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18. Trollinger-Marathon Heilbronn

[eingestellt am 08. Mai 2018]

By: Jochen Höschele

Fotos: Nicole Benning

Vorbereitung ist alles!

Wolfgang Meerwart macht heute am Haigern das Dutzend voll und bläst zum zwölften Male auf seinem Alphorn

Kay-Uwe Müller (links) und Dickson Kurui laufen mit Richard Schumacher (verdeckt) gemeinsam kurz vor km 10 den Haigern hoch. Im Ziel liegt Kurui eine gute halbe Minute vor Müller auf Platz eins

Richard Schumacher wird in 2:35:46 h Dritter des Marathons

Der Haigern aus Läufersicht, das Führungstrio ist bis nach der Halbmarathonmarke immer dicht beisammen

Holger Freudenberger, Startläufer der siegreichen Staffel „Teusser-Team der TSG Heilbronn“

Timo Striegel belegt in 2:50:00 h den vierten Platz beim Marathon

Marco Diehl, bereits mehrfach beim „Trollinger“ siegreich, läuft heuer auf Platz sechs durchs Ziel (2:54:35 h)

Attilio Berolo führte auf den ersten Kilometern, wurde dann aber bis auf Platz 86 durchgereicht

Marathonsiegerin Simone Raatz ist am Haigern schon klar in Front und gewinnt in 3:03:28 h

Orhan Kurt von den „Schunk Speedys“ wird Zweiter der M50

Eine gute Renneinteilung beweist Frank Zocher (38) und gewinnt in 2:53:56 h die M45, Christian Krämer (652) wird 38. in 3:22 h

Igor Schiffner, M50-Sieger des Marathons in 3:04:23 h

Die Zweite des Marathons, Maria Magdalena Veliscu, kommt nach 3:10:05 ins Ziel

Sara Stark (TSV Talheim) belegt nach gutem Beginn Platz zwei in der W35 und wird Gesamtzehnte in 3:40 h

Conny Scholze von den GENO-Runners steigert sich gegenüber dem Vorjahr und läuft auf den dritten Platz in 3:18:29 h

Sylwia Zakrzewski (Team AR Sport) wird nach 3:28:29 h Fünfte

WHK-Siegerin Magdalena Ausserhofer aus Italien läuft 3:36:21 h

Robert Gotto

3. M60 Franz Hanschek läuft 3:44:08 h

W50-Siegerin Jutta Stiegler (LG Erlangen) kommt nach 3:45:10 h ins Ziel

3:29 h-Zugläufer Volker Wittke ist umringt von seinen „Zöglingen“

Die Siegerin der W55, Maria Brockhausen-Halder (F 187) und 3. WHK Laura Jansen

Hansgeorg Kruse vom MC Menden gewinnt die M70 in 4:34:26 h

Frohgemut und schwarzgewandet geht’s den Haigern hoch

Michael Nothstein

Judith Baumann (links), Konjit Marz und Dieter Knauß

KLaus Neumann, Botschafter des Comrades-Marathons für Deutschland, hat noch ein Lächeln für die Fotografin übrig

Der Neckar wird sowohl von den Halb- als auch von den Marathonisten überquert. Hier, kurz vor Klingenberg, allerdings nur von den „Halben“

Die Spitze naht!

Dickson Kurui, der Marathonsieger des Jahres 2017, ist auch 2018 der Schnellste

Kay-Uwe Müller (TSG Schwäbisch Hall) folgt dicht dahinter auf Platz zwei

Dritter Platz für Richard Schumacher (Sparda-Team Rechberghausen)

Noch liegt er vorne, im Ziel ist Jonah Kiplagat Kemboi in 1:07:48 h jedoch nur Zweiter

Der Sieger des Halbmarathons, Emmanuel Kiprono, übernimmt die Führung erst etwa vier Kilometer vor dem Ziel und gewinnt in 1:05:03 h

Der Schlussläufer der siegreichen Staffel der TSG Heilbronn, Patrick Reischle

Marius Puchta kommt nach 1:15:42 h auf den dritten Platz des Halbmarathons

Platz fünf im Halbmarathon für Christian Wiesenmayer (Thera Running Team) in 1:16:34 h

Timo Striegel läuft mit Startnummer vier auf Platz vier des Marathons in glatt 2:50 h

Prisca Kiprono, die überlegene Halbmarathonsiegerin in 1:21:49 h

M35-Zweiter Daniel Raudenbusch (2423) läuft 1:23:18 h, Florian Lechermann kommt knapp dahinter in 1:23:31 h ins Ziel

Wolfgang Schütz, das „Trollinger-Urgestein“, läuft wieder in einer eigenen Liga und gewinnt seine Altersklasse M55 in 1:24:24 h

Hannah Arndt (run2gether) belegt in 1:29:20 h den zweiten Platz im Halbmarathon

Marathonsiegerin Simone Raatz

W35-Zweite Korina Körner läuft 1:36:26 h und wird im Halbmarathon Sechste

Rüdiger Teufel läuft teuflisch gut: 1:35:49 h und Platz 15 in der M50

Katharina Kaufmann wird nach 1:32:55 h Dritte des Halbmarathons

Sylvia Bach vom Thera Running Team wird in 1:38:10 h Erste ihrer Altersklasse W45

Christina Simon

Beatrice Latz (TSG 78 Heidelberg) läuft auf Gesamtplatz vier des Halbmarathons in 1:35:26 h

Immer wieder abwechselnd Abschnitte auf Landstraßen und durch die Weinorte, meistens hügelig

Franz Vondenhof (505; TSV Talheim) und Bastian Baumgart (Dachsbau Runners) laufen gemeinsam 3:30 h

Kurz vor dem Start: Kay-Uwe Müller (im grünen Oberteil) macht einen ganz entspannten Eindruck, genauso wie der spätere Sieger, Dickson Kurui (links daneben) und Marathonsiegerin Simone Raatz (Bildmitte, neben ihr mit Startnummer 3 der frühere Sieger Marco Diehl)

Auf den ersten Kilometern geht es schattig entlang des Neckars

Es geht hinaus aus Heilbronn…zunächst dominieren Felder die Szenerie

Das Markenzeichen von Flein: Der Kreisverkehr mit Kunstinstallation am Ortsende in Richtung Haigern

Lauffen am Neckar ist erreicht

Dudelsacktöne auf der Neckarbrücke in Lauffen

Die Kilianskirche in Lauffen liegt etwas oberhalb des Flusses

Burg Neipperg oberhalb des gleichnamigen Ortes, hier sind fast schon 30 Kilometer geschafft!

Erfrischende Duschen im Frankenstadion waren bei dieser Wärme eine Wohltat

Räkeln, fläzen, chillen…mit oder ohne Zielbier. Auf dem Rasen des Frankenstadions kann man so richtig gut abhängen!

Auf und Ab im Unterland

Heilbronn, den 6. Mai 2018 – Seit vergangenen Sonntag ist er also volljährig, der Trollinger-Marathon zu Heilbronn. Aus der Taufe gehoben beziehungsweise, korrekter ausgedrückt, an den Start gegangen ist er (und mit ihm über die Jahre Tausende von Läufern) anno 2001 und blickt inzwischen auf eine bewegte Historie zurück.

Vieles ist gleich geblieben (der Start vor und das Ziel im Frankenstadion beispielsweise), manches wurde geändert und verbessert. Beinahe auch schon sprichwörtlich (von einigen Ausnahmen abgesehen) ist das Wetter beim liebevoll „Trolli“ genannten Großereignis eher sommerlich als frühlingshaft. Hohe Temperaturen waren es auch dieses Mal, die einigen Sportlern doch ziemlich zu schaffen machten. Manchen half es, dass auf dem Rückweg der Marathonstrecke der Wind von vorne blies und so für etwas Kühlung sorgte, anderen wurde genau dies zum Verhängnis, denn der eh schon abgeschwächte Vorwärtsdrang wurde dadurch nicht beflügelt. Beflügelnd allerdings war, wie immer im Heilbronner Umland, die Atmosphäre und Anfeuerung in den Weinbaugemeinden wie Flein, Talheim oder Dürrenzimmern. In Neipperg unterhalb der Burg, wo der Marathonkurs dann endgültig wieder gen Osten und auf Heilbronn zu schwenkt, ist die Stimmung ebenso überschwänglich wie im wenig später folgenden Nordhausen oder in Nordheim. Ab Klingenberg wird’s dann richtig voll auf der „Piste“, denn die Halbmarathonisten stoßen dazu und gemeinsam rennen (oder schleichen, je nach Ambition und Leistungsvermögen) die „Ganzen“ und die „Halben“ dem Ziel auf der blauen Bahn des Frankenstadions entgegen.

Erstmals wurden die Kinder- und Jugendläufe heuer bereits am Samstag ausgetragen, was zu einer Entzerrung des Programms beitrug und den jungen Athleten die Aufmerksamkeit beschwerte, die sie verdienen. Mehr als 800 tummelten sich auf den – je nach Altersklasse – unterschiedlichen Strecken von 800 Meter über 1,5km bis hin zum 3km-Lauf. Mittelfristig kann hier sicherlich ein Anstieg bis zu vierstelligen Teilnehmerzahlen ins Auge gefasst werden, was die Infrastruktur locker verträgt.

Sonntags laufen dann die Langstreckler als Erste um 8:45 Uhr los, bei noch angenehmen Temperaturen von um die 16 Grad. Eineinhalb Stunden beträgt ihr „Vorsprung“ auf die Halbmarathonis, deren Strecke nahezu identisch über Sontheim und Flein hinauf auf den Haigern und hinunter nach Talheim führt. Hier gabelt sich die Strecke, die Marathonis sind längst schon den nächsten „Buckel“ aus Talheim hinaus und nach Lauffen am Neckar hinab entschwunden, bis die Halbmarathonspitze den Haigern erklimmt. Recht schnell war bei den Frauen die Messe im Marathon gelesen, zu stark präsentierte sich Simone Raatz (ASC Darmstadt). Als Gesamt-Zehnte erreichte die zierliche Raatz in 3:03:28 h die Ziellinie im Frankenstadion, mit immerhin noch beinahe sieben Minuten Vorsprung auf die Vorjahresdritte, Maria Magdalena Veliscu aus Rumänien. Diese war mit 3:10:05 h gegenüber 2017 über drei Minuten langsamer, bei allerdings weniger läuferfreundlichen Bedingungen. Als Dritte schaffte es Conny Scholze von den GENO-Runners nach 3:18:29 h auch noch auf das Podium, welches sie letztes Jahr als Siebte (3:20:36 h) noch klar verpasst hatte. Hinter Scholze kam mit Natascha Bischoff die Siegerin der W45 nach 3:24:14 h ein. Im vergangenen Jahr war die Ultraläuferin von der LSG Karlsruhe ebenfalls Schnellste ihrer Altersklasse, mit 3:17:19 h aber auch ein gutes Stück flotter.

Die erschwerten Bedingungen durch Wärme und Wind werden auch durch die Anzahl der Athletinnen belegt, die unter 3:30 h liefen. Waren es 2017 noch zehn Sportlerinnen (von 98 im Ziel), schafften es heuer nur sechs (von 80 Läuferinnen), diese Barriere zu unterbieten. Auf Platz fünf waren dies Sylwia Zakrzewski (Team AR Sport; 3:28:29 h) und Magdalena Bednarska als Sechste in 3:29:35 h.

Bei den Männern ging es, zumindest auf den ersten drei Plätzen, enger zu als bei den Frauen. Mit den beiden „schwäbischen Kenianern“ Kay-Uwe Müller und Richard Schumacher gesellten sich zwei Trollinger-Stammgäste zum Vorjahressieger Dickson Kurui (Die Unglaublichen). Doch wie es meistens so kommt, wenn Kenianer bei Laufwettbewerben gegen einheimische Athleten antreten, kam es dieses Mal auch: Der ostafrikanische Vorjahressieger und Gewinner des diesjährigen Bonner Post-Marathons, Dickson Kurui, behielt auch in der Käthchenstadt die Oberhand. Anders als am Rheinufer müssen im Unterland und in den beim Marathon durchlaufenen Gemeinden etliche Höhenmeter (in der Summe etwa 350 bergauf wie bergab) bewältigt werden. Hatte Kurui in der ehemaligen Bundeshauptstadt noch mit seiner Bestzeit von 2:19:04 h aufgetrumpft, gab er sich am Neckar mit einer 2:31:15 h vergleichsweise bescheiden. Fast exakt dieselbe Zeit – 2:31:16 h – lief er bei seinem Vorjahressieg, als er sich gegen seinen Landsmann und Vereinskameraden Simion Sang durchsetzte. Ähnlich wie 2017 betrug auch in diesem Jahr sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten weniger als eine Minute, denn bereits 36 Sekunden nach Kurui hatte Kay-Uwe Müller (TSG Schwäbisch Hall) das Ziel in 2:31:51 h erreicht. Der als Hausmeister tätige gelernte Schreiner ließ erst vor drei Wochen mit dem Sieg beim Lichtenwald-Marathon im Kreis Esslingen aufhorchen, als er als Einziger unter drei Stunden lief und souverän gewinnen konnte.

Auch für den Drittplatzierten, Richard Schumacher aus Donzdorf (Sparda-Team Rechberghausen), war es nicht der erste Marathon 2018. Er belegte beim traditionsreichen Bienwald-Marathon im pfälzischen Kandel am 11. März den zweiten Platz in 2:33:46 h und noch vor Kay-Uwe Müller (2:38:03 h). Doch auf der hügeligen Strecke rund um Heilbronn konnte er nach der gemeinsam in etwa 1:16 h passierten Halbmarathonmarke in Meimsheim nicht mehr mit dem wiedererstarkten Ilshofener Müller und dem Titelverteidiger Kurui mithalten. In 2:35:46 h kam er dennoch ungefährdet auf Rang drei ins Ziel, denn Timo Striegel (Team Silla Hopp; 2:50:00 h) und Frank Zocher (Lidl; 2:53:56 h) sowie der mehrfache Trolli-Sieger Marco Diehl (DVAG-Marathon-Team; 2:54:35 h) und auch der Siebte, Fabrizio Concina (Lidl Italia; 2:57:26 h), die allesamt unter drei Stunden blieben, waren doch sehr deutlich hinter dem Führungstrio zurück.

Im klar teilnehmerstärkeren Halbmarathon dominierten auf den vorderen Rängen ebenfalls die ostafrikanischen Sportler: Bei den Männern setzte sich, etwas überraschend, der Vorjahreszweite Emmanuel Kiprono aus Kenia in 1:05:03 h vor seinem Landsmann Jonah Kiplagat Kemboi (1:07:48 h) durch. Kemboi hatte bis etwa vier Kilometer vor dem Ziel in Klingenberg geführt und bereits wie der sichere Sieger ausgesehen, bekam auf dem Schlussabschnitt jedoch massive Probleme und musste Kiprono passieren lassen. Dritter wurde mit Marius Puchta der erste deutsche Athlet in 1:15:42 h, gefühlt eine kleine Ewigkeit hinter den dominierenden Kenianern. Prisca Kiprono war ähnlich überlegen wie ihr Landsmann Emmanuel Kiprono – sie rannte sogar den meisten Männern auf der Halbdistanz noch davon und kam nach 1:21:49 h ins Ziel. Hannah Arndt (run2gether) verbesserte sich gegenüber 2017 um einen Platz und belegte Rang zwei in 1:29:20 h. Katharina Kaufmann (Lidl) wurde in 1:32:55 h Dritte. Auch hier forderten die warmen und windigen Verhältnisse ihren Tribut – Hannah Arndt war beispielsweise genau zwei Minuten langsamer als im Vorjahr und insgesamt kamen nur 31 Frauen unter 1:45 h im Frankenstadion an, während es, bei vergleichbaren Teilnehmerzahlen, vor Jahresfrist noch 45 gewesen waren.

Ungeachtet all dieser Zahlenspiele wurde wieder einmal der Beweis erbracht, dass das hügelige Unterland und Heilbronn, die Metropole des Rotweinanbaus, gemeinsam für Qualität in Sachen Weinbau, aber auch beim Sport stehen. Jahr für Jahr wird mit Rätschen, Rasseln, Töpfen, Mülltonnen und allem Möglichem, was Lärm erzeugen kann, aus Leibeskräften angefeuert. Und ob man persönlich lieber Trollinger oder stilles Wasser als Verpflegung konsumiert, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Wenn dann, wie bei dieser Auflage wieder eindrucksvoll geschehen, der Rasen und die Laufbahn des Frankenstadions zur größten Feier- und Fläzmeile der Stadt umgewidmet wird, dürfen die Organisatoren zufrieden auf die friedlich-erschöpfte Menge blicken, denen sie, egal ob als Staffelläufer, Marathonteilnehmer oder (Nordic) Walker beschert haben.

Einzig der Teilnehmerrückgang auf der namensgebenden Strecke mag etwas Anlass zum Stirnrunzeln geben, doch wird der mit Viererstaffeln aufgepeppte Marathon hoffentlich noch lange Bestand haben, zu schön sind die Eindrücke von Land und Leuten, die sich nur bei moderatem Tempo auf der langen Strecke sammeln lassen.

Spannend wird sein, wie viele der diesjährigen Teilnehmershirts in neonorange sich nächstes Jahr im Teilnehmerfeld befinden werden. Bereits dieses Mal ließen es sich etliche Athleten nicht nehmen, das gerade in Empfang genommene Bekleidungsstück gleich an Ort und Stelle einzuweihen. Schön bunt war’s, und manch ein Kopf hatte aufgrund der Sonneneinstrahlung später die Farbe des Shirts.

Link  zur Veranstaltung und zu den Ergebnissen: www.trollinger-marathon.de 


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