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Interview mit Laura Hottenrott

[eingestellt am 12. November 2017]

By: Volker Goineau

Fotos: Gerd Linnartz

Die 25jährige Laura Hottenrott, die in Köln lebt und für den GSV Eintracht Baunatal startet, absolvierte Ende Oktober in Frankfurt ihren ersten Marathon. Nachdem sie Anfang Oktober bereits ihre Halbmarathon-Bestzeit auf 1:13:12 h verbessert hatte, konnte sie in der Main-Metropole auf Anhieb in 2:34:43 h auf den Bronze-Rang bei den Deutschen Meisterschaften laufen. Wie Laura das Rennen erlebt hat und welche Ziele sie für die nächste Saison hat, erzählt sie im Interview mit dem Laufticker.

Laufticker: Hallo Laura, herzlichen Glückwunsch zu deinem starken Debüt! Wann hast du eigentlich genau entschieden, beim Frankfurt-Marathon an den Start zu gehen?

Laura Hottenrott: Die Entscheidung fiel nach dem Halbmarathon in Köln (1.10., die Red.). Es war schon ziemlich verrückt und ein Experiment, den Marathon in so kurzer Zeit vorzubereiten. Vor dem Halbmarathon war mein längster ein 29km-Lauf, und der war im ruhigen Tempo. An dem Montag 13 Tage vor dem Frankfurt-Marathon habe ich einen 32km-Lauf mit Endbeschleunigung absolviert und hierbei auch die Verpflegung geübt. Erst nach dieser Einheit haben mein Vater (Laura wird von ihrem Vater Kuno Hottenrott gecoacht, die Red.) und ich uns entschieden, dass ich in Frankfurt an den Start gehe.

Was entgegnest du Läufern, die meinen, dass man in der Marathon-Vorbereitung Überdistanz-Läufe benötigt?

Laura: Mein Vater hält nichts von Überdistanzläufen für mich. Ich bin allerdings auch sehr viel Rad gefahren, teilweise habe ich Radausfahrten von 4 bis 5 Stunden gemacht. Hiermit habe ich meinen Fettstoffwechsel effizient trainiert. Allerdings blieb die Frage: wie würde es beim Marathon jenseits der 30 km muskulär aussehen? Bei mir lief es jedoch ziemlich gut und ich konnte mein Tempo annähernd durchlaufen.

Erzähle doch mal genauer, wie du das Rennen erlebt hast.

Laura: Nach dem Start sind erstmal viele Läufer an mir vorbeigegangen. Ich bin mit meinem Pacemaker Dominik Fabianowski wie geplant 3:35 bis 3:40 min pro Kilometer gelaufen. Ziel war es, die erste Hälfte in 1:17 h zulaufen, es wurde dann auch 1:16:58 h. Nach 15 km habe ich zu Mona Stockhecke aufgeschlossen. Sie ist jedoch nach der Hälfte ausgestiegen und in der Folge ist die Gruppe auseinandergefallen; mit dem Wind war es nicht so einfach, doch Domi hat mich gut gepaced. Alle 5 km hat mein Vater mir eine Flasche gereicht, die ich dann jeweils einen ganzen Kilometer mitgetragen habe. So waren es bis zur nächsten Verpflegungsstation dann immer nur noch 4 km, was mental ganz angenehm war. Ab 32 km habe ich mir gesagt: „jetzt machst du den längsten Lauf deines Lebens“. Die Mainzer Landstraße fand ich angenehm zu laufen, solche langen Geraden gefallen mir gut. Nach 41 km habe ich dann Franzi Reng vor mir gesehen. Zunächst dachte ich, dass ich sie nicht mehr erreichen könnte, da sie noch ziemlich weit entfernt war. Doch 300 m vor Schluss konnte ich sie bereits überholen und mir die DM-Medaille sichern!

Wie sah denn deine Verpflegung während des Rennens denn genau aus und hast du im Vorfeld eine Saltin-Diät oder Ähnliches gemacht?

Laura: Ab Km 10 hat mir wie gesagt mein Vater alle 5 km eine Flasche gereicht. Die Flaschen enthielten u.a. den „Ultra Buffer“ von Ultra Sports, von welchem ich dann jeweils 100 bis 150 ml getrunken habe. Nach 35 km habe ich außerdem einen Gel-Chip genommen. Ich habe im Vorfeld schon ein bisschen die Kohlenhydratspeicher geleert, um sie dann ordentlich aufzufüllen. Aber ich habe keine Extremform wie die Saltin-Diät angewandt.

Und wie geht es denn nun weiter; hast du auf dem „langen Kanten“ Blut geleckt? Was sind deine Ziele für nächstes Jahr?

Laura: Ja, so kann man es sehen. Der Marathon, aber auch die kürzeren Straßenläufe machen mir sehr viel Spaß. In den nächsten Wochen und Monaten möchte ich viel alternativ trainieren und vor allem gesund bleiben. Mein Ziel ist es, mich im Marathon für die EM zu qualifizieren, die B-Norm habe ich ja bereits. Es wäre ein Traum, im nächsten Sommer im Nationaltrikot durch die Straßen Berlins zu laufen!

Dann danke ich dir ganz herzlich für das Gespräch, Laura, und wünsche dir für die kommende Saison viel Erfolg!


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