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Baumgärtner, Jonas

[eingestellt am 14. Februar 2010]

Von: Rainer Baumgärtner

Cross Hatzenbühl 2009

Dass Jonas Baumgärtner zum Laufen kommt, war im Mai 1999 eher unmöglich als möglich. Der damals sechsjährige Junge hatte einen schweren Unfall, als er in einer Spielstraße von einem Auto überfahren wurde. Es grenzte schon an ein kleines Wunder, dass er ohne Folgeschäden blieb und wieder völlig gesund wurde. Eine körperaufbauende Sportart sollte er künftig betreiben, so die ärztlichen Empfehlungen. Jonas ging zum Turnen. Als seine Gruppe wie der sprichwörtliche Schnee in der Sonne zusammenschmolz, blieb ihm keine andere Wahl, als die Sportart zu wechseln.

Als Leichtathlet hatte er sich schon längst disqualifiziert. Sein Bruder Lukas, der in dieser Zeit für den TV Rheinzabern bevorzugt über die Langstrecken an den Start ging, hatte ihn an einem Sommerabend zu einem Probetraining mitgenommen. Nach einer Stadionrunde war Jonas fix und fertig. Wegen Seitenstechen wollte er keinen Schritt mehr laufen. Selbst für den Vater stand fest, ein Leichtathlet wird der nie. 

Auf der Suche nach einer neuen Sportart wurde er im Rülzheimer Stadion fündig, das in unmittelbarer Nähe zu seinem Wohnort Kuhardt liegt. Aufgenommen wurde er in eine Spielgruppe, die freitags ihre Übungsstunden abhielt, zeitgleich zum Training der Leistungsgruppe der LG Rülzheim. In den Sommerferien 2005 wollte Jonas  mit „denen“ nur mal mittrainieren. Nicht wenige schüttelten den Kopf, doch es ist kennzeichnend für den heute 16-jährigen Gymnasiasten des Wörther Europagymnasiums, etwas versuchen zu wollen, was viele ihm nicht zutrauen, eben etwas vermeintlich Unmögliches zu machen und umzusetzen. 

Der schmächtige Baumgärtner blieb in der Leistungsgruppe dabei. Seinen ersten Wettkampf hatte er 2005 beim Cross-Lauf im elsässischen Lauterburg. Der Neuling in der Laufszene lief in das Stadion ein, als der Gewinner seiner Altersklasse im Wortsinne gesprochen bereits unter der Dusche stand. Für seinen Trainer Edmund Hamburger war Jonas Baumgärtner sportlich ein Fragezeichen. Doch auf dieses Fragezeichen erhielt Ede Hamburger recht bald eine Antwort. Bei den Pfalzhallenmeisterschaften Anfang 2006 in Ludwigshafen startete Baumgärtner bei den B-Schülern über 1.000 Meter. Vier Runden lang hielt er sich hartnäckig auf dem letzten Platz, um in der letzten Runde regelrecht über die Bahn zu fliegen. In diesem Augenblick wusste der alte Fuchs Hamburger, dass er einen Rohdiamanten in den Fingern hat. 

Und Hamburger fing an, diesen Rohdiamanten zu schleifen. Bereits im Sommer 2006 holte Jonas in Neustadt seinen ersten Pfalzmeistertitel, 18 weitere Titel folgten, darunter 3 Rheinland-Pfalzmeisterschaften. 

Zum Auftakt der Rheinzaberner Winterlaufserie 2006/2007 lief Baumgärtner als 13-jähriger die 10 Kilometer in starken 37:34 Minuten. Ende 2007 war es dann wieder soweit, zusammen mit Max Hohl und Julius Pfadt wollte Baumgärtner beim Trierer Silvesterlauf, dem Sao Paulo Deutschlands, in der 5 Kilometer Mannschaftswertung der A-Schüler einen neuen Rheinland-Pfalz Rekord laufen. Eben mal wieder etwas eher Unmögliches schaffen. Baumgärtner pulverisierte seine Bestzeit, kam in 16:47 Minuten ins Ziel, doch am Ende fehlten schlappe 7 Sekunden zum Rekord. Einen Rekord, den er sich fast exakt ein Jahr später im Hockenheimer Motodrom abholte. Gezogen von André Zschaubitz lief er über die 5 Kilometer 16:10 Minuten, fünf Sekunden schneller als Lars Haferkamp 1997. Mit dieser Zeit war er auch 2008 in Deutschland über diese Distanz der Jahrgangsbeste, wie auch über die 3.000 Meter auf der Bahn. 

Nach einer starken Vorstellung bei den deutschen Jugend-Crossmeisterschaften in Ingolstadt Anfang 2009, wo er nicht weit zurück zur Spitze den 14. Rang belegte, ging plötzlich nichts mehr. Jonas war „platt“. Erst im Herbst stieg er wieder ins Wettkampfgeschäft ein, selbstverständlich mit dem Anspruch, wieder einmal etwas „Unmögliches“ anzugehen. Zum Auftakt der Winterlaufserie in Rheinzabern über 10 Kilometer hatte er die 32 im Visier. Rheinzabern, für Jonas ein gutes Pflaster, zumal seine Mutter eine waschechte Rheinzabernerin ist. Die Vorbereitung war holprig, eine Erkältung bremste ihn aus. Zur 32 schüttelte Ede Hamburger nur den Kopf, „unmöglich“ so der Trainer. Doch Baumgärtner wäre nicht Baumgärtner, hätte er nicht doch mit dem Feuer gespielt. Ab dem siebten Kilometer verschärfte er das Tempo, das er nicht durchstand.  Dennoch, seine gelaufene Zeit von 33:46 Minuten ist für einen 16-jährigen bärenstark und die drittschnellste Zeit, die im jüngeren B-Jugendjahrgang in Deutschland 2009 gelaufen wurde. 

Ein Jahr später ereilte ihn zum Auftakt der Winterlaufserie 2010/2011 das gleiche Schicksal. Mit einer Erkältung ging Jonas an den Start mit dem Anspruch, in die Top-Ten der DLV-Bestenliste zu laufen. Trotz  persönlicher Bestzeit von 33:24 Minuten reichte es nicht. Am Ende war es der 13. Rang in Deutschlands Elite-Liste. Überhaupt war das Jahr 2010 für den Rülzheimer ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Während ihn bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm über 3000 Meter muskuläre Probleme ausbremsten, konnte er sich zwei Wochen später bei den Süddeutschen in Schwäbisch Gmünd  mit der Vizemeisterschaft rehabilitieren.

Jonas Baumgärtner ist keiner, der die großen Schlagzeilen liebt und schon gar nicht  einen Rummel um seine Person. Er ist auch keiner, der nach Ausreden sucht, wenn ein Lauf in die Hosen geht. Ganz im Gegenteil: Er spricht viel lieber über die außergewöhnlichen Leistungen seiner Alterskollegen als über seine eigenen. Angesprochen auf seine persönlichen Ziele und Hobbys gibt er überraschende Antworten. Den C-Trainerlehrgang möchte er 2010 machen, um in der Leichtathletik auch etwas weitergeben zu können. Die Archäologie habe es ihm angetan und schließlich sei da noch seine Gitarre, auf der er nach eigenem Bekunden stundenlang herumklimpert. Und die sportlichen Ziele? Ein Grinsen in seinem Gesicht, na logisch, etwas Unmögliches zu schaffen, aber darüber sprechen will er nicht.

Jonas' Bestzeiten: 

800   Meter          2:01,29       Minuten(2010, Bad Bergzabern)
1000 Meter          2:34,66       Minuten(2010,Pfungstadt)
1500 Meter          4:08,04       Minuten(2010,Kaiserslautern)
3000 Meter          8:54,24       Minuten(2010,Pfungstadt)
5   Kilometer        16:10          Minuten(2008, Hockenheim)
10 Kilometer        33:24          Minuten(2010, Rheinzabern)

 


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