Kanzlei.org - laufend gut beraten

Laufen in Peru - Teil 2: Wettkämpfe I

[eingestellt am 24. März 2010]

Von: Luca Bongiovanni

Luca hat uns einen langen Bericht über seine Wettkämpfe in Südamerika geschickt. Ich habe ihn zweigeteilt, Teil 1 könnt Ihr hier lesen, Teil 2 folgt in den nächsten Tagen. Die erste Reportage "Laufen in Peru" findet Ihr hier.

In der Provinz von Arequipa, der Stadt in der wir leben, gibt es nicht viele Wettkämpfe doch um die, die stattfinden, wird sehr viel Werbung gemacht und für alle Läufer sind die wenigen Läufe ein fester Treffpunkt.

Wie gut die wenigen Läufe organisiert werden, zeigte sich vor wenigen Tagen als uns unser Trainer, der zu den Veranstaltern des Marathons „Virgin de la Candelaria de Cayma“ von Arequipa gehört, Sergio Marroquin Bollinger, dessen Wurzeln sich bis nach Deutschland und Brasilien erstrecken, zu einer Pressekonferenz einlud. Die Pressekonferenz fand im Innenhof der „Municipalidad“ dem Rathaus von Cayma statt, dem höchsten „Destricto“ also Stadtbezirk von Arequipa auf etwa 2400 Metern Höhe.  

Ruhmhungrige Sportler, zahlreiche Journalisten, deren Gesicheter wir vom Buffet der vorherigen Pressekonferenz schon kannten und die Vertreter von Minen, Getraenkefirmen und Taxigesellschaften sowie unseren Trainer Sergio, mit dem wir uns allein über die Genuesse der klassischen Musik hier im Land der Cumbia und der immergleichen musikalischen Rhytmen, über deutsche Philosophen und südamerikanischen Politik unterhalten können, sowie, zuguterletzt den gerade wiedergewählten Bürgermeister von Cayma, dessen Karriere durch den Zuwachs seines Bauchvolumens in den vergilbten Fotos Bestätigung fand (in denen er nicht nur jünger sondern magerer aussah) und gleichermaßen ein Beispiel der Milde des Charakters, der „ausgewogenen“ Politik und der durch eine imposante Gewerkschaftlerstimme getragenen Rhetorik bei der Rede gab, alle höchstpersönlich anwesend waren.

Natürlich freuten wir uns sehr über die Aufmerksamkeit, die uns geschenkt wurde. Sportler freuen sich, Langstreckler um so mehr, wenn sie im Mittelpunkt stehen dürfen, als Ausländer sowieso. Fotos wurden geknipst, wie wir die Trophäen verheissungsvoll emporhoben. Neben dem unter den siegreichen Athleten zu verlosenden nagelneuen Nissan durften wir uns fotografieren lassen. Auch Miguel und seine Frau und Sergio Bolliger posierten neben dem Nissan. Dieser Wagen fiel dann einige Tage später der 16.jährigen Siegerin des Jugendlaufs in die Hände, deren Eltern es kaum glauben konnten, als sie die Schlüssel überreicht bekamen.  

Wie sich zeigte, verbarg der Prunk der Pressekonferenz, bei dem in einem rasenden Video der Kurs des Marathons gezeigt wurde, der durch die gesamten Distrikte der Stadt verlief: Cayma, Yanahuara, Sachaca, Hunter, Recoleta und einige mehr, deren Namen ich nicht mehr auswendig kann. Die Härte der Bedingungen, bei denen auch unsere besten Mitstreiter aus Arequipa sich den in ihrer Stärke schon fast grausamen, dunkelhäutigen Konkurrenten aus den höheren Teilen Perus wie Puno, Huancayo, Huncavelica, Cuzco geschlagen geben mussten. Aufstiege, brennende Sonne und die auf 2300 Metern leicht überschätzbaren Kräften leisteten ein übrigen Teil, so dass besonders aufgrund des veränderten Kurses die diesjährigen Zeiten um einiges langsamer ausfielen. 

Von den gefürchteten, durch den günstigen Kurswechsel der peruanischen Geldpreise gelockten Bolivianer gab es dieses Jahr keine Spur! Die Mitstreiter aus dem Nachbarland verstreuten sich bei anderen Wettkämpfen. Sie verrannten sich bei gleichzeitig stattfinden Läufen in Copacabana und in Ecuador, wo die südamerikanischen Crossmeisterschaften stattfanden.  

Wie leicht auf den Fotos am Prunk der Preise nachvollzogen werden kann, wurden die Athleten nicht entäuscht: 8.000.000 Soles gab es für den Ersten im Marathon, ein Geldpreis der sich schon fast mit den europäischen Standards messen lässt (etwa 2000 Euro) und in der Sonne leuchtende und funkelnde MTB Räder erwarteten die Sieger der Nachwuchsklassen.  

Auch an Wasserversorgungsstellen und Absperrungen mangelte es nicht. Da hatte Sergio, dessen Stimme noch ein Tag später ihre Abwesenheit spüren ließ, in Folge seines bürgermeisterlichen und fast schon gewerkschaftlerischen Stimmeneinsatzes bei den vielen Stunden andauernden Ansagen, eine titanische Arbeit geleistet.  

Doch die vielbefahrenen Strassen von Arequipa, die alle Sportler ohne Ausnahme in ihren Armen begrüßten, waren weder durch den Einsatz des „Esquadron Misti“ der Motorradpolizei zu bändigen. Noch schienen sich die grauen Wolken von Abgasen von der Begeisterung für den Marathon, die die verpestete Luft für einen Tag füllten, verdrängen zu lassen. Für solche Dinge kann man den Veranstalter nicht verantwortlich machen und die Situation soll sich auch schon bald ändern, falls tatsächlich binnen weniger Jahre die Flotte der mit Gas angetriebenen Busse in Kraft treten wird. Nur dann, wenn der kleine Wespenschwarm nipponischen Ursprungs aus stinkenden Taxis, der einem Großteil des akademischen Jungvolkes Arequipas dank der exzessiven Importbegeisterung des Expräsidenten Perus Fujimori, ein wirtschaftliches, menschenunwürdiges und umweltunvertretbares Standbein leistet, aufgehört haben wird durch die Straßen zu schwirren, wird der Sauerstoff ausreichen. Dann wird es vielleicht mehr Bäume in der „Avenida Ejercito“ geben und die durch das Ozonloch, das laut Studien genau über diesem Teil Perus liegt, und die Sonnenradiaktionen verursacht und die bis zu den Sternen reichenden Krebsraten auf ein normales Niveau herabsenken. 

Aber kehren wir doch den Rücken den lästigen Problemen der Politik, die ja sowiso nicht der Symphatie dieses Jahrhunderts zu genießen scheint und gerade durch den in Europa großgewordenen Präsidenten Alan Garcia keine sozialen Impulse gewonnen hat, um uns dem 2. größeren Laufevent der Provinz Arequipa zu widmen und unserer Reise nach Bolivien.  

Der zweite große Wettkampf von Arequipa fand auf der Ebene statt an der pazifischen Küste des Ozeans, im Schutz einer von allen willkommen geheißenen Wolkendecke, die uns jedoch , wie die Verbrennungen an Schultern und Nacken bald zeigten dennoch nicht von lästigen Radiaktionen und UV Strahlen schützen konnte. Um so stimmungsvoller war die Atmosphäre als wir, von einem vorausfahrenden Buggy angefuehrt, mitten im Volk der Arequipenier im Sand, durch Wellen und Pfützen rasten um die 2,5 km bald und ohne allzuviele Schäden auf unserer und der Strandgästen Seite zu verursachen bis zum Wendepunkt zurückzulegen.  

Am Ziel, das von der blauen Bandstreife der Getränkefirma Socosani aus Arequipa im dunstigen Horizont angezeigt wurde, rauschten uns die anfeuernden Zurufe der Leute entgegen und so mancher ließ sich ein Bad in den ozeanischen Wellen nach dem tropischen Lauf nicht entgehen.  

Musikalische Begleitung und reiche Preise, sowie die komplette Versorgung mit den Getränken der Firma ließen uns und den Anwesenden den vielleicht bei der einen oder anderen Kind-Umrempelung, Sandburg-Zerstörung oder Pfützenüberquerung aufgekommenen Ärger gegen die rücksichtslosen Athleten und den Veranstalter mit relativer Lässigkeit im kapitalistischen Rausch vergessen. Dass einige von uns Spikes anhatten, denn man weiß, man ist in erster Linie Sportler und Kindumrempler, dann erst verantwortungsvoller Bürger, darf uns nicht die mit der Sicherheit eines Radarsystems funktionierenden Fähigkeiten der peruanischen Kinder vergessen lassen, die so wohlerzogen sie noch sein mögen, einen unfehlbaren Sinn dafür zeigten, sich dorthin zu bewegen, wo man gerade selbst einer Welle ausweichend oder einem Kontrahenten aus dem Weg rennend, ging. Ich weiß, es kann grausam klingen und es war selbst für mich nicht einfach über den einen oder anderen zu springen, aber Toleranz und Schmerzunempfindlichkeit sind wohl die reichsten Gaben mit denen sich die Menschen hier wappnen, um den Unannehmlichkeiten des Alltags widerstehen zu können. Vielleicht wurde ja den Opfern ein kleiner Altar errichtet. Sicherlich reichte das vornewegfahrende Fahrzeug nicht aus, aber schließlich beeinträchtigte dies kaum den Erfolg der Veranstaltung, über die noch Tage später im Fernsehen berichtet wurde und bei der Julia und ich uns sogar in die ersteren Plätze drängen konnten.  

Dabei lernten wir auch Wilma und Gallindo kennen,  zwei ausgezeichnete Läufer aus Peru: Wilma, Mutter zweier Kinder und mehrmalige Teilnehmerin an Südamerikanischen Meisterschaften und Serapio Galindo aus den Höhen von Puno der sich einer 30:10 ueber 10.000 Metern preisen kann und 14:10 über 5000. Sah man Wilma dem Frauenfeld vorneweg laufen , musste man sofort an den Vorteil der aus dem Altiplano stämmigen denken, der sich auf der Ebene durch mehr Kraft und mehr Ausdauer auswirkt . Beide bestachen durch ihre Herzlichkeit und Menschlichkeit: Wilma nahm dem siegreichen Miguel Angel, der sich auf dem Podest mit seiner 5 Monate alten Tochter feiern lassen wollte, mit rügenden Mutterblick die Kleine vom Arm, da ihr ein 2 Meter erhobenes Podest und die im Karnevalrausch umherfliegenden Bartschaumkonfetti keine angebrachte Herberge für das Baby zu sein schienen. Man kann eben guter Sportler sein und doch zu allererst Mensch bleiben. Galindo dagegen, der mit einer Verletzung an den Start gegangen war, brachte uns mit seiner nagelneuen, riesengroßen Polaruhr zum Staunen, die er, wie er später erzählte, von einem Freund aus USA hatte importieren lassen. 

Man sollte nämlich wissen, dass nach Peru kaum Waren aus dem Ausland kommen und dass den Läufern nichts anderes übrigbleibt als gute Laufschuhe, die als Schmuggelware aus Tacna an der Grenze zu Chile, das weit entwickelter ist als Peru, gebraucht zu kaufen und dann immer wieder neu besohlen zu lassen. Vor allem im Fall von Wettkampfschuhen lernte ich Fälle kennen, bei denen der Schuh bereits 5 Jahre alt war und immer noch getragen wurde. 

Dieser Diskurs bringt uns weiter zum letzten Teil dieses Berichts: unsere Reise nach Bolivien, wo wir in Cochabamba das Kinderheim von Bellavista besuchten. Auf der zweitägigen Reise nach Cochabamba fuhren wir über den Altiplano auf 4000 Metern Höhe über die Handelsstadt Juliaca, dann weiter nach Puno am Titicacasee und kamen am ersten Reisetag in Kasani an, wo wir ohne Probleme als Touristen unsere Visa erneuern konnten und weiter nach Copacabana per Collectivo fuhren, wo wir zu 20 Bolivianos (etwa 2 Euro) in einem Hostal übernachteten, das Julia von ihren früheren Reisen noch kannte. Dort erwartete uns die erste Überraschung, denn wir konnten wegen eines Streiks nicht weiter. Wie unser Trainer uns später erzählte, erging es ihm vor 10 Jahren, als er als Student nach Brasilien zur Familie reiste, auch nicht anders und er musste sogar 5 Tage im verlassenen Nest bleiben, das nur von den Touristen aus Argentinien und Chile lebt, die dort mit wenigen Europäern aufkreuzen. Wir trafen sogar einen Schweden, als wir in der einzigen kleinen Bank etwas Geld abheben wollten, denn wir mussten ja 2 Tage uns dort absetzen. Bald unterhielten wir uns mit ihm über den Liddingöloppet, den schönen Crosslauf, den es in Stockholm im September gibt. Er kam jedoch aus Lund und war etwas erstaunt uns so begeistert vom Laufen reden zu hören. Dennoch war es eine interessante Begegnung.  

Einige Touristen in Copacabana leben vom Handel mit Kleinschmuck und es bildete sich sogar unter den sonst ja so seltenen Touristen eine aus zwei Gesellschaftsschichten bestehende bunte Population: die einen verkauften, wie eine Sorte von Alternativen „Indigenos“, neben den Abuelitas (Campesinas in Tracht) ihren Schmuck an die zweite Sorte von Touristen, den eigentlichen Gringos, die ihrer Gringo-Identiät in Kleidung und in finanzieller Hinsicht treu blieben. Wie gut war dann das Gefühl, weder den einen noch den anderen anzugehören, als ich morgens um 7 (denn das entspricht 6 Uhr in Peru, der Zeit in der wir hier die erste Einheit absolvieren!) aus dem Hostal schleichen konnte, im Bewusstsein, dass sowohl die Gringos in ihren teuren Hotelsuites ihren Schlaf des Gerechten schliefen, wiewohl die Alternativen ihren Alkohol oder Mariuhanarausch auf harten, unbequemen Notbetten auskurierten, ich mich von Copacabana nach Kasani aufmachte, um im 5er Schnitt die 8 Km zur Grenze in der völligen Hypoxie hinter mich zu bringen. Laufen als Ausgleich sozialer Ungerechtigkeiten und Nivellierung sozialer Unterschiede könnte man es nennen. Wenige Augenblicke später jedoch, als ich an den streikenden Collectivos und Taxifahrern vorbeilief, änderte sich  meine Stimmung und ich fühlte mich schon wieder mehr auf der Seite des glücklichen Gringos, der etwas zu strebsam und voller Elan seine Energien ohne Verständnis für die Anordnungen des Gewerkschaftsbundes in Arbeit gegen die Kameraden investiert. Bald aber hatten die Esel am Rand der Straße, die vielen Schweine und bellenden Hunde ganz  mein Interesse absorbiert und ich vergass wieder meine solidarischen Gedanken. Wie dem auch sei, nach 2 Tagen, die wir teilweise auf der Isla del Sol verbrachten, wo wir von strömenden Regenfällen überrascht wurden, konnten wir uns vom Zentrum der Incakultur trennen und weiter nach La Paz reisen, das von schneebedeckten 6000ern ungeben ist.  

Als wir in Cochabamba ankamen machte sich das Training aud 3800 Metern Höhe spürbar und wir waren beide sehr müde. Dennoch fanden wir die Stadt viel geeigneter zum Laufen als unsere Adoptivheimat Arequipa. Cochabamba, über dem der zweitgrößte Christus Südamerikas ragt, liegt etwas höher als Arequipa auf 2600 Metern. Die Autos und Taxis fahren hier mit Gas und die Luft ist wesentlich unverpesteter als in Peru. Außerdem sind die Strassen breiter, die Bürgersteige ebenso und es ist viel, viel mehr Grün in und um die Stadt vorhanden. Man findet zu jeder Uhrzeit Schatten und kann die Gerüche förmlich genießen, denn die Blumen der Buganvilles und der Gelsomine verbreiten ihren Duft überall. 

Unsere positive Überaschung erfuhren wir, als wir am Dienstag ins Stadium von Cochabamba kamen. Dort trafen wir Cesar Ferdnandez einen 23-jährigen Bolivianer und Ismail Kimtai Langat aus Kenia, die uns sofort als Freunde begrüßten und zum Trainieren einluden. Mit den beiden besuchten wir dann auch die Schuhmärkte, auf denen man in Bolivien mit mehr Auswahl als in Peru günstige Laufschuhe finden kann. Wir suchten nämlich ein Paar Wettkampfschuhe für unseren arequipenischen Freund Miguel, der Geburtstag hatte. Ismail, der sich freute Englisch reden zu können, und der zahlreiche Wettkämpfe in Argentinien und Brasilien bestritten und gewonnen hat, erzählte uns später in strömenden Worten, dass er eigentlich gar nicht in Bolivien sein wolle, man verweigere ihm jedoch die Visa, mit dem Versprechen, ihm die Bolivianische Staatsbürgerschaft geben zu können.  

Da sich jedoch sein Verhältnis zum Trainer verschlechtert hat, reiste er, wie ich gestern erfahren habe, doch ab, um in Argentinien weiterlaufen zu können. Dort gibt es wesentlich höhere Preisgelder und er wird von einem Sponsor betreut, der ihn mit allem Nötigen versorgt und sich, wie seine Verwandten in Kenia, die auf sein Geld vergebens seit 5 Monaten warteten, um ihn große Sorgen machten, weil er so lange in Bolivien blieb und nicht zurückkam, wo man ihn für die Läufe erwartete. Nicht ohne etwas Traurigkeit schrieb er mir in seiner Mail über sein ersehntes Heimatland und deren Laufbedingungen: 

“Kalenjins if not Kenyan athlets and our clan values Athletics to as our farm, there is where God gave us wealth, over 90% of Kalenjins get help from their Athlets abroad, for this fact, we respect and never at any time will we abuse Athletics - for instance, we can`t talk bad of it or even quarral while training, we talk in love, we correct one another in love, we train in unity, we encourage one another to keep going e.t.c.  But in South America, I find people abusing Athletics and that`s why they never train with love or never train together like in Kenya.” 

Meine Freude war groß, als ich erfuhr, dass er es geschafft hatte, sich aus den Klauen seines Trainers zu befreien, denn mich hatte die Nachricht erreicht, dass ein schlimmeres Schicksal einem anderen Kenianer des Kalenjin Stamms widerfahren war, der in der Läuferstadt Huncayo in Peru festgehalten wurde, bis er sich dort als Trainer niederließ.  

Bei den Bahnläufen erfuhren wir dann auch, dass die beiden in der Nähe von Oruro 2 Monate lang auf 4000 m trainiert hatten. Dadurch erklärte sich unter anderem ihre glänzende Form. Sie liefen 10 mal die 1000 Meter mit 2 min. Pause in 2.55-2.52 doch vor allem der Kenianer schien sehr locker: mit einer Zeit von 2:13 über Marathon und Durchgangszeiten um die 28 ueber 10 km bei Halbmarathons (in 1:03) wundert es auch nicht sehr. Er erzählte uns, dass die Trainingsbedingungen in Kenia nicht viel anders seien als in Cochabamba. Woran er sich aber schlecht gewöhnen könne, sei die Verfeindung der verschiedenen Trainer und Athleten untereinander bei Wettkämpfen und beim Training. Er sei es gewohnt in Gruppen von 100 bis 200 Läufern seines Niveaus die Longjogs zu trainieren. Da müsse man wirklich jeden Stein anzeigen, sonst laufe man die Gefahr, die Verletzung eines anderen Laufer mitverantworten zu müssen. Die Autos seien in Iten viel rücksichtsvoller und die meisten Kinder wollen dort Läufer sein, weil die schönsten Häuser Läufern gehören. Tatsächlich, als wir um den See von Cochabamba mit Cesar liefen, zeigte er mir jeden Stein und jede Rille an, so wie ich es nur bei Marathons erlebt hatte, wo die Pacemaker der Frauen ebenso Bordsteine und Ähnliches ansagen. Ich versuchte ihm zu sagen, dass es in Europa vergleichbares leider nur in einem Pulk von Radfahrern gäbe und versprach mir, einmal Kenia zu besuchen.  

Cesar Fernandez lud mich zu einem Papaya- und Bananensaft nach dem Training ein und war so gastfreundlich, dass er mir eine seiner Medaillen schenkte. Er bereitet sich auf einen 10km Lauf in Lima vor, bei dem er wohl eine 30er Zeit laufen, aber auch stärkere Konkurrenten antreffen wird. Da er noch sehr jung ist, wird er aber sicher viele Erfolge feiern können. Dieses Jahr erreichte er als Erster das Ziel bei den bolivianische Crossmeisterschaften und das ist schon ein großer Erfolg. 

Nun sind wir seit einer Woche wieder in Arequipa. Mich erwartet am Wochenende die vielleicht interessanteste Veranstaltung für Freizeitläufer, die Peru zu bieten hat: der „Marathon del Agua“ bei seiner 3. Auflage: der höchste Marathon der Welt, der von 4800 Metern Höhe bis zur Stadt Civay unweit vom Colca Canyon auf 3600 Metern führt. 

In der Bilderauswahl, die ich gewählt habe, sieht man die eindrucksvollen Bilder der Ebene auf 4000 Metern, dem Altiplano und eine Strasse, die von oben in die kleine Stadt führt. Der Colca Canyon ist in aller Welt auf Grund seiner Tiefe, der heißen Quellen im Fluss und der Kondoren, die man morgens aus der Höhe fliegen sehen kann, berühmt. Doch den Kanyon hatten wir bereits vor Wochen besucht.

 


11. Bottwartal Marathon