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Alle Wetter!

[eingestellt am 03. September 2009]

Von: Olga Schlwawunzel

Alle Wetter

Es ist höchste Zeit, sich einmal auch aus läuferischer Sicht dem Hauptthema gepflegter Konversation schlechthin zu widmen: dem Wetter.

Den Stellenwert kann man schließlich kaum zu hoch bewerten. Der ganz banale Kommunikationseinstieg „schönes Wetter heute“ hat zwar einen Informationsgehalt, der verdächtig nah gegen Null geht. Dass das Wetter schön ist, sehe ich in aller Regel selbst, und der Hinweis ist daher so überflüssig wie ein Schild beim Marathon bei km 42 „noch 195 m bis zum Ziel“. Dennoch gibt es kaum etwas wichtigeres als diese Floskel – in welcher variantenreichen Formulierung auch immer. Das Wetter ermöglicht es uns, mit anderen Menschen zwanglos ins Gespräch zu kommen. Es ist das Angebot zum Dialog, das wohl mit keinem anderen Thema so unverfänglich und universell gemacht werden könnte. Jeder und jede kann hier mitreden. Es gibt immer etwas zu kritisieren. Es ist jeden Tag neu. Fettnäpfchen wie bei Politik, Religion oder Sport sind nicht zu befürchten. Die eigentliche Aussage „ich würde gerne ein paar Worte mit Ihnen wechseln“ lässt sich nicht einfacher verpacken und auf das Angebot kann man eingehen (stimmt, aber morgen soll es schon wieder regnen...) oder ganz zwanglos ablehnen (mir doch egal). Das ist verblüffend einfach, effizient und zeigt, dass es – wie in der Politik – eigentlich viel seltener um Inhalte geht, als sich unser selbstherrlicher Intellekt vorgaukeln lässt. 

Mindestens so groß ist die Bedeutung des Wetters aber auch für Läuferinnen und Läufer. Nicht nur der Unterhaltung wegen (gutes Laufwetter heute). Es dient einerseits als universelle Entschuldigung. Das perfekte Wetter gibt es nicht. Infolgedessen werden unsere Leistungen immer dadurch geadelt, dass es zu warm, zu kalt, zu nass, zu trocken, zu windig, die Luft zu pollenreich, das Biowetter ungünstig etc. ad infinitum war. Wer am Wetter nichts auszusetzen findet, hat zu wenig Fantasie. Aber es gibt auch verschiedene Wettertypen bei den Läufer/innen. Schön- und Schlechtwetterläufer/innen ist die gröbste Einteilung, die sich beliebig verfeinern lässt und eine eigene Meteolauflehre begründen könnte. Den einen vergeht jede Lauflust, wenn sie bei Nieselregen und 11 Grad zum Wettkampf fahren. Die anderen sind entzückt, laufen zu Hochform auf, sehen aber ihre Zielzeiten gefährdet, wenn sich die wärmende Sonne zeigt. Nun können wir das Wetter nicht beeinflussen, aber das kann kein Argument sein, alles dem Zufall zu überlassen. Wir haben Trainingspläne, Tempotabellen, Pulsmesser, GPS, Schuhe für jeden Untergrund, Funktionskleidung, Spezialnahrung von Frankfurter Kranz bis Gels. All dies, um einmal den perfekten Lauf zu erwischen, bei dem wir aus unserem verkannten Astralkörper die Leistung herausholen, die uns selber überrascht. Der Lauf, der meinen Namen trägt. Das ist unser ewiger Traum. Und erst, wenn wir nicht mehr laufen können, merken wir, dass er da war. Wir haben ihn nur nicht erkannt, weil wir immer noch schneller, höher, weiter wollten.

Um den Tanz ums goldene Laufkalb aber zu vollenden, fehlt bis heute noch immer die Laufmeteorologie. Am Anfang muss die Analyse des persönlichen Wettertyps stehen. Lauftests bei allen Wetterlagen, um herauszufinden, ob ich der Hitze-, Kälte-, Sonnen-, Regen-, Frühling-, Sommer-, Herbst-, Wintertyp oder ein Mischtyp bin (wobei der Winter-Hitze-Typ problematisch wäre). Unser Laufstil wird schließlich auch analysiert. Statt eines Laufbands bräuchte man allerdings einen Klimahalle, die alle Wetterbedingungen simuliert, aber wer zu geizig ist, 250,- EUR zu investieren, nimmt das Laufen ohnehin nicht ernst genug und hat im Ultralager nichts zu suchen. Alternativ könnte man eine dreijährige Auswertung aller Trainings- und Wettkampfläufe unter besonderer Berücksichtigung der klimatischen Faktoren anbieten (1.000 – 1.500,- EUR). Danach kann man die Wettkämpfe dann saisonal ganz gezielt planen. Der hundertjährige Kalender käme so zu neuen Laufehren. Statt wahllos bei Herbstläufen zu starten und wegen sonniger Herbsttage im letzten Drittel einzubrechen, könnte ich wissen, dass ich im zu kühlen Oktober 2014 nach einem regnerischen Sommer die besten Voraussetzungen für meinen optimalen Wettkampf habe. Ganz ehrlich: wir sind erschreckend unprofessionell und noch viel zu wenig manipulativ. Die Wetteranalyse für Läufer/innen bietet noch unendlich viel Raum für Verbesserung, auch lässt sie sich wie Trainingspläne nach Distanzen differenzieren. Ich beanspruche an dieser Stelle schon mal eine Gewinnbeteiligung an der Idee. Darüber kennt auch das Wetter Hochs und Tiefs. Der Zusammenhang liegt vielleicht zu nah. 

Wunderschönes Laufwetter wünscht

Olga Schlawunzel 

PS: Auch die guten alten Bauernweisheiten können in diesem Zusammenhang Berücksichtigung finden: Sind die Hühner platt wie Teller, war der Trecker wieder schneller.


19. Ludwigshafener Stadtlauf
Swiss City Marathon Luzern