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Der Ultralauf-Kompass - Norbert Madry

[eingestellt am 08. Dezember 2016]

By: Gabi Gründling

„Für alle, die es wirklich wissen wollen“ - mit diesem Untertitel seines Ultralaufkompasses hat Norbert Madry die Latte seines Erstlings im Laufsportbereich ziemlich hoch gelegt. Der 62jährige ist seit 1987 Ultraläufer, seine 100 km-Bestzeit liegt bei 7:33 h. Seitdem er im Unruhestand ist, engagiert er sich im Präsidium der Deutschen Ultramarathonvereinigung und ist der Ultramarathonberater des DLV, zeichnet in dieser Position u.a. für die Zusammenstellung der Nationalteams verantwortlich. Gute Voraussetzungen also für einen Ultralaufkompaß, der Mann sollte wissen, wovon er spricht.

In der Hand halte ich ein Büchlein etwas kleiner als DIN A5, ungewöhnlich im gummierten Umschlag.

Das Vorwort beginnt, wie es auch in allen Kapiteln weitergeht: mit einer Frage. „Für wen ist dieses Buch geschrieben?“. Kurze und knackige Antwort: „für möglichst viele Leute“. Aber dabei bleibt es natürlich nicht, Norbert Madry erläutert dann schon, was er mit dem Anreißer meint. Ansprechen möchte er vor allem Läufer, die nicht einfach nur nach dem Motto „schaun mer mal“ unterwegs sind – also diejenigen, die man landläufig als ambitionierte Läufer bezeichnet, unabhängig davon, auf welchem Niveau sie ambitioniert laufen.

In den acht Kapiteln geht es munter weiter mit Frage-Antwort-Spielen. Die Antworten, die Norbert Madry sich selbst gibt, locken einem oft auch ein Schmunzeln ins Gesicht, das Ganze ist nicht bierernst aufgezogen, was das Beispiel „Ist Ultralaufen die natürlichste menschliche Aktivität? Na, das ganz bestimmt nicht“ vielleicht ganz schön verdeutlicht. Damit man das Buch nicht unbedingt einfach am Stück lesen „muß“, gibt es hinten einen Überblick über alle gestellten Fragen, wiederum geordnet nach den Kapiteln Allgemeines – Trainingsbausteine – Trainingspläne – Besonderheiten 100 km und 24 h – flankierende Maßnahmen – Jahresplanung – Wettkampf – Küche.

Im Bereich „Trainingspläne“ darf man nun aber keine 08/15-Trainingspläne erwarten, vielmehr beschäftigt sich das Kapitel damit, wie man sich selbst seinen individuellen Trainingsplan zusammenbauen kann.

Eigentlich wollte ich das Buch längst rezensiert haben, aber immer wenn ich es in die Hand nehme, verliere ich mich in den Frage-Antwort-Spielen. Und das, obwohl ich nicht mal ambitionierte Läuferin bin, die sich das Buch zu Herzen und als Anregung zur Umsetzung nehmen will. Bis man sich durch 150 Fragen gelesen hat, braucht es sicher seine Zeit. Ich halte sie aber für gut investiert. Das Buch ist für mich ein Klassiker für die Toilette oder ähnliche Orte – nämlich eins, das man immer wieder in einer ruhigen Minute zur Hand nimmt, blättert, neues entdeckt und sich dann doch wieder festliest. Wer das Ultralaufen ambitionierter als bisher betreiben will, findet sich genauso Anregungen und Antworten wie der Debutant, der ambitionierte Umsteiger von kürzeren Strecken und auch derjenige, der schon ambitioniert läuft, sich aber verbessern oder einfach auch nur kontrollieren möchte.

Norbert Madry: Der Ultralauf-Kompaß

Copress-Verlag, ISBN 978-3-7679-1111-6

12,90 €

 

 

 


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