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Der Läufer - Christian Kortmann

[eingestellt am 05. Februar 2010]

Von: Elke Bölts

Carlo ist Läufer und wünscht sich Erfolg im Leben. Er will etwas schaffen, er will anerkannt sein. Doch oft erscheint ihm dieser Erfolg  wie ein Hologramm. Man sieht ihn vor sich, will danach greifen, aber da ist nichts.

Irgendwann kommt der Moment, an dem er diese ganzen falschen Verstellungen und Hierarchiekämpfe unter den arbeitenden Menschen nicht mehr aushält und er tut das, was viele in diesen Zeiten gern tun würden: Er haut ab.

Nur mit seinen Kleidern, die er am Leib trägt und ein paar Bananen in der Tasche läuft er los, wie Forrest Gump und hält einfach nicht mehr an. In München-Untergiesing, startet er und läuft 220 km weit, bis hinauf auf´s Timmelsjoch.

Pausen macht er nur, um am Fluss, der Isar, dessen Lauf er folgt, etwas zu trinken. Auf seinem Lauf begegnet er Menschen und der Natur, doch vor allen Dingen sich selbst. Und da er lange genug unterwegs ist, hat er genügend Zeit, sich Gedanken über Gott und die Welt zu machen und dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen. Dabei „rechnet“ er ab, mit den Angebern und Posern, die Hamster in ihren Tretmühlen. Und so läuft und läuft er immer weiter, bis die Realität verschwimmt. Folgt ihm auf den letzten Metern etwa ein Wolf und wer sind die Menschen da in dieser Hütte? 

Beim Lesen des Buches, musste ich so manches Mal grinsen. Denn es kommt durchaus vor, dass man eigene Gedanken hier wieder findet. Keiner bleibt von der beißenden Ironie des Autors, Christian Kortmann, verschont. Weder die Mountainbiker, Walker, Rennradfahrer noch seine eigenen „Läuferkollegen“ lässt er aus.  Ausgiebig formuliert und beschreibt er das Laufen an sich und was es für den Läufer selbst bedeutet.

Dieses Glücksgefühl auf der einen, aber auch der Kampf auf der anderen Seite, mit dem inneren Schweinehund und schließlich das tolle, befriedigende Gefühl, wenn man ihn dann doch besiegt hat, den - Hund -  und schließlich frei laufen lässt, ohne Stoppuhr und Leistungsdruck. 

Seine Art des Schreibens, gefällt mir persönlich besonders gut. Es ist witzig, frech, teilweise auch kritisch, aber es macht einfach Spaß das Buch zu lesen. Viele Passagen untermalen seinen Humor. Wie zum Beispiel die Gedanken, eines Mannes, beim Anblick einer voraus laufenden Läuferin. 

Sein Wortschatz ist „unendlich“ groß, ausführlich und „blumig“ . Und immer wieder ist er auf der Suche nach der Antwort, wie das gelingende Leben aussieht oder sich wohl anfühlt.

Dass der Autor des Buches, selbst Langstreckenläufer und gerne auch mit seinem Rad in den Bergen unterwegs ist, merkt man sofort. Und so ist es sicherlich auch kein Zufall, dass viel selbst Erlebtes in diesem Buch verarbeitet wurde und somit natürlich, auch eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem Protagonisten besteht. 

Wer also Spaß an bissiger, witziger Gesellschaftskritik hat und wissen möchte, ob es tatsächlich diesen ominösen Wolf gab, der sollte sich diesen Roman, der dem Körper und den Gedanken freien Lauf lässt, um dem Geheimnis des „gelingenden Lebens“ auf die Spur zu kommen, unbedingt kaufen. 

Blessing-Verlag, ISBN: 978-3-89667-412-8, € 19,95


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