Hier könnte Ihre Werbung stehen!
Kanzlei.org - laufend gut beraten

Bentz, Hans-Jürgen

[eingestellt am 23. Januar 2010]

Von: Jürgen Binder

Hans-Jürgen am 31.12.09 in Schifferstadt

Der Ober-MuLi a. D.

Wer Hans-Jürgen Bentz öfter begegnet wird irgendwann feststellen, dass er fast immer in Laufschuhen daher kommt. Begegnen kann man ihm oft, in und bei seinem vorderpfälzischen Heimatort Limburgerhof, denn als passionierter Läufer ist er dort viel unterwegs und außerdem hat er zwei Hunde, Lauser und Lulu, mit denen oft „Gassi gehen“ angesagt ist.

In Ludwigshafen am Rhein kam er am 28. Juli 1946 zur Welt, in Limburgerhof ging er zur Volksschule.

Nach der Ausbildung zum Chemielaborfachwerker bei der BASF und der Bundeswehr besuchte er die Abendschule und bildete sich weiter zum Chemielaboranten. Nach ein paar Jahren packte ihn der berufliche Ehrgeiz erneut. Als 27Jähriger kündigte er seinem bisherigen Arbeitgeber und ging 2 Jahre nach Landau auf die Ganztagsschule, die er 1975 als Chemotechniker abschloss. Unmittelbar danach erfolgte der Wiedereintritt bei der BASF, wo er bis zu seiner Pensionierung am 31. Dezember 2007 in der Pflanzenschutz-Forschung tätig war.

Als Schüler spielte er Fußball und Tischtennis. Zu Auswärtsspielen ging es damals oft mit dem Fahrrad und einmal fuhr er mit einem Mannschaftskameraden bis ins etwa 60 Kilometer von Limburgerhof entfernte Albisheim, um an einem Tischtennis-Turnier teilzunehmen. Das Lospech wollte, dass er es gleich mit dem späteren Turniersieger zu tun bekam und da nach k.o.-Modus gespielt wurde war es das dann auch gleich … ! Sichtlich amüsiert erzählt er heute von dieser, wenn auch nicht von Erfolg gekrönten, ersten Leistung als Ausdauersportler.

Als Twen trieb er überhaupt keinen Sport. Beruf und Familie genossen absoluten Vorrang und erst mit 30 fing er wieder mit Fußball an. 1975 übersiedelte er nach Bobenheim-Roxheim, wo er 4 Jahre die Altherren-Abteilung des SV Roxheim leitete, ehe er 1981 wieder nach Limburgerhof zurückzog. 1986 hing er die Fußballschuhe an den Nagel und verschrieb sich fortan der Lauferei.

Nach mehreren Jahren als Einzelkämpfer bei der DJK Limburgerhof schloss Hans-Jürgen Bentz sich 1994 dem LTC Mutterstadt an. 1996 hatte er maßgeblichen Anteil an der Ausrichtung des 1. Mutterstadter Volkslaufs und ebenso an den Folgeveranstaltungen, die in die Zeit seiner Vereinszugehörigkeit fielen. Er übernahm den neugeschaffenen Posten des Abteilungsleiters im Bereich Laufen und im Jahr 2000 wurde er in Mutterstadt zum „Sportler des Jahres“ gewählt.

In den bisherigen Jahren seiner Sportlerlaufbahn war Hans-Jürgen stets in Vereinen aktiv gewesen und so dann und wann stellte er sich die Frage, ob es nicht auch anders ginge.

Im Verlauf des Jahres 2001 hatte er irgendwann die zündende Idee. Unterstützt von mehreren Gleichgesinnten gründete er im Dezember die LG MuLi, eine unabhängige, auf vereinstypische Strukturen weitgehend verzichtende Laufgemeinschaft, die ohne Mitgliedsbeiträge auskommt.

Mu steht für Mutterstadt, Li steht für Limburgerhof, weil seinerzeit die meisten Gründungsmitglieder diesen beiden Nachbarorten entstammten. Wegen dem naheliegenden Wortspiel war ein Muli als Wappentier irgendwie obligatorisch.

Einmal pro Woche verschickte Hans-Jürgen Bentz von nun an regelmäßig einen E-Mailrundbrief an die Läuferinnen und Läufer seiner „Herde“ und nach wie vor trifft man sich beim monatlichen Stammtisch sowie bei den mehrmals im Jahr im Trainingsrevier Mutterstadter Wald stattfindenden, sogenannten „illegalen Waldfesten“. 4 Mal pro Woche finden gemeinsame Trainingsläufe statt.

Ein besonderes Highlight im Veranstaltungskalender der LG MuLi ist die alljährlich mit weit über 100 Teilnehmern stattfindende Jahresabschlussfeier.

In den 8 Jahren seit Bestehen der Laufgemeinschaft findet man in Ergebnislisten von Wettkämpfen 429 verschiedene Namen, welche die blauen Farben der LG MuLi vertreten haben.

Genauere Infos über Laufgemeinschaft Mutterstadt-Limburgerhof finden sich auf der gut gepflegten Webseite www.lg-muli.de.

Beim Silvesterlauf in Schifferstadt am 31. Dezember 2009 nahm Hans-Jürgen Bentz als 63Jähriger nach 8 Jahren an der Spitze seiner „Herde“ letztmals an einem Wettkampf als deren Lauftreffleiter teil. Welch einzigartige Erfolgsgeschichte er im Dezember 2001 als Hauptinitiator der LG MuLi auf den Weg bringen sollte, hatte er sich damals in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Seinen MuLis wird er selbstverständlich weiterhin die Treue halten, seine administratorischen Tätigkeiten werden künftig von einem kleinen Team übernommen.

Da Hans-Jürgen erst im Alter von 40 Jahren mit der Lauferei anfing, waren Fabelzeiten nicht mehr möglich. Nichtsdestotrotz lief er ein paar Jahre später noch durchaus beachtliche persönliche Bestzeiten.

10 Kilometer in 36:59 min, Halbmarathon in 1:22:38 h, Marathon in 2:53:08 h und als 50Jähriger 5000 m in 17:52 min sind Beispiele, wozu jemand bei entsprechendem Trainingsfleiß auch als Spätberufener noch fähig ist, selbst wenn er nach eigener Einschätzung nie ein großes Lauftalent war.

10.106 Wettkampfkilometer bei 725 Veranstaltungen als bisherige Volkslauf-Lebensleistung zum Stichtag 31. Dezember 2009, hat der hierüber stets akribisch Buch führende „Statistiker“, der solche Statistiken auch für alle seine MuLis führt, exakt archiviert. 38 Marathons hat er gefinisht und zwei 50 km-Läufe, quasi als Stippvisite in die Ultramarathon-Szene.

Gerne ließ er sich auch immer schon von Laufveranstaltungen ins Ausland locken. In Paris, Boston und sogar in Kenia ist er schon gelaufen. Mehrmals war er in Schweden, lief in Göteborg, in Stockholm und den größten Crosslauf der Welt, den Lidingöloppet. Besonders viel Spaß hatte er am Elsässer Weinmarathon. Sein Lieblingslauf findet aber auf deutschem Boden statt. Es ist der Hornisgrinde-Marathon im Schwarzwald.

Hans-Jürgen hat zwei erwachsene Söhne namens Bastian und Marc und er ist stolzer Opa vom kleinen Hannes.

Glücklich verheiratet ist er mit Petra und die hat mit der Lauferei, kaum zu glauben, ist aber so, überhaupt nichts am Hut. Petra ist eine „Leseratte“ und ihr sportliches Engagement beschränkt sich auf täglich 15 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit und zurück. Mit Hans-Jürgens Lauferei hatte und hat sie nie ein Problem, doch ein großes „Handicap“ für seine Wettkampfambitionen waren stets ihre Kochkünste. Die Resultate ihrer vorzüglichen „Bruzzlerei“ und „Backerei“ kosteten den vor allem Süßem nie abgeneigten Ehemann so manch bessere Platzierung in seiner jeweiligen Altersklasse, wo er bei entsprechender Lebensführung stets gut genug für einen Platz auf dem Siegertreppchen war.

In den letzten Jahren haben sich ein paar gesundheitliche „Zipperlein“ eingeschlichen, die ambitioniertes Wettkampftraining, zumindest momentan, nicht zulassen. Locker in der Gruppe laufen, am Training teilnehmen, vielleicht auch mal eine Anfängerin oder einen Anfänger beim Wettkampf begleiten, Hans-Jürgen kann sich auch mit diesen Gegebenheiten gut arrangieren.

Wer bei Familie Bentz in Limburgerhof vorbeischaut, sollte stets Zeit mitbringen. So oder so ähnlich läuft es fast immer ab:

Man klingelt, zwei Hunde bellen, Hans-Jürgen kommt zum Gartentürchen und ein freundliches „Hallo, komm rein“, duldet keinen Widerspruch. Der große Lauser will gestreichelt werden, die kleine Lulu behält stets die Wacht und beäugt ausdauernd misstrauisch den „Eindringling“. In der „Guten Stubb“ bekommt man von Petra ein Gläschen Rotwein eingeschenkt, damit sie mit jemandem anstoßen kann. Der Gatte ist dafür nicht so empfänglich, er trinkt lieber ab und zu ein Bierchen und außerdem ist er eine „Kaffeetante“. Es wird „Läuferlatein gesponnen“ und am Laptop präsentiert Hans-Jürgen seine neuesten, vornehmlich bei Laufveranstaltungen geschossenen Fotos. Die Kamera hat Hans-Jürgen immer im Gepäck, denn ein weiteres Hobby von ihm ist die Fotografie.

Obwohl Hans-Jürgen Bentz ein ruhiger und besonnener Mensch ist, war er doch immer auch ein rühriger und umtriebiger „Macher“. Langeweile wird bei ihm, der in der südwestdeutschen Laufszene bekannt ist wie ein bunter Hund, trotz dem Zugewinn an Freizeit in Zukunft wohl kaum aufkommen.

Irgend etwas führt der Ober-MuLi a. D. doch immer im Schilde.

 


19. Ludwigshafener Stadtlauf
Swiss City Marathon Luzern