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Burkhardt, Dominik

[eingestellt am 24. Februar 2010]

Von: Nicole Benning

Fotos: Dietmar Glöckner

Dominik Burkhardt beim Cross (Bild von Dietmar Glöckner)

„Ich bin nur noch Hobbyläufer“

2005 lief er sein schönstes und erfolgreichstes Rennen: Dominik Burkhardt wurde Deutscher Crossmeister über die Mittelstrecke. Dass dies auch noch in seiner Heimat Darmstadt war, macht den Erfolg für den heute 32-jährigen Seeheim-Jugenheimer noch wertvoller. Im gleichen Jahr konnte er außerdem noch Deutscher Hochschulmeister über die Crossstrecke werden.

Insgesamt sammelte er im Laufe seiner langen Laufbahn sechs Deutsche Meistertitel, davon einmal in der Einzelwertung – eben 2005 in Darmstadt. Sonst mit der Mannschaft über verschiedene Lang- und Crossstrecken. Zu Recht galt und gilt er als einer der besten deutschen Langstreckenläufer der letzten Jahre.

Zur Leichtathletik kam er – wie das eben oft ist – eher zufällig. Sein Grundschullehrer in der 2. Klasse war niemand anderes als Manfred Kraft, Gründer der Leichtathletikabteilung des TSV Eschollbrücken-Eich, Veranstalter des 25 und 50 km Laufes von Eschollbrücken sowie dessen „unüberhörbare Stimme“.

Er überredete den kleinen Dominik dazu, doch zu ihm ins Leichtathletiktraining zu kommen. Wie meistens im Schülerbereich lag der Schwerpunkt auf dem klassischen Dreikampf, das heißt Sprint, Weitsprung und Ballweitwurf. Mit der letzten Disziplin stand Dominik etwas auf Kriegsfuß, jedoch konnte er schnell und ausdauernd laufen.

Als 13-jähriger wechselte er zum ASC Darmstadt in eine echte Läufergruppe. Sein offensichtliches Lauftalent wurde dort von den Trainern Werner Schumann und Wilfried Raatz sowie über den B-Kader-Trainer des DLV Winfried Aufenanger schnell und zielgerichtet gefördert. Es folgte eine lange und erfolgreiche Zeit als Bahnläufer, bevor er später als Erwachsener immer häufiger auch auf der Straße anzutreffen war.

Die Erfolge blieben nicht aus. Er sammelte in seiner Karriere Siege wie andere Briefmarken. Geschenkt wurden diese dem ehrgeizigen und zielstrebigen Hessen nicht. „Auch wenn ich immer ein wenig von meinem Talent gelebt habe, war natürlich schon ein immenser Trainingsaufwand nötig, um in der deutschen Spitze mitzulaufen.“

Während des Jura-Studiums stand neben der Lernerei der Sport absolut im Fokus. „Diese Doppelbelastung über all die Jahre unter einen Hut zu bekommen, war natürlich nicht immer einfach.“ Es wurden also ordentlich Kilometer in hohem Tempo geschrubbt, auch die Ferien standen immer ganz im Zeichen des Leistungssports.

Mehrere Trainingslager im Jahr waren keine Seltenheit. „Seit 1994 habe ich über 78.000 km laufend in Wettkampf und Training zurückgelegt.“ Dominik führt seit dieser Zeit akribisch sein elektronisches Trainings- und Wettkampftagebuch, daher weiß er genau, wann er wie viel gelaufen ist. „Insgesamt gesehen, waren es schon deutlich mehr als 100.000km.“

Die Schinderei hat sich für den 1,90 m großen und 70 kg schweren Modellathleten Dominik Burkhardt gelohnt. Seine Bestzeiten auf allen gelaufenen Strecken und die drei Einsätze im deutschen Nationaltrikot können sich sehen lassen.

Aus weiteren internationalen Einsätzen wurde nichts, denn dafür war ihm seine berufliche Ausbildung zu wichtig und nahm einen immer größeren Stellenwert ein. „Leichtathletik und Laufsport sind eben nicht Fußball. Es können nur ganz wenige sehr gut davon leben und sich davon eine Existenz aufbauen, daher war mir von Anfang an klar, dass irgendwann der Beruf im Vordergrund stehen muss.“

Er begann sein Jurastudium in Mannheim, wechselte nach zwei Semestern nach Jena, da er dem Ruf Dieter Hermanns in die damalige Laufgruppe um Nils Schuhmann nach Erfurt folgte. Nach Beendigung seines ersten Staatsexamens zog es ihn wieder zurück in seine alte Heimat Darmstadt, wo er am dortigen Landgericht seine zweijährige Rechtsreferendariatszeit mit Abschluss des zweiten Staatsexamens absolvierte.

Die Zahl der Trainingskilometer nahm deutlich ab, Dominik beschloss nach dem Gewinn des DM-Titels 2005, nur noch aus Spaß an der Freude zu laufen. „Seither laufe ich keine Meisterschaften und auch keine Bahn- und Crossläufe mehr. In den letzten Jahren profitierte ich eigentlich immer noch von meiner Basis, die ich mir im Hochleistungssport gelegt habe. An die alten Zeiten komme ich allerdings nicht mehr heran."

Ein Training wie zu den alten Zeiten wäre bei einem Vollzeitjob als Jurist bei einer großen Bank in Stuttgart auch nicht mehr möglich. Heute kommt der hessische Wahlstuttgarter auf 50 bis 110 km in der Woche, je nachdem, wie viel Zeit er hat.

Noch ein bis zwei Jahre möchte er wettkampfmäßig laufen, dann kann er sich vorstellen, ganz zum Hobbyläufer zu werden. „Laufen wird immer einen sehr wichtigen Platz in meinem Leben einnehmen, aber Wettkämpfe und Leistungsdenken im Sport müssen dann nicht mehr sein.“ Bei einem, der auf eine solch lange und erfolgreiche Karriere zurückblickt, klingt das durchaus nachvollziehbar.

Neben der Lauferei verbringt Dominik Burkhardt seine Zeit mit seiner Freundin, reist gerne und viel: statt in sein Lieblingsland USA soll es in diesem Jahr so bald als möglich nach Südamerika gehen.

Der Marathon ist für ihn derzeit eher kein Thema. Letztes Jahr hatte er einiges an Zeit und Engagement für ein Debüt auf dieser Distanz im Rahmen der DM in Mainz investiert, wurde dann aber während der Vorbereitung zuerst grippekrank und zog sich anschließend beim Griesheimer Halbmarathon im März einen Muskelfaserriss in der Wade zu, so dass er letztendlich auf einen Start verzichten musste.

Seine Ansprüche hängen natürlich auch beim Marathon sehr hoch – ohne dass er eine konkrete Zeit nennt, dürfte klar sein, dass er auf eine Zeit deutlich unter 2:30 h aus wäre.

Die Ansprüche für die anstehende Saison 2010 sind bescheiden und zurückhaltend gewählt: Beim Halbmarathon in Frankfurt Anfang März möchte der für den TuS Griesheim startende Burkhardt mal sehen, was auf dieser Distanz für ihn gerade so geht und dann entscheiden, wo und wie er noch laufen möchte. Einen echten Saisonhöhepunkt hat er daher nicht. Sicher wird er wieder bei zahlreichen Cup-Läufen in Südhessen und in der Metropolregion Rhein-Neckar anzutreffen sein. Die Konkurrenz kann sich schon einmal warm laufen.

Seine Bestzeiten:

800 m: 1:52,80 min, Daun/Eifel, 1999

1.000 m: 2:23,47 min, Pfungstadt, 1999

1.500 m: 3:45,21 min, Köln, 1999

3.000 m: 8:02,28 min, Tessenderlo/BEL, 2005

5.000 m: 13:48,06 min, Kassel, 2001

10.000 m: 29:19,77 min, Troisdorf, 2002

Halbmarathon: 1:05:59 h, Belfort/FRA, 1998


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