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Marathon Mord - Klaus Eckardt

[eingestellt am 09. März 2012]

By: Gerd Fischer

Die Ausgangssituation des Krimis „Marathon Mord“ möchte jeder echte Läufer mindestens einmal erleben: In Berlin beim Marathon am Start stehen und mitlaufen. So auch Max von Steyn, Hauptfigur, Lauffreund und Hobbydetektiv, zumal es sein erster 42,195er werden soll. Dass daraus nichts wird, liegt nicht etwa an mangelnder Kondition, sondern an Walter Wachter, der ihm kurz nach dem Verpflegungsstand bei 25 km vor die Füße fällt. Tot. Vergiftet. Er reißt von Steyn um, der sich dabei verletzt und aussteigen muss. Das Dubiose: Wachter lief nicht nur in von Steyns Lauftreff im oberschwäbischen Land, sondern war dort auch Bürgermeisterkandidat, mitten im Wahlkampf und seine Teilnahme am Marathon war quasi ein PR-Gag, um den „langen Atem“ des künftigen Bürgermeisters seinen potenziellen Wählern zu demonstrieren. Wir beobachten in der Folge von Steyn, wie er den „Fall“ lösen will. 

Wenn es ums Laufen geht, ist Autor Eckardt ganz bei der Sache. Er ist nämlich selbst Läufer und schöpft aus eigenen Lauferfahrungen. Das merkt man den authentischen Schilderungen an. Seine Reflexionen übers Laufen sind durchweg nachvollziehbar und geistreich. Leider verliert sich das Thema Laufen im Laufe des Krimis, denn das Geheimnis um Wachters Tod liegt in seiner schwäbischen Vergangenheit und wird von mir an dieser Stelle natürlich nicht gelüftet. 

Aufgefallen sind mir zudem die vielen Rückblenden, die der eigentlichen Story etwas das Tempo nehmen. Eckardt transportiert damit bestimmte Infos zu Wachters und von Steyns Vergangenheit, aber ich frage mich, warum er das nicht hinbekommt, ohne den Leser aus der eigentlichen Geschichte zu reißen. 

Fazit: Ein relativ kurzer und kurzweiliger Krimi, der das Laufen als Ambiente schön in Szene setzt. Außerdem schildert Eckardt journalistische Praktiken aus dem effeff. Für Krimifans eine abwechslungsreiche und teilweise amüsante Lektüre. Für Läufer etwas Spannung zur Entspannung zwischen den Trainingseinheiten. 

Und noch einen sportlichen Gruß ans Lektorat: Zunächst ist mehrfach „Cross Boarder Leasing“ zu lesen, bevor der Lektor gemerkt hat, dass es „Cross Border Leasing“ heißen muss (plus einige Tipper). Unterm Strich leider kein Start-Ziel-Sieg. 

  • ISBN-10: 3842511558
    ISBN-13: 978-3842511552
  • 9,90 €
  • Silberburg-Verlag

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