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Wortspiele

[eingestellt am 14. Juni 2009]

By: Olga Schlawunzel

In den seltenen Zeiträumen, in denen der Ultralaeufer respektive die Ultraläuferin nicht läuft, trainiert oder regeneriert, haben wir die Chance, die Welt jenseits des Laufens wahrzunehmen. Eine marginale Größe für Vollblutultras, aber immer wieder lohnend zu entdecken. 

Und bleiben wir hier gleich bei dem beliebten Thema Essen. Da stößt man immer wieder auf Restaurants, die sich mit dem Hinweis „durchgehend warme Küche“ brüsten. Mal ganz ehrlich: interessiert es Sie wirklich, ob das Lokal seine Küche 24 Stunden heizt oder nicht? Schön, wenn das Küchenpersonal nicht frieren muss, aber das ist doch wohl eher selten das Kriterium, nach dem man ein Lokal wählt. Es sei denn, mir ist kalt und ich möchte mich aufwärmen. Ohne es ausprobiert zu haben, glaube ich außerdem nicht, dass man mich in die durchgehend warme Küche lassen würde.  

Ebenso amüsant sind immer wieder die fast poetischen Beschreibungen von Gerichten in den besseren Restaurants bzw. denen, die sich dafür halten. Die Präposition „an“ scheint erfunden, um Noblesse zu signalisieren und den Preis um 15 – 25% in die Höhe zu treiben. Selbst in Düsseldorf ist mir noch keine „Currywurst an frittierten Kartoffelstäbchen“ begegnet. Es heißt Currywurst mit Pommes frites. Der Vorteil: ich weiß, was auf den Teller kommt, und ich werde satt. Der Nachteil: das Auge isst auch mit und die haute cuisine klingt anders. Aber warum die Beilagen „an“ statt neben, über, unter, auf... sind, bleibt ein Sprachgeheimnis. Wenn Medaillons von Hasenrücken an Prinzessbohnen mit einer Bärlauchsauce an Rosmarinparfait auf der Speisekarte locken, dann weiß ich mehr über den Preis als über das Gericht – ganz unabhängig übrigens, ob die Küche durchgehend oder nur vorübergehend warm ist. Ich zahle auch viel williger jede noch so kleine Portion, denn was so wohlklingend an einem Hauch des Außergewöhnlichen daher kommt, muss exquisit sein. 

Bedenkenswert sind auch die Speisenkarten der Chinarestaurants, die überall anzutreffen und überall verblüffend gleich sind. Da gibt es z. B. immer wieder Ente, Huhn oder was auch immer mit „acht Kostbarkeiten“. Ganz ehrlich: ich habe noch keine Kostbarkeiten finden können. Dann hätte ich sie selbstverständlich vom Teller gerettet und unauffällig mitgenommen. Was kostbar ist, gehört nicht verzehrt. Aber auch wenn wir voraussetzen dürfen, dass Köstlichkeiten gemeint sind: was genau ist das? Und sind es wirklich acht? Hat sie schon mal jemand gezählt? Sie sehen: Essen ist viel mehr als Ernährung und auch sprachlich immer wieder eine Offenbarung.  

Freuen wir uns auf die ersten Läufe bei denen es isotonische Sportgetränke mit einer Note von Zitrone an Bananen gibt. Oder im Sommer durchgehend kalte Verpflegungsstationen. Gerne auch acht Kostbarkeiten beim Pekingmarathon.

 

Laufen Sie wohl

Olga Schlawunzel


Kossmann Laufdesign