1. Freinsheimer Oschelskopflauf
Fotos: Jürgen Binder
Die etwas schnellere Weinwanderung
24. Januar 2010 – Was haben ein Kunstrasen-Fußballplatz, eine Statue, die Elvis ähnlich sieht und 200 Paar Beine miteinander zu tun, was verbindet sie? Ihr wärt hier nicht bei laufticker.de wenn die richtige Antwort nicht lauten würde: einen Volkslauf!
Frank Harm, Schriftführer des FV 1924 Freinsheim, wollte lt. eigenem Bekunden den FV Freinsheim bekannter machen, beweisen, daß der Verein lebt. Deshalb überlegte sich der Hobbyläufer, der selbst nie an Wettkämpfen teilnimmt, man könne doch einen Volkslauf organisieren und das am selben Wochenende wie die Freinsheimer Rotweinwanderung, um auch ein paar Läufer dazu zu animieren, anschließend an den Laufschritt noch in den Spazierschritt zu verfallen. “Wenn dabei auch wirtschaftlich noch etwas für den Verein übrig bleibt, umso besser” war sein Statement am Vortag des Laufes. Das war allerdings ein bißchen tiefgestapelt, denn auf der Ausschreibung und der vereinseigenen Homepage stand ganz direkt und ohne Umschweife: Der Volkslauf ist eine weitere Aktion des FV Freinsheim zum Gunsten des Projektes "Kunstrasenplatz an der Dackenheimer Straße".
Nicht nur Harm war einigermaßen überrascht vom Erfolg seines Erstlings, der auch im Volkslaufkalender zu finden ist – zusammen mit nur wenigen anderen Veranstaltungen an diesem Wochenende. Das mag ein Grund dafür gewesen sein, daß so viele Läufer nicht nur aus der direkten Umgebung den Weg in die 5.000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Bad Dürkheim fanden. Ansonsten standen nämlich überwiegend Crossläufe im Kalender und die sind, obwohl teilweise nicht schwerer als ein Gelände-Volkslauf mit Höhenmetern, einfach und nicht nachvollziehbar bei viele Aktiven nicht sonderlich beliebt. Allerdings nutzten viele Vorderpfälzer die seltene Gelegenheit, daß gleich zwei Volksläufe an einem Wochenende direkt vor ihrer Haustür stattfanden und waren an beiden Tagen umtriebig. Einer von ihnen war Ludwig Mesel. Der Bad Dürkheimer Winzer, der dieses Jahr 75 wird, lief in Grünstadt 3.300 m und 6.800 m. Am Sonntagmorgen fuhr er mit dem Auto nach Freinsheim, lief dann wieder nach Hause, um zusammen mit einigen anderen Läufern vom LC Bad Dürkheim wieder nach Freinsheim zu laufen und dort am Oschelskopflauf teilzumehmen – so hat er jede Menge Abwechslung in seine Marathonvorbereitung für den 18. April gebracht.
per Mausklick zu Naturfriseurin Sabine Zimmermann (Freinsheim)
190 Voranmelder, 50 Nachmelder (trotz einer Nachmeldegebühr von satten 3 €), 40 nicht abgeholte Startnummern – am Ende zierten 200 Namen die Ergebnisliste, die Bernd Rollar von br-timing schon ins Internet stellte, als die letzten Läufer noch drinnen in der Vereinsgaststätte ihren Kuchen genoßen. Die große Zahl der ausgefallenen Voranmelder ist sicher eine Folge des Wetters. Morgens hatte es erst angefangen zu regnen und dann zu schneien und man mußte schon befürchten, daß sich die Straßen und Wege zu einer spiegelglatten Angelegenheit entwickeln würden. Zum Glück war der Boden nicht mehr durchgefroren und die Temperaturen blieben leicht über Null, so daß sich ein leichter Schneefilm über die Landschaft legte, aber gut zu belaufen war.
Der tiefste Punkt Freinsheims liegt bei 100 m üNN, die Weinlage “Oschelskopf” laut Stadtplan bei 157 m. Vom Vereinsheim des FV am Ortsausgang Richtung Dackenheim und Herxheim am Berg geht es aber nicht nur “einfach rauf” sondern auf und nieder immer wieder und so kam man am Ende auf GPS-gemessene 113 zu überwindende Höhenmeter, die sich über eine Strecke von 9,5 km verteilten. Ausgeschrieben war der Lauf mit von Frank Harm laufradvermessenen 9,8 km. Der Start war an der Dackenheimer Straße, am 1. Stand der Rotweinwanderung bog man scharf links ab Richtung Herxheim am Berg. Hier kam die Feuerwehr Dackenheim als Läuferlotse zum Einsatz. Auf der anderen Seite der Dackenheimer Landstraße verlief der Kurs wellig bis zur Bahnlinie Freinsheim-Grünstadt, wo die Herxheimer Landstraße gequert werden mußte und die Herxheimer Feuerwehr Wache hielt. Kaum war man auf der anderen Seite unter der Bahnlinie durch, hatte man einen wunderbaren Blick auf die Kulisse von Herxheim, die über den Köpfen in den Himmel ragte. Nach rund 3,5 km hatte man den Oschelskopf erreicht. Und damit nicht nur die gleichnamige Weinlage sondern auch die Statue des Freinsheimer Bildhauers Kurt Hertz, der dieses Monument, wie viele andere Statuen auch, kostenlos und zum eigenen Vergnügen “spendiert” hat. Bei so Manchem wird der Kopf “Der Elvis von Freinsheim” genannt, Insider sehen allerdings mehr eine Ähnlichkeit mit Hertz’ Sohn Dietmar.

Der Elvis von Freinsheim
Nun begann die Umrundung der Weinlage Oschelskopf, bevor die letzten rund 2 km des Hinwegs gegenläufig als Rückweg dienten. Wamer Tee im Ziel, Duschen im Vereinsheim – Frank Harm wurde bei der Organisation von einem Arbeitskollegen beraten, einem der Gründer der LLG Wonnegau, die auch eine elfköpfige Abordnung nach Freinsheim geschickt hat.
“Gut, abwechslungsreich, nicht ganz anspruchslos” – so fasste Sieger Christian Dörr die Strecke zusammen. Der 34jährige wollte ursprünglich samstags beim Grünstadter Cross laufen, baute dann aber bis abends das Kinderzimmer auf, in das in den nächsten Wochen der erste Nachwuchs im Hause Dörr einziehen wird. Zum Glück gab der Volkslaufkalender mit Freinsheim noch eine Alternative her, die unmittelbar vor der Haustür lag, denn Dörr wohnt im 10 km entfernten Friedelsheim. Christian bereitet sich, wie viele andere in der Gegend, gerade auf den Weinstraßenmarathon vor. Diese Woche war eine Entlastungswoche und an deren Ende stellt er in der Regel einen Wettkampf. Momentan plant er allerdings eher nicht, denn wegen der bevorstehenden Geburt steht er natürlich quasi ständig “Gewehr bei Fuß”. Den Donnersberglauf Ende Februar hat er einigermaßen fest eingeplant. In Freinsheim war er von Beginn an auf sich alleine gestellt, da es auch keinen Führungsradfahrer gab. Nach 33:44 min war seine sonntägliche Laufeinheit beendet.
Mario Steiner (LLG Landstuhl) und Tobias Hahn (LSV Ladenburg) galten bis morgens noch als Favoriten, denn Christian Dörr kam erst als Nachmelder ins Spiel. Nach 35:11 min blieb die Uhr für Steiner stehen, 44 Sekunden später für seinen badischen Konkurrenten, den er erst auf den letzten zwei Kilometern abgefangen hatte.
Die ersten drei Frauen hatten sich gerade am Vortag erst gesehen und “beharkt”, nun trafen sie direkt wieder aufeinander. Elke Hamleser nahm anfangs das Heft in die Hand. Isabella Bernhard, eine von 31 LäuferInnen der TSG Maxdorf am Start, ging nach gut 4 km an ihr vorbei, kam als 32. im Gesamteinlauf und erste Frau nach 42:50 min in den Zielkanal. Elke Hamleser (LG MuLi) konnte, nachdem sie etwa nach der Hälfte der Strecke kurz von Marion Dang (LT Solidarität Ludwigshafen) überholt wurde, diese nach ein paar Schritten zurücküberholen und baute ihre Führung bis ins Ziel auf nicht mehr als 13 Sekunden aus.
Gewertet wurde übrigens in 10er-Altersklassenschritten – wahrscheinlich der Annahme kleinerer Teilnehmerfelder geschuldet. Vielleicht ändert sich das ja beim nächsten Mal.
Wie Christian Dörr waren die Läufer von der Strecke begeistert – der Blick auf Herxheim am Berg über ihren Köpfen lohnt die Strapaze allemal.
Die Siegerehrung, bei der leider wieder viele der Platzierten fehlten, obwohl sie in unmittelbarer Umgebung wohnen, ging absolut zügig vonstatten, durchgeführt wurde sie von FV-Pressewart Ralf Lang und dem Freinsheimer Bürgermeister Jürgen Oberholz. Leider wurden die Gesamtsieger nicht eigens auf die Bühne gerufen oder wenigstens anläßlich der Altersklassensiegerehrung genannt, so daß sie völlig untergingen. Aber das gehört zu den wenigen Kinderkrankheiten, die Frank Harm und seine Helfer noch ausmerzen können, wenn der nächste Lauf ansteht.
Ergebnisse: www.br-timing.de
Veranstalterseite: www.fv-1924.de


