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Ernst, Jannik

[eingestellt am 29. November 2016]

By: Jörn Harland

Foto Günther Jung

Wer ist Jannik Ernst? In der hessischen Laufzsene bereits seit einigen Jahren ein Begriff, aber auf nationaler Ebene eher noch ein wenig bekannter Name.

Jannik Ernst macht seinem Nachnamen glücklicherweise keine Ehre. Im Gegenteil: Der derzeit in Hünstetten (Rhein-Taunus-Kreis) wohnhafte Läufer ist ein sympathischer und weltoffener junger Mann. Der im August 1990 geborene Wiesbadener kam im Alter von 13 Jahren zum Laufen. Zuvor war Jannik als Judoka und Leichtathlet aktiv. Durch intensiveres Laufen kam der Kontakt zu anderen Läufern. Es folgten die ersten Wettkämpfe, die Jannik sehr viel Spaß bereiteten. Der Wunsch nach einem zielgerichteten Training entstand, so dass Jannik sich dem TV Waldstraße Wiesbaden anschloß. Günter Jung war damals Janniks erster Trainer; daran hat sich bis heute nichts geändert. Der 180cm große und 72 kg leichte Marathoni ist sowohl seinem Verein als auch seinem Mentor treu geblieben.

Nach seinem Abitur im Jahr 2010 absolvierte Jannik zuächst eine Bankausbildung. Danach ging er – wie mittlerweile so einige Läufer – den Schritt über den großen Teich in die USA. Dort studierte „Mr. Ernst“ von 2012 bis 2015 in San Jose (Kalifornien) Betriebswirtschaft. Das ahtletenfreundliche Klima der amerikanischen Universitäten reizte ihn besonders. Studieren und Laufen gleichzeitig, und das auch noch auf hohem Niveau: für Jannik eine feine Sache. Unterstützt wurde der gelernte Bankkaufmann hierbei durch ein Sportstipendium.

Während dieser Zeit fand ein regelmäßiger Austausch mit seinem Wiesbadener Trainer Günter Jung statt. Seine Meinung war und ist Jannik sehr wichtig. Das Training erfolgte aber in Zusammenarbeit mit dem Coach der Universität, Brad Wick. Auch nach seinem Studium hält Jannik weiterhin Kontakt zu Brad, da ihm unterschiedliche Meinungen sehr wichtig sind.

Ende Oktober belegte Jannik nun sensationell den dritten Platz bei den Deutschen Marathonmeisterschaften. In einer sehr ansprechenden Zeit von 2:21:14 h lief sich der Betriebswirt in die deutsche Spitze: „Bis auf die letzten Kilometer, die natürlich hart waren, habe ich den kompletten Lauf genossen“, schwärmt er noch immer. Von Beginn des Rennens habe er sich sehr gut gefühlt. In einer Gruppe, in der sich auch die ersten beiden Frauen und deren Tempomacher befanden, wurde für ein gutes und gleichmäßiges Tempo gesorgt. So konnte Jannik größtenteils verdeckt laufen und entsprechend gut auf die Aktionen der anderen Läufer reagieren. Auf die Frage des weiteren Rennverlaufs führt der Wiesbadener weiter aus: „Bei Kilometer 34 habe ich dann mein Heil in der Flucht gesucht. Ich habe das Tempo forciert und war überrascht, dass ich einen Abstand zwischen mich und den Rest aufbauen konnte.“ Dadurch, dass Jannik auf den letzten 8 Kilometern das Heft selbst in die Hand nahm, wurden die letzten 3 Kilometer nochmal sehr schwer. Nichtsdestotrotz war klar, dass es ein super Rennen sein wird, ohne jedoch genau zu wissen, welche Zeit und vor allem welche Platzierung herausspringt.

Das Marathondebut war seit einiger Zeit geplant. Bereits während seines USA-Aufenthalts hatte sich Jannik das Ziel gesetzt, einen Marathon finishen zu wollen. Als Mitglied des Uniteams (Cross Country und Track & Field) konnte Jannik das Vorhaben Marathon allerdings nicht in den USA umsetzen. Er ist aber davon überzeugt, dass sowohl die neuen Trainingsmethoden seines amerikanischen Trainers positiv zu seiner Weiternentwicklung als Läufer beigetragen haben.

Zunächst sah es im Frühjahr 2016 aber alles andere als nach einem Marathonstart aus. Die Vorzeichen zu Beginn des Jahres standen sehr schlecht: von Januar bis Juni laborierte der Wiesbadener an einer hartnäckigen Entzündung im Knie. Mit behutsamem und allmählichem Lauftraining begann dann die Vorbereitung im Juni. Die Zeit war allerdings schon weit fortgeschritten. „Ich war komplett untrainiert. Ich musste so schnell wie möglich wieder halbwegs fit werden. Gleichzeitig wollte ich es auch nicht riskieren, mich wieder zu verletzen, wenn ich zu schnell wieder viel trainiere“, resümiert der Marathoni. Es galt die richtige Balance zu finden.

Zur gezielten Vorbereitung auf den Marathon hat Jannik die Trainingsideen seines deutschen Trainers Günter Jung, seines amerikanischen Trainers Brad Wick und seine eigenen Vorstellungen kombiniert. Interessant war an dieser Stelle für Jannik, wie unterschiedlich gewisse Trainingsideen sein können. Insgesamt jedoch war die kurze und komprimierte Vorbereitungszeit eine Besonderheit.

Den Erfolg für seinen Parforceritt in Frankfurt sieht Jannik zum einen im Abspulen vieler Kilometer. Bis zu 200km pro Woche und oft zwei Einheiten pro Tag standen auf dem Trainingsplan. Hierbei waren für Jannik drei Schlüsseleinheiten tragend: erstens der lange und zügige Dauerlauf, zweitens der lange und progressive Tempodauerlauf und drittens Intervalltraining in jeglichen Variationen. Weitere Trainingseinheiten wurden um die anderen Läufe herum gebaut.

Zum anderen standen für Jannik neben einer ausgewogenen Ernährung viel Stabitraining und Dehnen im Mittelpunkt. Nach Meinung des Wiesbadeners trägt gerade letzteres dazu bei, Verletzungen vorzubeugen und die Regeneration zu beschleunigen. „Im Prinzip ist es im Marathontraining entscheidend sich während den vielen Einheiten genügend zu erholen. Die Regeneration ist eigentlich die große Herausforderung während eines Marathontrainings“, so Ernst. Ergänzend zur schnelleren Regeneration trank Jannik jeden Morgen nach dem Training einen „Rote Beete Smoothie“.

Die nächsten Wochen stehen für Jannik nunmehr im Zeichen der Regeneration, ehe dann die mittelfristige Planung auf die 5.000m und 10.000m ansteht. Hier will er in 2017 seine Bestzeiten jagen. Allerdings reizt es den Wiesbadener langfristig schon sehr, sich auf den längeren Kanten, Halbmarathon und Marathon, zu verbessern. „So ist ein internationaler Einsatz für Deutschland zwar wünschenswert, verlangt aber eine weitere Verbesserung meiner Zeiten“, so der Langstreckler durchaus kritisch.

Beruflich wird Jannik demnächst als Business Developer einsteigen. Parallel dazu möchte er einen Masterstudiengang absolvieren. Als gelernter Bankkaufmann und ehrgeiziger Athlet dürfte Jannik dies wohl nicht schwerfallen. Jannik erachtet das Laufen nämlich als Alltag in seinem Leben; gleichzeitig ist es sein größtes Hobby. Allerdings ist der Langstreckler neben dem Laufen durchaus unternehmenslustig. So fährt er gerne Fahrrad und Motorrad, geht ebenso gerne mit Freunden und seinem Hund wandern.

Weitere Dinge, die wir über Jannik wissen wollten:

1.   Auf welche (drei) Dinge könnest Du in deinem Alltag nicht verzichten?

Erstens ist der tägliche Sport für mich sehr wichtig. Er hilft mir u.a. dabei, mich vom täglichen Stress zu erholen.

Zweitens bin ich gerne über meine Umgebung informiert. Das bedeutet, dass ich es mag, Neuigkeiten zu lesen oder zu hören.

 

2.   Was fehlt in deinem Kühlschrank nie?

Ich brauche zum einen rote Beete für meinen Smoothie und zum anderen liebe ich Joghurt und Quark.

 

3.   Wie viele Paar Schuhe verschleißt du in einer Laufsaison?

Jährlich benutzte ich bestimmt ca. 5 - 6 Paar Schuhe.

 

4.   Trainierst du auch alternativ oder bist du reiner Läufer?

Die meisten Einheiten laufe ich. Allerdings fahre ich definitiv auch mal Fahrrad oder gehe auch mal schwimmen.

 

5.   Wie regenerierst du am besten?

Viel Dehnen und Ausrollen sowie Stabitraining helfen der aktiven Regeneration.

 

Kurz und prägnant:

1.   Film oder Buch? Film

2.   Bier oder Wein? Bier

3.   Berge oder Meer? Berge

4.   Bayern München oder Borussia Dortmund? Enthaltung 

5.   Fleisch oder Gemüse? Ich liebe die Kombination

6.   Volksmusik oder Metal? Metal

 

Bestzeiten

1.500m

3:59 min.

3.000m

8:44 min.

5.000m

14:58 min.

10km

31:32 min.

Halbmarathon

67:32 min.

Marathon

2:21:14 h

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