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35. Winterlaufserie Rheinzabern - der 20er

[eingestellt am 05. Februar 2017]

By: Jochen Höschele

Fotos: Gabi Gründling

Tiefenentspannt vorm Lauf

Morgens werden schon ganze Behälter voll Kuchen „für die Schwiegereltern“ weggekauft

Die Führungsgruppe kurz nach dem Start. Jonas Lehmann schert aus

Andere Startperspektive

Bei km 7 hat sich eine Achtergruppe abgesetzt

Die zweite Gruppe – mit Nr. 238 der schnellste Pfälzer Joshua Klein

Dynamisch: Julia Mutterer

1. M40 Christoph Hakenes

3. M40 Luca Bongiovanni

Serien- und Tagessiegerin Melina Tränkle hatte heute Simon Stützel als Edelhasen; bei km 7 ist Tanja Grießbaum noch bei ihr

3. M35 Daniel Kirchenbauer

Serien-Zweite Latifa Schuster, hinter ihr die Dritte Veronica Hähnle-Pohl

2. M45 Armin Bodirsky (vorne)

3. M45 Michael Ohler

2. M50 Thomas Weishaar (Mitte)

3. M50 Matthias Rosenkranz

1. M55 Bernd Mürb (320)

Konkurrenzbeobachtung

3. WHK Aiofe Quigly (346)

3. M55 Martin Rudolph

Der Längste im Feld: Frank Thüry

2. M55 Thomas Dambach (76)

2. M70 Edmund Schlenker (626)

2. W30 Lena Schmidt

Drei auf einen Streich: beste Pfälzerin Luisa Grießbaum, Elvira Kramer und 1. W40 Tanja Turczyn

3. W40 Granzyna Bury

1. M65 Peter Beil (37)

2. W40 Dominika Grünewald

3. W30 Gina Walter

2. M60 Hans-Heiner Wüst

1. W45 Andrea Pascher

Fanclub von der LLG Landstuhl

3. W35 Gisela Weishaar

1. W60 Felicitas Kuld

2. W45 Gabriele Rilling

2. W50 Marion Krecek

3. M65 Herbert Rollwa

1. W50 Katrin Fleischer

3. M70 Wolfgang Decker (502)

Klaus Hölderich wohnt direkt neben der Startlinie

Laufen macht Spaß´

2. W65 Renate Cöllen

3. W65 Heike Rohwer

Immer gut gelaunt: Gudrun Kurtz

Tagessieger Jonas Lehmann

Zweiter John Kiprop Tosgei

Dritter Jannik Arbogast

Sieger WLS 2016/2017 Kim Abel (1) und Zweiter Christophe Krech (3)

Läuft für die Mannschaft zuende: Frederik Unewisse

Seriensiegerin Melina Tränkle

Tageszweite Tanja Grießbaum fehlte beim 15er

Latifa Schuster und Veronica Hähnle-Pohl

2. MJU20 Martin Keohane

Ralf Hähnle, Ehegespons von Veronica Hähnle-Pohl

1. M75 Peter Lessing

3. W60 Regina Kistner

Eveline Dehaut holt Petra Lorch ins Ziel

Zeitnahmeteam Baumann im Einsatz

Daniel Hochmuth mit seiner heutigen Assistentin Charlotte Kraft

Melina Tränkle und Veronica Hähnle-Pohl

Abbau

Raus mit Euch!

Einschub (08.04.2017): Latifa Schuster, hier im Bericht noch als Serienzweite genannt, wurde positiv auf Kokain getestet, für vier Jahre gesperrt und rückwirkend bis zum Münchenmarathon im Oktober 2016 werden alle ihre Ergebnisse annulliert. So fliegt sie auch aus der Serienwertung des TV Rheinzabern. Wir haben uns entschlossen, nicht alle Berichte zu ändern.

 

Rheinzabern, den 5. Februar 2017 – Der unmissverständlichen und lautstarken Aufforderung Daniel Hochmuths, doch jetzt bitte die Halle zu verlassen und sich zur Startlinie zu begeben, leisteten am Sonntag über 680 Teilnehmer Folge. 678 von ihnen wurden im Ziel vom Zeitnahmeteam um Harald Baumann registriert, und wiederum 378 beendeten die 35. Rheinzaberner Winterlaufserie, bestehend aus dem 10km-Lauf am dritten Adventssonntag, dem 15km-Rennen am 8. Januar und dem 20er als längster Strecke am 5. Februar.

Streichergebnisse gibt es nicht, und wer sich erkältet oder während dieser acht Wochen verletzt, hat dann eben Pech gehabt. Anhand der Addition der drei Laufzeiten lässt sich die mögliche Marathonzeit für einen (von vielen Teilnehmern geplanten) Marathon im Frühjahr berechnen. Aus eigener Erfahrung lässt sich sagen, dass die Prognose nicht immer zu 100% stimmt, jedoch umso mehr, je besser man bereits bei der Winterlaufserie in Form ist.

Für Spannung war gesorgt, denn die Abstände in der Gesamt- und Altersklassenwertung waren gering und somit konnte sich keiner auf das bloße „Verwalten“ eines bereits herausgelaufenen Vorsprungs verlassen.

Wie in Rheinzabern fast schon so üblich, ging gleich nach dem Startschuss um 10:05 Uhr die Post so richtig ab.

Bei den Männern kristallisierte sich eine etwa achtköpfige Spitzengruppe heraus, die auch beinahe die komplette erste Schleife durch Rheinzabern, Hatzenbühl und Jockgrim gemeinsam zurücklegte. Bei den Frauen hingegen übernahm Melina Tränkle (LG Region Karlsruhe), begleitet von ihrem „Hasen“ Simon Stützel, von Beginn an das Regiment und lief ein sehr gleichmäßig hohes Tempo vor ihrer härtesten Verfolgerin und Vereinskollegin Tanja Grießbaum und den in der Serienwertung nur um vier Sekunden getrennten Latifa Schuster (ASL Robertsau) und Veronica Hähnle-Pohl (TSG Heilbronn).

Eingangs der zweiten Runde, wenn das Wettkampfzentrum der Veranstaltung, die IGS Rheinzabern sowie die Verpflegungsstelle passiert werden, löste sich Jonas Lehmann (TUS Heltersberg) aus der Führungsgruppe und konnte seinen Vorsprung sehr schnell ausbauen und diesen auch souverän nach Hause bringen. Der im Saarland wohnhafte Berglaufspezialist entschied das längste Rennen der Winterlaufserie in 1:04:15 h klar für sich, hatte aber mit dem Ausgang der Serienwertung nichts zu tun. „Die Anreise ist mir für einen Zehner oder auch den 15er einfach zu weit. Bei der 20km-Distanz stimmt das Verhältnis zwischen gefahrenen und gelaufenen Kilometern dann wieder, deshalb bin ich heute gekommen.“ Er kam, sah und siegte also.

In 1:05:33 h lief mit John Kiprop Kosgei ein Kenianer von „run2gether“ auf den zweiten Rang, der nur für einige Wochen in Deutschland weilt und auch schon in Kürze wieder die Heimreise antreten wird. „Run2gether“ ist ein Laufprojekt, bei dem kenianische Läuferinnen und Läufer eine begrenzte Zeit bei Familien in Deutschland leben und mit einheimischen Spitzenläufern trainieren und zu Wettkämpfen fahren. Die dabei erlaufenen Siegprämien dürfen sie zu 70% behalten, der Rest geht an den Verein „run2gether“ in Kenia.

Als Dritter der Tageswertung konnte Zielmoderator Jochen Heringhaus den Sieger des 15km-Laufes von vor vier Wochen begrüßen: Jannik Arbogast (LG Region Karlsruhe) setzte sich in 1:05:49 h knapp gegen Kim Abel (Engelhorn Sports Team; 1:05:57 h) und dessen Vereinskameraden Christophe Krech (1:06:08 h) durch.

Da Jannik den 10er ausgelassen hatte und Kim der Führende der Serienwertung nach zwei Läufen war, stand somit auch der Gesamtseriensieger fest. Kim Abel hatte zwar beim 10er um vier Sekunden gegenüber Christophe das Nachsehen gehabt (32:00 min war er vor acht Wochen gelaufen), seinem Mannschaftskollegen jedoch deren 14 über 15km wieder abgenommen und sich in der Addition mit 2:27:33 h behauptet. Christophe Krech machte den Triumph für das Engelhorn Sports Team in 2:27:54 h perfekt, gefolgt vom Seriendritten des Vorjahres, Issac Kibrom (LG Kurpfalz), der auf 2:28:51 h kommt. In der Tageswertung war Issac Siebter in 1:06:22 h.

Nachdem ihn beim 15er muskuläre Probleme zum Aufgeben zwangen, unterlief Frederik Unewisse beim 20er ein weiteres Missgeschick und er wurde um einige Plätze auf Rang 15 durchgereicht, obwohl er doch lange Zeit in der Spitzengruppe mitgelaufen war. In 1:11:22 h war er der letzte Mann, der es noch vor der Tages- und Seriensiegerin, seiner Vereinskameradin Melina Tränkle, ins Ziel schaffte.

Das 25jährige Fliegengewicht lief „erstaunlich locker“ 1:11:39 h und freute sich, mit Simon Stützel einen „perfekten Tempomacher“ gehabt zu haben. Da dieser kurz zuvor erst von einer Erkältung genesen war, wollte er nur einen schnellen Trainingslauf absolvieren und hat sich dann Melina als „Hase“ angeboten. „Dadurch war das Tempo unglaublich gleichmäßig, was mir sehr entgegenkam“, meinte diese hinterher. Ihre Pläne für die weitere Saison sehen zunächst einen Start bei der Cross-DM im März in Löningen vor, ehe es dann nach Hannover zur Deutschen Halbmarathon-Meisterschaft geht. Bei beiden Rennen rechnet sich Melina auch mit der Mannschaft der LG Region Karlsruhe eine Medaillenchance aus, wenn alle gesund bleiben. Tanja Grießbaum, in der Tageswertung als Zweite nach 1:13:20 h im Ziel, plant ebenfalls die Teilnahme an diesen beiden Meisterschaften, wird jedoch davor noch Ende Februar den Marathon in Tel Aviv „voll aus dem Training heraus“ laufen. Dorthin wurde sie eingeladen und das kommt dann auch einer Rückkehr in Tanjas „zweite Heimat“ gleich, hat sie doch in Israel studiert und spricht auch Hebräisch. Erst den Marathon in der Hansestadt Hamburg wird sie dann so richtig ernst nehmen und dort auch versuchen, eine gute Zeit zu laufen. Tel Aviv dient eher als „überlanger Vorbereitungslauf“, um dann an Alster und Elbe „so richtig anzugreifen“.

Wie schon bei den beiden vorangegangenen Serienläufen, war das Duell zwischen Latifa Schuster und Veronica Hähnle-Pohl am meisten umkämpft. „Bei Kilometer zehn bin ich zu ihr aufgelaufen, von da an war es ein ständiges Hin und Her. Mal war sie vorne, mal ich. Aber vorbeilassen wollte sie mich einfach nicht, es war sehr unruhig und sehr, sehr anstrengend“, bilanzierte die Fleinerin Hähnle-Pohl im Trikot der TSG Heilbronn. „Insgesamt bin ich natürlich nicht zufrieden, der vierte Platz fühlt sich einfach beschissen an“, machte sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Offen gestand sie aber ein, dass die Französin „einfach einen Tick stärker“ gewesen sei und dadurch auch verdient Tagesdritte und Serienzweite geworden sei. Ganze sieben Sekunden nahm die Elsässerin Schuster ihrer Konkurrentin aus dem Weinort nahe Heilbronn ab, beim abschließenden 20er waren es in 1:14:32 h zu 1:14:36 h gerade einmal vier. Beide kommen in der Addition auf 2:46er-Zeiten, Latifa ist mit 2:46:03 h besagte sieben Sekunden vor Veronica in der Serienwertung notiert.

In den nächsten Monaten wird man diesen packenden Fight wohl nicht mehr zu sehen bekommen, denn Latifa plant zunächst einmal einen Halbmarathonstart im Bienwald in Kandel im März und lässt danach alles auf sich zukommen. Sie fand das Rennen in Rheinzabern ebenso wie Veronica „brutal anstrengend, es war psychisch und physisch richtig hart“. Respekt zollte sie ihrer Kontrahentin und zog den Hut vor Hähnle-Pohl, denn „ohne sie wäre ich niemals zu dieser Leistung in der Lage gewesen, sie hat dafür gesorgt, dass ich wirklich alle Reserven mobilisieren musste“.

Wie Veronica und ihr Mann Ralf auch, müssen die Schusters jedes Mal vor Wettkämpfen einen Babysitter organisieren. Der jüngste Sproß von Familie Schuster ist gerade zwei Jahre alt geworden, beinahe exakt gleich alt ist der Sohn von Veronica und Ralf . „Das ist auch immer ein Balanceakt, und manchmal kostet es ganz schön Nerven, bis man die Betreuung organisiert hat“, so die Aussage der Französin. Im Falle Hähnle-Pohl erweist sich da die räumliche Nähe zu den Großeltern als großes Glück, und die Oma steht auch dann parat, wenn sie selbst gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe ist. Bestimmt hat sie den einen oder anderen der nächsten Termine ihrer Schwiegertochter schon im Kalender eingetragen, um ihren Enkel Arthur wieder zu umsorgen. Veronica spielt mit dem Gedanken, am Marathon in Wien teilzunehmen und das gleich mit einem Besuch bei Freunden zu verbinden. Ganz fest ins Auge gefasst hat sie den Osterlauf in Rheinzabern, denn offensichtlich gefällt es ihr in der Pfalz so gut, dass sie auch einmal die ganze Palette an Läufen des TV Rheinzabern ausprobieren möchte. Wie die Seriensiegerin Melina Tränkle und die Tageszweite Tanja Grießbaum, möchte auch Veronica gerne mit der Mannschaft der TSG Heilbronn bei der DM Halbmarathon in Hannover antreten, wo sie unter anderem auf die schnellen Damen der LG Region Karlsruhe treffen wird.

Ob nun halber oder ganzer Marathon oder noch ohne konkrete Pläne für das Frühjahr – woran sich alle Teilnehmer des 20ers und auch der kompletten Serie in Rheinzabern wieder erfreuen durften, das war die hohe Qualität der Organisation, die auch schwierige Witterungsverhältnisse (wie in der Nacht vor dem 15er) zu meistern versteht, sowie die schon sprichwörtliche Pfälzer Gastfreundschaft. Nach Rheinzabern kommt man als Läufer gerne, hier fühlt man sich wohl und bekommt viel fürs Startgeld geboten. Erstmals in diesem Jahr sogar noch „Waffeln zum Nulltarif“, weil offenbar so viele gebacken worden waren, dass die Läufer ihrer nicht Herr werden konnten.

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.laufinfo.eu und www.tv-rheinzabern.de


Kossmann Laufdesign