Kanzlei.org - laufend gut beraten

Eat. Train. Win - Jesse Kropelnicki

[eingestellt am 20. Juli 2017]

By: Kornelia Wingerter

„Eat, Train, Win“ von Jesse Kropelnicki ist ein Kochbuch und Ratgeber für Läufer, Triathleten und Radfahrer auf Basis der Core Diät. Einer vom Autor nach eigenen Angaben selbst entwickelten Diät, welche Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index bevorzugt. In den Informationen über den Autor liest man, dass Kropelnicki ein erfahrender, professioneller Triathlon-Coach ist, der die Marke QT2-Systems – ein Zusammenschluß mehrerer Unternehmen für die Wettkampfvorbereitung – begründete. Der Autor lebt in den USA. 

Im ersten Teil von „Eat, Train, Win“ gibt der Autor einen Überblick über die wichtigsten Ernährungs-Informationen (Mikro- und Makronährstoffe, Blutzuckerspiegel, Omega-3-Fettsäuren, Nahrungsergänzungsmittel, Genussmittel und viele interessante Dinge rund um die Ernährung für Sportler). Bekannte Themen zwar, trotzdem wichtig und ich finde er erklärt das alles gut und kompakt (manchmal musste ich zweimal lesen, aber das mag an der Übersetzung liegen), so dass der Leser, auch wenn dieser sich bisher nicht detailliert mit Ernährung auseinandergesetzt hat, einen guten Überblick bekommt.

Der Teil „Essen für Athleten“ ist speziell für Sportler reserviert, die ihren Sport über das „haushaltsübliche“ Maß betreiben. In diesem Kapitel geht es darum, die Schwitzrate zu berechnen, Energieversorgungsfenster einzuhalten (stündlich genaue Nahrungsaufnahme vor, während und nach dem Training) oder Regenerationsmahlzeiten einzuplanen (Mahlzeiten mit einem hohen Kohlenhydratanteil). Sportler, die an diesen doch recht aufwendigen Vorgaben und Berechnungen Spaß haben, werden hier sicher ihre Freude finden.

Darüber hinaus findet man Aufstellungen zu Blutparametern und deren Bedeutung, Stressfaktoren, der Triade der sporttreibenden Frau und Hilfen für die Darmgesundheit.

Der Rezepteteil ist eingeteilt in

  • Frühstück
  • Säfte und Smoothies
  • Natürliche Trainingsernährung (selbstgemachte Snacks fürs Training)
  • Mittagessen
  • Snacks
  • Abendessen
  • Beilagen
  • Desserts

 Kropelnicki empfiehlt ausdrücklich eine gesunde, „vollwertige und möglichst naturbelassene“ Ernährung, in die er nicht allzu aufwendige, größtenteils Fleisch- und Fischgerichte packt. Auch vegetarische Gerichte haben ihren Platz. Was mir gut gefällt ist, dass er Vorschläge für selbst gemachte Snacks während des Trainings bereit hält, obwohl er gegenüber den industriell hergestellten Sportgetränken und -riegeln nicht abgeneigt ist. Er begründet dies damit, dass „außerordentliche sportliche Leistungen außerordentliche „Brennstoffe“ erfordern“. Wobei er unter „außerordentlich“ „Getreideprodukte und Energielieferanten mit raffiniertem Zucker“ versteht, die „die sportliche Leistung mit ihrer idealen Makronährstoffzusammensetzung steigern sollen“. Meiner Erfahrung nach ist es für Sportler, die sich mit hochwertigen und vollwertigen Lebensmitteln ernähren und auch deshalb Zucker meiden, nicht gut, wenn ihr Körper schnelle Zucker plötzlich verarbeiten muss, zumal er das nicht gewohnt ist. Eine vollwertige Ernährung schließt den regelmäßigen Konsum von raffiniertem Zucker idealerweise aus.

Künstliche Nahrungsergänzungsmittel lehnt der Autor ab, dafür empfiehlt er natürlichere Varianten mit konzentrierten Nährstoffen wie z. B. Fischöl, Molkenprotein und Rote Bete.

Meine persönliche Meinung:

Ernährungsratgeber im Sport haben es schwer, zum einen, weil es viele von ihnen gibt, zum anderen, weil es viele unterschiedliche Ernährungsansätze gibt. Sobald man sich mit einem ausgewogenen (!) Ernährungskonzept auseinandersetzt, hat der Sportler (und der Nicht-Sportler) schon gewonnen. Einmal damit angefangen merkt man meist sehr schnell, wie gut eine langfristige Umstellung in der Ernährung tut. Eine ausgewogene, vollwertige Ernährung vorausgesetzt, ist es häufig nicht so sehr das, WAS man isst, sondern gerade das, was man NICHT isst: Stichwort Süßigkeiten. Man sollte für sich selbst kritisch hinterfragen, ob die gewählte Ernährungsform die passende ist und ob sie einem gut tut, sobald es „Verbote“ gibt, wäre ich vorsichtig.

Das ist es leider, was mich an diesem Ratgeber stört. Es werden Kohlenhydrate (viel Quinoa) in den Rezepten verwendet, allerdings mit der Tendenz, Kohlenhydrate zu meiden. Hier kann ich nicht mitgehen. Gerade im Ausdauersport sind komplexe und hochwertige Kohlenhydrate unerlässlich. Insgesamt sind mir die Rezepte zu (tierisches)-eiweißlastig (Huhn und Fisch). Was mir fehlt ist der Hinweis darauf, hochwertiges Fleisch und Fisch möglichst aus artgerechter Haltung zu verwenden, denn wenn ein Athlet viel tierisches Eiweiß zu sich nehmen möchte, profitiert er von der Qualität. Das dies hier nicht angeführt wird, mag daran liegen, dass das Thema in den USA nicht so präsent ist wie hierzulande.

Kritisieren möchte ich die „Off-Season“: Der Athlet soll das „Post-Workout-Fenster“ nutzen, um zu essen, „was er will. Das heißt auch Pizza oder andere Nicht-Core-Foods….“ Eine Empfehlung zur Ernährungsänderung oder -umstellung sollte nicht dazu anregen in alte Muster zu verfallen.

Sehr gut finde ich, die Rezepte als Alternative zu den Sportlerriegeln (Zimtiger Apfel-Dattel-Riegel) und dass es einige Rezepte mit Hülsenfrüchten gibt (Schwarze-Bohnen-Dip mit Koriander, Edamame-Avocado-Dip). In diesem Ratgeber ist viel Ernährungswissen zusammengetragen, von dem jeder interessierte Leser und Sportler sicher profitiert. Insgesamt sind die Empfehlungen recht detailliert und aufwendig, weshalb ich nicht weiß, ob das im Alltag so gut umzusetzen ist. Wenn einen das Buch anspricht, hilft nur, es selbst auszuprobieren und für sich das Passende und Plausible in die eigene Ernährung zu übernehmen.

Taschenbuch: 223 Seiten

Verlag: riva Verlag

Sprache: deutsch

ISBN 978-3-7423-0113-0

19,99 €


Kossmann Laufdesign