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Muntenasu, Petru

[eingestellt am 24. Oktober 2009]

Von: Nicole Benning

im Oktober 2009 in Kleinkarlbach

Je trailiger desto lieber

„Ich habe nichts dagegen, dass du mich portraitierst, aber ich frage mich, ob das nicht für andere Läufer, die viel besser sind als ich, gedacht ist.“ Das ist Petru Muntenasu wie er leibt und lebt. Ein bescheidener und zurückhaltender Mensch, der seit diesem Jahr mit 10:45:58 h den Streckenrekord beim Chiemgauer 100 km Lauf, der mit zig tausend Höhenmetern gespickt ist, hält.

Der verheiratete Wahlschwabe lebt mit seiner Frau Maria und den beiden Töchtern in Schwaigern am Fusse des Naturparks Stromberg-Heuchelberg, in dem er auch trainiert. Die Familie lässt ihm neben seiner Arbeit als Zimmermann nicht allzu viel Zeit für das Training. Er versucht, 4 bis 6 Mal in der Woche die Laufschuhe zu schnüren, ein langer Lauf sollte dabei sein. Oft ist das einzige Training aber auch die körperliche Arbeit tagsüber.

Da das Höhenmetersammeln auf den Trails im nahen Naturpark begrenzt ist, es gibt zwar wunderschöne Hügel und Anstiege, aber für Events wie den Chiemgauer reicht es halt dennoch nicht, fährt er so oft es geht mit seinem grünen VW-Bus ins Elsass oder in die Alpen, um lange Trailwettbewerbe zu laufen. Seine Familie lässt ihm die erforderliche Freiheit und hält ihm den Rücken frei, oft ist sie auch dabei. Die beiden Töchter sind allerdings nicht immer so begeistert von den Ausflügen mit dem Papa. Als ich seine ältere Tochter beim Hundseck-Berglauf im Schwarzwald fragte, ob sie mit zum Chiemgauer kommen, fragte sie mit großen Augen „Papa, wo ist „Chiemgauer“? „In Bayern.“ „Müssen wir da mit?“ Gibt es allerdings ein Freibad am Ort des Geschehens (siehe Allgäu Panorama Ultra), dann sind sie Feuer und Flamme und verzichten auf die Freunde und Bücher zuhause oder auf das geliebte Fußballspielen.

Petru liebt es, auf unebenen Wegen und bergauf- bergab zu laufen. Er scheint so, als würde er die Steine und Wurzeln nicht berühren, wenn er auf Trails unterwegs ist. Da ist er in seinem Element. Gar nicht leiden kann er flaches Rundenlaufen und Asphalt, da verkauft er sich oft unter Wert, auch wenn man ihn bei den Marathons in der näheren Umgebung oder bei Ultraklassikern wie Rodgau regelmäßig in der Startliste findet.  Ich habe ihn mal gefragt, woher er das Traillaufen so gut kann, worauf seine Frau scherzhaft meinte, dass das daran läge, dass es früher, in seiner Kindheit in Rumänien, keine asphaltierten Straßen gegeben habe.

Petru hat mit dem Laufen während der Schulzeit begonnen, seit 2001 läuft er nach einer 5-jährigen Familienpause – die zwei kleinen Töchter forderten damals die volle Aufmerksamkeit der Eltern - regelmäßig. Nur 2004 / 2005 musste er pausieren, da er die Folgen eines Zeckenbisses in Form von Borelliose ausheilen musste.

Erst waren es die kürzeren Berg- und Landschaftsläufe, dann hat ihn, wie er immer sagt, sein Freund Jochen Höschele dazu animiert, es auch mal mit Ultrastrecken zu versuchen. Und siehe da, ein neues Talent war da! Begeistert von seinen Erzählungen hat er schnell die großen Veranstaltungen der Berglauf- und Trailszene abgelaufen: Rennsteig, Zermatt, Albmarathon, Röntgenlauf, K78 beim Swiss Alpine (den er als Autobahn bezeichnet), Le Defi de Val de Travers, Petit Ballon, Defi des Vosges, Bärenfelsultra, Voralpenmarathon und viele mehr. Immerhin hat er sich für den Ort seiner Marathonbestzeit einen Straßenlauf ausgesucht, wenn auch keinen einfachen und flachen. Beim Marathon Deutsche Weinstraße im Landkreis Bad Dürkheim lief er 2008 mit einer Zeit von 2:54:01 h auf den 13. Gesamtplatz.

Der Höhepunkt seiner Laufbahn war 2008 der UTMB, bei dem er aus Respekt vor der Strecke zusammen mit Jochen losgelaufen war. Irgendwann war ihm das Tempo dann doch zu langsam und er legte einen Zahn zu, kam am Ende mit 30:04:05 Stunden nur knapp über der Marke von 30 Stunden ins Ziel und bezeichnet den Lauf nach wie vor als sein schönstes Lauferlebnis. Die Familie hat den strahlenden Petru überglücklich im Ziel empfangen, die Bilder sprechen eine deutliche Sprache – Familienglück auf der ganzen Linie.

Er möchte gerne noch mal hin, eine bessere Zeit laufen und auch eine bessere Platzierung erzielen, was er sicherlich erreichen kann, schließlich läuft er erst seit 2006 richtig Ultras und ihm stehen noch zahlreiche Chancen offen. Mit seiner zunehmenden Erfahrung und einem etwas flotteren Anfangstempo ist sicherlich mit einer besseren Zeit beim UTMB zu rechnen.

Neben dem Ziel Wiederholung des UTMB gibt es aber noch so viele andere schöne Läufe, die ihn locken, in Frankreich, in der Schweiz oder doch wieder den TransAlpine? Den hat er 2009 zusammen mit dem Heidelberger Jonas Tesarz als 8. der Männerwertung und 10. der Gesamtwertung gefinisht. Dabei gab es einige Wochen vor dem Start noch eine böse Überraschung, seine Teampartnerin, mit der er in der Mixedwertung laufen wollte, hatte ihn zugunsten einer Frau als Teampartner „versetzt“, ein neuer Partner musste auf die Schnelle her. Er hatte Glück, mit Jonas war ein toller Ersatz gefunden. Und uns war sicher, dass wir jeden Tag im Ziel von ihm – natürlich schon frisch geduscht und erholt – erwartet werden, mit einem Lachen im Gesicht, „was habt ihr denn unterwegs gemacht? Bin schon seit über einer Stunde da.“ Verbissener Ernst ist ihm fremd, er geht die Sache zumindest nach außen locker an, läuft vorsichtig los, überholt ab einem späteren Rennverlauf ständig und stetig und schafft es so in klug eingeteilten Rennen meist, sich weit vorne zu platzieren. Bei all der Anstrengung darf der Spaß nicht zu kurz kommen, die Landschaft möchte er genießen und im Anschluss mit den Lauffreunden lachen können.

Ach ja – und die Suppe unterwegs, die sollte nicht fehlen. All das künstliche Gel- und Riegelzeugs reizt ihn nicht, höchstens seinen Magen, er zieht Suppe vor, die es leider für seinen Geschmack zu selten gibt.

In seiner Regeneration arbeitet er mehr, dann, so Petru lachend, besteht keine Gefahr, zu viel zu trainieren, oder er schnitzt Figuren. Die Siegtrophäe des Chiemgauer 100ers steht vor dem Haus in der Einfahrt. Selbst würde er eine solche Figur eleganter herausarbeiten, so wie den Jäger, den er letzten Winter geschnitzt hat. Oder er lernt französisch – wahrscheinlich wegen der vielen französischen Trailveranstaltungen.

Seit 2009 läuft er für das Team Salomon, die auch erkannt haben, aus welchem Holz der 39jährige Petru geschnitzt ist und für was für hervorragende Leistungen er gut ist.