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50. Schwarzwald-Marathon Bräunlingen

[eingestellt am 10. Oktober 2017]

By: Jochen Höschele

Die Radbegleiter der schnellen Damen und Herren stehen parat

Kurz nach dem Start ist der Zweite, Nils Schallner (537) schon vorne, Sieger Jens Ziganke (direkt dahinter in rot) liegt in Lauerstellung. Patrick Kaczyinski (314) wird mit 2:58 h als Zehnter einlaufen

Julian Kern (390) lacht vergnügt und kommt als Siebter nach 2:50 h ins Ziel, neben ihm die Startläuferin der zweitschnellsten Staffel, Laura Knörr (732)

Stefanie Doll (ganz links) umgeben von Männern beim ältesten Frauenmarathon der Welt. Sie gewinnt die Jubiläumsausgabe souverän in 2:54:59 h

Ganz rechts in rot die Drittplatzierte, Katja Gallasch (Endorphinos Überlingen), die 3:32:41 h läuft

Zum Jubiläum konnte wieder ein großes Marathonfeld von deutlich über 500 Startern begrüßt werden

Schwarzwaldidylle

Die letzte Verpflegungsstelle in Waldhausen wartet auf die ersten Läufer

Sogar den Führungsradfahrer hat der Sieger des Halbmarathons, David Jansen, abgehängt. Er gewinnt in 1:14:26 h

Felix Pauli (AHS Freiburg) belegt nach 1:15:55 Rang zwei des Halbmarathons

Marcel Schmid wird Dritter im Halbmarathon nach 1:17:51 h

4. HM Kevin Götz

5. HM Jens Eipper

M40-Sieger HM Marc Lauber (1822) läuft 1:19:07 h

Die M45 gewinnt Axel Kostenbader von der LG Hohenfels in 1:23:11 h

Der Kampf um die Plätze beginnt

Christin Wintersig wird Zweite und WU20-Siegerin in 1:25:49 h, während Lukas Hauser (1309) seinerseits die MU20 in 1:25:20 h gewinnt

Gertrud Wiedemann belegt den dritten Platz im Halbmarathon mit 1:26:50 h, Günter Baier (LCM Rheinfelden) wird Zweiter der M50 in 1:26:44 h

Gesamtsechste und Zweite der W30: Silvia Moßbrugger (Lauftreff Marktoberdorf)

Nils Schallner (links) und Jens Ziganke (rechts) liefen bis weit nach Kilometer 25 gemeinsam, auch im Ziel trennte sie weniger als eine Minute

Blick in Richtung Bräunlingen

Die Läufer kommen!

Letzte Verpflegung in Waldhausen, gut drei Kilometer sind’s von hier aus noch

Über Asphalt geht es dann auf Bräunlingen zu

Sie feierten das Jubiläum im Kostüm und dem diesjährigen Laufshirt

2:45:01 h für den Viertplatzierten Andreas Probst von der Aachener TG (492) und der Sieg in der Altersklasse M30

Stefanie Doll auf den letzten Metern, gleich kann sie sich als Siegerin der Jubiläumsauflage feiern lassen

Der letzte Kilometer führt die Läufer durch Bräunlingen

M60-Sieger Hubert Schmieder benötigt nur 3:11:50 h für die Marathonstrecke

Branka Hajek wird Zweite in 3:17:34 h

Das Maskottchen, der Bräunlinger Löwe, geht sanft mit „seinen“ Frauen um

Durch den Ort geht es auf den ersten Metern…

…hinaus in die Landschaft

Sie feuerte das Läuferfeld gleich an drei Stellen an und wünschte allen einen „Guten Lauf!“

Fahnenschwenker mitten im Wald

Der Halbmarathonsieger David Jansen in voller Fahrt

So einsam, wie es hier um Klaus Neumann aussieht, war es beileibe nicht

Farbtupfer

Anfeuerung

Verpflegung

Ausblick I

Ausblick II

Musikalische Unterhaltung in Unterbränd (Kilometer 35)

Mit Beistand von oben schafft man auch die letzten beiden Kilometer

Die Klassikerin wird 50!

Bräunlingen, den 8. Oktober 2017 – Wer sich, wie der Schwarzwald-Marathon Bräunlingen, selbst (auf der eigenen Homepage) als „Der Klassiker unter den Naturläufen“ bezeichnet, hat damit schon viel über sich selbst ausgesagt. Aber noch längst nicht alles. Erstens hat man quasi das Herausragende dieses Laufes unterschlagen, denn im Grunde genommen müsste es „Die Klassikerin“ heißen. Weshalb? In Bräunlingen war es anno 1968 Frauen erstmals möglich, ganz offiziell Marathon zu laufen. Das war damals weltweit einmalig, somit gebührt Bräunlingen für alle Zeiten der Titel „Ältester Frauenmarathon der Welt“, und somit müsste es eben auch „Klassikerin“ heißen. Die zweite Bezeichnung, die auf den Schwarzwald-Marathon ebenfalls zutrifft, ist jene des „Naturlaufes“. Was genau ist damit, im heutigen Zeitalter der Trails und Hindernisläufe à la Strongman und Co. gemeint?

Es handelt sich beim Schwarzwald-Marathon um einen Lauf auf weitestgehend (80% der Wege sind nicht asphaltierte Waldwege, Trails im eigentlichen Sinne befinden sich aber nicht darunter) und nur 20% des Parcours verläuft über asphaltierte (Neben)Sträßchen.

Natur gibt es also reichlich, doch wer befürchtet, dass sich dazu auch noch reichlich Höhenmeter gesellen, der muss eines Besseren belehrt werden. Vergleichsweise wenig (in der Summe etwa 500 auf- und abwärts), und praktisch alles gut laufbar und nicht steil. Allerdings kosten die knapp 400 Höhenmeter der ersten Streckenhälfte des Marathons schon einige Körner, was trotz fallenden Profils auf dem zweiten Streckenabschnitt so manch erschöpften Marathoni zum Wanderer werden lässt.

Längst ist der Marathon zahlenmäßig der Halbdistanz um ein Vielfaches unterlegen, auch in Bräunlingen geht der Trend hin zu den 21,0975km. Sie sind für eine größere Zielgruppe geeignet und diese Strecke kann durchaus mehrfach in der Saison gemeistert werden, während ein solides und ambitioniertes Marathontraining kaum mehr als zwei bis höchstens drei Versuche auf der Langdistanz zulässt.

So lesen sich die Zahlen auch eindeutig – 360 Frauen kamen beim Halbmarathon ins Ziel, deren 100 auf der Volldistanz. Bei den Männern waren es 705 „Halbe“ und 417 „Ganze“, was dann ziemlich genau ein Verhältnis von zwei Halbmarathonfinishern auf einen Marathonfinisher ergibt.

In der langen Liste der Siegerinnen des Schwarzwald-Marathons trug sich Stefanie Doll nach 2016 (in 2:58:27 h) und 2011 (in 3:00:38 h) bereits zum dritten Mal ein. Die für den SV Kirchzarten startende Doll war früher Biathletin und kommt aus einer ausgesprochen sportlichen Familie. Vater Charly war einst einer der besten deutschen Marathon- und Ultraläufer. Gerade auf den langen Strecken gehörte er zur absoluten Weltspitze und konnte einige Klassiker wie den Swiss Alpine oder den Comrades gewinnen. Mutter Friederike ist ebenfalls sehr gute Läuferin und Bruder Benedikt ist Weltmeister im Biathlon. Doll verbesserte sich heuer sogar noch auf 2:54:59 h, was auch an den nahezu idealen Bedingungen gelegen haben könnte. Der nächtliche Regen hatte zwar die Wege etwas matschig werden lassen, doch die Temperaturen waren mit um die zehn Grad läuferfreundlich und von oben blieb es fast durchgehend trocken, ab und zu zeigte sich sogar die Sonne. Auch der Wind spielte mit und schob die Teilnehmer auf den letzten drei Kilometern über das freie Feld von Waldhausen gen Ziel in Bräunlingen noch etwas von hinten an.

Dabei hatte Stefanie Doll eigentlich einen Start beim gleichzeitig stattfindenden Münchenmarathon geplant und daher erst kurzfristig auf Bräunlingen umgeschwenkt. Aufgrund von Wadenproblemen, so gab sie nach dem Rennen zu Protokoll, wollte sie nichts riskieren. Lieber heimatnah das Rennen durchlaufen als in München eventuell zu viel zu wollen und aussteigen zu müssen.

Damit ist Stefanie Doll nicht nur die Jubiläumssiegerin und findet ihren Namen auf der Stele in Bräunlingen, in die alle Namen der Siegerinnen und Sieger eingraviert werden, wieder. Sie hat auch eine der schnellsten Zeiten der letzten Jahrzehnte auf den Kurs gezaubert, denn seit der Ära Gudrun de Pays (sie gewann 1994, 2000, 2002 und 2003 mit Zeiten jeweils unter drei Stunden) war niemand mehr so schnell gewesen.

Auch von Veranstalterseite dürfte man das große Plus erfreut registriert haben, kamen doch in den vergangenen drei Jahren immer zwischen 50 und 70 Frauen ins Ziel, waren es im Jubiläumsjahr mit glatt 100 wesentlich mehr.

Als Zweite platzierte sich eine Läuferin aus dem Ultramarathonlager auf dem Podest: Branka Hajek vom LAZ Ludwigsburg war in 3:17:34 h zwar deutlich hinter Doll zurück, jedoch ungefährdet Zweite. Am Vortag hatte sie noch einen 30km langen Trainingslauf in Schwäbisch Gmünd absolviert als Vorbereitung auf den in zwei Wochen just dort stattfindenden „Schwäbische Alb Marathon“ über 50km. „Die Berge hoch bin ich im Sechserschnitt gekrochen, dafür lief’s runter gut und ich konnte da wieder einen Viererschnitt laufen“, meinte sie freudestrahlend hinterher. Katja Gallasch von den „Endorphinos Überlingen“ vermochte da nicht mehr zu folgen. Bei der Zwischenzeit nach 25km lag sie mit 2:05 h gut fünf Minuten hinter Hajek, im Ziel war’s allerdings mehr als eine Viertelstunde. Nach 3:32:41 h rettete sie so eben noch den Treppchenplatz vor der ganz stark aufkommenden Judith Weeber, die in 3:33:09 h als Vierte einlief. Sie hatte bei km 25 noch einen Rückstand von über zehn Minuten auf die W40-Siegerin Gallasch aufgewiesen und sich etliche Plätze nach vorne gearbeitet.

Bei den Männern war der Sieg härter umkämpft, noch bei Kilometer 25 lagen der im Trikot des SV Reichenau laufende Jens Ziganke und Nils Schallner gleichauf. Erst vier Kilometer vor dem Zielbogen konnte sich Ziganke bei einer Tempoverschärfung absetzen, so dass es im Ziel dann 37 Sekunden waren, die der in Tübingen lebende Lehrer Ziganke auf Schallner herausholen konnte. Nach 2:31:28 h stand der Sieger des Jubiläumsmarathons also fest, und in 2:32:05 h kam sein Weggefährte Schallner bereits ins Ziel, noch ehe Jens Ziganke einen Getränkebecher leeren konnte. „Als Jens gegen Ende noch mal beschleunigt hat, war mir klar, dass ich das nicht mehr mitgehen kann“, so der Zweitplatzierte und ehemalige Freiburg-Marathonsieger Schallner. Bis der Dritte, Kay-Uwe Müller, die Zeitmessung auslöste, vergingen auch nur gut weitere fünf Minuten. 2:37:47 h standen für den Ilshofener im Trikot der TSG Schwäbisch Hall zu Buche, der sich ebenso wie die zweitplatzierte Frau, Branka Hajek, am Vortag noch einen 30km langen Trainingslauf „gegönnt“ hatte. Ihm war klar, dass er mit den beiden vor ihm nicht mitlaufen konnte und gestaltete so sein eigenes Rennen.

Jens Ziganke, der sich auf den Frankfurt-Marathon vorbereitet, konnte es nicht lassen, am Jubiläumslauf in Bräunlingen teilzunehmen. Ob es klug war, drei Wochen vor dem „Tag X“ einen Marathon zu laufen, wird sich zeigen – den Sieg, der sein erster überhaupt bei einem Marathon ist, kann ihm keiner mehr nehmen.

Beim Halbmarathon gelang Katrin Köngeter (LT Unterkirnach) die Wiederholung ihres Vorjahreserfolges an gleicher Stelle. Von Beginn an lag sie in Führung und gab diese auch nicht mehr aus der Hand, so dass sie nach 1:23:44 h eine erfolgreiche Titelverteidigung feiern durfte. Exakt zwei Minuten und fünf Sekunden nach Köngeter kam mit Christin Wintersig (SV Reichenau) in 1:25:49 h schon die Siegerin in der WJU20 ins Ziel, ehe mit der W35-Siegerin und Drittplatzierten Gertrud Wiedemann (Team Erdinger Alkoholfrei) nach 1:26:50 h das Podium bei den Frauen komplett war.

Dass der SV Reichenau schnelle Athletinnen und Athleten hat, bewies der Sieger der Halbmarathons eindrucksvoll, denn auch David Jansen gehört dem Sportverein von der Bodenseeinsel an. 1:14:26 h benötigte er für die 21,1km und lag knapp 90 Sekunden vor Felix Pauli (AHS Freiburg), der in 1:15:55 h einlief. Als Dritter setzte sich mit Marcel Schmid ein Sportler der gastgebenden LSG Schwarzwald-Marathon in 1:17:51 h gegen die starke Konkurrenz durch.

Beim gleichzeitig mit dem Marathon gestarteten Staffelwettbewerb lagen die vier Männer des TV Villingen nach 2:57:48 h auf dem ersten Platz, dicht gefolgt von den „Fantastischen Vier“, die immerhin mit Laura Knörr eine Frau in ihren Reihen hatten und 3:00:11 h benötigten. Als dritte Staffel wurde „Kenias allerletzte Reserve“ gestoppt, die 3:14:35 h liefen und womöglich ihrerseits noch Reserven hatten. 33 Viererteams erreichten in diesem Wettbewerb das Ziel, der relativ neu im Programm ist und für Belebung an und auf der Strecke sorgt.

Bereits am Samstag finden ein 10km-Lauf sowie Nordic Walking über diese Distanz und zwei Schülerrennen über 1,05km und 1,75km statt.

Den 10km-Lauf gewann Hanna Bächle (LT Unterkirnach) in 45:21 min vor Heidi Sengül (LG Hohenfels, 46:54 min) und Annick Couval (Running Mols Pro; 47:46 min). Bei den Männern setzte sich der Schweizer Martin Walther (LC Schaffhausen) in 36:36 min gegen Marcel Broghammer (IMS Gear; 37:13 min) und Robert Dressler (Marquardt Team; 39:18 min) durch.

Neben den gut 350 Läuferinnen und Läufern nahmen auch mehr als 120 Nordic Walker teil, dazu kamen gut 130 Schülerinnen und Schüler über 1,05km und deren 55 über 1,75km.

Es war also an beiden Tagen wieder allerhand los in und um die Stadthalle in Bräunlingen herum, dazu kam noch der Vortrag des als Musiker und Ultraläufer und –triathlet bekannten Joey Kelly am Samstagabend in der Stadthalle. Ein rundes Programm zum runden Jubiläum, welches den Sportlern sicher in bester Erinnerung bleiben wird, nicht nur aufgrund der hochwertigen Laufsocken, die es für die Teilnehmer aller Läufe (außer Schülerstrecken) gab.

Professionell in der Organisation und der Auswertung, von der Startunterlagenausgabe bis zur Gepäckabgabe und den Massagen, gab es wirklich nur wenige Kritikpunkte. Die an den Verpflegungsstellen ausgeschenkte Cola war für die langsameren Sportlerinnen und Sportler nicht mehr überall verfügbar, das ist ein bedauerliches, leider sehr häufig auftretendes Manko bei Laufveranstaltungen. Dass die Duschen über Stunden hinweg, von Generatoren unterstützt, heißes Wasser lieferten, ist dagegen keine Selbstverständlichkeit und sollte deshalb ebenso Erwähnung finden wie das reichhaltige Speisen- und Getränkeangebot in der warmen Stadthalle.

Wer also das Jubiläum aufgrund von Krankheit, Verletzung, Trainingsrückstand oder Schlafmützigkeit verpasst hat, dem sei dringend geraten, sich im „Jahr danach“ in den kleinen Ort Bräunlingen unweit von Donaueschingen zu begeben, an dem sich im nächsten Jahr die Pionierleistung Roland Malls zum 50. Male jähren wird. Dem damaligen Vorsitzenden der Sportvereinigung Donaueschingen ist es nämlich zu verdanken, dass es einen Marathonlauf in Bräunlingen gab, der beiden Geschlechtern offenstand. Grund genug, ihm hierfür quasi ein „kleines Denkmal“ zu setzen, indem man sein Konterfei auf die diesjährigen Medaillen prägen ließ.

Link zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.schwarzwald-marathon.de und www.mikatiming.de


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