-Läufer, von denen neben mir auch nur ein weiterer Läufer einen DLV-Startpass besitzt. Lange Reisen zu Wettkämpfen unternehme ich nicht mehr so oft. Im nächsten Jahr werde ich mal schauen, wo die Meisterschaften stattfinden, bsp. Über 10km. Wenn die Anreise nicht zu lang ist, nehme ich das bestimmt wieder mit. Ansonsten liegt der Fokus wie gesagt in erster Linie auf dem Marathon.

Dann danke ich dir für das Gespräch, Georg, und wünsche ich dir für die nächsten Jahre viel Erfolg! Dass du der Laufszene noch lange erhalten bleibst!


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