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Grießbaum, Tanja

[eingestellt am 16. November 2016]

By: Jörn Harland

Fotos: privat

Tanja Grießbaum hat sich in der vergangenen Saison in die deutsche Spitze gelaufen. So beschreibt man den Leistungssprung der gebürtigen Badenerin wohl am besten. Bereits im Dezember 2015 ließ Tanja in 34:59 min. über 10 km aufhorchen, ehe dann in 2016 Bestzeiten auf den Strecken von 3000m bis Halbmarathon folgten.

Tanja Grießbaum: das sind 1,62m und 47kg geballte Laufkraft. Am 11. Februar 1992 in Baden-Baden geboren hat die in Herxheim wohnhafte Läuferin bereits in ihrer Kindheit viele Sportarten ausprobiert. Bereis in jungen Jahren kam sie so zur Leichtahtletik, insbesondere das Laufen faszinierte sie schon immer.

Nach einem Studium „International Business Management“ in Cardiff/Wales ließ sich Tanja beruflich in Rohrbach nieder. Bisher für die LG Rülzheim startend, wird die Langstrecklerin ab 2017 für die LG Region Karlsruhe, als Mitglied der leistungsstarken Trainingsgruppe um Günther Scheefer, die Laufszene unsicher machen.

Doch was treibt Tanja an und wie trainiert sie? Laufticker.de hat Tanja zu ihrer aktuellen Leistungsentwicklung und ihren künftigen Vorhaben befragt.

 

1.       Im letzten Winter hast du die Winterlaufserie in Rheinzabern gewonnen und in den darauffolgenden Monaten die meisten deiner aktuellen Bestzeiten aufgestellt. Was ist das Geheimnis dieser Entwicklung?

Im Juli 2015 habe ich mein Studium abgeschlossen und hatte dadurch in den darauffolgenden Monaten sehr viel Zeit zum Trainieren. Ich konnte mich gezielt auf Wettkämpfe vorbereiten und intensiver regenerieren. Außerdem haben mich sicherlich das professionelle Training und die tolle Unterstützung in Großbritannien weitergebracht. Ich hatte dort einen sehr erfolgreichen und professionellen Trainer, optimale Trainings-bedingungen und eine sehr gute Infrastruktur. Ich habe neue Trainingsmethoden kennengelernt und konnte in einer sehr starken Gruppe trainieren.

 

2.       Wie bist du eigentlich zum Laufen gekommen?

Ich habe als Kind viele Sportarten ausprobiert, unter anderem Turnen, Tischtennis, Badminton und Fußball. Mit 5 Jahren kam ich zur Leichtathletik. Da ich schon immer gerne draußen an der frischen Luft war, gerne rannte und an meine Grenzen ging, bin ich bei der Leichtathletik geblieben. Schon damals erkannte ich meine Liebe zum Ausdauersport. Oft war ich auch mit meiner Mutter außerhalb der Trainingszeiten laufen. Mir hat das Rennen von Anfang an einen riesen Spaß gemacht.

 

3.       Du bist u.a. 5.te bei den Deutschen Halbmarathon Meisterschaften im April geworden, und das in einer sagenhaften Zeit von 1:15:33h. Dieser fünfte Platz hat leider nicht ganz für die Qualifikation zu den Europameisterschaften in Amsterdam gereicht. Würdest du diese Meisterschaften trotzdem als deinen grössten Erfolg auf nationaler Bühne bezeichnen?

Es ist sehr schade, dass es nicht für die Europameisterschaften in Amsterdam gereicht hat. Trotzdem war ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis bei den Deutschen Meisterschaften. Bestzeit bei einer Deutschen Meisterschaft zu laufen und dann auch noch den 5. Platz (nur 3 Sekunden trennten mich von Platz 4) zu belegen war ein riesen Erfolg. Auf nationaler Ebene würde ich diesen Erfolg zusammen mit meinem Deutschen Meistertitel im Berglauf 2012 als größten Erfolg sehen. Ich werde auch im nächsten Jahr die Deutschen Halbmarathonmeisterschaften wieder als Höhepunkt ansehen und versuchen mein diesjähriges Ergebnis noch einmal zu verbessern.

 

4.       Welche weiteren Rennen und errungenen Erfolge waren wichtige Meilensteine für dich?

Den ersten Meilenstein würde ich in meinem ersten 10 km Rennen sehen, damals war ich 12 Jahre alt. Auf Anhieb lief ich neue Pfalzrekorde in allen Jugendaltersklassen (W12 - W15). Das war für mich der Zeitpunkt an dem ich mich dazu entschloss, leitungsorientierter und gezielter zu trainieren. Später habe ich dann auch die Pfalzrekorde in den älteren Altersklassen (WU18, WU20 und Frauen) eingestellt. Ein weiterer wichtiger Meilenstein war für mich der Süddeutsche Meistertitel über 5000m bei den Juniorinnen 2011. Dort habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich auch auf nationaler Ebene Erfolg haben kann. Weitere wichtige Meilensteine waren dann der Deutsche Meistertitel im Berglauf 2012 und die damit verbundene Qualifikation für die Berglauf Europameisterschaften in der Türkei 2012. Außerdem der 5. Platz mit neuer Bestzeit über 10 000m auf der Bahn bei den Deutschen Meisterschaften in Marburg 2012. 2013 dann die Nominierung für die Berglauf Weltmeisterschaften. Ebenfalls sehr wichtig für mich war 2015 mein erster Lauf über 10 km unter 35 Minuten. Und natürlich 2016 der 5. Platz bei der DM im Halbmarathon sowie der Süddeutsche Meistertitel über 5000m. Auch während meiner Zeit im Ausland nahm ich an großen Meisterschaften teil. Unter anderem an den Britischen Hallenmeisterschaften auf der für mich ungewöhnlich kurzen Strecke über 3000m. Überraschend konnte ich hier nach einem taktischen Rennen den 6. Platz belegen.

 

5.       Gerade vor kurzem, Anfang Oktober, bist du bei einem Wettkampf einfach mal „aus Versehen“ 50 km in 3:46 h gelaufen. Eigentlich wolltest du nur 30 km trainieren. Was dürfen wir in den nächsten Monaten noch erwarten?

Ja, das stimmt und es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ist mir wesentlich leichter gefallen als ich das bei einer solchen Strecke erwartet hätte. Ich weiß ja schon lange, dass mein Talent auf den längeren Strecken liegt, dieser Lauf hat das wieder einmal bestätigt. Mit Sicherheit hat dieser Lauf den Umstieg auf die Marathondistanz etwas beschleunigt, da er mir gezeigt hat, dass ich auch ohne richtiges Marathontraining sehr stark auf den langen Strecken bin. In den nächsten Monaten werde ich mich intensiv auf einen Marathon vorbereiten und dann im Frühjahr mein Marathondebüt geben. Wahrscheinlich werde ich dann 2017 auch noch einen weiteren Marathon im Herbst laufen und mein Training hauptsächlich auf Halbmarathon und Marathon umstellen. Ich werde von der Bahn auf die längeren Distanzen gehen. Ich habe auch Lust einmal bei einem längeren Berg- oder Traillauf an den Start zu gehen und werde mit Sicherheit auch irgendwann über die Marathondistanz hinausgehen, aber wann das sein wird, weiß ich noch nicht.

 

6.       Der Schritt zum Marathon ist ja eigentlich nur noch eine logische Folge oder? Wann dürfen wir dich dort an der Startlinie sehen?

Ja, das stimmt. Ich warte schon sehr lange darauf meinen ersten Marathon zu laufen. Hätte ich nicht versucht mich für die EM dieses Jahr zu qualifizieren, wäre ich dieses Jahr schon Marathon gelaufen. Ich werde aber jetzt ins Marathontraining einsteigen und dann wie schon in Frage 5 erwähnt im Frühjahr 2017 bei einem Marathon an der Startlinie stehen. Und voraussichtlich dann im Herbst 2017 noch einmal (evtl. bei den Deutschen Meisterschaften).

 

7.       Wer solch lange Strecken läuft, muss auch im Training viele Kilometer abspulen. Machst du das alleine oder hast Du Trainingspartner? Bist du jemand, der auch mit Musik im Ohr läuft?

Ein- bis zweimal in der Woche trainiere ich in Karlsruhe in einer sehr großen und starken Trainingsgruppe unter meinem Trainer Günther Scheefer. Dort mache ich aber nur die Tempoeinheiten auf der Bahn. Alle Ausdauerläufe, Tempodauerläufe etc. mache ich im Wald zwischen Rülzheim und Herxheim oder im Pfälzer Wald, um auch mal ein paar Höhenmeter zu laufen. Einige dieser Läufe laufe ich alleine, bei den regenerativen, lockeren Einheiten höre ich dabei auch gerne Musik. Bei den Tempodauerläufen und schnelleren, härteren Einheiten mache ich das nicht. Bei einigen Trainingseinheiten/ Ausdauerläufen werde ich auch von André Zschaubitz, Stefan Birner oder Oliver Trauth begleitet. Wir trainieren sehr viel zusammen und besonders Oliver Trauth und André Zschaubitz haben mich schon oft bei Wettkämpfen als Tempomacher unterstützt.

 

8.       Welche Trainingsphilosophie verfolgst du hierbei? Hörst du besonders auf deinen Körper?

Selbstverständlich höre ich als Leistungssportlerin besonders auf meinen Körper. Trotzdem bin ich eher jemand, der manchmal zu viel trainiert bzw. beispielsweise bei einer Krankheit nicht pausieren möchte. Mir macht das Laufen einfach zu viel Spaß. Wichtig ist für mich auch ein ausgeglichenes Training, deshalb steige ich auch gerne mal auf das Rennrad oder schwimme einige Kilometer um auch andere Muskelgruppen zu trainieren.

 

9.       Wie belohnst du dich nach einem guten Wettkampf?

Eigentlich gar nicht. Ich freue mich natürlich sehr über gute Wettkämpfe und bin dann sehr glücklich. Das ist ja an sich schon eine Belohnung.

 

10.    Gerade im Langestreckenlauf spielt Ernährung eine besondere Rolle. Achtest du besonders auf das, was du isst oder trinkst?

Natürlich achte ich als Leistungssportlerin auf meine Ernährung. Ich trinke absolut keinen Alkohol und bevorzuge Wasser oder Tee. Meine Ernährung ist aber sicherlich ein Aspekt, welcher noch deutlich optimiert werden kann. Daran arbeite ich gerade.

 

11.    Langstreckenlauf nimmt ja bekanntlich sehr viel Zeit in Anspruch. Wenn du mal nicht durch die Gegend läufst, bist du dann auch sportlich unterwegs oder bist du einfach mal nur „faul“?

Das Lauftraining nimmt sehr viel Zeit, ich würde sogar sagen fast meine komplette Freizeit in Anspruch. Trotzdem bin ich auch noch als Trainerin aktiv und trainiere 3 x pro Woche eine Jugendgruppe. Faul bin ich eigentlich nie. Ich fahre auch noch sehr gerne Rennrad oder schwimme.  Ab und zu nehme ich auch zum Spaß an einem Triathlon teil. Ich liebe außerdem die Alpen und die Berge. Im Winter fahre ich sehr gerne Ski (Abfahrt und besonders gerne Langlauf). Und im Sommer gehe ich sehr gerne wandern, klettern oder bergsteigen. Eine weitere Leidenschaft von mir ist das Reisen, besonders Israel und Kanada haben es mir angetan. Ich könnte Ewigkeiten in der Negev Wüste in Israel verbringen oder in Kanada in den Rocky Mountains wandern.

 

 

Ergänze bitte folgende Sätze:

 

1.   Ich laufe so gerne, weil...

Laufen gesund ist und mir unheimlichen Spaß macht. Ich könnte stundenlang durch den Wald laufen und einfach nur die Natur genießen. Ich laufe einfach für mein Leben gern.

 

2.   Sage immer die Wahrheit, doch…

verletze dadurch niemanden.

 

3.   Besonders dankbar bin ich im Moment für...

jeden Augenblick in dem ich glücklich bin.

 

4.   Wenn ich das nächste Mal in Urlaub fahre, dann…

wird wie in jedem Urlaub der Sport auch eine wichtige Rolle spielen. Ich freue mich darauf morgens in den Alpen bei langen Dauerläufen den Sonnenaufgang zu genießen oder in Israel durch die Wüste zu laufen.

 

5.   Ich genieße…

es morgens im Nebel durch den Pfälzer Wald zu laufen und auf den Gipfeln in der Sonne anzukommen.

 

6.   Die beste läuferische Entscheidung in den letzten Jahren war…

mich in meiner Gesamtstruktur und Karriereplanung neu auszurichten. Meine Trainingsschwerpunkte von der Bahn auf die Straße zu verlegen und mir mit Günther Scheefer einen erfahrenen und erfolgreichen Trainer zu suchen.

 

7.   Freiheit ist für mich…

jeden Tag die Wahl zu haben. Jeden Tag, jeden Moment mich neu entscheiden zu dürfen. Freiheit ist für mich einen freien Willen zu haben und nach Belieben zu handeln. Mein Leben mit den Menschen, die ich liebe verbringen zu dürfen.

 

Bestzeiten

3000m

9:59 min.

23.01.2016

Ludwigshafen (Halle)

5000m

16:48,18 min.

20.05.2016

Karlsruhe

5 km Straße

16:47 min.

03.07.2016

Kaiserslautern

10 000m

36:25,73 min.

05.05.2012

Marburg

10 km Straße

34:59 min.

13.12.2015

Rheinzabern

Halbmarathon

1:15:33h

23.04.2016

Bad Liebenzell

 

 


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