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Hohl, Anne

[eingestellt am 02. März 2010]

Von: Rainer Baumgärtner

Foto: Ede Hamburger

Die 22-jährige Anne Hohl von der LG Rülzheim zu portraitieren, ist für jeden Portraitisten eine Herausforderung. Die Hohls gehören nämlich in Rülzheim nicht zu den wortgewaltigsten Familien. Da macht auch Anne keine Ausnahme. Kaum glaubt man etwas über sie auf dem Papier zu haben, kommt sofort der Einwand, „schreib es lieber nicht, das interessiert eh niemand.“ 

Dabei hat die Studentin der Agrarwissenschaft einiges anzubieten, um ein Portrait zu füllen. Interessant ist Anne nämlich nicht nur in ihrem Sport, sondern auch abseits ihrer Laufkarriere gibt es viel Außergewöhnliches über sie zu berichten. Wer so attraktiv aussieht wie Anne Hohl, hat schon mal den einen oder anderen Verehrer, die allerdings ganz schön schnell sein müssen, um sie einzufangen. Geschafft hat dies ihr Freund Martin, selbst ein guter Leichtathlet, mit dem sie meist an den Wochenenden nach einem von ihrem Trainer Edmund Hamburger vorgegebenen Plan trainiert, den sie konsequent einhält. Das weiß Hamburger, der über sie stets in Superlativen spricht. 

Obwohl die 1.500 Meter ihre Hausstrecke sind, hat die Rülzheimerin bereits drei Marathons auf dem Buckel. Einen ganz besonderen Stellenwert hat ihr Premierenmarathon, den sie 2007 in Frankfurt zusammen mit ihrer Freundin Bianca Loge gelaufen ist. Die Zeit von 3:44 Stunden hat für Anne nur einen statistischen Wert. Der Moment, über die Ziellinie eines Marathons zu laufen, beschreibt Hohl als ein gigantisches Erlebnis. Das Gefühl etwas Wertvolles geschafft zu haben, mit sich selbst zufrieden zu sein, ist für sie frei nach Goethe einer der schönsten Inhalte menschlichen Lebens.

Seitdem hat das Marathonfieber die Mittelstrecklerin nicht mehr losgelassen. 2008 lief sie in Berlin im Wohnzimmer von Haile Gebrselassie, der an diesem Tag einen neuen Weltrekord aufstellte. Dort fasste sie den Entschluss, 2009 bei den Deutschen Studenten-Marathonmeisterschaften in Köln an den Start zu gehen. Es wurde mit einer ihrer größten Erfolge, nämlich der vierte Platz in 3:29 Stunden. Ärgerlich nur, dass die Drittplatzierte nur wenige Sekunden vor ihr im Ziel war. 

Gefragt nach ihren größten Erfolgen über die 1.500 Meter antwortet sie spontan „Fulda“. Es war im Jahre 2003, in ihrem ersten B-Jugendjahr, als sie als völlig unbeschriebenes Blatt startete und in 4:42 Minuten im Endlauf den achten Platz belegte. Die gleiche Platzierung schaffte sie auch als Juniorin bei den Deutschen Meisterschaften 2009 in Göttingen in neuer persönlicher Bestzeit von 4:37 Minuten. 

Wenn sie zuhause in Rülzheim ist, nutzt sie die Zeit, um aufs Fahrrad zu steigen. Gemeinsam mit ihrem Vater und jüngeren Bruder Max geht sie auf Tour. Ihre Familie ist für Anne Hohl eine wichtige Stütze. So überrascht nicht, dass sie schon ein wenig Heimweh hatte, als sie 2008 drei Monate in Ghana war, um in einem Waisenhaus zu helfen. Anne Hohl beschreibt diese Zeit für sie als einen unglaublichen und wichtigen Reifeprozess. Heute denke sie über Vieles anders und Vieles stehe auch in einem völlig anderen Licht. „Wer die Armut in diesem afrikanischen Land kennengelernt, am eigenen Leib verspürt hat, kann sich oft nur darüber wundern, was für uns Deutsche alles ein Problem ist“. 

Als sie sich bei dem Interview etwas warm geredet hatte, gesteht sie sogar noch ein ganz persönliches Geheimnis. Etwas abergläubisch sei sie schon. Vor jedem Lauf ziehe sie zuerst den linken Schuh an. Mit dem rechten Schuh habe sie es noch nicht probiert, ist allerdings fest davon überzeugt, dass ihr ein solcher „Missbrauch“ kein Glück bringe. 

Ihr „linker Schuh“ hat sie auch in Rheinzabern zum Auftakt der Winterlaufserie 2009/2010 erfolgreich ins Ziel getragen. Denn in 37:42 Minuten stellte sie über die 10 Kilometer eine neue Bestzeit auf, mit der sie in der DLV-Bestenliste auf dem 25. Rang notiert ist. Gute Voraussetzungen, auch für 2010 mit einem Marathon zu liebäugeln. Zumindest ist sie derzeit so gut in Form, dass sie 2010 alle Möglichkeiten hat, um bei den Deutschen Studenmeisterschaften eine Medaille nach Rülzheim zu holen. 

Sie hat das Jahr zumindest schon mal gut angefangen, denn bei den Rheinland-Pfalz-Crossmeisterschaften in Holzappel wurde sie Meisterin über die Mittelstrecke. 

Annes Bestzeiten:
   800   Meter:          2:17,69 Minuten     (2006, Pfungstadt)
1.500   Meter:          4:37,90 Minuten     (2009, Göttingen)
3.000   Meter:        10:08,46 Minuten     (2004, Rülzheim)
10 km:                         37:42 Minuten     (2009, Rheinzabern)
Marathon:                3:29,15 Stunden     (2009, Köln)            

 

 

          

 

 

        

 

 

 


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Swiss City Marathon Luzern