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Müdigkeit

[eingestellt am 17. Juli 2009]

Von: Olga Schlawunzel

Das Niemandsland zwischen Wachen und Träumen

 

Vor kurzem stolperte ich über einen Spruch, der bedenkenswert ist:

„Katzen sind nie müde. Sie sind wach oder sie schlafen.“

Eine äußerst simple Feststellung. Aber was einfach ist, ist nicht automatisch einfältig, sondern kann im Gegenteil sehr profund sein. a = a. Ganz einfach, aber das Axiom der reflexiven Identität ist das Fundament jeglichen logischen Denkens. 

Natürlich ist der Sinnspruch zunächst ein weiterer Beweis für die Überlegenheit der Felidae. Nur wenige Meter reichen, um die Beute zu erlegen, der Rest des Tages kann mit Schlafen verbracht werden. Nicht jagen, sondern vorm Mauseloch warten und blitzschnell zuschlagen. Effizient und energiesparend. Eine größere Dichotomie zum Ultralaufen kann es wohl nicht geben. Vielleicht ist es deshalb für viele Ultras mit Geschmack und Niveau aber gerade deshalb der Beginn einer wundervollen Freundschaft. Gegensätze ziehen sich an. Evolutionär noch überlegener ist es allerdings, sich einen Menschen zu suchen, der die Nahrungsbeschaffung zuverlässig übernimmt. Nun gut, das mag einigen Artgenossen auch geglückt sein. 

Doch der Spruch macht auf eine nur scheinbar banale Tatsache aufmerksam. Müde zu sein, ist ein unsinniger Zustand. Es macht keinen Spaß (außer als kurzer Übergang vor dem Schlafen), wir sind nicht voll leistungsfähig, wir müssen uns überwinden, wir erholen uns aber auch nicht richtig. Dennoch verbringen wir gar nicht so wenige Phasen unseres Lebens damit, müde zu sein. Das ist idiotisch. Schlafen macht Sinn. Wir träumen und regenerieren, schöpfen Kraft – die wir u. a. Laufkilometer umsetzen können. Wach zu sein, ist immer wertvoll, denn es ermöglicht uns, die Welt wahrzunehmen und alles zu tun, was wir möchten oder müssen. Laufen zum Beispiel. Nur müde ist irgendwo dazwischen. Wir sind nicht wirklich wach, aber die Annehmlichkeit des Schlafes bleibt uns auch verwehrt. Und doch ist uns dieser Zustand so selbstverständlich vertraut. Dumm von uns, oder? Schließlich kennt man Fatigue (ausgerechnet hier benutzt man mal nicht die englische Sprache) als Chronique Fatigue Syndrom CFS und als Krankheit. Man sollte es also vermeiden. Womit bewiesen wäre: von Katzen lernen, heißt siegen lernen.

 

Olga Schlawunzel


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