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11. Swiss City Marathon Lucerne

[eingestellt am 30. Oktober 2017]

By: Saskia Helfenfinger-Jeck

Fotos: Dominique Helfenfinger

Luzern im Lauffieber

10.200 Finisher, rund 45.000 Zuschauer entlang der Strecke, 1.000 Helfer und 1.000 Starter aus dem Gastland Deutschland – das waren die Fakten des 11. Swiss City Marathon Lucerne. Die Schweizer Fabian Anrig und Franziska Inauen gewannen die Königsdistanz über 42,195 Kilometer.

Wenn der Herbst mit großen Schritten naht, dann wächst sie wieder – die Sehnsucht nach Luzern. Ende Oktober geht die Reise für uns traditionell zum Swiss City Marathon Lucerne. Alte Verbundenheit würde man das wohl nennen – zur Stadt und zur Veranstaltung. Verletzungsbedingt musste ich in diesem Jahr zuschauen, aber Dominique testete am Sonntag die neu eingeführte zehn Kilometer Strecke, die dort startet, wo er mehr als ein Jahrzehnt gearbeitet hat: in Horw.

Altbewährtes mit Neuem kombinieren – das ist das Erfolgsrezept der Macher des Swiss City Marathon Lucerne. Der bisherige Five-Mile-Run ist einem Zehn-Kilometer-Lauf gewichen. Warum? Die 10 Kilometer seien eine ideale und viel gelaufene Strecke. Viele würden diese Distanz als Referenzzeit nutzen, argumentierte Reto Schorno, Geschäftsführer des Swiss City Marathon Lucerne. Die Veranstalter haben damit offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. 2000 Starter standen am Sonntag an der Startlinie.

Nicht nur die beliebten 21,1 Kilometer, sondern auch die zehn Kilometer waren bis auf den letzten Platz ausgebucht. Die Strecke des Zehners ist äußerst attraktiv und vor allem schnell, denn die Anstiege, die die Halbmarathonis und Marathonis in Richtung Kastanienbaum und Horw zu bewältigen haben, fallen weg. Gestartet wurde der Lauf – wie bereits der 5 Mile Run in den Jahren zuvor – in Horw. Die Gemeinde wird gern auch als die eigentliche Festmeile des Laufs bezeichnet. Dort tobte in den Festwirtschaften und entlang der Strecke heuer erneut sprichwörtlich der Bär. Die Zehn-Kilometer-Läufer mussten im Herzen von Horw noch eine Zusatzschlaufe laufen, kamen so aber noch länger in den Genuss, die Stimmung aufzusaugen und danach top-motiviert die restlichen Kilometer durch die Swissporarena (Fußballstadion des FC Luzern), das Kultur- und Kongresszentrum Luzern und durch die schnuckelige, wunderschöne Altstadt anzugehen.


„Willkommen Deutschland“ hieß es in diesem Jahr, denn die Schweizer begrüßten erstmals in der Geschichte des Marathons ein Gastland. Deutschland stellt nach der Schweiz die zweitgrößte Gruppe bei den Teilnehmern. Die beiden Länder verbinden beileibe nicht nur wirtschaftliche Beziehungen, sondern auch freundschaftliche. Wie eng und tief die Verflechtungen sind, darauf wies Dr. Norbert Riedel, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, in seinem Grußwort hin und nannte den Fußball als Beispiel. 23 Schweizer spielen aktuell in der Ersten Bundesliga und umgekehrt stammt die Nationaltrainerin der Frauen-Fußballnationalmannschaft, Martina Voss-Tecklenburg, aus Deutschland. Viele Deutsche, die in Luzern am Start waren, leben und arbeiten mit ihren Familien in der Schweiz, andere sind extra für den Swiss City Marathon in die Innerschweiz gereist.

Wer in Luzern lebt, ist Internationalität gewöhnt. Die Stadt am malerischen Vierwalstädtersee mit dem imposanten Hausberg Pilatus zieht alljährlich hunderttausende von Touristen an.

Deutschland war am Sonntag wahrlich nicht zu übersehen. Rund ums KKL wurden fleißig schwarz-rot-goldene Fähnchen verteilt, die vor allem bei den jüngsten Marathon-Fans viele Abnehmer fanden. Die Veranstalter scheuten keine Kosten und Mühen. Selbst das Oktoberfest – traditionell in München zuhause – holten die Organisatoren in die Schweiz. Die „Bergvagabunden“ heizten den Läufern und Zuschauern ein. Überhaupt sorgten rund 30 Musikbands und -formationen wieder für eine klasse Stimmung auf der 21,1 Kilometer langen Rundstrecke.

Comedy-Fans kamen samstagabends auf ihre Kosten. Das Chaos-Theater „Oropax“ aus Deutschland sorgte im KKL für Lacher. Und auch unter den Austellern der Marathonmesse im altehrwürdigen Fünf-Sterne-Hotel „Schweizer Hof“ durfte das Gastland nicht fehlen. Der Marathon Deutsche Weinstraße machte kräftig Werbung und die Autorin dieses Beitrages durfte sogar den Siegerwein – einen Dornfelder aus Bockenheim - aus dem Jahr 2016 ausgiebig testen. Traubenschwamm und Rieslingdusche sorgten bei so manchem Besucher für ein Schmunzeln und dürfte ob der Originalität sicherlich das Interesse geweckt haben. Ob die Schweizer im kommenden Jahr in der Pfalz die zweitgrößte Gruppe nach den Deutschen stellen werden, bleibt allerdings abzuwarten.

Keine Gastgeschenke aber verteilten die Schweizer Läufer, die alle Podiumsplätze unter sich ausmachten.

Quasi Heimspiel hatte Daniel Lustenberger aus Kriens, einem Vorort von Luzern. Allerdings musste sich der Cross- und Berglaufspezialist harter Konkurrenz erwehren, denn als er das KKL passierte, saß ihm Laurent Schaller aus Winterthur im Nacken. Im Ziel hatte der Zentralschweizer Lustenberger in 1:10:19,3 Stunden gerade einmal vier Sekunden Vorsprung auf den 27-jährigen Schaller. Der Altdorfer Manfred Jauch komplettierte in 1:11:40,7 Stunden auf der coupierten Strecke den Dreifach-Erfolg der Eidgenossen. Lustenberger kennt das Gefühl, beim Swiss City Marathon Lucerne ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Schließlich gelang dies dem 25-Jährigen bereits mehrfach. Auch Sabine Hauswirth aus Kirchenthürnen weiß wie es ist, als Erste am Verkehrshaus über die Ziellinie zu laufen. Fast exakt die gleiche Zeit wie 2016 lief sie am Sonntag. Nach 1:19:47,9 Stunden hatte die Orientierungslauf-Spezialistin ihr Tagwerk vollbracht und verwies die junge Halbmarathondebütantin Flavia Stutz aus Ufhusen auf den zweiten Platz. Die 21-jährige Flavia Stutz zählt zu den großen Nachwuchshoffnungen im Schweizer Laufsport. Die 1:20:00,8 Stunden lief sie aus dem Vorbereitungstraining auf die Cross-Saison heraus.

Ein ordentlicher Wind und einsetzender Regen machten vor allem den Marathonläufern und später auch den Zehn-Kilometer-Läufern mächtig zu schaffen. Umso erstaunlicher die Zeiten der Marathonis, die den Herbststürmen trotzten. Fabian Anrig hatte sich schon zur Halbzeit des Rennens einen guten Vorsprung herausgearbeitet. Er blieb in 2:27:22,8 Stunden als einziger Läufer unter 2:30 Stunden. Mehr als vier Minuten lagen zwischen ihm und Simon Schäppi (Horgen/2:31:42,0 Stunden). Der Fribourger Jari Piller erreichte nach 2:33:37,2 Stunden das Ziel.

Die gebürtige Luzernerin Franziska Inauen (Windisch) blieb als einzige Läuferin unter der magischen Drei-Stunden-Marke. Die 2:52:49,0 Stunden konnten sich bei den widrigen Bedingungen wahrlich sehen lassen. Enger zu ging es auf den Plätzen zwei und drei: Isabell Gindrat-Keller (Fribourg/3:04:29,6 Stunden) und Nicole Lohri (Frauenfeld/3:05:08,1 Stunden) komplettierten das Podium. Die beiden Sieger sicherten sich zudem den Titel bei den gleichzeitig ausgetragenen Schweizer Meisterschaften über die Marathondistanz.

Jean-Michel Gassauer gewann die Premiere über zehn Kilometer in 31:43,6 Minuten. Michèle Gantner aus Flums setzte sich bei den Frauen in 36:38,9 Minuten souverän durch.

www.swisscitymarathon.ch


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